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Quartiermeister Förderung. das schmeckt und Hilft

In unserem Blog berichten wir Euch regelmäßig über spannende Unternehmen aus den Bereichen NPO, NGO, Social Startup oder Social Business. Auf unserer Suche nach Unternehmen, die Vereinen monetäre Unterstützung bieten, sind wir auf Quartiermeister gestoßen. Das Konzept von Quartiermeister ist schnell erzählt: 1.Bier trinken – 2. Gutes tun!

Wie funktioniert das? Quartiermeister ist ein sogenanntes Social Business, bestehend aus einem wirtschaftlich agierenden Unternehmen und einem gemeinnützigen Verein. Der Verein ist für die Mittelvergabe der Unternehmensgewinne zuständig und kontrolliert das Gewerbe. Das Ziel ist, die Erträge für das Gemeinwohl zu verwenden. Bis heute konnten bereits mehr als 50.000 Euro an mehr als 50 Projekte in den Nachbarschaften Berlins, Dresdens, Leipzigs und Münchens ausgeschüttet werden.

Wir möchten mehr über die Menschen und das Modell von Quartiermeister wissen. Daher treffen wir uns mit Lisa von Quartiermeister in Berlin und lassen uns vom Konzept des sinnvollen Trinkens verzaubern.

Hey Lisa, vielen Dank für die herzliche Einladung nach Berlin. Mit welchem Bier stoßen wir an und welche Projekte fördern wir damit aktuell?

Wir stoßen gerade mit einem regionalen, handwerklich gebrauten Pils aus der unabhängigen Stadtbrauerei Wittichenau an. Unsere Partnerbrauerei liegt in der Oberlausitz und versorgt die Städte Berlin, Leipzig und Dresden. Seit 2015 braut sie nach unserem eigenen Rezept auch in bio. Wir kaufen der Brauerei das Bier ab und vertreiben es in den jeweiligen Städten. Derzeit fließen 10Cent pro Liter in unsere Förderung. Welche Projekte gefördert werden, entscheiden allerdings nicht wir, sondern das können alle Konsument*innen online mitbestimmen. In Berlin steht derzeit bspw. Kreuzberg hilft, eine Bürger*innen-Initiative, die Geflüchtete vor Ort unterstützt, zur Auswahl, oder ein Graffitiworkshop für behinderte Jugendliche. Die Projekte kommen aus den Bereichen Bildung, Kultur, Soziales, Integration und sind extrem vielfältig. Uns ist es jedoch stets wichtig, dass sie direkt in der Nachbarschaft ansetzen, heißt, wenn das Bier in Dresden oder Leipzig getrunken wird, profitieren auch Projekte in diesen Städten.

Wie entstand die Idee von Quartiermeister? Bei einer Bierlaune?

Die Idee hatte unser Gründer Sebastian vor sieben Jahren, tatsächlich mehr oder weniger bei einer Bierlaune, was für ein guter Gründungsmythos! Er fragte sich schon seit längerer Zeit, wie man soziales Engagement mit einem geringen Aufwand verknüpfen könnte, ohne dabei mehr Zeit oder Geld zu investieren. Ihm kam der Gedanke, den Konsum eines Produktes mit einem gesellschaftlichen Mehrwert zu verbinden und an dem besagten Abend in der Kiezkneipe stieß er dann auf das Produkt Bier. Bier ist ein soziales Produkt, man unterhält sich gern darüber, trinkt es mit Freund*innen. Ein Bier für den Kiez würde zusätzlich bedeuten, dass man den Mehrwert seines Konsums direkt in der Nachbarschaft sehen würde. Das war neu und einfallsreich.

Kinder träumen davon Pilot oder Feuerwehrfrau zu werden. Hast Du als Kind gewusst, dass Du heute Bier verkaufst um damit Gutes zu tun?

Haha, auf keinen Fall! Ich bin jetzt seit drei Jahren bei Quartiermeister und hättest du mich ein paar Monate davor gefragt, hätte ich wohl auch nur lachend mit dem Kopf geschüttelt. Ich habe bis dato überhaupt kein Bier getrunken und komme eigentlich aus dem Kulturbereich. Ich bin damals das erste Mal auf Quartiermeister gestoßen, weil ich Geld für ein eigenes Theaterprojekt mit jungen & alten Menschen brauchte. Dass ich nun mittlerweile weg vom Theater, mittendrin im Sozialunternehmen bin, finde ich unheimlich bereichernd. Ich lerne so viele spannende Menschen und Initiativen kennen, finde es wahnsinnig sinnstiftend all diese Projekte unterstützen zu dürfen. Bier verkaufe ich eher weniger, sondern koordiniere die Fördermittelvergabe, da wo das Geld ausgeben wird. Das ist der eine Teil meiner Arbeit. Der andere Teil, Kommunikation & Marketing, könnte ich niemals für ein anderes Unternehmen machen. Da hätte ich große moralische Bedenken. Weil ich aber absolut von der Idee überzeugt bin, politische Inhalte mitbestimmen und aufbereiten darf, werbe ich auch gern mit Herzblut für unsere Vision. Mittlerweile trink ich auch ab und an ganz gern ein Bier. Berufskrankheit kann man das allerdings noch nicht nennen.

Ist es schwierig, die Themen Bier und soziales Engagement gleichzeitig zu verkörpern?

An manchen Stellen ist es sehr schwierig, an anderen umso einfacher. Wer unsere Flasche das erste Mal in der Hand hält, wird trotz Rücketiketttext niemals unser Konzept verstehen. Deswegen versuchen wir die Menschen direkt ins Netz zu holen. Die meisten Menschen werden auf Quartiermeister über die Onlinevotings aufmerksam, da Freund*innen nach ihrer Stimme fragen. Man kann fast sagen, die Votings sind unser größtes Marketingtool. Zukünftig möchten wir unser politisches Profil schärfen und mehr über unsere Projekte und ihre Erfolgsgeschichten berichten. Schließlich haben wir allein in Berlin fast 70.000€ in den letzten Jahren ausgeschüttet. Viel finanzieller Spielraum bleibt uns wegen der Förderung allerdings nicht für Werbung übrig. Bei Kampagnen und Öffentlichkeitsarbeit setzen wir dann viel auf unsere Netzwerke und Multiplikator*innen. Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass wir ein gutes, leckeres Produkt verkaufen. Bierliebhaber*innen überzeugt man sicherlich nicht nur mit einer guten Idee.

Wo, wen und wie fördert der Quartiermeister e.V.?

Projekte können sich in den jeweiligen Städten das ganze Jahr über bewerben. Auf unserer Homepage findet man unsere Förderkriterien und den zweiseitigen Förderantrag. In diesem fragen wir natürlich auch ab, wie das Geld verwendet wird, allerdings haben die Projekte im Nachgang keine Rechenschaftspflicht. In Berlin fördern wir pro Jahr 16 Projekte a 1000€. In Leipzig und Berlin sind die Summen kleiner und individueller gestaltet, da dort auch (bisher) weniger Quartiermeister getrunken wird. Wir möchten vor allen Dingen Initiativen fördern, bei denen die kleinen Summen noch einen Unterschied machen, auch Projekte, die vielleicht noch nicht über feste Vereinsstrukturen verfügen. In der Vergangenheit haben wir auch schon Projekte über eine Privatperson gefördert. Welche Projekte online gehen, entscheidet unser unabhängiger Verein aus ehrenamtlichen Mitgliedern. Wir bewerten die Projekte nach ihrer lokalen & sozialen Wirksamkeit, ihrer Nachhaltigkeit und ihrer Zugänglichkeit.

Ihr fördert nicht nur gemeinnützige Projekte sondern traut Euch auch an gesellschaftsproblematische Themen heran! Wann trinken wir zusammen Quartiermeister*in?

Wenn du im Juli in Berlin sein wirst, werden wir sicherlich schon mit der Quartiermeister*in anstoßen können. Die Etiketten sind vor zwei Wochen in den Druck gegangen und wir warten nun gespannt auf die neue Abfüllung. Diese Kampagne ist eine wirkliche Herzensangelegenheit für mich. Gemäß dem Motto „Gleiches Bier für alle“ möchten wir unser Pils zu 50% auch mit einer Frau bedrucken und ein Zeichen gegen Sexismus in Bierwerbung setzen. Wer sich näher damit auseinandersetzt, wird feststellen, dass Stereotype und Geschlechterklischees in der Bierwerbung, auf teils geschmacklose, teils diskriminierende Art & Weise zur Schau gestellt werden. Ab Ende Juni werden wir unseren Blog quartiermeisterin.org launchen, der unsere Konsument*innen auf der einen Seite über sexistische Werbung informiert und aufklärt, auf der anderen Seite antisexistische Initiativen präsentiert und stärkt. Wir möchten außerdem in diesem Jahr ein Projekt mit 2500€ zusätzlich fördern, welches sich explizit im Bereich Gleichstellung und Genderfragen engagiert. Zukünftig kann ich mir vorstellen, dass Quartiermeister jährlich einzelne, gesellschaftliche Themen aufbereitet und Sonderförderungen ausschüttet. Vielleicht wird der jetzige Quartiermeister dann nur eines von vielen diversen Gesichtern auf der Flasche sein.

Wo siehst Du Quartiermeister in 5 Jahren?

Ich würde mir wünschen, dass Quartiermeister in 5 Jahren viele Zellen in ganz Deutschland entwickelt hat, in denen Menschen vor Ort für den guten Zweck trinken und selbst aktiv ihre Stadt mit gestalten. Ich sehe dabei nicht nur die Entwicklung des Unternehmens, sondern auch die unseres ehrenamtlichen Vereins. Viva con Agua ist mir da ein großes Vorbild. In 5 Jahren wird Quartiermeister auch seine Produktpalette erweitert haben. Es wird alkoholfreies Bier geben, ein Naturradler und Biersorten, die an den Geschmack der jeweiligen Region angepasst sind. Vielleicht vertreibt Quartiermeister zusätzlich auch noch ein ganz anderes Produkt, denn letztendlich geht es um unser praktiziertes Wirtschaftsmodell, welches man auf viele andere Produkte des Alltags anwenden kann. Da wir unabhängig und ohne Geld von Investor*innen wirtschaften, wachsen wir eher langsam und qualitativ. Aber immer mehr Menschen machen sich Gedanken über ihren Konsum, Unternehmen lassen sich gemeinwohlbilanzieren, Nachhaltigkeit & Fairtrade sind schick geworden, Postwachstumstheorien gewinnen mehr und mehr an Unterstützer*innen. Ich würde mir wünschen, dass in fünf Jahren nicht nur Quartiermeister, sondern viele korrekte Sozialunternehmen an Bedeutung gewinnen und unsere gängige Vorstellung von einer ausbeutenden, profitorientierten Wirtschaft infrage stellen.

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