M246 und APO 50 asph Leica Monochrom - Grenzerfahrung in s/w ?

Lübeck, Standort Media Docks mit Blick auf die Altstadtinsel, St Jackobi Kirche und Yachthafen an der Untertrave

Vergangenen Donnerstag (23.06.16) zeigte sich der gerade begonnene Sommer von seiner besten Seite, es war heiß und zum Abend hin war das Abendlicht auf die Lübecker Innenstadt und in den Gassen und Gängen immer wieder fotografisch zu genießen. Architektur ist ein beliebtes Schwarz-Weiß-Genre. Es bedarf des Erkennens von Formen und Linien, Kontrast-Versprünge bringen schnell den monochromen Blickwinkel mit sich. Die Leica als echte optische Messsucherkamera fordert beim Fotografierenden ohnehin ein weitgehendes Antizipieren eines gewünschten und späteren Bildergebnisses. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass (gerade deshalb) der Blick auf den Monitor nach der Auslösung schon nützlich ist, um Bildwirkung/-winkel und Belichtungsergebnisse schon vor Ort bewerten zu können; der jüngste Trend aus dem Hause LEICA, darauf (wieder) verzichten zu müssen, um in der digitalen Welt auf analoge Erfahrungen zurückgesetzt zu werden -

- wird wohl auch seine Anhänger in diesem Segment finden, ob unter den sog. Profis oder ambitionierten Amateuren. Die hier zum Einsatz gelangte M246 ist mir für kurze Zeit geliehen zwecks Entscheidung eines möglichen Erwerbs, auch sie ist als reine S/W Kamera mit Vollformatsensor ein sehr spezielles Arbeitsgerät, das mit spartanischer Ausstattung zwar daherkommt, aber für die Fotografie wirklich alle notwendigen Tools an Bord hat. Dass der ISO Bereich erst bei 320 beginnt, macht das Mitführen eines leichten Graufilters, wenn man, wozu die wunderbaren Linsen immer wieder herausfordern, mit offener Blende bei hellen Lichtverhältnissen an die Motive zwecks Erreichung selektiver Schärfe heran will.

Media Docks (links), Feuerschiff Fehmarn Belt (Mitte), Hubbrücke und alte Hafenschuppen (hinten rechts)
Das APO 50 asph brilliert in Kombination mit dem "S/W Sensor" der M246 in unvergleichlicher Art und Weise.

Das Fotografieren mit der Leica M erfolgt grundsätzlich mit Festbrennweiten zwischen 18 und 135 mm. Das dadurch geforderte sich-Beschränken auf einen festen Bildwinkel ist, hat man sich erst einmal darauf eingelassen, eine wahre Lust. Es hat sich erwiesen, dass mit der M man entweder Berlin das ganze Wochenende mit einem 28er bereist oder wie hier abends durch die wunderbare Altstadt Lübecks nur mit einem 50er zieht, es darf auch mal das 21er oder für Nur-Details das 75er sein. - Hier am Start war nun aber die Standardbrennweite von 50 mm, wobei sich gerade diese Linse mit einer Anfangsöffnung von 2,0 wahrlich nicht als Standard nur bezeichnen lässt: entweder lässt sich mit großen Blenderöffnungen bis 4,0 weich malen oder aber ab 8 bis 16 sehr scharf zeichnen, dazu insbesondere unten die Bilder vom Baugerüst an der Lübecker St. Marien Kirche.

Wärterhäuschen an der Drehbrücke, die über die Untertrave führt und die Innenstadt mit dem Stadtteil St Lorenz verbindet.

Geliebtes Sujet in meiner s/w Fotografie ...

Auf der Drehbrücke, die in den letzten Jahren über viele Monate wieder renoviert wurde; hier Richtung Engelsgrube blickend.

Überall Details. Das ganze geht ohne Makrolinsen - der "Standard" taugt zu soviel mehr ...

Das Abendlicht in den Straßen"schluchten" ist ein Mekka für s/w Blickfänge.

Wenn das 50er einen hier und da doch einmal in Breite und/oder Höhe bremst, bleibt immer nich die Möglichkeit zum "Panorama" (bei unbewegten Motiven); hier zusammengesetzt im PS; LR sperrte sich und wollte ein horizontales Pano' nur gestatten: PS erkannte auch die vertikale Zusammensetzung.
Die Backsteingotik der Marienkirche bietet unzählige Motive, die über den Tag wechselnden Lichtstimmungen begünstigen diese. Als Fotografierender ist man dort selten alleine anzutreffen.
Richtig (?) in Szene gesetzt, kann auch ein Baugerüst alte Gemäuer interessant erscheinen lassen. Der Bildwinkel des 50ers erlaubt einen guten Detailaspekt. Die brutale Schärfe dieser Kamera-Objektiv-Kombination wird an dieser Aufnahme besonders deutlich.
Wenn nicht alles draufpasst, muss es auch mal anders gehen: Lübecker Rathaus im Abendlicht - nur "gerade" ist kein Muss!
Gesehen: Unter den Arkaden des Rathauses ...

Streetphotography ist ein bevorzugtes Genre der M-Fotografie: Ob mit den Mitteln der Hyperfokalfotografie bei Einsatz eines Weitwinkels oder im Übrigen wegen ihrer Unauffälligkeit im Straßenbild - es bedarf wahrlich keines Autofokusses, um scharfe Bilder herzustellen. Wie oft hat mich das Umherirren des AF eher gestört, als mir der AF genützt hätte. Ja, in der Sportfotografie und mit Einsatz von langen Brennweiten gibt es da keine Diskussion, aber ansonsten geht's analog selten langsamer!

Selektive Schärfe weist den bewussten Umgang mit Schärfe und Blende aus; das Smartphone kann heute soviel, hier sind regelmäßig seine Grenzen zu sehen. Zwar mögen die Motive unterschiedlich ihre Ansprache erfahren, aber sicher ist nicht selten die Aussage "Was Du alles siehst!" - das Querdenken bei der Motivauswahl wird durch S/W und bewusste Schärfenaussagen erheblich unterstrichen.
links: St Aegidien Kirche; rechts: Dom zu Lübeck: Ausschnitte mit entsprechender Umrahmung lassen die fehlende Gesamtdarstellung nicht als Makel dastehen. Es bleibt das Gebot für mittlere oder weitwinklige Brennweiten zurück: keine Aufnahme ohne Einbeziehung des Vordergrundes, um eine Bildtiefe motivisch zu gestalten.

Kath. Hauptkirche An der Parade: Herz Jesu oder Propstei.

Man muss nur genau hinschauen: Überall sind Details zu finden. Mittels LR werden nachträglich noch ein paar Lichtpunkte eingefügt via Radialfilter: hier im Kern der Straßenlaterne. Vorgänger dieser Möglichkeit war das hochgelobte Viveza von NIK Software, das heute von Google vertrieben wird und das den schon tollen Standard von LR immer noch etwas übertrifft.

Herz Jesu Kirche - Eingang

Während der gut 3-stündigen Fototour sind fast 60 Aufnahme entstanden, die mittels LR gut und flink zu verarbeiten waren. Farbenspiele hielten nicht auf; hier und da wurde mal eine ganz leichte Teiltonung hinzugesetzt. Dort, wo es sich anbot, wurde das Bild etwas gerade ausgerichtet, zu beschneiden war kaum etwas. Das fehlende WYSIWYG in der M-Fotografie, was immer noch Kernvorteil der Reflex-Fotografie sein dürfte, ob mit oder mittlerweile ohne Spiegel, ist also nicht wirklich ein Manko. - Da der Sensor der geborgten M 246 noch recht sauber war, blieb auch die Stempelei in einem sehr überschaubaren Ausmaß.

Bleibt die Frage, ob die M246 eine Ergänzung zur "normalen" M240/M-P darstellt. Dies lässt sich wohl nur dahin beantworten, dass sich bereits bei der Aufnahme die Selbstbeschränkung auf die fehlende Buntheit als eigenständiges foto-künstlerisches Handwerk darstellt. Dazu bedarf es dann je nach Portemonnaie vielleicht auch des entsprechenden Werkzeuges ...

Vielen Dank für den gemeinsamen Fotowall an Lars Ellmenreich und an das Team von Leica bei Meister in Hamburg.

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