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Als der Urlaub noch "Sommerfrische" hieß Die Anfänge des Gesundheitstourismus im Lavanttal

Die Bemühungen, die heute im Bezirk Wolfsberg zur Stärkung des Gesundheitstourismus unternommen werden, haben ihre Vorläufer in der Vergangenheit. Am Anfang des Lavanttaler Fremdenverkehrsgeschehens stand das Kurbad Preblau im oberen Lavanttal, dem bald Kurbäder in Bad St. Leonhard und Bad Weissenbach folgten. Heute sind moderne Kur- und Gesundheitszentren wichtige Wirtschaftsfaktoren der Region.

Als an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert das Eisenbahnzeitalter das Lavanttal erreichte und nach der Strecke Unterdrauburg-Wolfsberg am 10. Jänner 1900 auch der Streckenabschnitt Wolfsberg-Zeltweg in Betrieb ging, nahm neben dem Güterverkehr auf den Schienen auch der Personenverkehr ständig zu. Weil es für erholungsuchende Städter, vor allem jene aus Wien, nun die recht bequeme und auch kostengünstige Möglichkeit gab, das Lavanttal auf dem Schienenweg zu besuchen, schlug damals die Geburtsstunde des heimischen Fremdenverkehrs.

aLS DIE EISENBAHN 1900 auch das obere Lavanttal eroberte, schlug damit auch die eigentliche geburTsstunde des gesundheitstourismus in der paracelsusregion.

Während der Fremdenverkehr früher nur auf einen kleinen Kreis begüterter Personen beschränkt war, die für ihre Bildungsreisen, Kavalierstouren, Wallfahrten und Kur- und Badeaufenthalte erhebliche Mühen und Kosten auf sich nahmen, erlebte der Tourismus nun vor allem in Form der „Sommerfrische“ einen zuvor noch ungeahnten Aufschwung.

Der Kur- und Bädertourismus boomt

Durch den Ausbau des Eisenbahnnetzes der österreichisch-ungarischen Monarchie boomte vor allem der Kur- und Bädertourismus. In der Steiermark und – diesem Beispiel hoffnungsvoll folgend – auch in Kärnten hatte man schon vor Jahrzehnten begonnen, die vorhandenen natürlichen Heilwasservorkommen zu Badeanstalten und Kurbädern auszubauen. Während vielen dieser frühen Versuche zunächst kein durchschlagender Erfolg beschieden war, änderte sich das mit dem Einzug des Eisenbahnzeitalters erheblich.

Wer etwas auf sich hielt und es sich leisten konnte, der zog sich – vor allem im Sommer – in ein Kurbad zurück, um dort etwas für seine Gesundheit zu tun und gesellschaftliche Kontakte zu knüpfen und zu pflegen. Erholungsuchende Adelige, höhere Beamte und Geschäftsleute entdeckten nun auch die eher verborgenen Kurorte und Heilbäder Kärntens und reisten mit der Familie und einem oder zwei Dienstmädchen an. Die verhältnismäßig günstigen Reisekosten und die raschen Anfahrtszeiten bewirkten freilich auch eine Verkürzung der Aufenthalte. Während Bade- und Kurgäste früher oft Monate in einem Kurort zubrachten, waren nun Aufenthalte von drei bis fünf Wochen die Regel.

Vor allem Städter entdeckten nun das Land und seine zahlreichen Vorzüge. Nicht zuletzt der Gesundheit wegen.

Das Kurbad Preblau im oberen Lavanttal

Von der neuen Lust auf „Sommerfrische“ profitierte auch Preblau im oberen Lavanttal, wo man ein seit dem Mittelalter bekanntes heilkräftiges Wasser nutzte und in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts ein modernes und durchaus nobel zu nennendes Kurzentrum gebaut hatte.

Der „Preblauer Sauerbrunn“ war schon im Mittelalter bekannt und geschätzt. Das heilkräftige „saure Wasser“, das über einen natürlichen Gehalt an Kohlensäure verfügt, wurde bereits im 13. Jahrhundert in tönernen Krügen bis nach Bamberg verschickt. An der bischöflichen Tafel war der „Preblauer“ bald sehr beliebt. Weil die Gäste des Bischofs bemerkten, dass der Preblauer-Genuss günstige Auswirkungen auf den Verlauf bestimmter Krankheiten hatte, erlebte das Preblauer Wasser rasch einen ungeheuren Aufschwung und wurde auch in die großen deutschen Handelsstädte Augsburg und Würzburg verschickt.

Zwischen 1538 und 1540 soll der berühmte Arzt und Naturforscher Paracelsus den Säuerling einer genaueren Untersuchung unterzogen haben und empfahl ihn in seinen Kärntner Schriften als „mit trefflichen arzneiischen Kräften begabet“. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts verschrieb der Klagenfurter Stadtmedikus Dr. Freisinger-Mistuzzi seinen Patienten „Curen in Verbindung mit dem Preblauer Wasser“ und erzielte damit beträchtliche Erfolge. Durch das Wirken des angesehenen Arztes angeregt, erwarben die Kärntner Landstände den Preblauer „Sauerbrunn“ und errichteten ein erstes Badehaus für adelige Gäste, das 1674 als „Sauerbrunnschloss“ eröffnet wurde.

Die erste auf naturwissenschaftlichen Grundlagen beruhende Analyse des Preblauer Wassers nahm der Wiener Arzt und Botaniker Dr. Heinrich Johann von Crantz vor. Durch seine Expertise beflügelt, fand der Preblauer fortan auch am Kaiserhof in Wien begeisterte Abnehmer. Jahrzehnte später forderte Kaiser Franz I. die Kärntner Landstände ausdrücklich dazu auf, den Kurbetrieb in Preblau zu forcieren. 1813 begann man mit der Errichtung einer Kuranstalt, die sich jedoch nicht erwartungsgemäß entwickelte, so dass der gesamte Besitz 1869 zur Versteigerung freigegeben wurde.

Es war die Klagenfurterin Albine Farlatti, die die große wirtschaftliche Chance erkannte. Farlatti tat sich mit Dr. Dominik Bancalari, Dr. Alois Hussa und Josef Steinhäubl zusammen, gründete eine Gesellschaft und ersteigerte das Gut Preblau. Schon 1871 sollen 100.000 Flaschen Preblauer Wasser in alle Teile der Monarchie verschickt worden sein. 1879 waren es bereits doppelt so viel. 1892, als ein neues Brunnenhaus errichtet wurde, konnte man bereits auf die stolze Zahl von 1 Million verschickter Flaschen verweisen.

Aber auch der Kur- und Badebetrieb in Preblau erlebte nun einen Aufschwung. Sogar Kriegsminister Artur Maximilian von Bylandt-Rheidt zeigte sich von den Erfolgen einer Kur in Preblau so angetan, dass er seine Beamten veranlasste, Preblauer Wasser in den Militärspitälern einzusetzen. Am Bahnhof Preblau-Sauerbrunn wartete Tag für Tag ein Fiaker auf Gäste aus allen Teilen der Monarchie, um sie anschließend über die sanft ansteigende Bergstraße, vorbei am Brunnenhaus, in die einige hundert Meter weiter gelegene „Wasserheilanstalt und Kuranlage“ zu bringen.

Gästehaus beim Kurbad Preblau im oberen Lavanttal. Einst ein beliebter Urlaubsort betuchter Städter. Alte Ansichtskarte aus der Zeit um 1905.

Das Ende des Preblauer Kurbetriebes kam, als das Ende der Donaumonarchie vor der Tür stand. Die zahlungskräftigen Gäste aus den großen Städten, die Preblau für zwei Jahrzehnte zu einem kleinen aber feinen Nobelkurort gemacht hatten, blieben nun immer häufiger aus. Die Kuranstalt musste schließlich geschlossen werden, und die ehemaligen Gästehäuser begannen bald darauf zu verfallen. Das Preblauer Wasser aber, das sich in der Zwischenzeit zu einem der bekanntesten Heil- und Mineralwässer Europas entwickelt hatte, wird bis heute in Preblau in Flaschen abgefüllt und direkt ab Werk bzw. über Lebensmittelhändler, den Getränkevertrieb und Apotheken verkauft.

In Preblau war für allerlei Annehmlichkeiten gesorgt. Alte Ansichtskarte aus der Zeit um 1912.

Die Schwefelheilquelle der Stadt Bad St. Leonhard

Das Bad St. Leonharder Schwefelwasser, dem die Stadt den Zusatz „Bad“ in ihrem Namen verdankt, entspringt am Fuße des Kreuzberges und ist seit vielen Jahrzehnten als natürliches Heilwasservorkommen anerkannt. Die Quelle und das alte Kurhaus werden schon in den österreichischen Bäderbüchern von 1914 und 1928 genannt.

Die erste chemische Analyse des Bad St. Leon­harder Schwefelwassers wurde 1910 durchgeführt. Das Quellwasser, das hohe Prozentsätze an Schwefelwasserstoff und Hydrokarbonat aufweist, wird in allen Kontrollanalysen als klar, farblos und ohne Bodensatz beschrieben. Der charakteristische intensive Schwefelgeruch und der ungewohnte, leicht süßliche Geschmack verflüchtigen sich erst nach einigen Wochen Aufbewahrung im Labor.

Der Hauptgrund für die Anerkennung als Heilvorkommen ist der relativ hohe Gehalt an titrierbarem Schwefel, der mit rund 5 mg/kg den für Schwefelquellen geforderten Mindestgehalt von 1 mg/kg bei weitem übertrifft. Als weiteres Argument für die Anerkennung als natürliches Heilwasservorkommen, das für Trink- und Badekuren genutzt werden darf, diente die hinreichende Schüttung von damals 240 hl Schwefelwasser pro Tag.

Das alte Schwefelbad in Bad St. Leonhard ist der Vorläufer des modernen Kurzentrums von heute. Auch hier waren Urlaubsgäste aus ganz Europa und oft darüber hinaus zu begrüßen. Alte Ansichtskarte.

Positive Auswirkungen des St. Leonharder Schwefelwassers sind vor allem bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, vor allem bei Muskelrheumatismus, bei Neuralgien und bei Gicht zu erwarten. Empfohlen wird die Anwendung des gesunden Wassers auch bei allergischen Hautreaktionen, bei chronischen Ekzemen und bei Akne. Günstige Wirkungen sind auch bei der Behandlung von Durchblutungsstörungen nachgewiesen.

Das Bad St. Leonharder Schwefelwasser, das seit über 100 Jahren Kur- und Urlaubsgäste in die Region lockt, wurde im alten Kurbad in Form von wohldosierten Wannenbädern, aber auch für Trinkkuren genutzt. Heute ist das „Schwefelbad“ eine wichtige Therapiekomponente im neu erbauten Gesundheitsresort Bad St. Leonhard, das den traditionsreichen Kurbetrieb der Oberlavanttaler Stadt mit modernen Mitteln fortsetzt.

Bad Weissenbach bei Wolfsberg

Heilkräftige Quellen stehen auch im Mittelpunkt des heilklimatischen Kur­ortes Bad Weissenbach bei Wolfsberg, wo heute in einem großen und modernen Kurbetrieb Gesundheit, Erholung und Entspannung großgeschrieben werden. Drei anerkannte natürliche Heilquellen werden hier sowohl für Bade- als auch für Trinkkuren genutzt.

Das Heilwasser von Bad Weissenbach eignet sich vor allem bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen und posttraumatischen Schäden des Stütz- und Bewegungsapparates, bei neurovegetativen Regulationsstörungen, bei Herz-Kreislauferkrankungen, Neuralgien und Altersbeschwerden.

Auf die ältere Geschichte des Thermalwassers von Bad Weissenbach verweist nur die Sage: So soll die Therme die Bewohner der Gegend im Mittelalter vor der Pest gerettet haben. Als der gefürchtete Schwarze Tod durchs Land ging und überall seine Opfer forderte, soll eine alte und weise Frau den Leuten im Weissenbachtal geraten haben, ins „Weissenbacher Warmwasser“ zu steigen. Die Bevölkerung folgte ihrem Rat und blieb von der Pest verschont.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entdeckte man am Weissenbach elf Quellen, von denen – so berichten es alte Aufzeichnungen – fünf als warm, vier als kalt und zwei als sauer einzustufen waren. Vier der Quellen erwiesen sich auch als schwefelhaltig. 1819 wurden erste Versuche unternommen, noch wärmere Quellen zu finden, um sie für den geplanten Badebetrieb zu nutzen. Obwohl bereits künstliche Stollen angelegt waren, mussten die umfangreichen Bemühungen schließlich wieder aufgegeben werden, weil man fürchtete, durch die Arbeiten die Qualität der bereits vorhandenen Quellen zu beeinträchtigen und so dieses Geschenk der Natur zu zerstören. Dieser Fehlschlag führte dazu, dass die bereits geplanten Badehäuser für Kurtouristen zunächst nicht zur Ausführung kamen.

Auskunft über den weiteren Fortgang gibt eine Schilderung aus dem Jahr 1849, die Joseph Wagner in seinem damals in Klagenfurt erschienenen Werk „Das Lavantthal im Herzogthume Kärnten“ überliefert hat. Wagner erkundete für seine Beschreibungen das Gebiet um Wolfsberg und wollte es sich nicht entgehen lassen, auch „die Mineralquellen am Weißenbache zu erreichen. Und wahrlich, wenig mehr als diese finden wir dort; denn, was in neuester Zeit Graf Henckel, als Pächter derselben, dort errichten ließ, dient mehr zum Gebrauche für seine Privatzwecke, als zur Benützung für das größere Publikum, dem diese Quellen als Bad, ungeachtet aller hochtönenden Pläne der kärntn. Stände, mit denen sie sich als Eigenthümer derselben durch eine Reihe von vielen Jahrzehenden herumgetragen haben, niemals recht zugänglich gemacht worden ist.“

DAs Kurbad in bad Weissenbach hat eine lange Tradition. In den letzten Jahren und Jahrzehnten wurde es mehrfach erneuert.

Jahrzehnte später, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, wurde der erste öffentliche Badebetrieb errichtet, dem jedoch nur wenig Erfolg beschieden war. Häufige Besitzerwechsel prägten die folgenden Jahrzehnte und führten auch zum weiteren Ausbau des Kur- und Badebetriebes. Als Bad Weissenbach 1934 in den Besitz eines Wiener Erholungsvereins kam, erlebte der Betrieb für einige Jahre eine Blütezeit, wurde in den Sommermonaten zum Treffpunkt vornehmer Leute, die hier an Sommerfesten und Schwimmwettbewerben teilnahmen und Kulturveranstaltungen genossen. Neben dem Freischwimmbad mit Thermalwasser waren auch Wannenbäder und Trinkkuren beliebt. Dieser vielversprechenden Entwicklung wurde durch den Zweiten Weltkrieg ein Ende gesetzt. In den Jahrzehnten nach dem Krieg wechselte das Bad erneut mehrfach seine Besitzer und wird in unserer Zeit erfolgreich von der Thermalbad Weissenbach GmbH betrieben, die – wie auch das Gesundheitsresort Bad St. Leonhard – zur DDr. Wagner Unternehmensgruppe gehört.

Heute bietet das Thermalbad mit Hotelbetrieb optimale Voraussetzungen für erfolgreiche Gesundheitskuren. Ein Hallenbad mit Sauna und Dampfbad steht ebenso zur Verfügung wie ein großes Thermalfreischwimmbecken, das auch in der kalten Jahreszeit genutzt werden kann. Der neue und moderne Therapiebereich wird auch hohen medizinischen Anforderungen gerecht. Den Gästen, die sich in der familiären Atmosphäre wohlfühlen können, werden neben dem bekannten Heilwasser u. a. auch Aromatherapien, CO2-Therapien und vielfältige Freizeitmöglichkeiten geboten.

Werner M. Thelian

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Werner Thelian
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Erstellt mit Bildern von JerzyGorecki - "bridge wooden bridge transition" • Jadrogc - "rail railway train" • BeccaH - "suitcase cases train", Archiv W. Thelian