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Die Türkei: Unsicheres Urlaubsgebiet oder doch Wohlfühloase? Ein Urlaubsbericht aus einem heiß diskutierten Land

Text, Bilder und Layout: Nico Talenta

Der massive Verfall der Lira hat in den vergangenen zwei Monaten den Türkei-Urlaub jetzt noch ein bisschen günstiger werden lassen - Aber wem wird geschadet, bzw. geholfen, wenn die freien Tage in der Türkei verbracht werden?

Auch in diesem Jahr wollten meine Freundin und ich uns einen Urlaub gönnen, indem es einfach darum geht, faul am Strand, oder an der Pool-Bar zu liegen. Ausflüge, Erlebnisurlaube und sonstige Aktivitäten, die Studierende so in der vorlesungsfreien Zeit treiben, sind spannend, aber auf Dauer genauso anstrengend. Da kam uns das preiswerte Angebot eines All-Inclusive Urlaubs in der Türkei genau recht. Zusammen fingen wir an, uns das Angebot genauer unter die Lupe zu nehmen. Bereits vor der Buchung kamen die ersten Gedanken und Zweifel an dem Urlaub auf, weil unklar war, was sich politisch in der Türkei in nächster Zeit bewegen würde.

Von Unruhen war in der idyllischen Atmosphäre nie etwas zu bemerken.

Menschenrechtsverletzungen, Festnahmen und Einreiseverbote kamen schließlich nicht all zu selten in den vergangenen Jahren in den Nachrichten vor. Durch die türkische Regierung ist das Land ein düsterer Ort für Andersdenkende geworden, wie es immer öfter heißt. Als ich die Seite des Auswärtigen Amtes überprüfte, hatte es seine Reisehinweise für die Türkei wohl gerade erst entschärft. Das ist ein logischer Schritt, weil die Türkei den Ausnahmezustand erst kürzlich aufgehoben hat. Allerdings entspricht es eher der Realität, dass er in Notstandsgesetzen weiter fortbesteht.

Es sei immer noch von einem "erhöhten Festnahmerisiko auszugehen", lässt die Behörde mitteilen. Es gibt Gerüchte, dass es bereits genügt, über die akute Wirtschaftskrise zu sprechen, um als Gegner des Regimes genauer ins Visier der Behörden zu geraten. Trotz den immer noch andauernden Schwierigkeiten zieht der Tourismus in der Türkei wieder an. Nicht zuletzt weil der Verfall der Lira den Urlaub noch günstiger werden lässt. An der ägäischen Küste, den Sinterterrassen in Pamukkale, oder den einzigartigen Dünenlandschaften kann die Realität durch die überwältigende Schönheit der Natur sehr leicht ausgeblendet werden. Die einzige Möglichkeit, die ein Urlauber hat, Einfluss auf die Politik eines Landes zu nehmen, ist Geldentzug.

Nur Einer der traumhaften Flecken an der türkischen Ägäis.

Die entscheidende Frage, die wir uns stellen mussten war, ob der günstige Urlaub zu Studierendenpreisen für uns einen höheren Stellenwert hatte, als die Gefahr, nicht einreisen zu dürfen, festgenommen zu werden, oder minimalen Einfluss auf die Politik zu nehmen. Es dauerte eine Weile, bis wir uns einig waren. Doch dann stand fest: Es sollte dieses Angebot sein. Wie zu erwarten war, kam auch von Verwandten und Freunden keine große positive Resonanz, als wir damit rausrückten.

„Muss es denn wirklich in die Türkei gehen?“

und

„Meldet euch bloß, wenn ihr gut angekommen seid“

, mussten wir uns oft anhören.

Nach mehreren Wochen des Wartens, ging es dann endlich los. Mit ein wenig Magenschmerzen vor dem was uns erwarten würde, flogen wir von Basel nach Izmir. Dort angekommen, sind uns gleich die vermehrten Sicherheitskontrollen aufgefallen. Militärs, die an jeder Ecke des Flughafens patrouillierten, haben das Gefühl der Unsicherheit nicht unbedingt verbessert. Doch sobald der Flughafen und die Kontrollen hinter uns lagen, kam während des Transfers zum Hotel endlich die ersehnte Urlaubsstimmung auf.

Durch ein schönes Gebiet direkt am Meer entlang ging es in einem kleinen Transporter, mit einer Hand voll weiteren Leuten der Sonne entgegen. Die Klimaanlage surrte zwar laut vor sich hin, kühlte zu Beginn nur leider nicht. Erst nach etwa einer Stunde Fahrt wurde es schlagartig kalt, sodass es nicht verkehrt gewesen wäre, eine Jacke mit in den Transpoter zu nehmen. Am Hotel angekommen wurden wir mehr oder weniger freundlich begrüßt und zu unserem Zimmer gebracht. Im Laufe der Woche stellte sich heraus, dass die Rezeption und der Service allgemein nicht gerade nett und hilfreich war. Wir bekamen einen wirklich schöner Bungalow. Gemütlicher Raum, kleines Bad und ein kuscheliger Balkon erwarteten uns.

Ein Beispiel eines der netten, kleinen Bungalows.

Allgemein waren alle Sorgen und Gedanken, die vor dem Flug noch da waren, wie weggeblasen. Was gleich auffiel war der stetige Wind. Es lohnte sich kaum, die Haare aus dem Gesicht zu wischen, da sie einem im nächsten Moment wieder um die Ohren flatterten. Der Ort, direkt am ägäischen Meer gelegen, war ein Traum. Sonnenuntergänge beim Abendessen und der Geruch nach Salz in der Luft – herrlich. Die ganze Woche über konnten wir es uns gut gehen lassen.

Von Unruhen, oder Aufständen war in dem kleinen Örtchen Sigacik und seinem Markt nichts zu spüren. Für ausreichend Essen war immer gesorgt. Wir konnten unsere Bäuche nicht nur zu den feststehenden Zeiten im Restaurant vollschlagen, sondern hatten die Möglichkeit, an verschiedensten Ständen auf dem Hotelgelände allerlei Leckereien zu probieren. Von Lokalen bis zu Internationalen Gerichten war alles zu finden.

Vor Allem am Meer war der Wind deutlich zu spüren.

Nach der erholsamen Woche konnte dann das Alltagsleben, das bereits auf uns wartete, wieder beginnen. Im Nachhinein hatten wir kein schlechtes Gefühl, uns für den Urlaub entschieden zu haben. Die 'kleinen' Leute der Urlaubsregionen sind auf Touristen wie uns angewiesen. Auch wenn für viele feststeht, nicht in die Türkei reisen zu wollen, um Erdogan und sein Regime nicht zu unterstützen, ist der Tourismus die Lebensquelle vieler Einheimischen. Unser Urlaub jedenfalls war wunderschön und wir waren stolz darauf, dass wir uns nicht reinreden lassen haben, doch in ein anderes Land zu reisen.

Und auch für den andauernden Wind gab es zu guter Letzt eine Erklärung: Ein Ausläufer eines Medicanes, einer Art Wirbelsturm über dem Mittelmeer, fegte die gesamte Woche über uns hinweg. Zum Glück waren wir schon wieder Zuhause, als der Wind dann sogar noch zunahm. Zu der im Titel genannten Frage: "Die Türkei: Unsicheres Urlaubsland oder doch Wohlfühloase?" bleibt lediglich zu sagen, dass ein Türkei-Urlaub für jeden eine Reise wert ist, der schon seit Jahren begeisterter Türkei-Urlauber ist, die kulturellen Wunder und Naturwunder bestaunen möchte, oder es sich einfach gut gehen lassen möchte.

Created By
Campuls Hochschulzeitung
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