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Lauf, Catha – lauf! Die Abenteuer einer Trail-Runnerin

Corona. Dieses Wort kann keiner mehr hören. Es hat das Jahr 2020 für uns alle komplett auf den Kopf gestellt. Auch mein geliebtes Hobby, das Laufen, musste ich die letzten Monate deswegen anpassen. So blieben mir meist nur meine Hometrails oder im nahen Mittelgebirge zu trainieren. Aber was ist schon ein Training, wenn es kein konkretes Ziel gibt, worauf man hinarbeiten kann?

Läuferkollege Hinnerk kam dann auf die Schnapsidee, den „Albtraum100“ einfach in Eigenregie zu laufen. Und kurze Zeit danach gleich den nächsten 100er anzugehen.

Als wir uns diese Idee näher durch den Kopf haben gehen lassen, klang es schon gar nicht mehr so verrückt. Denn wenn man es genau nimmt, ist dabei ja nicht sehr viel anders als im Wettkampf. Man muss sich lediglich gut organisieren zwecks Verpflegung und Strecke. Im Nachhinein hat aber genau das sogar richtig Spaß gemacht und gezeigt, wie viel Zeit hinter so was steckt.

Mein Gedanke war zuvor, dass es sicherlich schwierig sein wird, sich währenddessen motiviert zu halten – so ganz ohne Wettkampf-Feeling wie z.B. Zuschauer oder die netten Helfer an den Verpflegungsstationen. Aber genau deshalb bin ich sehr froh, dass ich meine zwei Trail-Freunde Hinnerk und Nanni an meiner Seite hatte. Gemeinsam ist man stark und kann sich gegenseitig (mental) unterstützen.

Aber nun ein bisschen detaillierter zu unseren beiden 100er-Läufen:

Zur Albtraum100-Tour starteten wir am 07. Mai morgens gegen 10:00 Uhr. Die Sonne schien und es war schon angenehm warm. Die originale Startzeit von 4:00 Uhr lockte nicht gerade mit vielen Vorteilen. Daher war 10:00 Uhr sehr viel perfekter, auch die Öffnungszeiten unserer „Verpflegungsstationen“ betreffend. Moment mal … Verpflegungsstationen? Ja genau die meine ich, denn die braucht es ja trotzdem. Nur sehen diese bei einem Trainings-Ultra etwas anders aus als im Wettkampf.

Ich überlegte zuvor lange, wie es sich am besten planen lässt, sich bei solch einem langen Lauf am besten mit Verpflegung zu versorgen. Hauptsächlich ging es uns um die Getränke. Jeder von uns hatte zwar knapp vier Liter Flüssigkeit dabei, aber auch dieser Vorrat ist nach einigen Stunden aufgebraucht, vor allem bei den Temperaturen.

Also schaute ich auf der Albtraum100-Route, durch welche Ortschaften wir hindurch laufen werden und ob es da Tankstellen oder Supermärkte gibt. Und weil diese Verpflegungsstationen nun nicht immer direkt auf dem Weg lagen, wurden aus 115 km Originalstrecke kurzerhand mal 134 km. Okay ...

Ich muss zugeben, wir haben uns auch ein paar Mal verlaufen – einmal sogar einen 2 Kilometer langen Abstieg völlig umsonst gemacht. Bis uns dann auch mal aufgefallen ist, dass wir schon lange kein Schild mehr gesehen haben. Dann hieß es eben, das Ganze zurück und wieder hoch. Tja, das bedeutete ein paar Höhenmeter extra für uns.

Trotz der Umwege bewältigten wir den Albtraum mit Bravour. Das musste sogleich mit einem Bierchen adäquat gefeiert werden – alkoholfrei natürlich!

Blieb uns jetzt nur noch, einen passenden Ersatz für den ZUT (Zugspitzultratrail) zu finden. Da kam es aus organisatorischen Gründen nicht in Frage, die Originalstrecke anzugehen. Auch hier kam Hinnerk nach etwas Recherche auf die Lösung: Wieso nicht einfach den großen Hansjakobweg im Schwarzwald laufen?

Gute vier Wochen nach dem Albtraum legten wir los. Dieses Mal starteten wir um 00:00 Uhr. Auf dieser Strecke müssten unsere Vorräte bis zu den Ladenöffnungszeiten am nächsten Morgen gut ausreichen. Außerdem wollten wir unser Ziel am selben Abend unbedingt noch erreichen. Wir sind vom erfolgreichen Verlauf dessen sogar so überzeugt, dass wir am Ankunftsort im Voraus bereits einen Tisch in einer Pizzeria reserviert hatten.

Wir marschierten motiviert durch die Nacht sowie voller Energie und guter Laune ein paar Stunden später in den Sonnenaufgang hinein. Erst mal ein kleines Frühstück aus dem Rucksack gönnen.

Gegen 9 Uhr kamen wir (juhu!), planmäßig an einer Holzofenbäckerei an. Ich freute mich wie ein kleines Kind, als ich genussvoll in mein süßes Stückle mit Kirschen beißen konnte. Danach noch schnell den Supermarkt zwei Ecken weiter stürmen und unsere Getränke nachfüllen.

Die Strecke war deutlich anders als die des Albtraums: Die Anstiege sehr viel steiler und etwas langgezogener, aber insgesamt besser laufbar, weil es mehr breite Wege gab. Ich hatte ein bisschen Angst, wieder Halluzinationen wie beim UTML im September 2019 zu bekommen. Der hatte eine ähnliche Startzeit. Zum Glück bin ich dieses Mal davor verschont geblieben.

Nachdem wir den Albtraum ganz gemütlich in Chiller-Pace unterwegs waren, um uns zu dritt zu finden und anzupassen, wollten wir den Hansjakob etwas disziplinierter und flotter angehen. Was soll ich sagen: Es ist uns bestens gelungen!

Würde ich so eine lange Kante ohne Wettkampf nochmals laufen? Auf alle Fälle ja – aber nicht alleine. Es war eine unglaublich tolle Erfahrung, die man gemeinsam teilen kann. Ein solcher Lauf bedeutet ein einziges großes Überraschungspaket. Man weiß nie, was unterwegs passieren wird und wer von uns an vielleicht keinen so guten Tag erwischt hat.

Daher muss bei einem solchen Vorhaben von Anfang an klar sein, dass immer der „Schwächste“ das Tempo vorgibt. Schwach bedeutet in dem Fall nicht der Langsamste. Sondern wenn jemand von uns während des Laufes beispielsweise mit Problemen zu kämpfen oder einfach eine schlechte Tagesform erwischt hat.

Ich bin mächtig stolz auf uns und dass wir es bei beiden Läufen gesund ins Ziel geschafft sowie uns gegenseitig immer super unterstützt haben. Genau deswegen liebe ich Trail-Running so sehr: Man hält zusammen und schafft gemeinsam Großes.

© Fotos: privat // © Text: Catharina Lehmann

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Ulrike Parthen
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