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Im Zauber der Nacht Der Carolafelsen bei Mondlicht....und ein bisschen mehr.

Klirrende Kälte, knarrender Schnee und herrlichstes Mondlicht. Als ich Freitagabend von Arbeit nach Hause kam und aus dem Auto ausstieg, erfreute ich mich an diesem schönen Winterabend. Die vergangenen Wochen drückten schon sehr auf das Gemüt. Der tägliche Blick aus dem Fenster - grau, Regen. Der hoffnungsvolle Blick auf die Wettervorhersage versprach dann aber auch nie wirklich Heiterkeit. Erst zum Ende der Woche zeigten sich seit langer Zeit mal wieder ein paar Sonnenstrahlen. Es ist unglaublich was das in mir immer auslöst.

Übermut, würde meine Frau sagen. Wie ich ins Haus kam, verkündete ich gleich, dass ich heute zeitig ins Bett gehen werde, denn mein Wecker würde schon mitten in der Nacht wieder klingeln. Nach 13 Jahren weiß ich, was so ein schweigender Blick sagen soll. „Ich passe auf“, hörte ich mich nur sagen. Ich kenne den Weg fast in und auswendig. Ich bin schon öfter in der Dunkelheit durch die Wilde Hölle rauf und runter gegangen. Ich wusste aber auch, dass Eis und Schnee dem Weg nochmal eine neue Schwierigkeit verpassen und Müdigkeit die Sinne auch etwas träge werden lässt.

Ich plante also mehr Zeit für den Auf- und Abstieg ein. Packte meine „Schneeketten“ für die Wanderschuhe ein, kochte mir einen Tee und lud nochmal die Stirnlampe auf.

Bei so einem Aufstieg, auch im Winter, wird einem schnell warm. Das führt dann aber schnell zu einem Problem, wenn man oben verschwitzt ankommt und für lange Zeit keine Bewegung hat. Vor einigen Jahren hätte ich mir das nicht zugetraut. Schon allein von der Ausrüstung her. In der Nacht war ich ein weiteres Mal richtig glücklich, dass ich mir in den vergangenen Jahren Peu à Peu gute und verlässliche Bekleidung angeschafft habe. Mit zunehmender Erfahrung weiß ich diese zu kombinieren und wärmende Zusatzschichten Platzsparend in meinem Rucksack zu verstauen. Ich mache ja ungern Werbung für Klamotten, doch die entscheidende Zusatzschicht, die Festung für eiskalte Winternächte, ist der Barents Parka von Fjällräven. Seit Jahren schiele ich schon auf diese Winterjacke. Im UVP kommt diese für mich jedoch überhaupt nich in Frage. Doch ein Glücksgriff bei EBay Kleinanzeigen im letzten Herbst, machte mich nun zum Besitzer dieses Parkas. Robust, durchdacht, ohne modischen Schnickschnack, wasserdicht, gefüttert und nachhaltig produziert. Immer und immer wieder kam ich bei meiner Suche auf diesen Parka. Bisher hatte ich nur hüftlange Winterjacken. Doch wenn man Stundenlang in der Kälte steht, ist so ein warmer Hintern um ein Vielfaches angenehmer.

Etwas Skrupel überkamen mich dann aber schon kurzzeitig, als ich 3:00 Uhr am Nassen Grund aus dem Auto stieg und mir eisige Luft entgegenschlug. -7 Grad zeigte das Autothermometer an. Während ich meinen Rucksack schulterte hörte ich im Hintergrund das Plätschern der Kirnitzsch. Es hörte sich wie ein Gesang aus anderen Sphären an. Der silbrige Schein des Mondlichts tat sein übriges dazu. Dies war eine verrückte Idee die gleich surreal begann.

Meine Konzentration auf den nächtlichen Weg vertrieb schnell die Müdigkeit. Die dünne Schneeschicht knirschte unter meinen Schritten und es dauerte nicht lange, bis der Weg steiler wurde. Durch die Eulentilke hindurch war der Weg noch gut passierbar. Nach der Überquerung des Zeughausweges ging die Anstrengung erst richtig los. Ab hier heißt der Weg „Wilde Hölle“. In dieser Nacht wurde er seinem Namen mehr als gerecht. Durch den schweren Schnee, der vor 2 Wochen fiel, sind hier sehr viele Bäume umgestürzt und liegen nun Kreuz und quer über dem Weg. Schmelzwasser rann die Felsen hinunter und bildete über dem Weg eine feine Eisschicht. Ich wählte meine Schritte mit Bedacht und war insgeheim sehr dankbar über dieses kleine Abenteuer.

3 Belichtungen brauchte es für dieses Bild. Sony a6500 + SIGMA 16/1.4 DC DN

Der erste Blick der sich mir oben bot war überwältigend schön! Ich versuchte ihn gleich so zu fotografieren, wie er sich mir dargeboten hatte. Ich hatte das fertige Bild schon in meinem Kopf. Somit musste ich nur die richtigen Kameraeinstellungen treffen.

Sony A7R + FE 70-200/4 G OSS

Ich nahm nicht viele Bilder auf in dieser Nacht. Zum einen weil ich die einzelnen Aufnahmen sehr lange belichtete. Hauptsächlich aber auch, da ich mehr die Stimmung genießen wollte. Es war fast windstill, total ruhig und in der Ferne sah ich die Lichter von Dresden, Pirna und vereinzelter Dörfer. Nebeldunst lag über dem Tal wie eine samtige Decke und das klare Licht des Mondes tat sein übriges dazu.

Wie anders eine Landschaft im Schein des Mondes wirkt.
Sony A7R + FE 70-200/4 G OSS

Beladen mit einer Fülle an Eindrücken, trat ich nach weit über einer Stunde den Rückweg an. Fast traumwandlerisch ging ich den Weg zurück, dachte über vieles nach, ließ die frischen Eindrücke Revue passieren und war in gewisser Weise auch ein bisschen Stolz auf mich. Stolz, dass ich meinem Impuls nachgegeben hatte und die Gelegenheit beim Schopfe packte. Mit großer Achtsamkeit ging ich zurück zu meinem Auto.

Wenn man so ganz alleine läuft, hat man immer die eigenen Geräusche im Ohr. Das Geräusch der Schritte, das Entlangstreifen der Arme am Oberkörper, den Atem und die Bewegung des Rucksack. Wenn sich dann ganz still und leise ein anderes Geräusch hinzugesellt, braucht es einen Moment, ehe man es bemerkt. Ich blieb also einfach mal stehen und versuchte die Luft anzuhalten. Mit einem ganz mulmigen Gefühl nahm ich ein Grunzen, etwa 10m neben mir, wahr. "Oh je!". Ich ging einen Schritt und noch einen Schritt, ganz behutsam. Das Grunzen folgte meiner Richtung. Ich sah weit und breit nichts. Doch etwas oberhalb von mir schien ein Wildschwein, mit dem Rüssel über dem gefrorenen Waldboden, nach Nahrung zu suchen. Ich fasste mir ein Herz, ging mehr auf der rechten Seite meines Weges und lief hochkonzentriert und zielstrebig dem Parkplatz entgegen. Nach etwa 50m verlor sich das Geräusch. Ich war heilfroh!

Nun war meine Tour aber noch nicht zu Ende. Ursprünglich hatte ich mich nämlich mit einem Vater einer Schülerin von mir in Pfaffendorf verabredet. Im vergangenen Herbst hatte er mich schon einmal zum Sonnenaufgang begleitet. Nun bot sich mal wieder die Gelegenheit und die Vorhersage sah ganz gut aus. 6:30 Uhr trafen wir uns am Wanderparkplatz unterhalb vom Pfaffenstein. Durch das Nadelöhr stiegen wir hinauf, plauderten ein bisschen und erfreuten uns an den ersten Blicken in Richtung Osten.

Sony a7R + FE 70-200/4 G OSS
Sony a7R + FE 70-200/4 G OSS

Wie schon so oft, war die Stimmung vor dem Sonnenaufgang schöner als danach. Doch dies änderte nichts an einer schönen kleinen Wanderung. Die Barbarine habe ich zwar noch nicht so oft besucht wie Helmut Schulze, dennoch konnte ich hier schon viele schöne Stimmungen erleben. Wenn es mal einen Morgen ohne großes Gloria gibt, kann ich damit auch gut leben.

Sony a6500 + SIGMA 16/1.4 DC DN
Sony a6500 + SIGMA 16/1.4 DC DN

Auf unserem Abstieg wurde dann noch schön die Festung von der Sonne angestrahlt und ich versuchte mich ein bisschen in Minimalismus. Unser Gespräch führte uns nämlich auf Licht. Und da hatte ich so vollmundig behauptet, dass es nicht immer steile Felsen braucht, für tolle Bilder. Man könnte auch einfach hier das Gras fotografieren. Mit dem Frost und der tiefstehenden Sonne, sind das auch schon gute Bedingungen für ein hübsches Bild. Nun ja...ein Meister bin ich zwar nicht in sowas, dennoch gefällt mir das Ergebnis ganz gut ;).

Sony a7R + FE 85/1.8

Nun denn. Nach langer Zeit habe ich mal wieder eine kleine Geschichte zu einer Fototour geschrieben. Es gibt wenig technisches Hintergrundwissen, aber dafür viel Inspiration, wie ich hoffe.

In der nächsten Zeit wird es wahrscheinlich wieder regelmäßiger etwas von mir zu Lesen geben. Bis dahin wünsche ich euch tolles Licht und schöne Erlebnisse draußen in der Natur.

Created By
Philipp Zieger
Appreciate

Credits:

Philipp Zieger

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