Loading

Grenzenlos Literatur 2017 Grenzenlos Literatur findet an fünf Sonntagen im Jahr im Kellerstüberl der Familie Fiser, in der Wallenböckgasse 23 in St.Andrä-Wördern statt. Vielen Dank an Inge und Ilja Fiser!

“Ja, das grenzenloseste aller Abenteuer der Kindheit, das war das Leseabenteuer. Für mich begann es, als ich zum erstenmal ein eigenes Buch bekam und mich da hineinschnupperte. In diesem Augenblick erwachte mein Lesehunger, und ein besseres Geschenk hat das Leben mir nicht beschert.” – Astrid Lindgren

Bernhard Aichner: Totenrausch; BTB 2017

Ilja Fiser: Der letzte Band der Trilogie nach Totenfrau und Totenhaus ist nun Totenrausch. Die atemlose Spannung der ersten beiden Bände wird beibehalten und lässt den Leser zittern um das Schicksal der Mörderin Brunhilde Blum und ihrer beider Töchter. Wird es ihr gelingen ein mordendes Leben zu führen, obwohl sie in ganz Europa gesucht wird? die Flucht auf die Lofoten, quasi ans Ende der Welt führt dann von Hamburg, wo ihr ein Zuhälterkönig ihr versehentlich Schutz bietet. Doch dieser Schutz hat einen hohen Preis …

Paul Auster (Hrg.): Ich glaubte mein Vater sei Gott; rororo 2001

Peter Mlczoch: Paul Auster hat für (s)eine Radiosendung Hörer aufgefordert, ihm kurze und wahre Geschichten zu schicken. Von den ungefähr 4000 eingelangten Kurzgeschichten werden 200 in dem Buch vorgestellt. Viele davon köstlich, schräg oder auch unglaublich.

Julian Barnes: The Noise of Time; Jonathan Cape 2016

Alma Culik: Eine sehr interessante Beschreibung - keine Biographie - des Lebens von Shostakovich in Russland unter Stalin und danach.

Eva Baronsky: Herr Mozart wacht auf; Aufbau 2015

Kurt Bauer: Mozart liegt am Totenbett. Anstatt sofort zu sterben, wird er 200 Jahre in die Zukunft versetzt und lebt 1992 in Wien, zunächst al mittelloser Unterstandsloser. Später lebt er gut als Jazz-Musiker. Die klassische Musikszene wird aufmerksam. Er endet aber in der Psychiatrie als „Amnesiepatient“. Nach einem Jahr wird er wieder nach 1792 zurück versetzt.

Philipp Blom: Die Welt aus den Angeln - Eine Geschichte der Kleinen Eiszeit von 1570 bis 1700 sowie der Entstehung der modernen Welt, verbunden mit einigen Überlegungen zum Klima der Gegenwart; Hanser 2017

Franz Meister: Ein Titel der mehr verspricht und es letztlich nicht einlöst. Die moderne Welt - vornehmlich das Europa an der Wende zwischen Renaissance zur Neuzeit - hat sich aus vielerlei Umständen entwickelt. Da war die sogenannte kleine Eiszeit eine wichtige, letztlich aber nicht alles entscheidende äussere Veränderung der Lebensgrundlagen. Der Autor hat sich mit dem Thema sichtlich übernommen. Nicht einmal die angeführte Fachliteratur selbst wurde eingehend reflektiert bzw. rezipiert. Die Umwelthistoriker der letzten Jahrzehnte haben mehr Details erforscht, die Blom jedoch entweder nicht kennt bzw. nicht zu würdigen weis. In Zeiten des Klimawandels mag das Buch Leser finden, die an „einfachen“ Analogien Interesse haben. Dieses Bedürfnis hat Blom bedient, dem Stand der Historiker damit aber keinen guten Dienst erwiesen. Mehr Recherche hätte dem Werk gut getan.

Monika Czernin: Anna Sacher und ihr Hotel; Penguin 2014

Inge Fiser: Sehr interessante Beschreibung des Wiener Fin de Siecle.

Christian Dickinger: Habsburgs schwarze Schafe; Piper 2005

Heinz Stipsits: Leicht lesbare kritische Betrachtung über Sonderlinge, Rebellen und Wahnsinnige im kaiserlichen Haus

John Donne: Liebensgedichte; Reclam (Englisch/Deutsch) 2011

Heinz Stipsits: Sehr schöne und auch deftig-saftige Gedichte, mit sehr eindeutigem Kontext z.B. Break of Day, The Flea, Love’s War; Sehr empfehlenswert und sehr gut übersetzt

Ian McEwan: Liebeswahn; Diogenes 1998

Traude Markhart: Die Geschichte beginnt mit einem Fesselballonunfall, bei dem zwei Männer, die das Unglück verhindern wollen, einander kennenlernen. Ab diesem Zeitpunkt entwickelt der 28jährige Jed Perry eine Obsession und „stalkt“ Joe Rose, den Wissenschaftsjournalisten. Es geht über Telefonterror, Briefe, Auflauern vor dem Wohnhaus .. Die Beziehung des „Verfolgten“ leidet, sein ganzes Leben verändert sich, die Beziehung zu seiner Partnerin steht unter Druck, da sie nicht hinter ihm steht und ihn nicht versteht..

Bernd Fischerauer: Burli; Picus 2017

Franz Meister: Wie die Nachkriegsgeneration die Vergangenheit von Eltern und Großeltern entdeckte und welche Hürden sich auftaten, als Fragen unbeantwortet, ausweichend bzw. lügenhaft beantwortet wurden. Fast ein Krimi mit amüsanten Passagen.

Bernd Fischerauer: Neumann; Picus 2017

Franz Meister: Das letzte Buch von Bernd Fischerauer, der 2017 verstorben ist. Erneut, nach „Burli“, eine Spielart von Autobiographie. Kurzweilig, stellenweise amüsant, doch nun stärker vom Ende geprägt.

Scott Fitzgerald: Für Dich würde ich sterben; Hoffmann & Campe 2017

Kurt Bauer: Tolle Short Stories!

Dario Fo: Bezahlt wird nicht! Offene Zweierbeziehung. Nur Kinder, Küche, Kirche. Zufälliger Tod eines Anarchisten; Bertelsmann 1998

Alma Culik: Dario Fo´s Theater ist bekannt für die politische Kritik in amüsanter und durch tiefe Betrachtung der Gesellschaft.

Michael Forcher: Tirol und der erste Weltkrieg; Haymon 2014

Heinz Stipsits: Hintergründe und Ereignisse und Schicksale; historisch hochinteressant - Empfehlenswert

Anne Frank; Ari Folman und David Polonsky: Das Tagebuch der Anne Frank; S.Fischer 2017

Alma Culik: Weltbekannt und geliebt - jetzt auch als „Graphic Diary“ erschienen. Wunderbar illustriert.

Valerie Fritsch: Winter´s Garden; Suhrkamp 2016

Alma Culik: Weltuntergangsstimmung. Sprachgewaltig

Noah Gordon: Medicus; Knaur 1966

Andreas Pöll: Robert ("Rob") Jeremy Cole wird im Jahr 1012 geboren und wächst in London auf. Nachdem er im Alter von neun Jahren kurz nacheinander seine Eltern verloren hat, begegnet er dem fahrenden Bader Henry Croft, der ihn als Lehrjungen aufnimmt und mit ihm von Jahrmarkt zu Jahrmarkt zieht. Rob erweist sich als gelehriger Schüler und erwirbt nicht nur Grundkenntnisse in der Heilkunst, sondern erlernt auch Zirkuskunststücke wie das Jonglieren, die dazu dienen, die Menschen anzulocken. Henry Croft erzählt seinem Schützling von dem berühmten arabischen Medicus Avicenna (980 – 1037), dem Leibarzt des Kalifen von Bagdad, und als der Meister stirbt, will Rob seine medizinischen Kenntnisse unbedingt bei Avicenna vervollkommnen, obwohl es sich bei dem Medicus nicht um einen Christen, sondern um einen Moslem handelt. Als Jude verkleidet, reist Rob auf abenteuerliche Weise durch den Orient. Sein Ziel ist Isfahan in Persien, wo Avicenna lehrt …

Andre Heller: Das Buch vom Süden; Zsolnay 2016

Ilja Fiser: Ein Entwicklungsroman mit autobiographischen Zügen. Von der Jugend in Hietzing (Schloss Schönbrunn), sich selbst als fleissigen Taugenichts bezeichnend, erforscht er - auf Kosten des Vaters - die Welt. Er wird Pokerspieler und vermögend, wohnt dann im heißgeliebtem Süden (Gardasee) mit geheimnisvollem garten. Viel Weises und zum Nachdenken anregendes. Eine Wut auf das bürokratische heutige Österreich, daher der Drang in den lockeren Süden.

Kazuo Ischiguro: Was vom Tage übrig bleibt; Heyne 1964

Helmut Brohs: Darf ein Mensch einem Dienstgeber, Chef, Politiker .. gegenüber so loyal, so dienstbeflissen sein, daß er 1. seine Gefühle und die der anderen unterdrückt. 2. keine unmoralische Bewertung der Aktivitäten seines Dienstgebers vornimmt. Schwer zu lesen - am Anfang noch lesenswert

Kazuo Ischiguro: An Artist of the Floating World; London 1986 (dt.: Der Maler der fließenden Welt.) faber&faber 1986

Regina Prachner: Vergangenheitsbewältigung auf Japanisch im Spannungsfeld zwischen Authentizität und Anpassung. Beschauliche Schilderung japanischer Sitten und Lebensweisen um und im Zweiten Weltkrieg.

Eric Kandel: Das Zeitalter der Erkenntnis; Pantheon 2014

Peter Mlczoch: Ein Neurobiologe, der aus Wien emigrieren musste, beschreibt mit unglaublichem Wissen, wie Wien um 1900 nicht nur ein künstlerisches, sondern auch ein wissenschaftliches Zentrum war. Er verknüpft die Hirnforschung mit Psychoanalyse und vielen anderen Wissenszweigen.

Daniel Kehlmann: Tyll; Rowohlt 2017

Heinz Stipsits: Ein fiktionaler Roman über den 30jährigen Krieg mit verblüffender Analogie über Kriege heute. Tyll, der ewige Gaukler, verknüpft die acht Kapitel des Romans, die nicht chronologisch aber dennoch teilweise historisch höchst präzise dargestellt werden. Die Schrecken des Krieges werden teilweise mit Schalk und Humor dargestellt. Sehr empfehlenswert und sehr dichte Literatur.

Rudyard Kipling: Kim; DTV 1981

Alma Culik: Indien, zur Zeit der englischen Kolonialzeit - mit viel Mitgefühl und Humor beschreiben.

Radek Knapp: Der Mann der Luft zum Frühstück aß; Deuticke 2017

Franz Meister: Radek Knapp ist ein Schelmenschreiber - im guten Sinne. Wer sein Buch „Herrn Kukas Empfehlungen“ bereits kennt, wird Motive und Wendungen wieder erkennen, ohne jedoch dadurch gelangweilt zu werden - im Gegenteil. Integration oder Assimilation an ein tendenziell feindliches Umfeld ist ein schwieriges Unterfangen, gerade in Wien. Radek Knapp kann davon Bücher schreiben, ohne dass der Humor im Hals gefriert.

Ivan Krastev: Europadämmerung; Suhrkamp 2017

Franz Meister: Seit der Ungeist von Nationalismus und Populismus immer mehr europäische Gesellschaften erfasst, macht sich eine pessimistische Stimmung bei all jenen breit, denen ein friedliches Europa ein Anliegen ist. Krastev kann und will den Pessimismus nicht vertreiben. Er liefert Erklärungsversuche, wieso zentrifugale Kräfte an Stärke gewinnen. Er erinnert, wie schnell Systeme, denen man lange dies nicht zugetraut hat, implodieren können - ein Hinweis auf die Erfahrungsgeschichte aus den Ländern des vormaligen Ostblocks. Jene im Westen sollen sich daher an die Ungewissheit von Zukunft erinnern, die auch sie ereilen kann. Eine nüchterne Analyse, die es braucht um der Krise Europas eine andere Wendung zu geben, als jene von Orban, Strache, Le Pen und wie diese Ungeister auch heißen mögen.

Dany Laferrière: Die Kunst, einen Schwarzen zu lieben ohne zu ermüden; Verlag Das Wunderhorn 2017

Martina Sattmann: Der Titel macht neugierig, ob das wirklich gemeint ist, was man vermutet. Laferrière beschreibt seine Hungerjahre, während er die verfilzte Bude mit einem moslemischen Freund teilt, der das Plüschsofa praktisch nie verlässt. Mitfühlende oder verliebte junge Frauen kommen mit Verpflegung und meistens sitzt dann auch ein Mädchen „wie eine Blume auf meinem schwarzen Penis“.

Ernst Lothar: Der Engel mit der Posaune; BTB original 1944; TB 2017

Heinz Stipsits: Aufstieg und Fall der Klaviermacherdynastie Alr von 1888 bis 1938. Großartige Studie über das Fin de Siecle bis zum 1.Weltkrieg und später bis zu, Einzug der Nazis 1938. Sehr gute Literatur!

Nicolas Mahler: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit - Nach Marcel Proust. Graphic Novel; Suhrkamp 2017

Alma Culik: Eine Hommage an Proust, leicht und witzig illustriert. Sehr vergnüglich.

Ministerium für Volksbildung der Deutschen Demokratischen Republik: LESEBUCH 2. Klasse; Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin 1978

Heinz Stipsits: Indoktrination der Kinder im Land des einzig real existierenden Sozialismus – elf Jahre vor dem Mauer Fall. Unglaublich eindeutige und frühe Beeinflussung der Kinder im Volksschulalter. Heute an der Universität Wien Gegenstand von wissenschaftlicher pädagogischer Vergleichsforschung.

Peter Nadas: Aufleuchtende Details; Hanser 2017

Franz Meister: Welch eine Leistung - auch seitens der Übersetzerin. 1300 Seiten voll mit Erinnerungen und Assoziationen. Mehr als eine Biographie blicken wir in einen Abschnitt des 20.Jahrhunderts aus ungarischer Perspektive. So wie man denkt - nicht linear, sondern ruckartig, sich in Details vertiefend und dann weiter fortsetzend. Manche meinten, dieses Buch sei ein Monster - ob des Umfangs. Was für ein falsches Wort und zweifelsfrei unzutreffend. Wem Tempo und Stil des Peter Nadas zusagt, dem wird nicht langweilig. Und wer komplementär einmal ein Video mit Peter Nadas gesehen hat, ihn sprechen gehört hat, der hört seine Stimme beim Lesen mit dazu. Jene bedächtige, jedes Wort abwägende Stimme. Der Mann hat viel erlebt und hat uns viel zu erzählen!

Michael Ondaatje: Katzentisch; Echomedia 2016

Peter Mlczoch: Eine Schiffsreise von Colombo (Sri Lanka) nach England aus Sicht eines elfjährigen Buben. Am Schiff gibt es alles: Liebe, Verbrechen und alle möglichen Charaktere, die aus dem Kind einen Pubertierenden machen.

Leonardo Padura: Ketzer; Unionsverlag 2013

Regina Prachner: Mario Conde auf der Suche nach einem Rembrandtportrait, das 1939 unter dramatischen Umständen in Havanna aufgetaucht und danach verschwinden war. Aufarbeitung in Rückblenden eines dunklen Kapitals der kubanischen Geschichte mit Bezügen zu den sozialen, politischen und persönlichen Gegebenheiten des aktuellen Kuba.

Katja Petrowskaja: Vielleicht Esther; Suhrkamp 2014

Irena Racek: Petrowskaja hat im Jahr 2013 für ihren Text „Vielleicht Esther“ den Ingeborg Bachmann Preis bekommen. Ein Jahr später ist unter dem gleichen Titel ihr Roman erschienen. es ist eine Suche nach der verlorenen vergangenen Familie der Autorin. Esther war die Urgroßmutter von Petrowskaja, die in Kiev 1941 von den deutschen Soldaten erschlossen wurde.

Alexander Puschkin: Der Postmeister; Heyne 1969

Heinz Stipsits: Großartige Erzählungen eines großartigen Literaten, der als Begründer der russischen Nationalliteratur gilt. sehr empfehlenswert u.a. die Erzählung „Der Schneesturm“.

Karlheinz Rossbacher: Lesen Schauen Staunen; Lechner 2017

Kurt Bauer: Einige verrätselte Bilder werden beispielhaft vorgestellt. Man soll lernen, Bilder auf diese Art anzusehen.

Leo Rosten: Jiddisch - eine kleine EnzyklopÄdie; DTV 2001

Peter Mlczoch: Ein Buch über jüdischen Humor und voller jüdischer Lebensweisheit. Zugleich ein Sprachbuch des Jiddischen. Mit vielen Geschichten und viel Witz.

Andrea Sawatzki: Tief durchatmen, die Familie kommt; Piper 2013

Nadja Meister: Ein Buch, daß leider nicht gefallen kann - verkrampft „witzig“.

Robert Seethaler: Die weiteren Aussichten; Kein & Aber 2008

Traude Markhart: An einer Tankstelle an der Landstraße lernen sich zwei jungeLeute kennen. Fritz, der Sohn des Besitzers und Hilde, in junges Mädel, als Putzfrau tätig. Die beiden verlieben sich, als sich herausstellt, dass Fritz Mutter schwer krebskrank ist, entführen die beiden mit einer Rollliege aus dem Krankenhaus und es beginnt eine Abenteuerreise durch Wald, Gebirge und Flussüberquerung. Eine Geschichte, mit der ich sehr wenig anfangen konnte!

Robert Seethaler: Ein ganzes Leben; Goldmann 2014

Helmut Brohs: 75 Jahre des „Andreas Egger“; schnörkellose Sprache, positive Lebenseinstellung trotz eines harten Lebens; liest sich hervorragend, nimmt einen gefangen.

Robert Seethaler: Der Trafikant; Kein&Aber 2012

Heinz Stipsits: Im Sommer 1937 muss der 17-jährige Bub Franz Huchel aus Nußdorf/Attersee aus wirtschaftlichen Gründen seine Heimat und den Attersee verlassen und nach Wien ziehen, um bei einem Bekannten seiner Mutter im 9. Bezirk ein völlig neues Leben als Gehilfe in einer Tabaktrafik zu beginnen. Die politischen Ereignisse verändern das Leben in der Stadt. Das bekommt auch der Inhaber der Trafik zu spüren, der aufgrund seiner jüdischen Kundschaft von den Nachbarn angefeindet wird. Ein Stammkunde in der Trafik ist nämlich auch Professor Sigmund Freud, der sich da seine Zigarren kauft, und somit Franz kennen lernt. Der sogenannte ‚Deppendoktor‘ beeindruckt Franz und es entsteht eine zaghafte Freundschaft zwischen dem alten Herren und Franz. Vom Professor erwartet Franz Antworten auf die ihn drängenden Fragen, doch nicht einmal der weise Psychiater kann ihm im Umgang mit dem weiblichen Geschlecht den rechten Rat geben. Als die Gestapo seinen unbequemen Trafikanten mitnimmt und der somit aus der Welt verschwindet, muss Franz die Verantwortung für die Trafik übernehmen. Der bereits sehr kranke Freud emigriert nach London und Franz muss jetzt sehr rasch alleine erwachsen werden. In einer spannenden Schluss-Szene beweist er, dass er das Herz am rechten Fleck hat. Ein Meisterwerk von Robert Seethaler, in einfachem Schreibstil erzählt. Ein großartiges Buch, das auch sehr erfolgreich am internationalen Buchmarkt geworden ist. Ebenso großartig: Ein ganzes Leben von Robert Seethaler

Zadie Smith: Swing Time; Penguin 2016

Alma Culik: Ein brillantes Buch über Freundschaft, Rasse und Gesellschaftsklassen. Eine talentierte Schriftstellerin, die unsere zeit meisterlich darstellt.

Edward St. Aubyn: Schöne Verhältnisse; Dumont 2007

Alma Culik: Köstliche und kritische Beschreibung der britischen Upper-Class Gesellschaft

Judith W. Taschler: Die Deutschlehrerin; Droemer 2013

Heinz Stipsits: Spannend und raffiniert komponierte Beziehungsgeschichte über die engagierte Deutschlehrerin Mathilde und dem Schriftsteller Xaver, der in ihrer Schule einen Literaturkurs halten soll. Allerdings waren sie bis vor 16 Jahren selbst ein Paar, wenngleich ein ungleiches: Sie wollte ihn heiraten und ein Kind von ihm. Er hatte mit der Veröffentlichung einer Jugendbuchtrilogie, wobei jedoch die Idee von ihr kam, plötzlich Erfolg, wendet sich ab von ihr, heiratet eine prominente Frau und hat einen Sohn mit der Neuen. Das Glück währt jedoch nicht lang, weil sein Sohn entführt wird und unauffindbar ist. Sein Leben ist zerstört. Die zunächst harmlose und triviale Geschichte wird zu einem spannenden Beziehungsthriller. Komplexe Story, teilweise als e-mail-Traffic: Mathilde an Xaver, Xaver an Mathilde, Life-Handlungen und Vergangenheit werden raffiniert ineinander verwoben.

Nick Thorpe: Donau; Zsolnay 2017

Franz Meister: Die Donau ist ein Fluss an Inspiration. Thorpe beginnt seine Schilderung von der Mündung stromaufwärts. Und er kommt von der Donau nicht los. Das erste Drittel des Buches deckt gerade Mal knapp hundert Kilometer von der Mündung ab. Empfehlung: Komplementär zu Claudio Magris Donaubuch zu lesen- dieser begann seine Donauerkundung von den Quellen und hielt sich ebenso mehr als Drittel des Buches im Oberlauf auf. Jetzt fehlt nur noch ein Donaubuch zum Mittelteil dieses einzigartigen Flusses mit ähnlichem Tiefgang.

Anton Urkin: Autodidakten; Pereprava 2002

Andreas Pöll

Friedrich Weissensteiner: Die großen Herrscher des Hauses Habsburg; Piper 2016

Heinz Stipsits: Sehr interessante Kurzfassung von 650 Jahren der Geschichte ausgewählter Herrscher des Hauses Habsburg.

Franz Werfel: Verdi; S.Fischer 1979

Kurt Bauer: Eine Episode aus dem fiktiven Leben Verdis in Venedig. Fast-Begegnung mit Richard Wagner, dessen Tod und Überwindung seiner Schaffenskrise. Fast im Stil von Stendhal geschrieben.

Mella Waldstein/Mafred Horvath: Die Farben Istriens; Brandstätter 2006

Nadja Meister

John Williams: Butcher's Crossing; DTV 2015

Heinz Stipsits: Zu Williams Lebzeiten waren alle seine Bücher kein Erfolg, jedoch in den letzten Jahren wurde das literarische Werk neu bewertet und neu aufgelegt. Und mit der Übersetzung ist das Buch jetzt auch sehr erfolgreich am deutschen Buchmarkt. Das gilt ebenso für ‚STONER‘. Der knapp über 20-jährige Will Andrews strebt in die Natur, in die Wildnis. Er glaubt nur dort wird er zu seinem wahren Selbst vordringen. Er hat in Harvard studiert und Ralph Waldo Emerson gelesen. Er ist wohlhabend, aus gutem Hause, ein feiner junger Mann mit feinen Händen, der plötzlich mit drei anderen ‚Typen‘ durch die Prärie reitet, um Bisons zu jagen. Einmal sind sie ganz knapp vor dem verdursten bis sie endlich Wasser finden. Schließlich finden sie auch das Hochtal in den Rocky Mountains, wo die letzten Bisons in einer friedlichen und wunderschönen Landschaft grasen. Der besessene Jäger Miller beginnt mit seinem Auftrag: 5000 Büffel wird Miller auf dieser Jagd schießen. Es sind die letzten Büffel Amerikas. Will Andrews kühlt im die Gewehre und lernt Bisons abzuhäuten. Durch Millers Gier auch die letzten Tiere abzuschlachten, übersehen sie, dass bereits der Winter mit voller Wucht einbricht. Sie sind in dem Hochtal völlig eingeschneit und müssen monatelang um das Überleben in der rauen Wildnis kämpfen. Endlich kommt das Frühjahr und sie können zurück in die menschliche Zivilisation, zurück nach Butchers Crossing, allerdings wegen des Gewichts der Häute, nur mit einem Teil der Beute. Bei der Durchquerung einer Furt kommt es zur Katastrophe. Eine Parabel, ein tiefsinniges und fesselndes Buch, das eine einfache und sehr amerikanische Geschichte erzählt. Die Geschichte erinnert daran, wie gut Abenteuerromane wirklich sein können: Auf der Expedition in Richtung Colorado sind die Reiter dem Verdursten nahe, im Spätherbst werden sie von der gewaltigen Natur in Form eines Schneesturms überrascht. Die Männer in diesem Roman mögen sich manchmal im Schnee vergraben und eine Ewigkeit warten, bis er taut. Aber in Wirklichkeit reiten sie gegen den Triumph der Moderne an. Dabei sind sie selbst Sendboten der Zivilisation: Sie rotten die riesige Büffelherde aus und rauben sich dabei selbst die Lebensgrundlage. Es ist auch ein Lehrstück über den Kapitalismus – das beschreibt Williams spätestens in der bitteren Schlusspointe. Es gibt sehr starke Szenen im Buch, die auch die außergewöhnliche Kunst des Autors, nämlich das genaue Beschreiben, darstellen: Wie die Männer die geschwollenen Zungen der Ochsen mit der letzten Pfütze Wasser befeuchten. Wie sie tonnenschweres Blei in Patronen gießen. Wie der manische Miller, Schuss für Schuss die Büffelherde abschlachtet. Und wie sie fachmännisch die toten Bisons mit scharf geschliffenem Messer häuten. ‚Ein Buch wie ein Büffel, stoisch, dunkel, mächtig, fast ausgestorben‘ (Rezension ‚Die Welt‘)

John Williams: Stoner; DTV 2011

Helmut Brohs: Die Lebensgeschichte des Assistenzprofessors Stoner. Karge Jugend, Assistenzprofessor mit Liebe zum Gegenstand und Studenten, schlechter Ehe, Dauerkonflikt mit dem Dekan, zarte Liebesaffären, Gedanken der Zeit voraus.

Sebastiano Vassalli: Marco e Mattio (dt. Titel: Marco und Mattio - Die Reise eines heldenmütigen Retters der Menschheit und seines mysteriösen Weggefährten in den Wahnsinn) Einaudi 1992

Regina Prachner: Zoldo, ein Tal in den bellunesischen Dolomiten, an der Wende vom 19. ins 20.Jahrhundert, wo das Echo der Aufklärung des 18. Jahrhunderts nur schwach widerhallt und an der Realität von Hunger und Krankheit nichts ändert. Hier wird Mattio geboren, der Sohn des Dorfschusters, und hier beginnt seine Reise in den Wahnsinn, die ihn nach Venedig führt, in einen spektakulären Versuch der Selbstkreuzigung als moderner Christus zur Erlösung der Welt, und schließlich auf die Insel San Servolo, in eine der ersten geschlossenen Psychatrien Europas. Auf seinem Weg begegnet Mattio immer wieder dem geheimnisvollen Marco, dem ewigen Wanderer, der mentalen Projektion seines Schattens.

Vormagazin (Hrg.): Tatort Grätzl - die besten Wiener Kurzkrimis; edition VOR magazin 2017

Andreas Pöll: Gesucht wurden unveröffentlichte Kurzkrimis, die ihren Schwerpunkt in einem Wiener Grätzl oder Bezirk und eine Maximallänge von 15 Normseiten haben. Und natürlich muß bzw. darf es kriminell werden. Eine Jury wählte aus und das Elaborat liegt nun in Buchform vor. Wien ist eine Inspirationsquelle für Verbrechen.

Evelyn Waugh: The Loved One - An Anglo-American Tragedy; Chapman&Hall 1948

Regina Prachner: Schwärzester englischer Humor. Ein einfaches amerikanisches Mädchen im Entscheidungsdilemma zwischen zwei Männern, das letal ausgeht. Skurril zynische Beschreibung der Bestattungsriten in Nordamerika der Nachkriegszeit - für Mensch und Tier

alle Fotos Nadja Meister; Fotomotive: Grenzenlos Literatur; Buchhandlung Barvic&Novotny Brno

Created By
Franz Meister
Appreciate

Credits:

Nadja Meister

Report Abuse

If you feel that this video content violates the Adobe Terms of Use, you may report this content by filling out this quick form.

To report a Copyright Violation, please follow Section 17 in the Terms of Use.