Hoteliers und Gastronomen können profitieren, wenn sie sich einbringen Interview zum Luther Reformationsjahr mit der Berliner Gasthausmission

2017 wird ein besonderes Jahr. Warum? Weil es das Jubiläumsjahr der Reformation ist. Im Jahr 1517 veröffentlichte der Mönch und Theologieprofessor Martin Luther 95 Thesen zum Ablasswesen seiner Zeit. Er kritisierte die Praxis des Ablasshandels und stellte die Kraft eines Glaubens dagegen, der allein auf die Gnade Gottes vertraut. Weil dies vor 500 Jahren begonnen hat, finden kommendes Jahr in Berlin zahlreiche Veranstaltungen statt, die auch viele internationale Touristen besuchen werden. Wie die Gasthausmission Berliner Hoteliers und Gastronomen bei den Vorbereitungen und darüber hinaus helfen will, erfahren wir von Pfarrer i.R. Hans-Georg Filker, Vorsitzender der Berliner Gasthausmission sowie Frau Maria del Pilar Zickler.

Herr Filker, Frau del Pilar Zickler, danke für Ihre Zeit. Eigentlich musste man immer in die Kirche gehen, um etwas über Gott zu erfahren. Sie bringen den Glauben aber zu den Menschen und gehen aktiv auf sie zu. Wie kommt es dazu?

Hans-Georg Filker: Ich war lange Direktor der Berliner Stadtmission, die sich in unserer Stadt stark engagiert. Parallel habe ich die Gasthausmission ehrenamtlich geleitet. Nun im Ruhestand, habe ich mehr Muße, die Gasthausmission, gerade auch wegen des anstehenden spannenden Jahres, so zu positionieren, wie es ihr aufgrund ihrer langen Tradition und Wichtigkeit gebührt. Begonnen hat unsere Geschichte vor 130 Jahren interessanterweise in Südfrankreich. Christen im Gastgewerbe haben sich zusammengeschlossen. Kellnerheime sind entstanden, auch in Berlin, um dem Problem der unwürdigen Unterbringung der Mitarbeitenden zu begegnen. Es folgte eine wechselvolle, durch den Krieg und die DDR-Zeit geprägte Geschichte. Nach dem Fall der Mauer konnte die Arbeit wieder belebt werden.

In Kontakt mit dem DEHOGA Berlin kam ich über den ehemaligen Verbandspräsidenten und Adlon-Direktor Gianni van Daalen. Ihm gegenüber erwähnte ich einmal, dass Lorenz Adlon die Gasthausmission unterstützt habe. Van Daalen konnte sich ebenfalls für unsere Ideen begeistern und organisierte einen Weihnachtsempfang für uns, der seitdem zu einem unserer größeren, immer wiederkehrenden Events geworden ist. Für einige Mitarbeiter*innen in der Hotellerie und Gastronomie ist der Betrieb Familienersatz. Mit dem Austritt aus dem aktiven Berufsleben geht oft der soziale Halt verloren. Für solche Menschen möchten wir beispielsweise Ansprechpartner sein.

Maria del Pilar Zickler: Bei uns kommen christliche Inhalte und christliches Engagement zusammen. Mit unseren GaMi (Gasthausmission)- Events wollen wir das zukünftig noch weiter ausbauen. GaMi übersetzen wir auch mit „Gott an Mir interessiert“. „Wie würde Luther heute seine Botschaft vermitteln?“, diese Frage stellen wir uns. Viele Menschen im Gastgewerbe stehen unter einem enormen Leistungsdruck, nicht nur was die Arbeitszeiten und die Schwere der Arbeit angeht. Auch das Dienen an sich ist anstrengend. Die Botschaft, die Luther wieder entdeckte, war: Gott ist für dich da und wartet auf dich. Du musst für ein Gottesverhältnis keine Vorleistungen erbringen. Wir greifen das auf und übersetzen es in die heutige Sprache mit der Botschaft: “Gott ist an dir interessiert“. Glauben gibt es verschiedene. Wir machen ein Angebot, das allen gilt. Es anzunehmen, bleibt jedem selbst überlassen.

Maria del Pilar Zickler

Schauen wir einmal auf das Luther Reformationsjahr. Es gibt viele Player, die sich im Zuge dessen engagieren und Veranstaltungen organisieren. Welche Rolle nehmen Sie ein?

Hans-Georg Filker: Hauptevent hier in Berlin wird der Deutsche Evangelische Kirchentag Ende Mai sein, Es werden weit über 100.000 Menschen erwartet. Das Reformationsjahr wird aber nicht nur von kirchlicher Seite bespielt, z. B. auch das Auswärtige Amt bringt sich ein. Die Strahlkraft des Events wird groß sein und auch viele internationale Touristen anziehen. Als Hotelier oder Gastronom ist man gut beraten, wenn man selber weiß, worum es geht, und seine Mitarbeiter*innen schulen lässt, um Fragen zum Reformationsjahr kompetent beantworten zu können.

Maria del Pilar Zickler: In den Schulungen, die wir dazu anbieten, geht es um ganz einfache Sachen wie: „Wer war Luther, wo ist Wittenberg, worum geht es eigentlich bei der Reformation?“ Diese Dienstleistung werden wir in 2017 Mitarbeitenden der Branche zugänglich machen.

Es geht aber auch darum, den Mitarbeitenden in Hotels und Restaurants darüber hinaus Gesprächsangebote zu machen?

Frau del Pilar Zickler: Genau, wir stellen uns eine Event-Reihe vor, wo wir ungezwungen mit Mitarbeitenden aus Hotels und Gastronomie ins Gespräch kommen. Eine Networking-Plattform, wo über Glaubensfragen geredet wird. Wir wollen möglichst viele Zielgruppen ansprechen. Hoteldirektor*innen haben andere Fragen und Arbeitszeiten als jemand im Housekeeping-Team. Der Mensch und seine Bedürfnisse stehen im Vordergrund.

Neben den schon angesprochenen Mitarbeiter-Schulungen für das Reformationsjahr kommt auch eine Umfrage, bei der wir von Direktor*innen und Mitarbeiter*innen erfahren möchten, was die Branche braucht.

Hans-Georg Filker: Damit soll deutlich werden: wir suchen Kontakt. Gerade in einer zunehmend multireligiösen (und auch unreligiösen) Mitarbeiterschaft ist es hilfreich, Kenntnisse über die Religion und den Glauben zu haben. Es kann bei der Überwindung von Missverständnissen helfen, wenn z. B. ein muslimischer Mitarbeiter weiß, wie ein christlicher Mitarbeiter denkt. Und umgekehrt. In der Vergangenheit hat man oft versucht, das Thema zu vermeiden. Kein guter Weg. Auch hat mancher bislang wenige Chancen zur eigenen Meinungsbildung gehabt. Und für Christen ist neues Nach-Denken über den eigenen Glauben genauso interessant, wenn es ohne Zeigefinger und (moralischen) Druck geschieht – also re-formatorisch.

Created By
Grischa Puls
Appreciate

Credits:

Gasthausmission

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