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LNG für die Verkehrswende Verflüssigtes Erdgas - die Kraftstoffalternative für Lkw und Schiffe

In der Diskussion um klimafreundliche Kraftstoffe hat verflüssigtes Erdgas (LNG) großes Potenzial, um den Kraftstoffverbrauch zu diversifizieren und die Treibhausgas-Emissionen bei Schiffen und schweren Lkw signifikant zu senken. Das belegt eine Studie, die Shell in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Technischen Universität Hamburg (TUHH) veröffentlicht hat.

Im Straßengüterverkehr eignet sich LNG insbesondere für schwere Lkw als Alternative für Dieselkraftstoff. Unter Annahme, dass es bis 2040 in der EU 480.000 LNG-Lkw gibt, könnten sich demnach die Treibhausgas-Emissionen bei schweren Lkw je nach Motortechnik um bis zu 4,7 Millionen Tonnen reduzieren. Bei einem Anteil von 30 % Bio-LNG wäre eine zusätzliche Reduktion bei Lkw um rund 20 % möglich.

Die Zahl der schweren Lkw und Sattelzüge innerhalb der EU wird laut Studie bei Fortschreibung der heutigen Zulassungtrends bis 2040 um 307.000 auf 2,76 Millionen steigen. 480.000 (17 %) davon hätten dann einen LNG-Antrieb und würden einen Dieselkraftstoffverbrauch von bis zu 11,5 Mrd. Litern substituieren. Aktuell gibt es in der EU etwa 4.000 LNG-Lkw.

#saubereLuft

Würden die rund 2,6 Millionen Diesel-Lkw auf Deutschlands Straßen mit Gas betrieben, hätten sie auf dem Weg zur sauberen Mobilität schon eine große Etappe zurückgelegt, weiß auch der DVGW. Denn Gas-Lkw emittieren im Vergleich zu Diesel-Fahrzeugen – inklusive Euro VI – bis zu 90 % weniger Feinstaub und etwa 80 % weniger Stickoxid. Zudem wird der CO2-Ausstoß um rund ein Viertel reduziert. Die Lärmbelastung sinkt um die Hälfte, wodurch auch nachts Waren geräuscharm in städtische Zentren geliefert werden können. Mit einer Tankfüllung flüssigem Erdgas (LNG) können aufgrund der hohen Energiedichte über 1.500 Kilometer zurückgelegt werden.

Prof. Dr. Gerald Linke, DVGW-Vorstandsvorsitzender

Besonders großes Potenzial bietet Erdgas im Schwerlastverkehr, wo eine Elektrifizierung weder wirtschaftlich noch technisch sinnvoll ist. Hier können gasbasierte Kraftstoffe die klima- und umweltschädlichen Emissionen massiv senken und perspektivisch auf Null herunterfahren.

Schiffe tragen zu einem wesentlichen Teil zur Emission verkehrsbedingter Luftschadstoffe bei. Zudem verursacht der internationale Seeverkehr rund 3 % des weltweiten Kohlendioxidausstoßes. LNG ist derzeit die einzige ernsthaft diskutierte und marktreife Alternative zu ölbasierten Schiffskraftstoffen. Dies gilt im Besonderen für Containerschiffe, die aufgrund ihres hohen Leistungsbedarfes vergleichsweise hohe Kraftstoffverbräuche haben. Passagierschiffen kommt eine Pionierfunktion zu. Wenn LNG Schweröl ersetzt, bieten sich hohe Emissionsvorteile. Ein weiteres Ergebnis der Shell-LNG-Studie: Unter Annahme, dass es bis 2040 weltweit 6.000 (vor allem) große LNG-Schiffe gibt, könnten sich die Treibhausgas-Emissionen in der Schifffahrt bis 2040 um 132 Millionen Tonnen reduzieren.

Die Internationale Energieagentur (IEA) geht davon aus, dass der globale Erdgashandel bis 2040 um rund zwei Drittel wächst und über 80 % dieses Zuwachses durch LNG abgedeckt werden. Während heute rund 8 bis 9 % des konsumierten Erdgases LNG ist, werden es dann ca. 14 % sein.

Foto: iStockphoto/MsLightBox

Dr. Timm Kehler, Vorstand Zukunft ERDGAS

Der absolute ‚game changer‘ im Gasmarkt ist flüssiges Erdgas, kurz LNG. Die Einführung von LNG hat den Markt massiv erweitert, auf einst regionalen Märkten wird nun global gehandelt. Dadurch ist die Zahl der Produzenten deutlich gestiegen, mit Ländern wie Australien und USA haben sich gänzlich neue Player am Weltmarkt etabliert. Sie alle wollen Europa – den größten Gasmarkt der Welt – mit günstigem Gas bedienen.

Foto: Danny Cornelissen/Port of Rotterdam

#GaskannGrün

Durch die Nutzung von grünem Gas aus Biogas- oder Power-to-Gas-Anlagen können Gasfahrzeuge schon heute CO2-neutral fahren. In Deutschland produzieren rund 200 Biogasanlagen etwa 10 TWh Biomethan pro Jahr. Damit steht ausreichend grüner Kraftstoff zur Verfügung, um in einem ersten Schritt beispielsweise die etwa 35.000 Busse des ÖPNV zu versorgen. Kommunen, die mit ihren knappen Geldern den größtmöglichen Klimaschutz erreichen wollen, setzen auf Busse mit erneuerbarem Gas. Sie sind nicht nur technisch voll ausgereift und sofort verfügbar. Sie sind zudem derzeit die ökologischste und ökonomischste Alternative zum Diesel.

Foto: Tholer/iStockphoto

Dr. Timm Kehler, Vorstand von Zukunft ERDGAS

Leider hat die EU bei den Neuregelungen der CO2-Flottengrenzwerte für Pkw und Lkw die Chance versäumt, die Berechnungskriterien an die Realität anzupassen. Nur eine Gesamtbetrachtung im Sinne des „Well-to-Wheel“-Ansatzes liefert realistische Ergebnisse. Gerade erneuerbares Gas wird daher noch immer nicht berücksichtigt. Die Folge ist eine erzwungene Elektro-Offensive der Fahrzeughersteller, deren Klimaschutzwirkung auf sich warten lassen und möglicherweise in einer Sackgasse münden wird.

Die Infrastruktur für LNG steht noch am Anfang. Die Pläne für ein eigenes LNG-Importterminal werden immer konkreter. Aber auch die Tankstellen-Infrastruktur für flüssiges Erdgas muss ausgebaut werden.

Prof. Dr. Gerald Linke, DVGW-Vorstandsvorsitzender

Damit der Markt für LNG wachsen kann, brauchen wir sowohl für Schiffe als auch für Lkw genügend Betankungsmöglichkeiten. Die vier LNG-Tankstellen für Lkw sind viel zu wenig, für eine flächendeckende Versorgung in Deutschland wären 50 erforderlich. Hier muss die Branche zügig nachlegen.

Noch mehr Infos zu CNG und LNG als Kraftstoff finden Sie auf der DVGW-Themenseite.

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