Ein Garten, neun Völker Angela Schelling imkert mitten in München

Mit einem Dokumentarfilm fing für Angela Schelling vor vier Jahren alles an: "Nachdem ich More Than Honey gesehen hatte, war ich fasziniert vom Mikrokosmos Biene und seiner ökologischen Bedeutung. Ich wollte einen Beitrag dazu leisten, dass es den Bienen besser geht."

Inzwischen leben in Schellings Garten im Münchner Stadtteil Ramersdorf-Perlach neun Bienenvölker. Die meisten bestehen aus Buckfastbienen, einer englischen Züchtung.

Wie man Bienen mit Rauch aus dem Smoker beruhigt oder die Magazinbeuten, die klassische Bienenbehausung, in Stand hält, weiß Schelling vor allem aus Fachbüchern – und durch ihre Mitgliedschaft bei den Münchner Stadtimkern. "Der Austausch mit anderen Imkern ist sehr inspirierend", sagt Schelling.

Was Schelling anfangs überrascht hat: Ein Stadtbienenvolk produziert mit bis zu 40 Kilo jährlich rund doppelt so viel Honig wie ein Volk auf dem Land. Der Grund: In der Stadt, abseits von bäuerlichen Monokulturen, haben sie ein viel breiteres Nahrungsangebot.

Auch die Blütenvielfalt ist in der Stadt groß. Von welchen Blüten die Bienen ihren Nektar genau sammeln, wissen nur sie selbst. Die Geschmacksnoten des Honigs aus den einzelnen Münchner Stadtvierteln sind dadurch grundverschieden.

Hat das Volk hat eine Königin? Produziert es Weiselzellen, in denen es neue mögliche Königinnen heranzieht? Alle wichtigen Informationen sammelt Schelling in einem Dokument.
Wenn ein Volk zu viele Weiselzellen baut und ein anderes gar keine, setzt Schelling diesem – wie hier – eine fremde Zelle samt Königinnenlarve ein. Ob die Bienen die fremde Königin annehmen und aufziehen, muss sich erst zeigen.

Jetzt, in der Schwarmzeit von Ende April bis Juni, sieht Schelling wöchentlich nach ihren Bienen. Wenn sie ein Volk in Schwarmstimmung nicht rechtzeitig teilt oder die Weiselzellen bricht und das Schlüpfen einer neuen Königin dadurch verhindert, zieht die eine Hälfte der Bienen mit der alten Königin aus und sucht sich einen neuen Platz. Die andere Hälfte macht die erstgeschlüpfte Königin dann zu ihrer neuen Herrscherin. Ihre Konkurrentinnen tötet die neue Königin meist noch in ihren Zellen.

Die Königin, auch Weisel genannt, ist fast doppelt so groß wie ihre Arbeiterbienen (links oben).

Hin und wieder bekommt Angela Schelling ein ausgeschwärmtes Volk, das sich an einem Baum irgendwo in München eingenistet hat, und gibt ihm ein neues Zuhause. Bis die zugezogenen Bienen den ersten Honig produzieren, dauert es ein Jahr. Zuerst bauen sie ihre Waben in die Holzrähmchen (siehe oben). Die Arbeit mit neuen Völkern sei besonders spannend, sagt Schelling. Die Honigproduktion an sich sei für sie zweitrangig.

Um die Honigwaben ihrer älteren Völker zu überprüfen, streift Schelling die Bienen vorsichtig mit einer Feder von den Waben ab.
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Leonie Sanke
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© Leonie Sanke

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