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Die misslungene Predigt Daniel Beusch

Samstag: Wieder hatte ich viel in die Predigtvorbereitung investiert. Wegen den Corona-Massnahmen musste ich die Predigt auf Video aufnehmen. Das machte weniger Spass: Motivierter Prediger spricht zu unmotivierten Stühlen. Bei der Aufnahme lief einiges schief, aber (nach einer Zeit des Ärgerns) nahm ich es als persönliche Anti-Perfektionismus-Übung und schickte das Filmmaterial unserm Techniker.

Sonntag: Doris, unsere Nachbarn und ich sassen vor dem Fernseher und schauten die Gottesdienstübertragung. «Oh Mann.» Durch die fehlerhafte Aufnahme war einiges unverständlich. Doris gab als erste ein Feedback. –

Frauen können manchmal sehr ehrlich sein. Unsere Nachbarn waren etwas indirekter, aber nicht ermutigender. Ich fühlte mich als Versager. Schon kam das erste WhatsApp. Ein Gemeindeglied, das 15 Leute zum Livestream eingeladen hatte, machte seinem Frust Luft.

Nachmittag: Suchte Stille mit Jesus. Noch bei meinem Versagen hängend, kamen mir plötzlich meine eigenen Worte in den Sinn: «Ich wünsche uns, dass uns die Freude an Jesus so richtig erfüllt», hatte ich einleitend zur Predigt gesagt. Jesus schien zu sagen: «Na, Daniel, freust du dich an mir? Oder freust du dich (nur), wenn du erfolgreich bist? Wenn ich dich brauche und durch dich wirke?

Ich wurde ruhig. Der Abend war dann sogar richtig lustig, weil eine riesige Freude mich erfüllte: Freude an Jesus.

Später kamen viele positive Feedbacks zur Predigt. Komisch. War es nun eine gute Predigt oder nicht? Ich weiss es nicht. Dass mit der «Freude an Jesus» nehme ich auf jeden Fall mit.

Daniel und Doris Beusch, daniel.beusch@feg-dornbirn.at