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Sanitätskräfte geben trotz Impfstoffknappheit ihr Bestes

von Gunnar Kruse

Einst waren hier ein Supermarkt und ein Kino untergebracht, jetzt befindet sich im Gebäude mitten in der Innenstadt von Pasewalk in Vorpommern eines der 26 von der Bundeswehr betriebenen Impfzentren. Wir haben uns vor Ort angeschaut, wie der Kampf zur Eindämmung der Corona-Pandemie im äußersten Nordosten Deutschlands abläuft.

Besonders gefährlich ist das Corona-Virus aus Sicht der Experten für ältere Menschen. Deshalb stehen sie bei der derzeit laufenden Impfkampagne zusammen mit anderen Hochrisikogruppen mit an erster Stelle. So wie beispielsweise Irma und Ulrich Becker. Beide sind über 80 Jahre alt, im Impfzentrum in der Pasewalker Innenstadt wollen sie sich an diesem Februartag vor einer Infektion schützen lassen.

Ulrich Becker (82) wird durch Stabsunteroffizier Anne Peters im Pasewalker Impfzentrum empfangen. Foto: Kruse/DBwV

Betrieben wird die Einrichtung im Rahmen der Amtshilfe von der Bundeswehr, sie ist eines der bis zu 26 Impfzentren bereitstellt. Das Besondere: Ausschließlich Personal des Sanitätsdienstes der Bundeswehr aus Mecklenburg-Vorpommern sowie Kameraden des Panzergrenadierbataillons 411 als „helfende Hände“ sind hier im Einsatz, wie Oberfeldarzt Peter Arndt informiert. Er ist Leiter des Impfzentrums im vorpommerschen Pasewalk und der Sanitätsstaffel Einsatz in nahe gelegenen Torgelow.

Der Pharmazeutisch-technische Assistent Stabsfeldwebel Norman Gill bereitet Impfstoff gegen eine Corona-Infektion für die Verwendung vor. Foto: Kruse/DBwV

Prozedere ist klar strukturiert

Für unser Verbandsmagazin erläutert der Mediziner den Ablauf, der wie für Irma und Ulrich Becker auch für alle anderen Impflinge gilt. Zu einem vereinbarten Termin betreten sie über einen Seiteneingang das Gebäude. Nach einem Infektscreening geht es weiter zur Anmeldung. Diverse Formulare sind hier auszufüllen, doch es geht um weit mehr als „Papierkram“. Insbesondere das Aufklärungsgespräch mit dem Patienten und die Anamnese, also die Aufnahme medizinisch relevanter Informationen zu seiner Krankengeschichte, stehen im Mittelpunkt, erläutert Oberfeldarzt Arndt. Für die beiden Senioren aus Lübs bei Ueckermünde könnte es danach weiter in einen Wartebereich gehen, beide können aber gleich weiter zur Ärztin. Warum der Aufenthaltsraum an diesem Tag leer ist, wird Peter Arndt später erläutern.

In einem kurzen Aufklärungsgespräch (Arndt: „Das muss zwingend von einem Arzt geführt werden.“) geht es dann weiter zur nächsten Station. Hier heißt es: Ärmel hoch, Impfung, Pflaster drauf, fertig. Doch fertig sind die Impflinge noch nicht ganz. Bevor sie das Pasewalker Impfzentrum am anderen Ende des Gebäudes wieder verlassen können, müssen sie sich für eine viertel bis zu einer halben Stunde zur Nachbeobachtung einfinden. In einem weiteren, abgetrennten Bereich können sie dafür Platz nehmen. Über einen Beamer werden Fernsehsendungen zur Ablenkung gezeigt. Und medizinisches Fachpersonal der Bundeswehr beobachtet genau, ob es Probleme gibt. Für den sehr unwahrscheinlichen Fall der Fälle ist vorgesorgt, so Arndt und verweist auf den voll ausgerüsteten Notfallbereich. Auch für die direkte Zufahrtsmöglichkeit eines Rettungswagens ist gesorgt. Gebraucht wurde der aber im Pasewalker Impfzentrum noch nicht, und auch Irma und Ulrich Becker können wieder nach Hause.

Nur eine von drei Impfstraßen in Betrieb

So wie die beiden könnten vor Ort täglich viel mehr Menschen geimpft werden, als es tatsächlich der Fall ist. An drei Impfstraßen parallel kann das Fachpersonal des Sanitätsdienstes tätig sein, an diesem Februartag ist es aber nur eine. Wie in ganz Deutschland ist fehlender Impfstoff auch in Pasewalk ein Problem: „Er ist noch nicht in so ausreichender Menge verfügbar, dass wir hier unter Vollastbetrieb unser maximal Möglichstes leiten könnten“, so Oberfeldarzt Arndt. Er zeigt sich jedoch optimistisch, dass sich die Lage in den nächsten Tagen und Wochen verbessert.

Dann rechne er auch damit, dass der Wartebereich doch noch gebraucht und genutzt wird. Und dann werde die Bundeswehr auch das eingeplante Personal von 26 Kameraden und Kameradinnen plus Leiter einsetzen, an diesem Februartag sind es 15.

Irma und Ulrich Becker sind beide über 80 Jahre alt. Im Impfzentrum in der Pasewalker Innenstadt wollen sie sich vor einer Infektion schützen. Foto: Kruse/DBwV

Erinnerung an turbulente Zeiten

Im Großen und Ganzen ist Arndt, der seinen Dienst in Torgelow Anfang Oktober 2020 mitten in der wiederauflebenden Corona-Pandemie aufgenommen hat, mit dem bisherigen Betrieb des Pasewalker Impfzentrums zufrieden. Nach einem Probebetrieb Ende Dezember hatte es Mitte Januar den Regelbetrieb aufgenommen. Gleichzeitig betont er, dass es auch turbulente Zeiten waren, in denen sich nahezu täglich das Lagebild verändert hat. Wie wird geimpft? Welcher Impfstoff kommt? Wann wird er zugelassen? Und wann ausgeliefert? Bei einer weltweiten Pandemie sei das aber nicht ungewöhnlich. Dass alles habe ihn und sein Team aber vor große organisatorische und logistische Herausforderungen gestellt. „Zum einen war die Einrichtung rechtzeitig zum Impfstart zu beziehen, zum anderen ging es um die konzeptionelle und personelle Planung“, blickt der 34-Jährige zurück. Doch schließlich habe alles gut geklappt.

Und er betont noch einmal die Bedeutung der Impfzentren. Schließlich drohe vor allem älteren Menschen bei einer Covid-19-Erkrankung ein schwerer Verlauf und die Gefahr, an Corona zu sterben.

Oberfeldarzt Peter Arndt ist Leiter der Sanitätsstaffel Einsatz in Torgelow und des Impfzentrums der Bundeswehr im vorpommerschen Pasewalk. Foto: Kruse/DBwV

Sehr gute Kooperation von ziviler und militärischer Seite

Dass wie an vielen Orten in Deutschland auch in Pasewalk die Amtshilfe zwischen Landkreis und Bundeswehr sehr gut funktioniere, führt er teilweise auf die Region zurück. „Mit dem Landkreis Vorpommern-Greifswald haben wir eine enge partnerschaftliche Zusammenarbeit aufbauen können“, schätzt der Sanitätsoffizier ein. Schon vor dem Start des Impfzentrums habe es im Rahmen der Abstrichzentren eine gute Kooperation gegeben.

Nach der Impfung versorgt Oberfeldwebel Saskia Jadzinski die Impfstelle am Oberarm von Ulrich Becker mit einem Pflaster. Foto: Kruse/DBwV

Optimierungsbedarf sieht Oberfeldarzt Arndt aber ebenfalls. „Wir sind zwar schon auf einem sehr, sehr guten Level. Aber sowohl auf Landkreis- wie auch auf Bundeswehrseite sind wir stetig bemüht, noch besser zu werden“, sagt er und nennt kleinere Abstimmungen in der Koordination als Beispiel. Bei derartigen Großvorhaben sei das aber normal.

Für Arndt ist die Leitung des Pasewalker Impfzentrums übrigens nicht die einzige Aufgabe in diesen Tagen. Zusätzlich muss sich der Neubrandenburger auch um seinen üblichen Dienst kümmern. Hauptfeldwebel Tom Kitzrow steht ihm deshalb als Organisator zur Seite. Der 32-Jährige kümmert sich um alles, was außerhalb des medizinischen Betriebs geplant und beachtet werden muss. Als eine Art „Mini-Spieß“ kümmert er sich unter anderem um das Personal und weist es ein, koordiniert die Mahlzeiten des Teams und betreut die externen Besucher im Impfzentrum Pasewalk.

Wie in ganz Deutschland ist fehlender Impfstoff auch in Pasewalk ein Problem. Foto: DBwV/Kruse