Loading

Mit Kindern über den eigenen Tellerrand hinaussehen lernen Sabine Jäggi

Neugier können wir bei und mit Kindern schon so gut miterleben. Das gilt vor allem für Neugier im Sinn von «etwas für mich entdecken» – oder auch im Sinn von Horizonterweiterung - Andere sehen und verstehen lernen.

Offene Augen, offenes Herz

Neugier – im Zusammenhang mit unserem Credo – mit einer Haltung des Vertrauens und Beschenkens, ist grosszügig und nicht eigennützig. Nicht eine Neugier, die etwas für sich selbst entdecken und behalten will, sondern eine Neugier, die dem Anderen mit Offenheit und grossherzigem Interesse begegnet.

Paulus ermutigt uns im Brief an die Philipper zu einer Christus-Nachfolge, die sich in einer solchen Haltung ausdrückt: Barmherzigkeit, Mitgefühl, einander lieben, «achtet die anderen höher als euch selbst», «interessiert euch auch für die anderen» (Phil. 2, 1–4). Als von Gott Geliebte sollen wir offene Augen und ein offenes Herz für andere haben: «Freut euch zu jeder Zeit, dass ihr zum Herrn gehört. Und noch einmal will ich es sagen: Freut euch! Alle Menschen sollen eure Güte und Freundlichkeit erfahren. Der Herr kommt bald.» (Phil. 4, 4–5)

Ich glaube, dass schon Kinder mit solchen offenen Augen und offenem Herzen für andere Menschen, auch für andersartige Menschen, unterwegs sein können. Ich erlebe das bei Kindern, mit denen ich unterwegs bin, und dann berührt und ermutigt es mich. Entwicklungsbedingt wächst zwar erst im Lauf des Grundschulalters die Perspektive für das Gegenüber und die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen. Dennoch: die von Paulus beschriebene Haltung können wir schon bei Kindern wachsen sehen – und mit ihnen pflegen. Dabei ist es wie bei vielem anderem: Kinder lernen von der Haltung, die sie bei uns Erwachsenen spüren und sehen.

Ideen für Übungsfelder

  • Diakonische Projekte als Familienprojekt: Patenkind, «Weihnachten im Schuhkarton», …
  • Eine Missionarsfamilie unterstützen und Kontakt mit ihnen pflegen – als Familie oder als Kindergruppe der Gemeinde.
  • Kontakt zu anderen Menschen suchen – gerade auch zu «fremden», andersartigen Menschen in unserem Umfeld. Interesse und Teilen miteinander üben.
  • Bei Ritualen im Tageslauf einbauen, an Nächste zu denken, sie im Gebet einschliessen. Von einer Mutter habe ich vom «Bettgeplauder» mit ihrem Kind gelesen: Beide zählen auf, wer ihnen vom vergangenen Tag in den Sinn kommt: Kinder aus dem Kindergarten / Leute vom Arbeitsplatz.
  • «Wer ist es?»-Rätsel und Gebet für unsere Freunde: Die Menschen, für die wir uns interessieren, kennen wir selbst schon recht gut. Wissen die anderen in deiner Familie, wer deine Freunde sind? Spielt ein «Wer ist es?»-Rätsel: Jemand aus eurer Familie denkt an einen Freund, für den er sich wünscht, dass er Jesus auch kennen lernt. Der Name dieser Person wird nicht verraten. Nun versuchen die anderen mit Ja-/Nein-Fragen herauszufinden, wer es ist: «Ist es jemand aus deiner Schulklasse?» – «War diese Person schon mal bei uns am Tisch?», etc. Wenn ihr miteinander herausgefunden habt, wer es ist, betet miteinander für diesen Freund. So geht es reihum.
  • Gebet für Menschen in anderen Ländern: Dazu empfehle ich gern das Buch «Einmal um die Welt beten» (WEC international). Ich habe es mir selbst neu angewöhnt, jeweils abends darin ein Land oder Volk zu suchen, von dem ich in an diesem Tag in den Nachrichten gehört habe. Die Hintergrundinfos und Gebetsanliegen im Buch helfen mir, diese Menschen mit einem anderen Blick vor Gott zu bringen.

Gesätes wächst

Anfang November habe ich Davide Carritiello, der ganz frisch mit seiner Frau Debora nach Italien ausgereist ist, sagen hören: «Ich habe Vision Europa als Kind gekannt, aber jetzt weiss ich, was ihr macht.» Neugierig geworden, habe ich nachgefragt: «Wie hast du schon als Kind einen Blick für Italien bekommen und was hat dazu beigetragen, dass sich dies weiter entwickelt hat?» Davide: «Missionare aus Italien kamen bei uns einmal in die Sonntagsschule und haben ihre Arbeit vorgestellt. Mich als Kind mit italienischen Wurzeln hat das sehr angesprochen. Danach waren sie bei uns zu Besuch zum Mittagessen und ich hörte bei den Gesprächen mit. Ich merkte dabei, wie wichtig es ist, den Missionaren geistlich und finanziell beizustehen. Ich glaube, da entstand eine Offenheit für die Mission und deren Wichtigkeit.»

Geschichten wie diese zeigen uns, dass wahr ist und wahr wird, was wir im Lied «Hosanna» singen:

I see a generation (Ich sehe eine Generation) Rising up to take their place (die aufsteht, um ihren Platz einzunehmen,) With selfless faith …(mit selbstlosem Glauben.) Heal my heart and make it clean (Heile mein Herz und mache es rein.) Open up my eyes to the things unseen (Öffne meine Augen für das Nichtsichtbare.) Show me how to love like you have loved me (Zeige mir, wie ich so lieben kann, wie du mich geliebt hast) Break my heart from what breaks yours (Brich mein Herz an dem, was dein Herz bricht) Everything I am for your kingdoms cause (Alles was ich bin für dein Königreich) As I go from nothing to eternity… (Während ich vom Nichts in die Ewigkeit gehe. (Hosanna, Hillsong)

Sabine Jäggi sabine.jeaggi@feg.ch