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Stadtschützen Solothurn Die Schützengesellschaft unter Beschuss der Moderne

Traditionsgeladen auf die Zukunft gerichtet

Seit 26 Jahren ist Peter Wagner Präsident der Schützengesellschaft der Stadt Solothurn (SGSS). Viele Veränderungen durfte er in diesem schon fast 560-jährigen Verein während seiner Zeit im Amt miterleben. Geprägt von seinen gesammelten Erfahrungen, erzählt er am Beispiel der SGSS vom Spagat zwischen Tradition und Moderne im Schweizer Schiesswesen, von Schützengeist und Zeitgeist.

Text und Fotos: Vera Wagner

Peter Wagner sitzt in der Schützenstube vor den "Totentafeln", den Familienwappen verstorbener Mitglieder.

Peters Wagners Ursprünge im Schiesssport reichen weit zurück. Seit seinem Einrücken in die Rekrutenschule 1969 ist er Mitglied bei der Schützengesellschaft der Stadt Solothurn, zehn Jahre später trat er dem Vorstand bei, und seit 1995 bekleidet er das ehrenvolle Amt des Präsidenten. Es ist beinahe eine Familientradition; auch sein Grossvater sowie der Grossonkel und der Onkel waren jahrelang als Präsidenten aktiv. «Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der Traditionen stets hochgehalten wurden», sagt er. Dazu gehören auch Familienfeste, die Fasnacht und vieles mehr. «Traditionen sind für ein Land überlebenswichtig. Aber man soll sich dem Neuen nicht verschliessen.»

«Aus Tradition erfolgreich» – dies sind die ersten Worte, die einem entgegenleuchten, wenn man die erst kürzlich neugestaltete Website der SGSS aufruft. Der Erfolg der Stadtschützen ist beispielsweise in der Schützenstube, die sich im Stadtzentrum von Solothurn befindet, zu sehen. Sie ist für die Allgemeinheit nicht geöffnet, aber als engagierter Stadtführer kann Peter Wagner jederzeit herkommen, falls er merkt, dass in einer Touristengruppe Interesse dafür besteht. Fast immer seien die Leute überrascht, sagt er, wenn sie die prächtigen alten Gewehre, die unzähligen Pokale oder das alte Protokollbuch aus dem Jahr 1520 sehen.

Überrascht und stolz seien dann auch die Schützen selbst, wenn sie zum ersten Mal in die Schützenstube kämen. Es sei eindrücklich, all die Trophäen, Wappenscheiben und historischen Gegenstände zu sehen und zu merken, wie viel Tradition und Geschichte hinter dem Verein und dem Schiesswesen stecken.

Auf dem Stuhl eingraviert sind die Initialen von Eduard Pfister, Peter Wagners Grossvater mütterlicherseits, sowie das Familienwappen.
Unzählige Pokale, farbige Wappenscheiben und gravierte Zinnbecher sind in der Schützenstube zu bestaunen.
Die Schützenordnung aus dem Jahre 1555. Peters Wagners Lieblingsregel lautet: "Wellicher uff der zilstatt schisse, seiche, furtz oder koppen liesse, sol geben 1 Schilling."
555 Jahre Vereinsbestehen

Die erste Erwähnung der SGSS ist für das Jahr 1378 belegt. Als offizielles Gründungsjahr wurde jedoch erst das Jahr 1462 vermerkt, als man Armbrust und Pfeilbogen an die Wand hängte und fortan mit Blei, also dem Gewehr und später auch der Pistole, geschossen hat. Heute bieten die Stadtschützen vier Sektionen an: Gewehr 300 m, Pistole 25 m und 50 m, Luftpistole und IPSC (Schiessen aus Bewegung).

Grundsätzlich kann jeder Mitglied im Schützenverein werden. Das Schiessresultat ist dabei unwichtig, viel wichtiger ist, dass die Person in den Verein passt. Erst einmal kam es vor, dass ein Personenduo aufgenommen wurde, bei dem sich später herausstellte, dass es in seiner Vergangenheit strafrechtlich verurteilt worden war, unter anderem wegen Raubes. Diese Erfahrung hat dazu geführt, dass heute strengere Auflagen gelten und genauer geprüft wird, wer in den Schützenverein aufgenommen wird und wer nicht. Neu wird ein Auszug aus dem Strafregister verlangt; ausserdem gibt es drei Testschiessen, die zum gegenseitigen Kennenlernen dienen, und erst nach einem Jahr kann man definitiv aufgenommen werden. Das Thema Sicherheit wurde in den vergangenen Jahren immer wichtiger.

Der Vereinsgeist hat sich im Laufe der Zeit durch gesellschaftliche Umwälzungen verändert. Das ausgedehnte Zusammensitzen und der Wille zum Engagement haben laut Peter Wagner sehr gelitten, gleichzeitig hat das Ansehen der Schiesstradition im Laufe der Jahrzehnte kontinuierlich abgenommen. Gerade für die Teilnahme an historischen Schützenfesten, bei denen zwar jeweils bis zu tausend Schützen mitmachen, sei es nicht leicht, eine genügend grosse Schützenmannschaft aufzubieten. Denn die Teams bestehen jeweils aus acht bis zehn Personen, und häufig ist es schwierig, so viele Schützen zu finden. Zudem finden diese Schiessen oft in den Herbstferien statt oder unter der Woche. Das Morgartenschiessen zum Beispiel findet jeweils am 15. November statt. Somit können oder wollen viele Leute nicht kommen, denn die Prioritäten haben sich verschoben und die berufliche Tätigkeit ist in den Vordergrund gerückt.

Weiterhin hat sich auch der zunehmende Fokus auf die Familie im Vereinsengagement niedergeschlagen, was zwar äusserst positiv für die moderne Entwicklung der Gesellschaft, jedoch schlecht für den Verein ist, meint Peter Wagner. «Früher kam man(n) nach der Arbeit in den Schiessstand, nahm noch kurz ein Bier und ging gegen 19.30 Uhr nach Hause zum Nachtessen», erzählt er. Heute hingegen hätten die Leute oft einen längeren Arbeitsweg und kämen daher erst gegen 19 Uhr. Man schiesst schnell sein Programm herunter und verzichtet auf das kameradschaftliche Bier zugunsten der Kinderbetreuung zu Hause. Zu lange könne man ohnehin nicht im Schiessstand bleiben, da die Schiessbestimmungen keine Lärmemissionen bis spät am Abend erlauben. Die klassische Rollenaufteilung in der Familie habe sich geändert und Männer engagierten sich heute vermehrt ebenfalls im Haushalt, und das sei gut so, meint Wagner. Im Gegensatz dazu gebe es erfreulicherweise auch ein wachsendes Interesse von Frauen am Schiesssport; oft seien es jedoch die Partner, die dagegen seien, dass die Freundin in einem «Männerverein» aktiv ist.

Früher und heute

Die gesellschaftlichen Entwicklungen haben sich im Laufe der Zeit in einem ganz natürlichen Prozess auf das Schiesswesen ausgewirkt. Mittlerweile ist Peter Wagner ein halbes Jahrhundert im Schiesswesen tätig, und in dieser Zeit ist extrem viel passiert, sozial, politisch, technologisch.

Ohne nostalgisch wirken zu wollen, blickt Wagner zurück. «Das Schiessen bedeutet heute im Gegensatz zu früher für viele oft nur, zu ballern und sich abzureagieren, das Kameradschaftliche steht nicht mehr im Fokus», bedauert er. Dabei sei dies doch ein wesentlicher Bestandteil des Vereinslebens, nicht nur bei den Schützen, sondern auch in anderen Sportarten, bei der Fasnacht oder im Musikverein. «Beim gemeinsamen Bier wird zusammen politisiert, es gibt eine wilde Durchmischung der Gesellschaft. Junge und Alte tauschen ihre Ansichten aus, Personen jeglicher politischen Gesinnung sprechen miteinander.» Der Stammtisch bringt Leute zusammen, das sei extrem wichtig für die Gesellschaft. Deswegen hofft Peter Wagner, dass die Menschen nie aufhören, im Vereinsleben mitzumischen. Ob jung, alt, Frau, Mann, talentiert oder nicht, spiele absolut keine Rolle, Hauptsache, die Leute kommen. Ausserdem gibt es wohl keine andere Sportart, in der ein 18-Jähriger gegen einen 80-Jährigen antreten kann und es nicht von vornherein klar ist, wer gewinnt.

Was allerdings verloren gegangen sei, seien die Anreize, einem Schützenverein beizutreten. Als Jugendlicher von heute hat man nicht mehr wie damals vor 50 Jahren nur drei Freizeitmöglichkeiten zur Auswahl, nämlich die Schützen, den Männerchor oder den Turnverein. Das Angebot für Freizeitaktivitäten hat sich dermassen vervielfacht, Schiessen ist nur noch eines von vielen.

Dazu kommt, dass das Engagement in einem «traditionellen» Verein etwas aus der Mode gekommen ist, jedenfalls bei der städtischen Bevölkerung. Stadt und Land hätten eine ganz unterschiedliche Gruppendynamik, meint Peter Wagner. In ländlichen Bezirken sei die Mitgliedschaft in der Schützengesellschaft noch gang und gäbe, denn auf dem Land funktioniere der soziale Konformitätsdruck stärker als in der Stadt, weswegen sich die Leute öfter gegenseitig zu einer Mitgliedschaft motivieren.

Auch der Lebensrhythmus hat sich gewandelt, es gibt eine viel stärkere und dynamischere Bevölkerungsbewegung. «Früher war es so, dass man in Solothurn geboren wurde, zur Schule ging, arbeitete und auch in Solothurn starb. Heute ist das anders», so Peter Wagner. Deswegen bleiben die Leute nicht mehr in jenem Verein, in dem sie (oder ihre Vorfahren) gross geworden sind. «Die Jungen bilden sich in anderen Städten aus, sie gehen ins Ausland, verlieben sich oder finden woanders Arbeit, kommen nicht mehr zurück. Die Welt von heute ist mobil.»

Zudem zogen Anpassungen an der Infrastruktur einen ganzen Rattenschwanz an Veränderungen nach sich. Das Schützenhaus, das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch im Stadtzentrum von Solothurn angesiedelt war, diente damals gleichzeitig auch als Ort für Tanzanlässe. Somit stand das Schützenhaus viel mehr in Gebrauch und im Zentrum des gesellschaftlichen Geschehens, in den «Ausgang» ging man zu den Schützen. Auch die Umstellung auf elektronische Scheiben beeinflusste den Schützenalltag: Vieles geht nun schneller, die Schiesszeiten wurden angepasst.

Das Schützenhaus in Zuchwil SO wurde 1922 in Betrieb genommen.
Das Militär und die Berufswelt

Anders als bei anderen Gruppierungen ist die Schützengesellschaft viel mehr in gesamtgesellschaftliche und politische Mechanismen eingebettet, besonders was das Militär angeht. Nach wie vor besteht ein direkter Zusammenhang mit der Armee, nicht zuletzt wegen des Geldes. Munition wird teilweise vom Bund subventioniert, beispielsweise für das Feldschiessen oder das Obligatorische.

Auch politisch gibt der Schützenstand zu reden, Armeegegner wehren sich aus ideologischen Gründen immer wieder gegen die Schützengesellschaften, und auch Themen wie Lärmemissionen, Sicherheitsfragen oder Angelegenheiten betreffend das Grundstück müssen in der Gemeinde besprochen werden. Peter Wagner erklärt, dass früher jede Gemeinde dazu verpflichtet war, den Soldaten das Obligatorische zu ermöglichen, weshalb praktisch jede Gemeinde ein eigenes Schützenhaus hatte. Durch das Zusammenspannen der nahe gelegenen Gemeinden, die damit beabsichtigten Kosteneinsparungen und wegen Einsprachen von Privatpersonen wurden jedoch ganze Schützenstände nach und nach geschlossen.

Das Ansehen des Militärs und damit auch des Schiesswesens habe generell in den letzten Jahren gelitten, stellt Peter Wagner fest. Eine Militärkarriere hat längst nicht mehr dasselbe Prestige und ist gerade in der Berufswelt nicht mehr gleichermassen erwünscht wie noch vor 50 Jahren. Während man als Schütze früher für das Feldschiessen oder für historische Schiessen locker frei bekommen hat, muss man heute bei der Arbeit extra dafür frei nehmen, was nicht immer alle können oder wollen. Folglich sind die Jungen nicht mehr gleich motiviert, eine solche Karriere einzuschlagen, die Anreize sind verloren gegangen. Die Prioritäten der Arbeitgeber haben sich stark geändert, das Engagement im Schiesswesen ist kein Katalysator mehr für den beruflichen Aufstieg, und das Militär gilt heute kaum noch als Voraussetzung für eine Anstellung. Im Gegenteil, der WK wird eher als störend denn als nützlich angesehen, und ein Weitermachen im Militär hält einen vom Arbeiten ab. Als klassisches Beispiel nennt Peter Wagner die Bankkarriere: Wer früher bei der Bank Karriere machen wollte, musste im Militär weitermachen, musste mindestens Offizier und deswegen öfter im Schiessstand präsent sein. Als ehemaliger KV-Lehrer, der regelmässig Kontakt zu Arbeitgebern pflegt, weiss Peter, dass das heute überhaupt nicht mehr so ist.

Nicht nur das Prestige des militärischen Werdegangs und damit einhergehend die Mitgliedschaft im Schiessverein haben sich verändert, auch aus technischer Sicht hat sich das Schiessen der Moderne angepasst. Aus militärischer Sicht hat man sich der modernen Kriegsführung angepasst. Schiesstechnik, Waffentechnologie und somit der Waffengebrauch wurden weiterentwickelt; so wird heute zum Beispiel liegend geschossen, während früher vor allem stehend geschossen wurde.

Sicherheit geht vor

Innerhalb der Gesellschaft steht man in der heutigen Zeit dem Schiesssport kritischer gegenüber. Als Schütze ist man im alltäglichen Leben nicht mehr ohne jeden Zweifel gut angesehen: Eine Person, die eine Waffe auf sich trägt, gehört nicht mehr zum alltäglichen Bild. So kann man beispielsweise nicht mehr einfach mit dem Gewehr am Rücken in den Bus steigen, schon nur sicherheitstechnisch haben sich die Vorschriften geändert.

Überhaupt seien die Leute im Allgemeinen sensibler in Bezug auf Waffen geworden, meint Peter Wagner. Viele seien ängstlich, gerade wer im Militär den Umgang mit Waffen nicht gelernt habe. Er findet aber, man könne ihnen die Angst nicht verübeln, das sei normal und sogar gut: «Es ist eine gesunde Angst.» Und: «Viel schlimmer sind jene Leute, die keinen Respekt vor der Waffe haben.»
Zum Nachwuchs

Wie ganz viele andere Vereine und Sportclubs haben die Stadtschützen durch all die Veränderungen der letzten Jahrzehnte einen drastischen Rückgang bei den aktiven Mitgliedern zu beklagen. Zu Beginn seiner Amtszeit als Präsident zählte Peter Wagner noch 45 Aktive, heute sind es noch zirka 12. Besonders schwierig sei es, engagierte Leute für den Vorstand zu gewinnen: Kassiere, Aktuare, Vizepräsidenten, Leute, die bereit sind, unentgeltlich Zeit aufwenden. Die Anzahl der Schützenvereine in der Region hat sich halbiert, die meisten wurden entweder aufgelöst oder sie fusionierten, um Kosten einzusparen.

Das Zielpublikum hat die SGSS an die zeitgemässen Bedingungen angepasst. Ansprechen will man insbesondere Leute zwischen 35 und 45 Jahren, Leute, die ihren (Arbeits-)Platz in der Region gefunden haben. Junge Erwachsene und Teenies stehen nicht im Fokus, weswegen die Stadtschützen auf Rekrutierungsstrategien via Social-Media-Kanäle wie Instagram und TikTok verzichten. «Wir wollen nur Leute, die ernsthaft engagiert und interessiert sind, und keine Abenteuerballerer.»

Anders als früher gibt es deswegen bei den Stadtschützen keine Jungschützenkurse mehr, zu viel Aufwand ist damit verbunden. Ressourcentechnisch gesehen lohnt es sich nicht, Jungschützen auszubilden, wenn sie danach mit grosser Wahrscheinlichkeit sowieso abwandern und sich in einem anderen Schützenverein engagieren, sei es auch nur in jenem im nächsten Dorf.

Einmal machte zwar ein Neumitglied den Vorschlag, einen Nachwuchskurs zu leiten. Mit Begeisterung wurde dies bewilligt, und es wurden in den vergangenen Jahren Luftpistolenkurse für Junge angeboten. Diese Kurse wurden rege besucht, jedoch ist der Kursleiter im März dieses Jahres verstorben, ein Nachfolger konnte nicht gefunden werden. Solche Angebote gibt es bei der SGSS also nur, wenn es Freiwillige gibt, die die Sache anreissen und sich die Zeit nehmen und das Projekt durchführen.

Blick in die Zukunft

Für die Zukunft wünscht sich Peter Wagner, dass die Schützengesellschaft der Stadt Solothurn noch weitere 560 Jahre existiert. Der Blick auf die gesellschaftlichen Veränderungen stimmt ihn allerdings pessimistisch: Nicht nur der stetige Mitgliederschwund macht ihm zu schaffen, auch ändernde Waffengesetze oder Umweltbelange wie zum Beispiel Blei im Zielhang sind zum Thema geworden, oder Lärmemissionen könnten bei der immer sensibler werdenden Bevölkerung Proteste hervorrufen. Ein möglicher Plan könnte sein, den Schiessstand in den Boden zu verlegen oder Schallschutzwände zu errichten, doch hier stosse man an die finanziellen Grenzen.

Ein Ende seiner Amtszeit als Präsident ist noch nicht in Sicht. Peter Wagner möchte das Amt einmal jemandem übergeben, der Freude an der Sache hat und verantwortungsbewusst handelt. «Als Präsident ist eine proaktive Repräsentation nach aussen extrem wichtig», meint er. «Die Leute müssen einen kennen, ein solides und funktionierendes Netzwerk in der Region, aber auch in der ganzen Schweiz ist wichtig im Schützenwesen.» Auf nationaler Ebene funktioniert das beispielsweise so, dass man erst dann als Schützengesellschaft regelmässig an historische Schützenfeste eingeladen wird, wenn man eine gewisse Bekanntheit erlangt hat. Im lokalen Kontext hilft es dagegen, wenn man auch in der Politik Kontakte pflegt und auf Unterstützung zurückgreifen kann, zum Beispiel wenn es Probleme wegen des Schiessstands gibt. Wie überall gehen Dinge einfacher, je mehr formelle und informelle Kontakte man pflegt.

Die Stadtschützen Solothurn sind für Peter Wagner eine Herzenssache. Seine grosse Leidenschaft ist vor allem die Kombination aus der Tradition und der Geschichte hinter dem Verein und dem gesamten Schiesswesen. Den Begriff der Tradition beschreibt er dabei vielfältig: Tradition bedeutet einerseits, die Geschichte des Landes zu kennen und die Kernpunkte des Schweizer Geschehens zu feiern und zu würdigen, beispielsweise die Schlacht bei Sempach, deren man mit einem Schützenfest am Sempacherschiessen gedenkt.

Andererseits haben für Peter Wagner auch solche Dinge schon traditionellen Charakter, die erst dreimal durchgeführt wurden, zum Beispiel das Mitmachen an einem Stadtfest als Beiz. Was es braucht, seien lediglich motivierte Leute, die etwas anreissen. Gerade diese Anlässe sollen fluid sein, bereit, an moderne Lebensbedingungen angepasst zu werden. Zum Beispiel der traditionelle «Hosewy»: Der Abschlussanlass des Schützenjahrs war früher ein Ball, an dem im Abendkleid und im Anzug getanzt wurde, heute ist er noch ein ungezwungenes Nachtessen mit Quiz und unterhaltenden Darbietungen.

Oder wer die Fotos des Vorstands anschaut und über die Jahre vergleicht, dem fällt sofort auf, dass die Vorstandsmitglieder früher elegant im Anzug posierten, heute locker im T-Shirt. «Früher sahen Leute zwar anders aus, aber geschossen wird immer noch gleich», so Peter Wagner, und er schlussfolgert: «Man hat einen gewissen Stamm, der bleibt. Andere Dinge ändern sich, und das ist auch gut so.» Und zum Schluss zitiert er Thomas Morus (1478–1535), den englischen Philosoph, Schriftsteller und Humanist:

«Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme.»

Traditionelle Anlässe im Schützenjahr bei der SGSS

  • «Hosewy»: Früher war das die Rangverkündigung, bei der der Sieger Wein und Stoff für ein Paar Hosen erhielt.
  • «Bänzejass» : Kameradschaftliche Verbundenheit, auch für jene älteren Semester, die nicht mehr oft im Schiesstand anzutreffen sind.
  • Grabrundgang an Allerheiligen (01. November) zum Gedenken an verstorbene Mitglieder
  • Feldschiessen
  • Stadtschiessen

Historische Schiessen in der Schweiz

Sonstige Links und Literatur

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Konzept, Text und Fotos: Vera Wagner – Gesamtleitung: Robert Hansen, Chefredaktion; redaktion@derarbeitsmarkt.ch, © www.derarbeitsmarkt.ch, August 2021

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