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Abenteuer-Biertour in der fränkischen schweiz, teil 2

Wir schweben bei Nikl-Bräu ein!

Warum zu Nikl-Bräu? Vom Hörensagen wussten wir, dort gibt es gutes Bier. Das allein reichte schon, um auf unserer Tourliste zu landen. Dass es sich dabei um die kleinste Handwerksbrauerei in der Fränkischen Schweiz handelt, haben wir erst vor Ort erfahren. Aber schön der Reihe nach.

Die letzten fünf Kilometer zu Nikl-Bräu (ab Hundshaupten) schummeln wir ein bisschen und nehmen keine Wald-, Feld- und Wiesenwege, sondern das Asphaltband nach Pretzfeld, schließlich wollen wir noch bei Tageslicht ankommen, denn Mike Schmitt (Inhaber und Braumeister) hat uns eine Brauereiführung versprochen und die wollen wir auf keinen Fall verpassen.

Das Bier schmeckt einfach

Brav parken wir unsere nach wie vor verschlammten Uproc4 und Uproc7 im Hof der Brauerei in der Egloffsteiner Straße 19. Dort, wo jetzt Bier gebraut wird, war früher ein Kuhstall, aber das kann jeder selbst hier nachlesen und erfährt, dass in einem starken Konkurrenzumfeld – Leute rund 200 Brauereien gibt es in der Fränkischen Schweiz – immer noch Platz für eine weitere ist. Herzblut, die richtige Idee und Durchsetzungsvermögen ist wohl das Geheimrezept für den Erfolg und daran mangelt es Mike Schmitt nicht.

Kaum sind wir angekommen, stellt uns Mike schon mal ein Bier auf den Tisch und sagt: "In einer halben Stunde hat er Zeit für uns", natürlich mit fränkischem Dialekt. Mike muss noch Vorbereitungen für den Starkbieranstich am nächsten Tag treffen.

Mike Schmitt

Während der Brauereiführung erfahren wir nicht nur etwas über die Kunst des Bierbrauens, sondern dass es 400 Jahre lang einen Bierkrieg – Ebermannstadt gegen Pretzfeld – gegeben hat und Kaiser Maximilian anno 1510 ein Dekret erließ, das den Pretzfeldern die „Ausübung des Brauhandwerks“ verbot.

Zugegeben, das Meiste über die Kunst des Bierbrauens haben wir inzwischen wieder vergessen. Wer kann sich auch so viele Informationen auf einmal merken? Außerdem sind wir ja in erster Linie hier, um gutes Bier zu trinken und zu genießen. Neben dem süffigen Hausbier werden hier alle möglichen Biersorten kreiert und die Spezialbiere, die Mike Schmitt braut, sind eine Nummer für sich. Wobei, Bockbier ist nicht gleich Bockbier. „The Village Bock“ ist eine absolute Rarität und vermittelt ein echtes Wow-Erlebnis (mehr dazu weiter unten bei Einschub).

Von mir völlig unbemerkt hat sich Erich plötzlich aus dem Staub gemacht. Nicht, dass ich ihn vermisst hätte, ich hatte ja mein Bier. Es dauerte eine Weile, dann tauchte er mit einem Tablett in der Hand und zwei gefüllten Schnapsgläsern wieder auf. Ich starrte ihn an und reagierte mit einem fragenden „hm“? Erich: „Hast du die Schnapsbrennerei auf der anderen Straßenseite nicht gesehen?“ Ich: ”Schon, aber ... und dann hast du gleich zwei Schnäpse gekauft.“ Erich: ”Nein, die sind gratis. Wir sollen rüberkommen und die Brennerei besichtigen.”

Direkt gegenüber von Nikl-Bräu befindet sich die Edelbrennerei Haas, die nicht nur edle Obstbrände herstellt, sondern auch andere, feine Destillate wie zum Beispiel Gin, Rum, Wodka und Whisky. Ja, richtig gelesen Whisky. Whisky aus Franken, der muss natürlich probiert werden. Also nichts wie hin.

Früchte, aus denen edle Tropfen werden.

Seit 1901 betreibt die Familie Haas die Brennerei. Heute führt Johannes Haas das Unternehmen ganz im Sinne von Oscar Wilde: „Ich habe einen ganz einfachen Geschmack: Ich bin immer mit dem Besten zufrieden.“

Wir konnten natürlich nicht alles ausprobieren, das hätten wir nicht überlebt, aber alles, was wir probiert haben war vom Feinsten, aber da wir keine Schnapstester sind, zählt das wohl nicht. Mehr wohl, die Auszeichnungen, die die Brennerei Haas erhalten hat, darunter ein Bundesehrenpreis und eine Empfehlung vom Feinschmecker. Übrigens, der Nikl-Bräu Rauch Bockbierbrand kommt auch aus dieser Edelbrennerei.

Einschub:

The Village Bock von 2015

Vom „The Village Bock“ wurden 2015 nur 750 Flaschen abgefüllt. Erich hat mir zurück in München eine Flasche davon geschenkt, weil ihm die Tour so gut gefallen hat, vermute ich mal. Es handelt sich dabei um einen kräftigen, rauchigen Doppelbock mit cremigem Schaum und sucht seinesgleichen.

Schon anhand der Beschreibung auf dem Etikett auf der Rückseite der Flasche erkennt man den Bierkünstler. Darauf steht: „Schon in der Nase deutlich erkennbare Rauchnoten, die von einer feinen Röstmalznote ergänzt werden. Der leicht brotig-hefige Geschmack ist einer obergärigen Alehefe (Nottingham Ale) zu verdanken. Schweres Starkbier 23 ,5 % Stammwürze, 10,7 % Vol. Alk.. Gebraut mit Wasser aus dem Tiefbrunnen unserer kleinen Gemeinde Pretzfeld inmitten der Fränkischen Schweiz, Braumalz (Münchner Malz, geräuchertes Buchenholzmalz, geräuchertes Eichenholzweizenmalz und Karamellmalz), Hopfen (Tettnanger Aromahopfen) und obergärige Brauhefe (Nottingham Ale). Optimale Trinktemperatur 12 - 15 °C. Ideal zu geräuchertem Schinken und Geräuchertem Fisch“ oder einfach nur so.

Schaumig, malzig, rauchig.

Am Ende des Tages – es ist schon stockdunkel – schwingen wir uns auf unsere E-Bikes und steuern den Fußballplatz in der Nähe an. Es war gar nicht so einfach, das Gleichgewicht zu finden. Hochkonzentriert fahren wir los, so konzentriert, dass wir am Fußballplatz vorbei fahren. Als wir das registrieren, liegt Pretzfeld bereits einen halben Kilometer hinter uns. Macht nichts, wir biegen einfach rechts in den nächsten Feldweg ein. Im Schein der Stirnlampen finden wir eine passende Streuobstwiese und schlagen unser Nachtlager auf.

Frühmorgens, der erste Blick aus dem Zelt. Die frische Luft tut gut.
Wir ziehen weiter, während bei Nikl-Bräu schon die Vorbereitungen für das Bockbierfest laufen.

Ein bisschen Bewegung vor dem Frühstück tut gut. Wir nehmen den Feldweg an der Wiesent entlang nach Ebermannstadt.

Danach fahren wir weiter, immer an der Wiesent entlang und nehmen die steile Auffahrt zur Burgruine Neideck, eine der vielen Wahrzeichen der Fränkischen Schweiz. 1219 zum ersten Mal erwähnt, wurde Burg Neideck 1553 – im zweiten Markgrafenkrieg – zerstört und ist seitdem Ruine.

Im Bild oben, das Flyer Uproc7 2017er-Modell. Einen Ausblick auf die 2019er-Modelle gibt es hier.

Die Wiese oben neben der Burgruine lädt an so einem schönen, sonnigen Herbsttag zum Verweilen ein, was wir auch ausgiebig tun. Der Vortag steckt uns doch noch etwas in den Knochen und etwas Ruhe tut uns gut.

Und weiter geht's entlang den Bahngeleisen und der Wiesent folgend Richtung Pottenstein.

Die Gefühle, die aufkommen, wenn man durch den lichtdurchfluteten Wald radelt, sind kaum zu beschreiben. Je nach Wegführung und Baumbestand taucht die Sonne das Laub mal in gleißendes goldgelb, wechselt ab mit sattem Grün, dort wo die Blätter sich noch nicht verfärbt haben, gefolgt von dunklem Rot. Wir fühlen uns beschwingt, wie in eine andere Welt versetzt, fast wie im Rausch. Trotzdem müssen wir aufpassen, denn wo viel Laub auf dem Boden liegt und feuchte Stellen sind, besonders unter vom Laub verdeckten Wurzeln, ist die Sturzgefahr extrem hoch. Einen Moment nicht aufgepasst und weg ist das Vorderrad.

Burg Gößweinstein
Wir schaffen es sturzfrei bis Pottenstein.

Im Wagner Bräu in Pottenstein stärken wir uns und laden die Akkus unserer Flyer E-Bikes auf. Auch wenn Wagner Bräu sein Bier nicht mehr selbst braut, sondern beim Püls-Bräu in Weismain herstellen lässt, der Höhlen Trunk schmeckt, dazu ein deftiger Schweinsbraten und die nötige Bettschwere ist da.

1930 kostete ein halber Liter Bier 25 Pfennig und heute 2,20 Euro, immer noch günstig.

Für unser Nachtlager müssen wir nicht lange nach einem Platz suchen. Die Bundesstraße B 470 Richtung Teufelshöhle ist auf eine Länge von 400 Metern komplett gesperrt. Steinschlagschutzzäune sind errichtet (der Fels wirft mit Steinen), ein Wachdienst sorgt dafür, dass niemand in das Sperrgebiet eindringt. Für uns der ideale Übernachtungsplatz. Direkt am Stadtrand in Nähe vom Weihersbach, 50 Meter vor der Absperrung bauen wir im Licht unserer Stirnlampen das Nachtlager. Kaum fertig, taucht schon der erste Wachposten auf und will wissen, was wir hier wollen. Zum Glück konnten wir ihn überzeugen, dass wir nicht in das Sperrgebiet wollen, dann zog er weiter. Eine halbe Stunde später, „same pocedure“, der nächste Wachposten musste überzeugt werden. Danach hatten wir unsere Ruhe, alle Wachleute wussten Bescheid und wir schliefen beschützt ein.

Ein kurzes Frühstück bei der Backerei Wirth in der Hauptstraße 29 und wir ziehen weiter, reif für die nächste Überraschung und die kommt früher als erwartet.

Fortsetzung folgt!

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Credits:

Herbert Worm

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