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3. Fachtagung - Standortfaktor Mensch - SCHATZSUCHE IN DER REGION — Neue Wege in der Fachkräftesicherung? Wie Meister und Geselle sich verstehen — 28.November 2019 in Greiz.

Die Veranstaltung des Regionalbeirats für Arbeitsmarktpolitik Ostthüringen richtete sich in erster Linie an Unternehmerinnen und Unternehmer in Ostthüringen. Interessierte aus Verwaltungen, Politik, Wissenschaft waren ebenfalls willkommen. Der Regionalbeirat für Arbeitsmarktpolitik ist seit mehr als 20 Jahren als Informations- und Austauschplattform in der Region aktiv.

Bereits zum dritten Mal wurde das Thema „Standortfaktor Mensch“ von verschiedenen Seiten beleuchtet. In diesem Jahr ging es vor allem um die Kommunikation mit den so dringend benötigten, jungen und auch zukünftigen Fachkräften.

Die Tagung fand am 28.11.2019 von 14:00 – 18:00 Uhr in der Vogtlandhalle in Greiz statt.

Man konnte spannende, praxisorientierte Vorträge u.a. zur Gewinnung von Azubis erleben, von Praxispartnern und deren Erfahrungen hören und man besaß ausreichende Möglichkeiten, mit anderen Teilnehmern ins Gespräch zu kommen.

PROGRAMM

Teil I

14:00 Uhr Einführung in das Thema

Verschiedene Vorträge geben Ihnen einen ersten Einblick und Infos zum Thema.

15:00 Uhr Pause

Teil II

15:30 Uhr Workshops / Themenräume

In den drei verschiedenen Workshops erhalten Sie nicht nur viel Wissenswertes über die neuen Wege der Fachkräfterekrutierung, sondern Ihnen wird auch die Möglichkeit geboten, selbst aktiv zu werden und die ein oder andere Methode gleich vor Ort selbst auszuprobieren.

16:30 Uhr Pause

Teil III

16:45 Uhr Zusammenfassung und Auswertung

Die Workshopleiter präsentieren ihre Ergebnisse und bieten Ihnen einen Raum für Fragen und Anregungen.

Im Nachfolgenden finden Sie eine kurze Dokumentation aus der Sicht von fünf Schülerinnen und Schülern des „Ulf-Merbold-Gymnasiums“ Greiz zur 3. Fachtagung „Standortfaktor Mensch“. Diese wurde unter der Leitung der Medienpädagogin Sarah Eißmann (TMBZ Gera) erstellt.

Hannes Herpich, Anne Adler, Samir Dinaj, Jenny Brockmann, Anna Stelzer

Viel Spaß beim hineinscrollen!

Impressionen vom Fachtag

VortRäge

Berit Dübler, RBO-Vorsitzende: Der Beirat als Informations- und Austauschplattform

Berit Dübler berichtete in ihrem Begrüßungsreferat, als Beiratsvorsitzende, dass die Fachtagungen seit 2017 ein Mittel seien, um die Informations- und Austauschplattform auch über die Zuständigkeitsbereiche hinaus zu gewährleisten.

Standortfaktor Mensch

  • griffiger Satz (drückt aus was uns wichtig ist und woran wir arbeiten)
  • im Mittelpunkt steht der Mensch (mindestens so wertvoll wie andere Faktoren wie z.B. Infrastruktur, Strompreise, etc.)
  • „ein nachwachsender Faktor"
„Weil dieser Faktor […] nicht unbegrenzt zur Verfügung steht, macht ihn das zu einem Schatz, den man manchmal mühsam suchen und wenn man ihn gefunden hat pflegen und bewahren muss."

Eine Frage von Kompetenzen

An welchen Stellen kann man sie im Unternehmen maßgeblich beeinflussen?

Am Anfang und Ende einer beruflichen Karriere.

  1. nach Schule, Lehre oder Studium (Kompetenz kommt neu hinzu)
  2. Ende der Berufstätigkeit (Gefahr Kompetenz zu verlieren)
„Ein Unternehmer lebt immer auch von der Kompetenz, also dem Wissen und Können seiner Mitarbeiter."

Hier finden Sie den Vortrag von Berit Dübler in voller Länge!

Andreas Martz, Leiter der Regionalstelle der GFAW (Geschäftsstelle des Regionalbeirats): Moderation

„Was Greiz gewebt, was Greiz gefärbt, das bleibt bis es der Enkel erbt.“

  • alter Spruch der auch in heutige Zeit passt
  • Weben steht für herstellen von Netzwerken (u.a. Anliegen der Veranstaltung)
  • Färben steht für buntes/vielfältiges Miteinander
Wichtig ist ein respektvolles Miteinander! „Es gibt z.B. keine geringwertigen Arbeiten.[…] Jeder Mensch ist wertvoll."

Zusammenfassend

  1. Impulsreferat: Wie verändert sich die Welt in der wir leben und arbeiten?
  2. Impulsreferat: Wie finden wir in dieser sich verändernden Welt Nachwuchs für unser Unternehmen?
  3. Impulsreferat: Wie kommunizieren wir mit dem gefundenen Nachwuchs bzw. wie kommen und bleiben wir in Kontakt?

Hier finden Sie die Moderation von Andreas Martz in voller Länge!

Dr. Sebastian Köllner, Serviceagentur Demographischer Wandel / Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft (TMIL): Zahlen Daten Fakten zur Demografie in Thüringen

Der aktuelle Stand Thüringens auf den Punkt gebracht

  • von 1990 bis heute Verlust von ca. 470.000 Menschen
  • Einwohnerzahl fällt schätzungsweise bis 2040 um weitere 280.000
  • Trend in anderen Bundesländern ebenfalls negativ (Thüringen besonders stark betroffen)
  • südliche Bundesländer, Hamburg und Berlin haben einen Bevölkerungszuwachs

Was sind die Ursachen für diesen Prozess ?

„Man kann von einem Geburteneinbruch nach der Wiedervereinigung sprechen."
  • „Halbierung der Geburtenzahlen" (Ergebnis ist ein „Sterbeüberschuss")
  • langfristige Folge ist „demographisches Echo" (damals weniger Kinder = heute weniger Eltern)
  • speziell in Ostdeutschland starker Einbruch von Geburtenzahl pro Frau
„Es gab kein Land, bei der die durchschnittliche Geburtenzahl pro Frau unter 0,8 lag."
  • Zahl steigt allerdings bis heute auf ca. 1,6 (reicht nicht um Sterberate zu korrigieren)
  • seit 90er Jahren bis 2013 war die Abwanderung in Thüringen größer als Zuwanderung (ab 2013 positiv-> Ausnahme 2016)
  • Altersstruktur verändert sich
„„Es sind mehr Menschen aus Thüringen weggezogen als hergezogen."

Fazit:

  • wir werden in Thüringen weniger und gleichzeitig auch älter (Sterbefallüberschuss dominiert demographischen Wandel)
  • Zuwanderung kann demographischen Wandel lindern, aber nicht aufhalten
  • Ostthüringen ist überdurchschnittlich betroffen

Hier finden Sie das Impulsreferat von Dr. Sebastian Köllner in voller Länge!

Prof. Dr. Michael Behr, Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie (TMASGFF): Fachkräftesituation aus Landessicht

Die Tücken der mathematischen Demographie

„Wenn Politik durch Demographiemathematik ersetzt wird, kann das zu einer Unterausstattung der Infrastruktur führen und dann sind Engpässe vorprogrammiert."

Ergebnis dieser Politik am Beispiel Sachsen: Wanderungssaldo ist widererwarten positiv und Frauen kriegen deutlich mehr Kinder

Hat zur Folge, dass Wohnraum für junge Familien fehlt, Kindergarteninfrastruktur sehr schlecht ist, zu wenig Lehrer an Schulen/zu wenig junge Lehrer an Berufsschulen vorhanden sind -> Menschen ziehen weg

„Immer wenn man daran glaubt, man hätte die wirtschaftliche Entwicklung im Griff, haut uns die Demographie die Füße weg […]."

Zuwanderung, Arbeits-und Ausbildungsmarktsituation

  • Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten wächst seit 15 Jahren trotz fast gleichbleibender Anzahl der Erwerbstätigen (ca. 1 Mio.)
  • auch in Regionen, in denen Erwerbspersonenpotezial nicht dramatisch geschrumpft ist, ist es gealtert (Anteil der Ü50 jährigen dominiert)
„Es steht uns eine zweite Wende bevor."
  • Qualifikations-und Erfahrungsträger gehen in Rente und nur halb so viel Jugendpotenzial rückt nach
  • 750.000 sind nach Wende eingewandert (Thüringen)
  • „Es gab gute Gründe um nach Thüringen zu ziehen oder nach Thüringen zurückzuwandern."
  • Großteil aus alten Bundesländern („Exilthüringer")

„Nichts wächst in Thüringen so schnell, wie die Zahl der Menschen, die nicht mehr erwerbstätig sind."

  • abgesehen von Hamburg kein Bundesland mit auskömmlicher Nachwuchsreserve in nächsten 20-25 Jahren
  • Erwerbspotenzial schrumpft seit Jahren und wird weiter schrumpfen
„[Wir] haben einen unglaublich starken Wirtschaftszug, der irgendwann keine Gleise mehr hat, also der sozusagen keinen Unterbau hat, auf dem er weiterfahren kann."
  • unsere Wirtschaft ist unglaublich stark, während unsere Demographie sehr schwach ist
  • Je höher die Digitalisierungsrate, desto höher der Fachkräftebedarf-> kompensiert Fachkräftemangel nicht
  • Einstellung gegenüber älteren Arbeitnehmern hat sich stark verbessert
  • Willigkeit und Arbeitsmotivation sind wichtiger als Herkunft
„Wir [müssen] etwas dafür tun […], die duale Ausbildung attraktiver zu machen, deutlich zu machen, dass es hier aufstiegsschnelle Karrieren gibt."
  • Zahl der Ausbildungsplätze ist massiv zurückgefallen, während jeder Jugendliche im Gegenzug eine sichere Übernahmechance besitzt (70%)
  • Thüringen hat viele Argumente und attraktive Angebote für Jugendliche (z.B.: Landschaftsbild, hohe Kulturdichte, bezahlbarer Wohnraum, etc.)
  • Thüringen benötigt Jugendliche, Frauen, Ausländer, Geflüchtete, Menschen mit Behinderung, etc. um Fachkräftebedarf zu decken

„Willkommen im Chancenland Thüringen!"

Hier finden Sie das Impulsreferat von Prof. Dr. Michael Behr in voller Länge!

Matthias Naumann, Ausbildungs-/ Berufsberater Agentur für Arbeit (AA), Erfurt: „Generation Z – Müssen wir uns jetzt bei den Jugendlichen bewerben?“

Aktuelle Probleme der Generation Z

  • erleben stärker Inklusion -> Art der Beschulung ändert sich (leistungsschwachem Schüler fehlt Zeit)
  • erleben stärker Flüchtlingskrise
  • massives Anwerben von ausländischen Fachkräften

Wie tickt die Jugend von heute ?

  • Jugend bekommt zu viel Input, was die Berufsberatung betrifft -> tun, das was sie wollen, wann sie es wollen
„Es ist der bequeme Weg, den die Jugend wählt und es ist der moderne Weg, den die Jugend wählt."
  • Jugendliche sind sensibel und brauchen Vertrauensbasis, bevor sie sich öffnen -> Schulen sind voll von Rohdiamanten
  • betriebliche Praktika müssen Einblick in Berufsfeld bieten
  • Schüler benötigen Reaktionen auf ihre Bewerbungen (man muss ihnen Chance geben)
„Das betriebliche Praktikum ist die erste Chance, potenzielle Arbeitskräfte zu binden"
  • man muss auf Jugendliche zugehen und so einen Bindungsprozess schaffen (z.B. durch längere Praktika)

Hier finden Sie das Impulsreferat von Matthias Naumann in voller Länge!

Ute Reinhöfer, Thüringer Medienbildungszentrum der TLM in Gera (TMBZ): „Vom Ansagen zum Mitmachen - Thüringer Medienbildungszentrum der TLM“

Was bedeutet die Digitalisierung für die Generation Z ?

  • mit den "Neuen Medien" ist eine neue, ortsunabhängige Form der Zusammenarbeit möglich
  • Freiheitswert ist Jugendlichen besonders wichtig
„[Die Generation Z] will gemeinsam an Projekten arbeiten, will Sinn schöpfen und will Sinn schaffen, aber das eben nicht mehr unbedingt in der [starren] Achteinhalbstundenstruktur […]."
  • Unternehmer müssen sich an Generation Z und Digitalisierung anpassen
  • Jugendliche können sich mit Technologien ausprobieren und neu erfinden-> schlüpfen in andere Rolle
„Andy Warhol hat einmal gesagt, dass es irgendwann einmal eine Zeit geben wird, wo jeder Mensch für 15 Minuten berühmt sein wird und diese Zeit ist angebrochen."
  • Generation Z kennt ein Leben ohne Medien und Internet gar nicht mehr

Herausforderungen

  • Online- und Offlinewelt treffen aufeinander
  • wenn man Generation Z Internet verbietet, nimmt man ihnen Luft zum Atmen-> ist ihr Sprachrohr in die Außenwelt
  • sind ständig auf der Suche nach Informationen in den sozialen Medien
  • es muss ein Umdenken stattfinden (Unternehmer und Jugend müssen auf eine Nenner kommen)
  • für Unternehmen wichtig, neue Medien zu nutzen

Hier finden Sie das Impulsreferat von Ute Reinhöfer in voller Länge!

Nach einer kleinen pause ging es direkt weiter …
Workshops

Workshop 1

Dr. Sigrun Fuchs / Oliver Hummel (Thüringer Agentur für Fachkräftegewinnung, ThAFF): „In Zeiten des Mangels aus dem Vollen schöpfen?“

Im ersten Workshop sprachen zwei Referenten von der ThAFF zum Thema Fachkräfterekrutierung. Sie gaben den Teilnehmern und Teilnehmerinnen Einblicke in die Mitarbeitergewinnung und berichteten Spannendes aus dem Bereich der Arbeitgeberattraktivität!

Workshop 2

Björn Grübel (IHK Ostthüringen zu Gera): „Verständnisfrage oder Beziehungskiste?“

Im zweiten Workshop konnten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen Nützliches über die gekonnte Ansprache von Auszubildenden, am Beispiel des IHK Schülercollege, erfahren.

Workshop 3

Ute Reinhöfer, Elric Popp (Thüringer Medienbildungszentrum der TLM in Gera, TMBZ): „Vom Ansagen zum Mitmachen - Thüringer Medienbildungszentrum der TLM“

Im dritten und letzten Workshop hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, ihre eigene Medienkompetenz im Umgang mit den jungen zukünftigen Fachkräften zu verbessern und konnten gleich anhand von praktischen Übungen die ein oder andere Methode selbst ausprobieren.

Begriffsmemory: Findet die passende Begriffsdefinition!

Wie wäre es zum Beispiel mit einem flippigen und fetzigen Recruting Video?

Zusammenfassung & Auswertung

Am Ende einer jeden Veranstaltung steht eine Feedbackrunde. Doch diese sollte bei der 3. Fachtagung Standortfaktor Mensch nicht wie herkömmlich mit Zettel und Stift, sondern zeitgemäß natürlich mit dem Smartphone oder Tablet getätigt werden. Alle Besucher und Besucherrinnen wurden deshalb zur Teilnahme an einer interaktiven Feedbackplattform aufgerufen und posteten live folgende Anregungen, Ideen und Ergebnisse:

Vielen Dank für die schöne Veranstaltung!

Für weitere Informationen und Fragen besuchen Sie gern unsere Webseite unter folgendem Button:

Impressum:

Inhaltlich: Regionalstelle der Gesellschaft für Arbeits- und Wirtschaftsförderung des Freistaats Thüringen mbH (Impressum siehe Website der GFAW) als Geschäftsstelle des Regionalbeirats für Arbeitsmarktpolitik Ostthüringen

Redaktionell/technisch: Max Grof (redaktionelle Überarbeitung) I Elisa Feustel (Fotos) I Hannes Herpich, Anne Adler, Samir Dinaj, Jenny Brockmann, Anna Stelzer (Fotos I inhaltliche Erarbeitung) I Sarah Eißmann (redaktionelle Verantwortung) I Elric Popp, Jenny Brockmann (Kamera) I Olaf Böhme, Chris Böhme, Samir Dinaj (Regie)

Credits:

Erstellt mit Bildern von Skitterphoto - "workshop pens post-it note" • surdumihail - "feedback analytics public speaking"