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Narcisa Fluturel

Interview mit der Künstlerin über die Geschichte hinter dem Projekt

Das ist eine Frage, die ich mir immer wieder stelle: Wieviel von uns ist unser ureigenes Ich und wieviel von uns ist konstruiert durch das, was wir im Leben gesehen haben?
Als ich mit 15 Jahren mit meiner Familie von Rumänien nach Deutschland kam, habe ich permanent versucht, das Gefühl der Fremdheit zu vertuschen. Ich glaube mit fünfzehn vertuscht man einiges. Man weiß nicht, wer man ist und versucht, dem auf die Spur zu kommen.
Wie wahrscheinlich alle jungen Mädchen habe ich immer nach Vorbildern gesucht. Gerade nach Frauen, die man toll findet. Und wie viele andere Mädchen habe ich versucht, so zu sein wie sie. Ich bin in verschiedene Rollen geschlüpft, manchmal bewusst, manchmal unbewusst.
Meine Zellen haben sich inzwischen daran gewöhnt, verpflanzt zu werden. Als ich als junge Frau zum Studieren nach Italien gegangen bin, hat mich das schon nicht mehr so durcheinandergewürfelt. Jetzt würde es mir wohl nicht mehr schwerfallen, mich an einem neuen Lebensort zurecht zu finden.
Ich sehe die Menschen und denke mir dazu Geschichten aus: Wie leben sie? Was tun sie in ihrer Freizeit? Wie sehen sie aus, wenn sie wütend sind? Diese Bilder brennen sich in meinem Kopf ein.
All meine Erinnerungen prägen mich zusammen mit meinen Begegnungen und Erfahrungen. Sie werden Teil von mir.
Wir alle spielen Rollen, aber bei manchen Menschen habe ich das Gefühl, die übernommene Rolle passt nicht zu ihnen.
Wenn mir die Menschen gefallen, übernehme ich teilweise ein Stück von ihnen, ob bewusst oder unbewusst. Ich glaube, das machen wir alle.
Ich glaube, dass jeder gut daran tut, sich immer wieder zu fragen, was das ureigene Ich ist. Mal ein Salto zu seinen Ursprüngen zu machen und sich selbst zu entdecken, quasi unseren Kindheitsfilm auf der inneren Leinwand anschauen: Was gehört wirklich zu uns? Was begegnet uns, wenn wir ganz tief in uns hineinblicken?
Das Leben ist ein Kunstwerk, das jeder von uns gestaltet. Jeder hat die Möglichkeit, es zu formen und ihm neue Wendungen zu geben. Das ist für mich reine Poesie!

Die Fotos sind Teil der Fotoserie "TRANSFER - East Side Stories des Künstlerpaares Fluturel&Fiorito, weitere Infos hier.

Zur Website der Künstlerin geht's hier lang

Created By
Katrin Frische, www.frische-biografien.de
Appreciate

Credits:

Massimo Fiorito

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