Vom 27. bis 30. Oktober 2016 durften wir 50 Dialogmoderator*innen in der Schorfheide zu unserer diesjährigen Vertiefungsakadamie begrüßen. Die Vertiefungsakademie ist ein zentraler Teil der zweijährigen Qualifizierung zum/r Dialogmoderator*in und bietet den Teilnehmenden die Möglichkeit, sich standortübergreifend auszutauschen, die Erlebnisse in den Dialoggruppen zu reflektieren, neue Anregungen zu bekommen sowie Methoden zu vertiefen. Die diesjährige Vertiefungsakademie stand unter dem Motto #LEMONADE. Was es damit auf sich hatte und was unsere Dialogmoderator*innen in den vier Weiterbildungstagen erlebten, zeigt das folgende Journal.

Die Vertiefungsakademie ist bereit für die Dialogmoderator*innen

Der offizielle Start der Vertiefungsakademie erfolgte durch den Co-Gründer Siamak Ahmadi, der sich bei den Dialogmoderator*innen für ihre tolle Arbeit in den Dialoggruppen bedankte und sie zu gleich ermutigte, sich gerade in der jetzigen Zeit weiter für demokratische Werte einzusetzen und diese den Schüler*innen mit auf den Weg zu geben. Er übergab das Wort an Christoph Müller-Hofstede von der Bundeszentrale für politische Bildung, der das Programm seit seiner Modellprojektphase begleitet. Herr Müller-Hofstede betonte die Relevanz von Dialog macht Schule mit Blick auf die aktuelle gesellschaftspolitische Lage und bedankte sich für die kreative und nachhaltige Arbeit der Dialogmoderator*innen.

Die Ausbildungsleitung von Dialog macht Schule, Katharina Müller, führte die Teilnehmer*innen dann konkret in die Inhalte der viertägigen Vertiefungsakademie ein. Darüber hinaus ging sie auch auf neue Entwicklungen ein und stellte die fachliche Weiterentwicklung der pädagogischen Ansätze von Dialog macht Schule in der Arbeit mit Jugendlichen an Schulen vor.

Zu guter Letzt wurde dann auch das Geheimnis um das Motto #LEMONADE gelüftet: Die viertägige Vertiefungsakademie soll die Dialogmoderator*innen auf all die Zitronen vorbereiten, die sie im Rahmen der Projektphase bekommen werden. Durch Zutaten wie Workshops, Praxisaustausch und Vorträge, sollen sie ihre Zitronen in süße Limonade - aka. spannende Projekte mit ihren Schüler*innen - umwandeln.

Der erste Tag stand von nun an ganz im Zeichen des Teambuildings. Nach einer ersten Übung, in der sich die Teilnehmenden gegenseitig ihre persönlichen Limonaden-Rezepte verraten konnten, wurde das Ankommen durch zwei erfahrene Dialogmoderatoren fortgesetzt.

Das Rezept meiner Limonade...

Die beiden hannoveraner Dialogmoderatoren Felix Büchner und Maximilian Püschel boten in ihrer Einheit !Viva la Moderacion! den Teilnehmer*innen die Möglichkeit, die eigenen Erfahrungen und Erlebnisse in der Arbeit mit den Jugendlichen zu reflektieren, um sich dann in Tandems anhand von Bilderkarten auszutauschen.

Den Abschluss des Tages bildeten die Dialog macht Schule Pusheen-Games. In Teams traten die Dialogoderator*innen in einem großen Wettstreit gegeneinander an. Es galt Quizfragen und Schätzfragen, aber auch Geschicklichkeitsaufgaben zu lösen. Das Gewinnerteam erhielt dann den großen Pusheen-Preis!

Am zweiten Tag der Vertiefungsakademie bot sich den Dialogmoderator*innen die Möglichkeit eines vertiefenden Austausches. Die Teilnehmer*innen konnten aus insgesamt fünf Praxissprechstunden, die von erfahrenen Dialogtandems geleitet wurden, wählen. In den Praxisworkshops setzten sich die Teilnehmer*innen mit verschiedenen Herausforderungen im Alltag der Dialoggruppenarbeit auseinander. Es wurden Themen wie das Spannungsfeld von Nähe und Distanz, Berufsorienterung, Projekte im eigenen Kiez, das Arbeiten im Tandem sowie die Arbeit mit geflüchteten Jugendlichen besprochen. Insgesamt stellten sechs Tandems aus vier hier vertrenen Standorten (Hannover, Berlin, Stuttgart & Hamburg) ihre Erfahrungen aus der Praxis vor.

Praxissprechstunde zur Berufsorientierung mit Schüler*innen, geleitet von Reina-Maria Nerlich und Sarah Abu Al Haijaa aus Berlin.

Praxissprechstunde zur Arbeit mit geflüchteten Jugendlichen, geleitet von Mert Yildiz und Erkan Binici aus Stuttgart.

"Wo sind die Grenzen der Dialogmoderation?" Diese Frage stellten Derya Bal und Scarlett Meitsch aus Hannover in ihrem Praxisworkshop.

Nach den Praxissprechstunden und einer Mittagspause startete die zweite Hälfte des Tages mit einem Input zum Thema positive Psychologie von Viktoria Franz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Trier. Sie thematisierte zunächst die Wurzeln der positiven Psychologie, die in der humanistischen Psychologie liegen und eine Abkehr von einer oft herrschenden Defizitorientierung sind. Zentral sind dabei die Fragen, was Menschen stark macht und wie sie ihre Stärken entwickeln können.

"Auf die Stärken kommt es an! - Positive Psychologie in Schule und Praxis" - Viktoria Franz

Frau Franz ging anschließend auf das PERMA-Schema ein, das die Grundlage der positiven Psychologie ist. Darin werden Gelingensfaktoren wie positive Emotions, Engagement (Flow), Relationship, Meaning und Accomplishment beschrieben. Frau Franz betonte, dass das Schaffen von positiven Emotionen bei Schüler*innen zu einer offeneren Bewusstseinslage führt und so kognitive Lernprozesse begünstigt werden. Das Entstehen von Flow im Lernprozess kann unter anderem durch die Fokussierung auf klar formulierte Aufgabenstellungen, die Schaffung einer positiven Lernumgebung sowie das Ausschalten störender Umweltreize gelingen. Neben positiven Lernumfeldern ging Frau Franz ebenfalls auf die Wichtigkeit von Beziehungen in Lernsettings ein, die, wenn gut gestaltet, ein positives Klima schaffen können, welches Jugendliche zusätzlich motiviert. Im Laufe des Inputs tauschten sich die Dialogmoderator*innen in kurzen Kleingruppen-Übungen zu den einzelnen Faktoren aus. Die von ihr vorgestellten Inhalte sowie praktischen Übungen für den Schulkontext können im Fachbuch "Positive Psychologie in der Schule" nachgelesen und vertieft werden .

Im Anschluss an den Input konnten die Dialogmoderator*innen nun aus vier verschiedenen Workshops wählen, die ihnen neue Anregungen und Methoden für die Arbeit mit den Schüler*innen näher bringen sollten. Zur Auswahl standen ein Workshop zum Thema Rap in der Arbeit mit Jugendlichen, Sprachbildung in der Dialogmoderation, ein Workshop zum Thema Urban-Game Design sowie ein Filmworkshop für die niedrigschwellige Medienarbeit mit Schüler*innen.

Workshopleiter Robin Haefs im Workshop "Rap macht Schule".

Dr. Viktor Bedö leitete an zwei Tagen den Workshop zur Methode des Urban-Gamedesigning.

"Sprachbildung in der Dialogmoderation". Ein Workshop von Anne-Marie Jordan und Matthias Sieberkrob.

Und Action - Filmarbeit in der Dialogmoderation. Ein Workshop von Jarek Godlewski.

In den Workshops wurde sowohl über das jeweilige Thema bzw. die Methode reflektiert, als auch aktiv Outputs gestaltet. Es entstanden u.a. ein Rap-Song und einzelne Clips, die am letzen Tag der Akademie der gesamten Gruppe vorgestellt wurden.

Mit Warm-Up in den Tag

Der dritte Tag der Vertiefungsakademie begann mit einer zweiten Runde der Workshops. Wieder vertreten waren die Rap-, Video- und Gamedesignworkshops. Hinzu kam ein Workshop zum Thema Auftritt und Wirkung vor Gruppen, gestaltet von Bengt Kiene.

Impressionen aus der zweiten Workshoprunde

Nach dem Mittagessen folgte ein spannender und kontroverser Vortrag von Prof. Dr. Markus Tiedemann zu der Frage "Menschenrechte: eine stabile rote Linie der Toleranz?!"

Prof. Tiedemanns betrachtete in seinem Input die Menschenrechte aus philosophischer Sicht. Dabei ging er insbesondere auf die Begründbarkeit, Universalität und Grenzen dieser ein. Ausgangspunkt seiner Überlegungen war der Begriff der Toleranz bzw. der Toleranzerziehung. Laut Prof. Tiedemann sei dabei vor allem die transzendentale Toleranzerziehung mit Bildungsprozessen kompatibel und nachhaltig. Grund dafür sei, dass diese die Erklärung von Begriffen und Kategorien (bspw. dem Unterschied zwischen Wissen, Meinen und Glauben) mit der ergebnisoffenen Diskussion von Einzelfragen (bspw. dem Burkaverbot) verbindet. Er folgerte daraus, dass Toleranz nicht ohne Ablehnungskomponente zu denken ist und dass Menschenrecht als rote Linie der Toleranz praktisch notwendig, aber dadurch nicht letztbegründet sind.

Vortrag von Prof. Tiedemann zum Thema Menschenrechte

Darüber hinaus ging Prof. Tiedemann auf die universale Begründbarkeit der Menschenrechte und damit einhergehende Kritik an diesen ein. Er thematisierte das sog. "Würdeproblem", das sich u.a. damit beschäftigt, ob Würde erwerbbar oder gegeben ist und ob diese abstufbar ist. Er beleuchtete auch das Problem des "Umfangs der Menschenrechte", die von Persönlichkeitsrechten über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte reichen. Er zeigte ebenfalls die oft kritisierte "Problematik der Positivierung" auf, die auf der Universalität der Menschenrechte für alle Menschen fusst, aber ohne staatlichen Schutz nur eine Absichtserklärung ist. Schlussendlich folgerte er, dass die Menschenrechte aus philosophischer Sicht nicht letztbegründet, aber bestbegründet sind.

Zentrales Thema für den zweiten Teil des dritten Tages war die Projektarbeit in den Dialoggruppen. Den Auftakt für diesen Themenblock machte ein Input von Sarah- Janina Khayati, Bildungsreferentin bei der Deutschen Gesellschaft für Projektmanagement und ehemalige Dialogmoderator*in.

Frau Khayati ging in ihrem Input auf die besonderen Merkmale eines Projekts ein, stellte Faktoren für erfolgreiche Projekte vor und präsentierte konkrete Tools für die Projektarbeit. Im Anschluss an ihren Vortrag hatten die Dialogmoderator*innen Gelegenheit, in Kleingruppen an ihren konkreten Projektideen zu arbeiten.

Kleingruppenarbeit an Projektideen.

In Kleingruppen von 5 - 10 Teilnehmer*innen entwarfen sie konkrete Projektideen zu Themen wie Verantwortung im eigenen Kiez, Schüler*innen-Ausstellung, gemeinsam organisierte Klassenfahrten, der Umgang mit dem Thema Sexualität oder Schülerfirmen-Projekte.

Zum Ausklang des Tages führte der örtliche Förster die Dialogmoderator*innen durch den Wald der Schorfheide und ging neben kleinen Anekdoten aus verschiedenen Epochen auch auf die spannende Gesichte des Gebietes ein.

Start des letzten Tages der Vertiefungsakademie mit dem obligatorischen Warm-Up

Zu Beginn des letzten Tages der Vertiefungsakademie erhielten die Projektgruppen noch einmal Zeit, ihre Ideen zu finalisieren. Im Anschluss konnten sich die Dialogmoderator*innen nun auf einem "Markt der Möglichkeiten" gegenseitig ihre Projektideen vorstellen und sich darüber austauschen.

Letzte Vorbereitungen für die Projektpräsentationen.

Vorstellung der Projektpläne durch die Kleingruppen.

Anschließend wurde der Faden des ersten Tages durch die zweite Einheit von !Viva la Moderacion! wieder aufgegriffen. Dabei stand erneut die Dialoggruppenarbeit im Fokus. Mit den Tandempartner*innen des ersten Tages erarbeiteten die Dialogmoderator*innen zwei Standbilder, die zeigten, wie sie die Schüler*innen zu Beginn ihrer Dialoggruppenarbeit wahrgenommen und welche Aufgabe sie als Dialogmoderator*innen haben.

!Viva la Moderacion! Klappe die Zweite.

Nachdem die Tandems in Kleingruppen ihre Standbilder vorstellten, erarbeiteten die Gruppen jeweils ein großes Standbild, welches symbolisierte, was sie nach zwei Jahren Dialog macht Schule bei den Schüler*innen bewirken möchten.

Standbilder der Dialogmoderator*innen: Was möchte ich nach 2 Jahren bei meinen Schüler*innen bewirkt haben?

Nach vier spannenden und ereignisreichen Tagen kam die Verteifungsakademie 2016 zu ihrem Abschluss. Die Ausbildungsleitung Katharina Müller und der Geschäftsführer von Dialog macht Schule, Siamak Ahmadi, bedankten sich noch einmal für die tolle Arbeit, den großen Einsatz und das Feedback der Dialogmoderator*innen. Siamak Ahmadi gab zudem auch einen Ausblick auf das kommende Jahr bei Dialog macht Schule und ging auf geplante Projekte ein, die stark von der Beteiligung der Dialogmoderator*innen leben.

Verabschiedung von Mary Ivic und Katharina Müller

Zudem wurde zum Ende der Vertiefungsakademie auch noch Abschied von zwei langjährigen Mitarbeiter*innen genommen: Katharina Müller und Mary Ivic werden nach fünf, bzw. vier Jahren bei Dialog macht Schule, ab Januar 2017 neue berufliche Wege einschlagen. Für ihre wunderbare Arbeit bedankte sich das ganze Team nicht nur mit Worten sondern auch mit einer langen Umarmung!

Wir wünschen allen Dialogmoderator*innen ein tolles zweites Jahr in ihren Dialoggruppen mit vielen spannenden Begegnungen, Spaß am Entdecken von neuen Themen, Kraft im Umgang mit Herausfoderungen und tolle Projekte mit den Schüler*innen!

DANKE für vier wunderbare Tage Vertiefungsakademie 2016!

#LEMONADE

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