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Grenzen aus Liebe Serie Gottesbild von Michael Dufner

Geschichten in der Bibel helfen mir immer wieder, meinen ei-genen Alltag kritisch zu reflektieren. Wir betrachteten in der letzten Ausgabe die Geschichte von Mose. Er vernahm von Gott die krasse Konsequenz seiner Tat, dass er nicht ins verheis-sene Land dürfe. Ein Auftrag, ein Lebenswerk als Leiter, und dann ein "kleiner" Fehler - und schon wird ihm das eigentlich Wichtigste verwehrt

Wir haben gesehen, dass Mose einen anderen Fokus hatte. Nicht das verheissene Land war sein eigentliches Ziel, sondern die Verheissung Gottes, dass ER bei ihm sei, egal wie die Umstände aussähen. Diese Haltung kommt aus seinem Gottesbild. Gott ist nicht ein strafender Gott, sondern ein Gott, der vor den Folgen der Sünde bewahrt. Gott verstiess Adam und Eva nicht aus dem Paradies, weil sie gesündigt hatten, sondern weil er nicht wollte, dass sie ewig von der Sünde beherrscht werden, indem sie in ihrem Zustand auch noch vom Baum des Lebens assen. Gott sucht Möglichkeiten, mit mir Beziehung zu bauen und zu vertiefen. Dabei stehe ich mir selbst immer wieder im Weg und sündige.

«Sündigen» kommt ursprünglich aus dem Sport. Ein Bogenschütze, der danebenschiesst und damit sein Ziel verfehlt, sündigt, emotional enttäuschend, den Auftrag nicht erfüllend.

Ich stelle mir ein Stadion vor. Gebannt warten alle auf den entscheidenden Elfmeter. Es steht unentschieden - und nun diese Torchance kurz vor Schluss, diese letzte Aktion des Spiels! Doch der Schütze schiesst meterweit über das Tor hinweg. Enttäuschung, Emotionen, Gebrochenheit!

In unserem Leben geht es jedoch nicht nur um ein Spiel, sondern um unser Leben: Zielverfehlung, wenn wir nicht das tun, wozu wir berufen sind.

Wie gesagt, solche Geschichten wie die von Mose faszinieren und verblüffen mich. Ich könnte nicht so reagieren wie er. Also will ich es lernen. Ich will lernen, den aus Liebe Grenzen setzenden Gott noch mehr zu erleben - statt (viel zu oft) den strafenden Gott zu spüren.

Als ich darum bat, kam die Lektion schnell:

Ich hatte einen sehr strengen Tag. Vieles lief gut, Einiges war recht herausfordernd. Ich kam nach Hause und hatte so meine Vorstellung und Erwartung, dass wir noch einen schönen, entspannten Tagesabschluss hätten, dass ich dann mit meiner Frau noch 1-2 Stunden Zeit verbringen könne und dass wir uns danach glücklich und zufrieden zu Bett gehen könnten. Du ahnst es: Es kam anders. Chaos, ein riesiges Durcheinander! Der Tagesabschluss überhaupt nicht romantisch oder schön! Im Bett dachte ich: «Wenn die anderen …, dann wäre ich jetzt zufriedener!» UPS! Nein, keine Schuldzuweisung! Mehr die Frage: «Jesus, was hätte ich anders machen müssen?»

Und da waren sie, die göttlichen Gedanken. Nicht in einem Moment, in dem ich es unbedingt hören wollte. Aber gut - ich stand auf. Ich notierte viele Punkte, die ich als egoistisch erkannte. Ich notierte viele Entschei-de, die ich ohne innere Verbindung mit Jesus einfach gefällt hatte – weil es einfach oft so läuft und auch oft funktioniert. Doch während der ganzen Zeit spürte ich diesen Frieden, die Nähe von Jesus. Noch lange sass ich in meinem Sessel und genoss die Zeit mit ihm. Was für ein Vorrecht! Obwohl mein Tag das eigentliche Ziel verfehlt hatte - Jesus sass mit mir da und besprach mit mir, was ich ändern könnte.

Und so folgte ein neuer Auftrag. Der Herr zeigte mir, dass ich mich in meiner Berufung, in meinem Beruf, in meiner Rolle ganz gut zusammenreissen kann. Ich kann motivieren, auch wenn ich selbst nicht hundert-prozentig motiviert bin. Ich bereite mich vor, ich studiere die Personen, frage Jesus, was sie benötigen und versuche es ihnen zu geben. Jesus lobt mich dafür und zeigt mir dann seine Idee: "Michi, bereite dich mindestens einen Abend pro Woche ebenso für deine Familie vor, wie du dich für eine Sitzung in der Gemeinde vor-bereitest! Frag mich, was deine Frau braucht, was deine Kinder bedürfen! Frag nach!» Ich erinnerte mich sogleich an eine Begebenheit aus einem Buch, das ich gelesen hatte. Ein Pastor hatte die Erkenntnis, dass Gott ihm als Vater sagte: «Wieso kümmerst du dich um die Gemeinde, die mir gehört? Und gleichzeitig betest du dafür, dass ich mich um deine Familie kümmere, die ich dir anvertraut habe, die dir gehört?" Mir wurde bewusst: Stimmt, ich will mich in meine Familie investieren und mich nicht einfach in der Familie ausruhen.

Ich spürte plötzlich eine tiefe Art von Verständnis für Mose. Es war für ihn sicher nicht leicht zu hören, dass er nicht mehr ins verheissene Land dürfe. Aber solche Sesselmomente, wenn Gott da ist, liebevoll, umsorgend und mit guten Ideen - es gibt nichts Überwältigenderes!

Der Schlüssel? Steh zu deinen Zielverfehlungen und besprich sie mit Jesus! Er ist in unseren Schwachheiten am stärksten und wird dort erlebbar, wo wir ehrlich werden. Und ja, die Abende, an denen ich mich für meine Familie vorbereite, in denen wir Rituale initiieren, die sind von Liebe und Frieden geprägt. Und auch wenn es unsere Planung leider noch nicht immer zulässt, solche Abende mehr als einmal pro Woche zu gestalten, so freuen sich unsere Kids immer darauf und fragen sogar aktiv nach: "Papi, können wir nicht wieder einmal so eine Lobrunde machen?" Eine Runde, in der jeder dem anderen sagt, was er an ihm schätzt, ohne etwas Negatives zu erwähnen :-)

Credits:

Erstellt mit Bildern von Annie Spratt - "Man archery bow and arrow" • John-Mark Smith - "They just wanted to have a cute family photoshoot, so we went to the forest… and, well, they are so cute, that I don’t have words to describe it"