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Ein wichtiger Schlüssel für die Liebe Aus der Leitung der FEG Schweiz

An einer Tramstation wartend beginnt es neben mir zu schmatzen. Zwei Jugendliche küssen sich leidenschaftlich. Egal, ob sich die übrigen Wartenden daran stören. Ihr frisches Verliebtsein ist für alle sicht- und erlebbar. Dabei sind die Küssattacken eher unbeholfen, vorsichtig, überleidenschaftlich und irgendwie auch neugierig.

Während ich versuche, nicht hinzuschauen, merke ich, dass ich meine Frau vermisse. Nicht um den Jungen zu zeigen, wie es geht. Sondern weil ich meine Frau liebe und sie mir fehlt.

Diesem Gedanken nachhängend frage ich mich, ob wir vielleicht manchmal in der Gefahr stehen, dieses erste Verliebtsein zu verlieren. Wir sind seit 16 Jahren verheiratet, wir haben 5 Kinder. Unser Alltag ist voll, besteht aus vielen Routinen und durchgetakteten Abläufen. Ja, die Gefahr besteht, muss ich zugeben. Was kann ich dagegen tun?

Michael Dufner

Alltag als Chance

Ich weiss grundsätzlich, dass es bei mir und meiner persönlichen Jesusbeziehung beginnt, die Leidenschaft und dieses Verliebtsein, denn nur er gibt mir, was ich brauche, um anderen weiterzugeben. Aktuell versuche ich Alltagssituationen als Chance zu sehen, in denen Jesus zu mir spricht. Ja, auch diese Situation mit den zwei Jugendlichen, die immer noch küssend vor mir herumtänzeln. Also, was sagt mir Jesus? Richtig! Geh nach Hause und küss deine Frau mindestens so leidenschaftlich! Das mache ich, und es löst Reaktionen aus: Die jüngeren Kinder wollen grad mitmachen, die älteren meinen nur: «Wääähhh, Papi, Mami, macht das woanders…»

Spannend ist, was es bei uns als Ehepaar auslöst. Der Unterschied, wenn ich auf sie zugehe, statt zu warten, bis sie zu mir kommt. Der Unterschied, statt eines flüchtigen Begrüssungskusses einen richtigen Kuss mit allem Drum und Dran.

Mit offenen Sinnen

Was braucht es, um in solchen Alltagsmomenten das Reden von Jesus zu hören? Ich glaube, es sind die Neugier und die Bereitschaft, es einfach zu versuchen. Die Bereitschaft, verrückte Dinge zu tun. Egal, ob wir uns blamieren oder auf die Nase fallen – schlimmer ist, wenn uns die Liebe abhandenkommt (Offb 2,4).

Dabei geht es nicht um eine «Ich-MUSS-LIEBEN»-Liebe. Sondern um eine Liebe, die nach dem anderen fragt. Und: Jesus, was willst du? Was sollen wir heute machen?

So war es auch kürzlich. Ich hatte die Idee, dass ich zum Nachbarn gehen soll, in dessen Garage. Dort hatten wir ein ungezwungenes Gespräch, in dem ich über das Wirken von Jesus Zeugnis geben konnte. Er hat gestaunt, nicht weil er in mir jemanden sah, der alles im Griff hat, sondern weil er erfahren hat, wie Gott als Vater mich trotzdem nicht aufgibt, sondern mir stärkend zur Seite steht. Weil ich sein Kind bin. Das hat ihn ermutigt – und mich wieder neu für die Liebe Jesu begeistert. Neugier ist ein wichtiger Schlüssel für unsere erste Liebe.

Credits:

Erstellt mit Bildern von Joanna Nix - "Kiss me on the rooftop" • Damir Kopezhanov - "untitled image"