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Eine neue Sensibilität für den Nachbarn Brianza Italien

Die Welt verändert sich laufend, aber im vergangenen Jahr ging dieser Prozess besonders schnell und einschneidend voran. Das haben wir alle bald festgestellt.

Zum Beispiel als wir nicht mehr von einer Stadt zur andern fahren durften, oder als wir uns nicht mehr wie gewohnt als Gemeinde treffen konnten. Und jetzt!? Gibt es die Gemeinde nicht mehr? Doch, nur anders. Wir überlegten uns nochmals, was uns als Gemeinde eigentlich ausmacht und haben sofort auch neue Mittel gefunden, um uns anders zu treffen, zu unterstützen und zu ermutigen. Naja, so ganz funktioniert es bei uns noch nicht. Nicht immer arbeitet die Technik, wie wir es uns wünschen, und nicht alle lieben die virtuelle Gemeinde. Aber wir liessen uns die Gemeinde nicht einfach nehmen.

Was die Evangelisation betrifft, war ich eher mehr frustriert. Ich bemühe mich darum, ein unerreichtes Gebiet zu erreichen, kann da aber nicht hinfahren und wenn ich mich dann doch mal vorgewagt habe, traf ich niemanden an, der wirklich mit mir sprechen wollte. Mit Unbekannten will man sich nicht treffen. Einige hatten ein grosses Bedürfnis, mir ihr Leid aus grosszügiger Distanz von der Leber zu schreien, und ich fühlte mich zumindest als Mülleimer nützlich. Psychologisch nicht zu unterschätzen und mir wurde bewusst, dass unsere Mitmenschen neue Bedürfnisse und Nöte haben.

Mit einigen Fragen, die mir vor Jahrzehnten halfen, mich auf die Brianza einzustellen, konnte ich nun neu überlegen, mit wem ich es hier nun wirklich zu tun habe. Ich stellte danach die gleichen Fragen in den Mitarbeitersitzungen und nach einiger Zeit gelang es uns, wichtige Antworten zu finden, um gezielt auf die Bedürfnisse in unseren Städten, Dörfern, Quartieren und Wohnblöcken einzugehen.

Heute wissen wir besser, wer nebenan wohnt, und können konkret helfen. Wilma hat mit einer Bibellese begonnen. Wir beten zusammen. Johanna hat durch unsere Schriften neuen Mut geschöpft und öffnet Gott gegenüber ihr Herz. In einem Wohnblock kennen sich nun alle Mitbewohner dank einer einfachen Geschenkaktion, die weite Kreise gezogen hat.

Wir haben einen guten Draht zur Stadtverwaltung und können auf unkomplizierte Art beistehen, ermutigen und Menschlichkeit beweisen.

Unsere Gebete sind neu lebendig geworden, weil wir besser hinter die Kulissen sehen und für neue Menschen sensibel geworden sind. Wir sehen unseren «Nächsten» besser und lernen nun, was Evangelium für sie in der neuen Situation heisst. Jesus hat sozusagen erst mal ein neues Feuer in uns angezündet und nun beten wir, dass viele ihre Angst, Trauer und Enttäuschung bei Gott mit einem neuen Leben eintauschen können.

Reto Dittli, dittli@c-c-b.it

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