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Razack Gewinnt "African youth Education Award 2019" Schülerreporter Salissou im Interview mit dem Preisträger

Hallo Leute, rechts neben mir seht ihr Razack, der als Hamburger Auszubildender gerade den "African Youth Education Award" gewonnen hat. Ich traf ihn für ein Interview. (Foto: © Marheineke)

Hallo Razack, vielen Dank, dass du dir die Zeit für ein Interview nimmst. Ich weiß, dass du heute einen langen Arbeitstag hattest. Und trotzdem bist du noch gekommen. Danke dafür! Ich habe gehört, dass du am 2.11.19 in der Hamburger Handelskammer einen wichtigen Preis gewonnen hast. Einen Preis, der jedes Jahr vergeben wird und für den sich Jugendliche aus afrikanischen Ländern bewerben können. Darüber möchte ich mit dir sprechen.

Kannst du dich unseren Leserinnen und Lesern kurz vorstellen?

Razack: Ich heiße Razack. Ich komme aus Benin und lebe hier seit 8 Jahren. Ich spreche Dendi, Französisch und mittlerweile auch sehr gut Deutsch. Ich habe seit der 8. Klasse hier in Hamburg die Schule besucht, habe den ESA gemacht und dann eine Ausbildung angefangen. Während der Ausbildung konnte ich meinen Realschulabschluss machen. Meine Ausbildung als Maler und Lackierer habe ich bereits erfolgreich beendet und wurde übernommen.

Wie hast du deinen Ausbildungsplatz gefunden?

Razack: Das war so. Am Anfang wusste ich gar nicht, was ich machen soll. Ich habe 4 verschiedene Praktika absolviert: als Erzieher, als Verkäufer, als Altenpfleger und dann als Maler. Danach war mir klar, dass ich was im Handwerksbereich machen möchte. Das 3-wöchige Praktikum hatte mir gut gefallen, die Firma wollte mich haben. Aber der Chef hat mir empfohlen, noch mal was anderes auszuprobieren. Das habe ich gemacht und die wollten mich auch. So hatte ich die Möglichkeit auszuwählen. Bis jetzt läuft alles ganz gut. Maler und Lackierer zu werden war nicht mein Traumberuf. Aber ich bin froh, dass ich das durchgezogen habe.

Wer hat dir geholfen?

Razack: Am Anfang habe ich bei einer deutschen Familie gelebt. Zu der Zeit habe ich sehr aktiv Fußball gespielt. Das war so, dass ich jeden Tag nur Deutsch gesprochen habe. Ich hatte viele deutsche Freunde und habe nicht mit den beninischen Leuten abgehangen. Dadurch habe ich die Sprache schnell gelernt.

Jetzt, wenn ich träume, träume ich sogar auf Deutsch.

Außerdem habe ich mir Mühe gegeben - und ich war mutig. Manche haben Angst Fehler zu machen. Sie befürchten, dass sie ausgelacht werden.

Wenn man nicht den Mut hat, es einfach zu wagen, dann lernt man es nicht.

Wenn ich was sagen wollte, dann habe ich das auch gesagt. So habe ich schnell gelernt. In der Schule war ich 3 Jahre lang Schulsprecher und Klassensprecher. Ich war sehr beliebt. Das hat mir auch viel Mut gegeben. Das war eine tolle Zeit: Wir haben Projekte gemacht, Kindern geholfen ... 2 Jahre habe ich an der Stadtteilschule Barmbek eine sogenannte IVK-Klasse besucht.

Danach konnte ich in die Regelklasse wechseln und mit den Jugendlichen lernen, die hier aufgewachsen sind.

Nach der 10. Klasse stand ich vor der Frage, ob ich die Schule weitermachen sollte oder ob das zu schwierig sein würde. Schaff ich das? Ich habe mich für eine Ausbildung entschieden.

Was ist das für ein Preis, den du jetzt gewonnen hast? Was genau hast du bekommen? Und wofür? Wie hast du dich da gefühlt? Bist du der erste afrikanische Jugendliche, der als Auszubildender diesen Preis gewonnen hat? Könnte ich diesen Preis auch gewinnen? Wenn ich meine Ausbildung gut mache? War dein Chef bei der Preisverleihung?

Razack: Meine Vormündin hatte mir das empfohlen. Das ist eine Preisverleihung, die es schon seit 9 Jahren gibt. Der Preis heißt „AYEA – African Youth Education Award“. Am Anfang war ich gar nicht so überzeugt oder interessiert. Dann habe ich „okay“ gesagt und habe mich beworben. Kurze Zeit später gehörte ich schon zu den Gewinnern. In der Vergangenheit wurden meistens Menschen ausgezeichnet, die studiert haben. Meine Vormündin hat sich beschwert. Sie hat darauf hingewiesen, dass auch Jugendliche und junge Erwachsene, die eine Ausbildung geschafft haben, ausgezeichnet werden sollten.

Der Jury geht es darum zu zeigen, wie engagiert und erfolgreich sich afrikanische Leute hier entwickeln und was sie alles erreichen.

Sie werden dort geehrt. Es geht darum, dass sie sich gut fühlen und auch selbst merken, dass sie was erreicht haben. Als ich da war, habe ich mich wirklich geehrt gefühlt, richtig gut gefühlt. Ich fand das fantastisch. Wichtige Menschen aus meinem Leben sind dabei gewesen.

Was hast du der Jury geschrieben?

Razack: Sie fragten mich, worauf ich stolz bin. Ich schrieb, dass ich stolz darauf bin, dass ich bis jetzt meine Ziele verfolge, dass es bis jetzt so gut läuft und dass ich sagen kann, ich bin auf einem guten Weg. Dass ich jetzt nicht mehr abhängig vom Jobcenter bin und meinen Lebensunterhalt selbst verdienen kann. Dann fragten sie, was ich an meiner Kultur mag. Außerdem wollten sie alles über Ausbildung und Hobbys wissen. Die haben wirklich viele Fragen gestellt. Auch wollten sie wissen, wie ich meine Zukunft sehe. Ich habe geschrieben, dass ich zur Meisterschule gehen und meinen Führerschein machen möchte. Dann kann ich mich selbstständig machen und die jungen Leute ausbilden.

Was hast du von ihnen bekommen?

Razack: Ich habe eine Ehrenkunde, ein Tablet und ein Buch bekommen. Mein Chef ist auch da gewesen. Das hatte mich sehr gefreut. Wir wurden einzeln aufgerufen und sind nach vorne gegangen. Ich habe dem Publikum ein bisschen von mir erzählt. Meine Botschaft ist:

Verfolgt eure Ziele, lebt eure Träume. Und wenn das nicht klappt, ändert nicht eure Ziele sondern eure Pläne.

Bewerbung für Jugendliche aus afrikanischen Ländern mit abgeschlossener Ausbildung und besonderem Engagement: