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GETMO Ressourcen entdecken

Seit einem Jahr führe ich nach einem neuen Grundsatz: GETMO – Good enough to move on (gut genug, um weiterzugehen). Gerne möchte ich euch mit hinein nehmen in meine Erfahrungen mit GETMO als Leiter der Freien Evangelischen Gemeinden und des Freikirchenverbandes.

Vielleicht hast du vor kurzem eine Lektion vorbereitet für einen Hauskreis, du hast für die Bandprobe ein neues Lied einstudiert oder für die Prüfung an der Uni einen Essay geschrieben. In vielen von uns steckt, es wirklich gut machen zu wollen. Bis dahin, dass wir es perfekt machen wollen. Leider ist es jedoch so, dass dieser kleine, hässliche Perfektionist in uns alle Zeit frisst!

Gut, aber nicht gut genug?

Du sitzt vier Stunden an den Vorbereitungen für eine Gruppenstunde. Das Resultat ist gut. Aber eben noch nicht perfekt. Du hängst nochmals vier Stunden dran. Und jetzt hast du den Eindruck, dass es zerstört ist. Wann ist eine gute Balance zwischen Qualität und Einsatz von Ressourcen erreicht? Wann ist das Resultat so exzellent, dass du innerlich nicken und weitergehen kannst?

Das GETMO-Prinzip!*

Für mich war die Entdeckung von GETMO ein hilfreiches Prinzip, mit dem Resultat zufrieden zu sein und fröhlich weitergehen zu können. Wann weiss ich, dass es GETMO ist? Drei Prinzipien helfen mir dabei, GETMO zu leben.

  1. Ich denke konventionell
  2. Ich lebe in meiner Berufung
  3. Ich breche die Brücken hinter mir ab
  4. Was verbirgt sich hinter diesen drei Prinzipien?

Konventionell denken

Konventionell zu denken heisst für mich, in den Strukturen zu denken, in die mich Gott berufen hat. Manchmal kommt der Gedanke auf, die Struktur hindere mich daran, das Perfekte zu erreichen: «Also weg mit dem Leitungsteam. Ich kann es doch besser alleine.» Leider treffe ich wegen dieses Fehlschlusses viele Männer auf der Flucht an. Das erste Prinzip, um GETMO zu leben ist, in den üblichen Konventionen zu denken (siehe dazu Lukas 16,10).

In meiner Berufung leben

Das Wort Gottes sagt uns, dass du alles bekommen hast, um in deiner Berufung zu leben: «Alles kann ich durch Christus, der mir Kraft und Stärke gibt.» (Phil 4,13). Paulus, greifst du jetzt nicht zu hoch?

Ich denke, Paulus wollte mit diesem Ausdruck nicht sagen, dass er ganz gut König von Israel werden kann. Er wollte einfach bestehen in seiner Gefängniszeit. Er wollte weiterhin Menschen erzählen von seiner Hoffnung. Gott hält doch im Himmel nicht zurück, was er dir geben möchte. Go for it. Im Gehen in deiner Berufung kommt die Kraft.

Aber wie umgehen damit, dass Gott dir vielleicht nicht das gibt, was du dir erhoffst? Ja, das ist auch eine Seite Gottes: Dass er ein unglaublich guter Vater ist und weiss, was für unsere Entwicklung gut ist. Er lehrt uns manchmal brutal Geduld. Craig Groeschel sagt: «Wenn du alles hast, was du je wolltest, verpasst du vielleicht das, was du wirklich brauchst.»

Solange mir Gott nicht ganz eindeutig eine andere Berufung gibt, bleibe ich in dieser Berufung, die Er mir gegeben hat.

Brücken hinter mir abbrechen

Wir stehen zu Entscheidungen, die wir getroffen haben. Wir haben uns in der Schweiz so daran gewöhnt, mit einer Sicherheitsmarge zu leiten. Falls es nicht gut kommt, habe ich immer noch eine Option offen. Oder wir zögern einen Abgabetermin hinaus, weil wir denken, dass uns später noch Entscheidendes einfallen könnte. In diesem Corona-Krisenjahr habe ich gelernt, ohne Sicherheitsmargen zu leiten. Unterlagen, Schutzkonzepte oder auch E-Mails werden von mir nach diesem Prinzip versendet. Sie enthalten Fehler, sie sind nicht perfekt, aber sie sind gut genug, um weiterzugehen.

GETMO will gelernt sein!

War es einfach, GETMO zu lernen? Nein. Darf ich euch mitnehmen in ein Erleben aus meiner Tätigkeit als Leiter des Freikirchenverbandes? Unser Ziel ist es, ein Umfeld zu schaffen, in dem Freikirchen blühen können. Die Corona-Krise produziert ein Umfeld, in dem es schwierig ist, Freikirchen am Blühen zu halten.

Was also tun?

Anfang Januar fragten wir uns: Was würde den Freikirchen helfen? Helfen würde, dass der Impfstoff da ist, dass sich alle impfen lassen können und dementsprechend wieder eine Öffnung stattfindet und die Schutzmassnahmen in den Hintergrund treten. Dementsprechend hat der Freikirchenverband mit guten medizinischen Fachleuten Anfang 2021 eine eindeutige Impfempfehlung herausgegeben. Die Reaktionen waren gewaltig. Flammende Unterstützung auf der einen und eine niedermachende Kritik, die ich bisher noch nie erlebt habe, auf der anderen Seite. Dabei gab es keine Brücke, die uns von dieser Impfempfehlung zurückbrachte. Wir hatten alles so eindeutig geschrieben und damit die Brücke zur Zweideutigkeit abgebrannt. Schlussendlich ist es uns gelungen, die Impfempfehlung sogar über 20Min zu verbreiten. Alles unter dem langfristigen Ziel, ein Umfeld zu schaffen, in dem Freikirchen blühen können.

Alles auf eine Karte

GETMO bedeutet für mich, alles auf die Beziehung mit dem Vater im Himmel zu setzen. Seine Beziehung zu mir ist unverbrüchlich. Auf diese Beziehung lasse ich nichts kommen. Selten beantwortet mir mein Vater im Himmel alle Fragen. Aber es ist total GETMO. Ich denke konventionell und lasse mir meine Teams, die mit mir leiten, nicht rauben. Und dann breche ich die Brücken ab. Ich gebe Sachen raus, die nicht bis ins letzte Detail perfekt sind. Schlussendlich gehe ich zufrieden und fröhlich weiter, denn es ist gut genug, um weiterzugehen. GETMO ist das neue «patgific» (Bündner Ausdruck für «Savoir vivre»).

* Auf das GETMO-Prinzip bin ich am Leiterkongress von Willow Creek 2020 gestossen. Craig Groeschel hat das Prinzip in seinem Vortrag beschrieben. Einen Bericht über das Referat gibt es hier:

www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/02/27/perfektion-ist-ein-feind-fuer-den-fortschritt/

Ein englischsprachiges Video, in dem Groeschel das Prinzip selbst erklärt: www.vimeo.com/394601777