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Klang zwischen Himmel und Erde

2021 fördert die Wenger-Stiftung für Denkmalpflege die Restaurierung von drei mittelalterlichen Glocken der ev.-luth. Kirche St. Osdag in Mandelsloh, Stadt Neustadt am Rübenberge, Region Hannover.

Der Turm von St.Osdag in Mandelsloh

Eine bedeutende Geschichte

Die Geschichte von Mandelsloh reicht weit zurück. Es wird 980 zum ersten Mal erwähnt und war Vorort des südlichen Leinegaus mit einer früh- und hochmittelalterlichen Gografenstätte. Mittelalterlicher Überlieferung zufolge ist Mandelsloh aber älter. In karolingischer Zeit soll hier eine Sendkirche gestanden haben. Es war auch später ein zentraler kirchlicher Verwaltungsort: Ab Anfang des 13. Jahrhunderts Mindener Archidiakonatssitz, dem unter anderem die Klöster Loccum und Mariensee unterstellt waren, dann von 1393 bis 1415 Augustinerchorherrenstift, dann mit dem Stift St. Johannis auf der Neustadt in Hannover vereinigt.

Ein früher Backsteinbau

Die heutige Kirche ist eine kreuzförmige, flachgedeckte Pfeilerbasilika mit gestrecktem Chor, Ostapsis und Westturm. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts begonnen, ist sie der früheste monumentale Backsteinbau in Nordwestdeutschland. Der Architekt Conrad Wilhelm Hase führte von 1874 bis 1879 eine durchgreifende Restaurierung von Außenbau und Innenraum durch.

Der massive Turm aus Raseneisenstein wurde Ende des 15. Jahrhunderts erbaut. Er ersetzte einen im Lüneburger Erbfolgekrieg 1384 zerstörten Vorgänger. Nach teilweisem Einsturz musste er 1956 wiederhergestellt werden.

St. Osdag von Südosten

Mittelalterliche Wandmalereien

Etwas Besonderes an der St. Osdag-Kirche sind die monumentalen, 1421 datierten Wandmalereien, die die Wände des Chorraumes überziehen: in flächenfüllende Rankenmalerei eingebettet eine Apostelreihe mit Glaubensbekenntnis, das Jüngste Gericht mit Christus als Weltenrichter und Höllenrachen, in der Apsiskalotte der wohl erst Anfang des 16. Jahrhunderts entstandene Gnadenstuhl vor einem von Engeln gehaltenen Teppich. Neben Maria als Himmelskönigin und Anna selbdritt ist auch der Pfarrpatron St. Osdag unter einem Maßwerkbaldachin dargestellt.

Die mittelalterliche Chorausmalung Bildarchiv Foto Marburg / Dieter Schumacher)

Die Malereien in Chor und Apsis wurden erst 1906/07 freigelegt, im Anschluss aber großzügig übermalt. Die ornamentale Ausmalung des Kirchenraumes stammt von Conrad Wilhelm Hase.

Drei Denkmalglocken

Der Glockenstuhl mit den drei Glocken (Foto Bodo Messerschmidt)

Im Turm hängen drei Glocken: Die älteste mit dem Schlagton f“ und einem Durchmesser von 62 cm wurde vermutlich im 14. Jahrhundert von einem unbekannten Glockengießer gefertigt. Auch der Gießer der zweiten, größeren Glocke von 1427 mit dem Schlagton f‘ ist nicht bekannt. Sie hat einen Durchmesser von 1,25 m. Die dritte mit dem Schlagton e‘ wurde 1730 von Thomas Rideweg aus Hannover gegossen und hat einen Durchmesser von 1,34 cm.

Die drei Glocken zeigen unterschiedlich gravierende Schäden, die eine Sanierung durch die Glockenschweißerei Lachenmeyer in Nördlingen notwendig machen. Da die Glocken dazu aus dem Turm geholt werden müssen, kann auch der stählerne Glockenstuhl durch einen aus Eichenholz ersetzt werden, der beim Glockenläuten viel besser mitschwingt. Erneuert werden müssen auch die Läutemotoren.

Credits:

Bildarchiv Foto Marburg / Dieter Schumacher Bodo Messerschmidt