Richtig oder falsch? Die antwort weisst nur du

Die Unfallchirurgie war eine eigentlich relativ ruhige Station. Unter 'Unfallchirurgie' versteht man Aufregenderes und man stellt sich Szenarien vor, die man öfters einmal im Fernsehen gesehen hat. Nur ist es im echten Leben nicht annähernd so wie bei Grey's Anatomy oder Private Practice. Man sieht nämlich im echten Leben dann eher nur gebrochene Hüften und neu eingesetzte Knie, bei älteren Menschen. Ein halbes Jahr lang älteren Menschen dabei zu helfen die Toilette aufzusuchen oder ihre Intimpflege durchzuführen, wurde schnell schleppend und einfach nur langweilig. Nicht, dass ich mich davor geekelt habe, denn das tue ich selten, sondern es ist einfach nur öde.
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Ich brauche Abwechslung und die bekam ich auch. Der Tag, den ich euch beschreibe, war vorerst wie jeder andere Tag. Ich kam zur Arbeit, grüßte die Menschen auf den Gängen und Fluren, denen ich am Liebsten den Hals umgedreht hätte und habe mich in meinen weißen Kartoffelsack, den alle Kasak nannten, geschmissen. Oben auf Station fingen wir mit der Morgenvisite an. Patienten bekamen eine äußerst "gründliche" Intimpflege. Die Betten wurden neu bezogen und das in einem Tempo, in welchem man nicht einschläft, sondern ins Schwitzen kommt. Das war im Sommer übrigens toll... Nein, war's natürlich nicht. Pflegekräfte haben Zeitmangel und einen A voll zu tun, das ist ja auch kein Geheimnis. Aber das ist ein anderes Thema. Nachdem ich zahlreiche Hintern abgeputzt habe, konnte ich dann auch endlich meine verdiente Pause machen. Nach ganzen fünf Minuten Ruhe war diese dann aber auch schon wieder vorbei. Ein Patient hatte auf den Schwesternruf-Knopf gedrückt, sodass es auf der ganzen Station zu piepen anfing. In regelmäßigen Abständen, aber dennoch nervig. Vorallem, wenn sich kein anderer dort hin bewegt, außer ich. Naja, das Praktikantenleben ist nun mal nicht so leicht. Während ich mir auf die Zunge biss, um nichts gegenüber meinen Kollegen zu sagen, ging ich also in Richtung Zimmer, aus dem der Ruf kam. Wortwörtlich hörte ich Rufe und Geschrei. Jemand schrie. Ich hörte Hilferufe. Verzweifelte Hilferufe. Ich war überfordert mit der Situation und wusste nicht, was ich tun sollte. Ich lief den Gang runter, ins Patientenzimmer.
Im Patientenzimmer angekommen stand nur ein Patient mit einem gebrochenen Bein vor mir. Er fuchtelte wild mit den Armen, sagte nichts und ich hatte erstmal keine Ahnung was da abging. Ihm verschlug es offensichtlich die Sprache. Nach kürzester Zeit ging das "gebrochene Bein" zur Seite und ich konnte endlich erkennen, was los war. Der Patient, der am Fenster lag, bekam keine Luft. Er war adipös und war blau angelaufen. Einen Moment schnappte er nach Luft. Im anderen Moment atmete er nicht. Seine Hautfarbe änderte sich innerhalb von Millisekunden von blau auf grün-blau. Dann schnappte er wieder nach Luft.
Jetzt bin ich gefragt. Was mache ich? Wie handle ich? Handle ich überhaupt? Binnen ein bis zwei Seknunden musste ich mich entscheiden. Ich werde Handeln! Ich rann im Eiltempo zum Patienten und richtete ihn auf. Es war schwierig, durch die Adipositas des Patienten. Ich fuhr das Kopfteil nach oben, damit er nicht flach auf dem Rücken liegt. Ich griff nach seinen Beinen und stellte sie in einem Winkel auf und versuchte ihn zu beruhigen. Ich hab ihm von meinem Tag erzählt, von meinem Lieblingsessen und von dem schönen Wetter. Also von allmöglichem Zeug. Er beruhigte sich wieder. Er fing an ruhiger zu atmen. Ab und zu schnappte er kurz, aber er war über'm Berg. Er erinnerte mich an ein Kind. Ein Kind, welches die Süßigkeit an der Kasse nicht bekam und lange geweint hat, sich dann beruhigt und dann wimmert und nach Luft schnappt. Er hatte Tränen im Gesicht und in den Augen. Da ich zwischendrin auf den Notruf-Knopf drückte, kamen alle Schwestern und Pfleger angerannt. Aber auch erst, als seine Gesichtsfarbe dann wieder komplett "normal" war.
"Kämpfe mit dir selbst, aber kämpfe nur kurz und mach sofort weiter!" passt sehr zu meiner intrinsischen Situation und meiner jetzigen Situation, wo ich hier sitze und diese Zeilen schreibe. Ohne Ideen, einfach drauf los geschrieben. Alle anderen schreiben und ich schaue durch die Gegend. Vielleicht sollte ich erstmal kurz erklären, was ich mit 'intrinsischer Situation' meine. Im Unterricht haben wir unsere Praktikumserlebnisse besprochen. Um genau zu sein, haben wir besprochen, wie wir in einer bestimmten Situation eine Entscheidung treffen. Wir. Ganz alleine. Ohne Hilfe anderer. Sie ist der Moment, indem wir genau die Entscheidung treffen. Meine intrinsische Situation war im Krankenhaus, denn mein Praktikum absolvierte ich dort. Das Thema dieses Bloges wird "Wie entscheidet ein Jugendlicher in einer Ausbildungssituation?" sein. Außerdem werde ich ein wenig auf Bonhoeffer und andere Philosophen eingehen, die dabei helfen könnten. Was ich damit erreichen will? Ich möchte, dass Jugendliche sich das durchlesen und wieder Mut finden. Jugendliche haben es nicht leicht. Von Natur aus nicht. Und dann sollen wir andauernd noch irgendwelche zukunftsbezogene Entscheidungen treffen?
"Was will ich werden?", "Will ich das mein Leben lang machen?" ,"Bin ich gut genug dafür?","Werde ich genommen?" - das sind typische Fragen, die sich ein Jugendlicher tagtäglich stellt. Dazu kommen noch Selbstzweifel.
Bonhoeffer hat mal gesagt:"Schlimmer als die böse Tat ist das böse Sein." Das passt nicht ganz zu der Situation und zum Thema, aber ich finde, das ist das beste Zitat von Bonhoeffer. Dietrich Bonhoeffer war egal, ob das was er tat, illegal war. Ihm war egal, was Außenstehende davon hielten. Er war der Meinung, solange das was man tut, gute Absichten hat, dann ist es auch gut. Er hat alles so gedreht, wie er es für richtig hielt. Trotzdem hatte er mit seinem Zitat recht. Es ist besser, wenn man eine schöne Persönlichkeit hat und einmal eine böse Tat begeht, als eine böse Persönlichkeit zu haben und immer böse Sachen zu tun. Vielleicht kann man das etwas auf die Ausbildungssituationen beziehen, vielleicht auch auf sein Praktikum oder auf den Nebenjob. Dieses Zitat kann man sich in jeder Situation zu Herzen nehmen.
"Wie handeln Jugendliche in Ausbildungssituationen?" - wenn ich das wüsste, hätte ich höchstwahrscheinlich schon lange einen Ausbildungsplatz oder sogar einen Studiumsplatz. Leider muss ich zu geben, dass ich selbst nicht weiß, wie man sich entscheiden soll. Ich habe mir auch nie so wirklich Gedanken darum gemacht, um ehrlich zu sein. Ich arbeite schon lange an diesem Blog-Post und ich habe mal darauf geachtet, wie ich mich für etwas entscheide: aus demBauch heraus. Ich überlege zwar immer sehr viel, zerbreche mir wortwörtlich den Kopf, entscheide aber immer spontan. Ich rede oft und viel mit meinen Freunden und meiner Familie, frage nach einem guten Rat. Im Endeffekt höre ich auf mein Herz. Nur ich weiß, was ich will, da kann mir keiner reinreden.
Falls man noch nicht erkannt hat, was meine Message ist: NUR DEIN HERZ WEIß WAS RICHTIG FÜR DICH IST. Frage ruhig deine Freunde, deine Familie und alle, die dir nahe stehen, aber im Endeffekt weißt nur DU, was das Beste für dich ist!
"Es ist nicht genug zu wissen - man muss auch anwenden. Es ist nicht genug zu wollen - man muss auch tun." ist ein Zitat von Johann Wolfgang von Goethe, einem Dichter und Philosophen. Meiner Meinung nach passt dieses Zitat perfekt hier rein, da das mich persönlich sehr gut widerspiegelt. Wenn ich etwas weiß, teile ich das gerne mit meinen Mitmenschen, ich helfe gerne und stehe vieles mit meinen Freunden und meiner Familie durch. Dazu kommt noch, dass ich kämpfe. Ich kämpfe mein Leben lang um alles was ich will. Ist das vergebens? Nein! Es ist nicht schlimm, verloren zu haben. Es ist schlimm, erst gar nicht gekämpft zu haben! Kämpfe um das was du willst. Kämpfe um eine Ausbildung, Kämpfe um deine Interessen! SEI DU SELBST, VERÄNDERE DICH NICHT, ABER KÄMPF!

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