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Stürmische Zeiten für das THW Innere Sicherheit und Extremwetterereignisse 2017

Von Sportveranstaltungen über den G20-Gipfel bis hin zum Abschied von Helmut Kohl – das Jahr 2017 stand für das Technische Hilfswerk (THW) ganz im Zeichen der Sicherheit. Die Helferinnen und Helfer des THW sperrten Streckenabschnitte bei Großveranstaltungen ab, leuchteten Einsatzstellen aus und errichteten Arbeitsplattformen für die Sicherheitskräfte. Starkregenfälle und Unwetter bescherten den THW-Kräften zudem wortwörtlich stürmische Zeiten. Wie die THW-Kräfte diese Herausforderungen meisterten, zeigt unser Jahresrückblick mit einer exemplarischen Auswahl von Aktivitäten und Ereignissen.

Wie THW-Kräfte Naturphänomenen trotzten

Axel, Egon, Xavier – die Stimmen des Sturms

Dass sie standfest sind und sich so leicht von nichts erschüttern lassen, mussten hunderte THW-Kräfte mehrfach im Jahr bei starken Stürmen und Starkregenfällen unter Beweis stellen. Vom Sandsack über die Hochleistungspumpe bis hin zum Radlader kamen alle Hilfsmittel und Großgeräte zum Einsatz, auf die das THW sich bei Extremwetterereignissen verlassen kann. Die größte Herausforderung war dabei Sturm Xavier, der im Oktober über Deutschland hinweg fegte und bundesweit mehr als 900 THW-Kräfte auf den Plan rief. Wenige Wochen später rückten mehr als 480 THW-Helferinnen und -Helfer erneut nach heftigen Sturmböen aus, um Bahnstrecken von Bäumen zu befreien, Gebäude zu sichern oder Keller leer zu pumpen.

Das Jahr begann ohnehin stürmisch: Mehr als 110 THW-Kräfte aus sechs Ortsverbänden waren bereits Anfang Januar an der Ostseeküste mit Sandsäcken und Pumpen im Einsatz, nachdem Sturmtief Axel im Norden Deutschlands gewütet hatte. 260 THW-Kräfte waren zwei Wochen später von Bayern bis Niedersachsen infolge von Sturmtief Egon gefragt.
Außerdem kämpften mehr als 200 THW-Kräfte im August gegen Unwetter, evakuierten einen ICE, stellten die Stromversorgung sicher und pumpten ein überschwemmtes Festivalgelände ab.

Extremwetterereignisse erfordern Engagement

Wie ein unheilverkündender Trommelwirbel prasselte Anfang Juli heftiger Starkregen auf Berlin und Brandenburg nieder. Mehr als 700 THW-Kräfte aus 25 Ortsverbänden setzten dem Rhythmus des Regens ihre dröhnenden Pumpen entgegen. Insgesamt absolvierten THW und Feuerwehr alleine in Berlin in kürzester Zeit mehr als 2.500 Einsätze. Hinzu kamen unzählige Aufgaben in Brandenburg: pumpen, Sandsäcke verbauen, Einsatzstellen ausleuchten und Fachberatung.

Rund 50 THW-Kräfte pumpten im Juli schlammige Wassermassen aus einer Kölner U-Bahn-Station ab.

Kaum vier Wochen später überschwemmten Starkregenfälle Teile von Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Mehr als 300 THW-Kräfte brachten ihre Pumpen in Anschlag, um die Überflutungen abzuführen. Darüber hinaus versorgten die Helferinnen und Helfer Fahrzeuge und Geräte an den Einsatzstellen mit Treibstoff aus mobilen Tankanlagen.

Und bereits im Mai waren mehr als 120 THW-Kräfte in Bayern, Niedersachsen und Thüringen nach Starkregen im Einsatz – das kannten vor allem die bayerischen Einsatzkräfte schon aus dem letzten Jahr.

Aktiv im Ausland: reklassifiziert, reaktionsschnell, redebereit

Zu Hause ist jeder Hund ein Löwe

Im Einsatz fühlen sich die Rettungshunde der Schnell-Einsatz-Einheit Bergung Ausland (SEEBA) des THW wie zu Hause. Acht Vierbeiner unterstützten im Mai 73 SEEBA-Kräfte bei einer Großübung in Genf. Die Großübung diente der internationalen Reklassifizierung der SEEBA nach den Rahmenvorgaben der Vereinten Nationen. Mit Suchhunden und technischem Ortungsgerät spürten die THW-Kräfte vermisste Personen auf und befreiten sie aus den Trümmern. Dazu mussten sie – unter Einsatz von Betonkettensäge oder Plasmaschneider – technisch anspruchsvolle Durchbrüche durch Beton, Stahl und Holz vornehmen.

Auch den THW-Kräften, die in der SEEBA für die medizinische Erstversorgung zuständig sind, war die Erleichterung nach jeder Rettung anzumerken.

Sowohl THW-Kräfte als auch Hunde brauchten Ausdauer und Geduld.

THW-Präsident Albrecht Broemme war mit den Leistungen der SEEBA-Kräfte zufrieden.

Rettung mit Holz? An einigen Stellen mussten die THW-Kräfte Gebäudeteile abstützen.

Mit Trennschleifern bahnten sich die SEEBA-Kräfte ihren Weg durch Stahlplatten…

… was in der Nacht durch den Funkenflug noch beeindruckender wirkte.

Soldaten der schweizer Armee mimten während der Übung die Verletzten. Sie harrten teilweise stundenlang aus, bis die SEEBA-Kräfte sie sicher bargen.

Dank Schichtsystem arbeiteten die THW-Kräfte die gesamte Nacht hindurch.

Lauschen durch die Trümmer: Die Bodenschallempfänger des akustischen Ortungsgeräts empfangen leisestes Klopfen oder Scharren.

Genauso wichtig wie Durchhaltevermögen war echte Teamarbeit.

Die THW-Suchhunde erschnüffelten die vermissten Personen zielsicher.

Phoenix aus der Asche: Alle SEEBA-Kräfte und Suchhunde waren froh, die Prüfung erfolgreich bestanden zu haben.

Frieden in Kolumbien – auch dank des THW

In Kolumbien zerschnitten THW-Kräfte im September mit Diamantkappsägen und Plasmaschneidgeräten die Waffen der ehemaligen kolumbianischen FARC-Rebellen. Diese hatten Gewehre, Pistolen und Granatwerfer aus 750 Verstecken zuvor den Beobachtern der Vereinten Nationen übergeben. Insgesamt 56 Helferinnen und Helfer des THW unterstützten die Friedensmission in Kolumbien (UNMC).

Telekommunikation und Logistik aus einem Guss

Eine Woche lang trainierten internationale Expertenteams der Logistik- und Telekommunikationsbereiche des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen gemeinsam an der THW-Bundesschule in Neuhausen – eine Premiere. Dafür waren im Oktober 160 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus mehr als 40 Ländern zu Gast beim THW.

Hilfe zur Selbsthilfe: Kooperationen mit Irak, Jordanien, Tunesien

Von Infrastruktur über die Organisationsstruktur bis hin zum didaktischen Handwerkszeug – das THW unterstützte verschiedene Länder in Nordafrika und dem Nahen Osten, sich für Naturkatastrophen zu wappnen.

Das THW baute zwei Logistikzentren im Nordirak für die Bevölkerungsschutzbehörde Joint Crisis Coordination Centre (JCC). Rund 2.500 Familien kann das JCC seit Mai mit Hilfsgütern versorgen.
Technisches Geschick vermitteln – leicht verständlich, nachvollziehbar und spannend. Das lernten im Juli 14 Ausbilder der jordanischen Zivilschutzbehörde General Directorate of Jordan Civil Defense von THW-Kräften in Wesel.

Ende Oktober bildeten jordanische Zivil- und Katastrophenschützer in Jordanien erstmals Freiwillige auf mögliche Einsätze vor. Als Mentoren waren die THW-Kräfte gefragte Ansprechpartner.

Bereits zum zehnten Mal bildeten tunesische Ausbilderinnen und Ausbilder mithilfe des THW freiwillige Einsatzkräfte für den tunesischen Zivilschutz aus.

Wie das THW Sicherheitskräfte bundesweit unterstützte

Gipfeltreffen in Hamburg

Sicherheitszonen ausleuchten, Stromversorgung sicherstellen und Einsatzkräfte verpflegen: Mit bis zu 470 Helferinnen und Helfern pro Tag war das THW beim G20-Gipfel in Hamburg gefragt. Einsatzkräfte aus ganz Deutschland unterstützten dabei im Juli unter anderem Polizei, Feuerwehr und die Freie und Hansestadt Hamburg bei den umfangreichen Sicherungsmaßnahmen.

Manche Einsätze stimmen nachdenklich: Für eine ruhige und friedliche Trauerfeier für den ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl sorgten Anfang Juli rund 100 THW-Kräfte.

Ehrenamtliche aus sieben THW-Ortsverbänden stellten im Juni den Wasserrettungsdienst auf der Kieler Woche sicher.

Kein „Hitzefrei“ im Mai: Rund 400 THW-Kräfte errichteten im Vorfeld des Evangelischen Kirchentags in Wittenberg einen Fußgängersteg an der Elbe,...

...besetzten einen Leitungsstab sowie Bereitstellungsräume und bauten in Magdeburg einen Pilgerhafen.

Im Einsatz für die Jecken: Hunderte THW-Kräfte sperrten an Karneval bundesweit Zugwege ab, damit die Festwagen freie Fahrt hatten.

Einsatz in Turnschuhen? Wohl kaum! Aber 120 Ehrenamtliche des THW sicherten die Laufstrecke beim Düsseldorfer Marathon im Mai…

… und 85 Kameradinnen und Kameraden sperrten im Juli die Strecke beim Triathlon in Ratingen ab…

… während drei Monate später bei den Marathons in Dresden und Oldenburg mehr als 200 THW-Kräfte Absperrgitter aufstellten, Telekommunikationskabel verlegten und eine Führungsstelle einrichteten.

Evakuiert, entschärft, erleichtert

Egal ob Sprengung oder Weltkriegsbombe – für den Fall eines großen Knalls müssen im Vorfeld oft tausende Menschen in Sicherheit gebracht werden; eine Aufgabe, die THW-Kräfte mit Routine meisterten.

Gleich vier Weltkriegsbomben traten schon im Januar in Moers zutage. 40 THW-Kräfte evakuierten die Gebäude und unterstützten den Ordnungsdienst.
Eine 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe rief ebenfalls im März 40 THW-Kräfte in Ahrweiler auf den Plan, die dabei halfen, mehr als 3.600 Menschen in Sicherheit zu bringen.
90 Ehrenamtliche evakuierten in Osnabrück nach dem Fund einer Weltkriegsbombe im März die Gebäude von gut 8.000 Menschen und verpflegten sie.
Ein Wahrzeichen der alten Bundeshauptstadt fällt: das Bonn-Center. 40 THW-Kräfte evakuierten hunderte Menschen und verpflegten – wie könnte es auch anders sein – im März die rund 170 übrigen Einsatzkräfte.
Im Mai beteiligten sich rund 40 THW-Kräfte daran, Gebäude für etwa 50.000 Menschen in Hannover nach dem Fund einer britischen Fliegerbombe zu evakuieren.
Insgesamt 80.000 Menschen mussten im September in Frankfurt am Main und Koblenz ihre Häuser verlassen. 120 THW-Kräfte leuchteten Einsatzstellen aus und betrieben den Bereitstellungsraum – Verpflegungsstelle und Vitamine inklusive.
Von Tür zu Tür klingelten sich im November rund 60 THW-Kräfte im bayrischen Landshut. Rund 450 Einwohnerinnen und Einwohner mussten wegen eines Bombenfunds ihre Häuser und Wohnungen verlassen.

Festliche Veranstaltungen – und ein paar Tränen

Feierlichkeiten, Verabschiedungen, Wahlen und Fahrzeugübergaben begleiteten das THW über das gesamte Jahr.

Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière übergab Ende April vor dem Brandenburger Tor in Berlin fünf neue Fahrzeuge an das THW.

Die 16 THW-Landessprecher wählten im April Wolfgang Lindmüller zum neuen THW-Bundessprecher. Die Amtszeit des bisherigen Bundessprechers Frank Schulze ging damit nach 15 Jahren zu Ende.

THW, Triumphe, Tränen: Nach 27 Dienstjahren als Landesbeauftragter für den THW-Landesverband Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt verabschiedete das THW Manfred Metzger Anfang Juli in den Ruhestand.

THW-Präsident Albrecht Broemme begrüßte Bundesforschungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka und Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière Mitte des Jahres in Berlin zur Präsentation eines neuen Radar-Warn- und Informationssystems.

Als Bundesbehörde war das THW auch in diesem Jahr wieder in Berlin beim Tag der offenen Tür der Bundesregierung im August…

… und im Oktober beim Tag der Deutschen Einheit in Mainz mit Mitmachaktionen und Informationsständen am Start.

Warum Übungen und Ausbildungen im THW so wichtig sind

Keine Routine ohne Übung, keine Sicherheit ohne Training, keine Effektivität ohne Proben – die THW-Kräfte verbrachten auch in diesem Jahr wieder mehrere hunderttausend Stunden mit Übungen, damit im Einsatz jeder Handgriff sitzt.

Stählerne Kernkompetenz: Rund 6.500 Schrauben, 48 Meter lang und 200 Tonnen schwer: im September bauten mehr als 50 THW-Kräfte eine Behelfsbrücke für Züge über die Ochtum in Niedersachsen.

Bei der Übung „Schietwetter“ in Schleswig-Holstein trainierten mehr als 250 THW-Kräfte im September schwerpunktmäßig, Personen unter hohem Zeitdruck zu retten.

Mehr als 80 Kilometer Fernmeldeleitung verlegten THW-Kräfte im Mai in Braunschweig bei der Übung „Kabelblitz“. Rund 120 Helferinnen und Helfer übten, wie sie Kommunikationswege sicherstellen, wenn der Strom ausfällt.

Personenrettungen aus Hochwassergebieten simulierten rund 180 THW-Kräfte von Hennef bis nach Troisdorf im Oktober bei der Übung „Sturzflut 2017“.

Geschickt verkuppelt: Die Auslandsfachleute aus dem bayrischen THW-Hochleistungspumpenmodul legten im September in Münchsmünster eine Löschwasserförderstrecke über mehr als 1.000 Meter.

Jung an Jahren, aber reich an Erfahrung sind die 30 Junghelferinnen und Junghelfer aus Pfaffenhofen und München, die im Mai bei einer 24-stündigen Übung Personen orteten und retteten.

Eine Ausbildung der besonderen Art: Ehrenamtliche aus zehn THW-Ortsverbänden machten sich im April an zwei Tagen mit Helikoptern vertraut.

Im Dezember ließen die meisten THW-Ortsverbände die Übungssaison mit Jahresabschlussübungen ausklingen, die nochmals die Motivation der Einsatzkräfte mobilisierten und ihr fachliches Geschick forderten. In diesem Sinne haben sich alle THW-Kräfte besinnliche Feiertage und einen guten Rutsch in das neue Jahr redlich verdient.

Ein frohes Fest und ein gutes neues Jahr!

Das Internetangebot wird herausgegeben von der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) vertreten durch den Präsidenten, vertreten durch den Leitungsstab/Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

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Tel.: +49 (0) 228 940 - 0; Fax: +49 (0) 228 940 - 1333; E-Mail: presse@thw.de

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