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Gerd Heinz Regisseur, Schauspieler, Lehrer

was war / was wird

2020

Regie: Tod eines Handlungsreisenden von Arthur Miller. Premiere am 15.Februar Theater Bern. Fassung und Dramaturgie Marco Läuchli. Bühne und Kostüme Lilot Hegi.

Rezitation/Regie: Die Welt von gestern Erinnerungen eines Europäers. Stefan Zweig. Text und Musik. Mit Lucas Fels (Cello), Axel Gremmelspacher (Klavier), Lilot Hegi (Raum). - WA am 17. Mai im Burghof Lörrach.

2021

Text und Musik: Adressat unbekannt Briefroman von Taylor Kressmann, zusammen mit Charles Brauer; Musik: Latica Honda-Rosenberg (Violine) und Bruno Weinmeister (Cello). Am Sa. 12. Juni 2021 im Blauen Haus Breisach.

Ermittlung Texte von Peter Weiss, zusammen mit Helmut Grieser; Musik: Hanna Weinmeister (Violine), Bruno Weinmeister (Cello), Vera Weilerstein (Gesang). Am So. 13 Juni 2021 in der Spitalkirche Breisach.

Atlas eines ängstlichen Mannes Texte von Christoph Ransmayr; Musik mit Lucas Fels (Cello). Am Freitag, 8. Oktober im Burghof / Lörrach.

Buch: Federn-Lesen mit Michael Wissing (Fotos). Erscheint im Mai in der Edition Rombach.

zur Person

geboren 1940 in Aachen. Schon während der Schulzeit am Kaiser-Karls-Gymnasium Gründung einer Theatertruppe (Die Stufe). Nach dem Abitur Studium der Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte in Köln; parallel Ausbildung zum Schauspieler und Regisseur an der Schule des Theaters Der Keller und erste Rollen in Fernsehen und Theater. Dann, ab 1962, in Doppelfunktion als Regisseur und Schauspieler über die Theater Aachen, Kiel, Essen, Schauspielhaus Hamburg, Schauspielhaus Bochum 1970 an das Staatstheater Darmstadt; dort Schauspieldirektor und Stellvertr. Intendant bis 1973. Ab da nur noch gelegentlich als Schauspieler tätig, selten am Theater, vorwiegend im Film und Fernsehen.

Ab 1973 Hausregisseur am Thalia Theater Hamburg (Boy Gobert). Gastinszenierungen am Theater Bonn, bei den Hersfelder Festspielen, am Wiener Burgtheater und am Wiener Volkstheater. Gelegentliche Arbeiten am Musiktheater (Krefeld, Hamburg, Zürich). Ab 1978 regelmäßige Arbeiten am Züricher Schauspielhaus, 1980 bis 1982 Hausregisseur, 1982 bis 1989 Intendant dieser Bühne. Ab 1989 starke Hinwendung zum Musiktheater, Arbeiten in Darmstadt, Düsseldorf, Hannover, Essen, Dresden, Madrid, Bern u.a., aber auch noch regelmäßige Schauspielinszenierungen am Staatstheater Hannover (1990 bis 1993) und am Münchner Residenztheater (1993 bis 2000). Von 1993 bis 1997 Leitender Regisseur des Musiktheaters und Mitglied der Operndirektion an den Städtischen Bühnen Freiburg. Von 1997 bis 2008 Professor an der Hochschule für Musik, Freiburg. Seit 2009 wieder freier Regisseur für Musiktheater und Schauspiel.

Regisseur

Insgesamt über 150 Inszenierungen für Schauspiel und Oper. Schwerpunkte:

Im Schauspiel

ist die Beschäftigung mit Texten des 20. Jahrhunderts ein eindeutiger Schwerpunkt (Camus, Wedekind, O‘Neill, Anouilh, Vitrac, Pinter, Pohl und Bernhard sind einige der bevorzugten Autoren); dazu viele Ur- und Erstaufführungen (z.B. Peter Turrini: „Der tollste Tag“ Darmstadt 1970, „Josef und Maria“ Wien 1980; Gaston Salvatore: „Büchners Tod“ Darmstadt 1972; Friedrich Dürrenmatt „Achterloo“ Zürich 1984; Edward Bond „Das Bündel“ Zürich 1978, Arthur Miller „Scherben“ München 1994 u.v.a.). Bei den Klassikern ist es vorwiegend die Auseinandersetzung mit Texten von Kleist, Büchner, Shakespeare und Schiller (z.B. „Kabale und Liebe“ Hamburg 1975 und Zürich 1985; „Maria Stuart“ Zürich 1984 und Hannover 1992; „Wallenstein“ Freiburg 2005; „Hamlet“ Bochum 1968, „Was Ihr wollt“ Zürich, 1983) Außerdem zieht sich die Beschäftigung mit der Komik wie ein roter Faden durch die Regie- und Schauspielarbeiten (von Anouilhs „Einladung ins Schloß“ Aachen 1962 bis zu Congreve/Hildesheimer „Lauf der Welt“ Zürich 1985, von Obaldias „Wind in den Zweigen des Sassafras“ Kiel 1966 bis zu Mosshart/Kaufman „Theater im Hotel“ Hannover 1990, von Molieres „Georges Dandin“ Hersfeld 1975 bis zu Peter Barnes „Roten Nasen“ Wien 1988).

Im Musiktheater

ist auch die Auseinandersetzung mit der Moderne vorherrschend. Weit mehr als die Hälfte aller Arbeiten fürs Musiktheater beschäftigen sich mit Stücken der klassischen oder der jüngsten Moderne (z.B. „Lady Macbeth von Mzensk“ von Schostakowitsch Darmstadt 1998, „Lear“ von Reimann Darmstadt 1990, „Die Bassariden“ von Henze Dresden 1997 und Madrid 1999, „Eroberung von Mexiko“ von Rihm Freiburg 1997 sowie die Arbeiten an den Opern von Peter Eötvös in Freiburg, Bern und Bordeaux, die einen eigenen Schwerpunkt bilden, aber auch mit Opern von Strawinsky, Britten, Debussy und Honneger). Ein weiterer Schwerpunkt in der Klassik ist das Werk Mozarts. Mehrfache Inszenierungen der „Zauberflöte“ und der „Hochzeit des Figaro“ sowie die Inszenierungen von „Cosi fan tutte“ und „Finta Guardiniera“ belegen das. Die Auseinandersetzung mit dem Werk Mozarts in der Oper wie mit dem Werk Shakespeares im Schauspiel ist eine existenzielle Notwendigkeit. Der dritte Schwerpunkt des Musikinteresses ist die Vorklassik, und da besonders das Werk G.F. Händels (z.B. „Giulio Cesare“ Freiburg 1993, „Ariodante“ Freiburg 2000).

Zwei Regiearbeiten für das Fernsehen: zusammen mit Hans Bossmann Filmrealisierung der Inszenierung „Mikado“ (Gilbert und Sullivan), DRS 1987 sowie „Der 17. Tag“, Musikfilm nach Texten von Alfred Jarry und der Suite „Le soupé du Roi Ubu“ B.A. Zimmermann, ebenfalls DRS 1990. Dazu kam in den Jahren 2015 bis 2019 die Erarbeitung und zyklische Aufführung des <Ring des Nibelungen> von Richard Wagner als freie Produktion in Minden.“

Zusammenarbeit mit Schauspielerinnen wie Elisabeth Rath, Angela Müthel, Barbara Sukowa, Kitty Speiser, Nicole Heesters, Agnes Fink, Maria Becker, Christiane Hörbiger, Eva Rieck, Katharina Thalbach, Barbara Freier, Tatja Seibt, Charlotte Schwab, Juliane Köhler, Julia Hansen und Leslie Malton u.a.

mit Schauspielern wie Gerhard Garbers, Stephan Orlac, Christoph Quest, Boy Gobert, Helmut Lohner, H.C. Rudolph, Dietmar Schönherr, Christoph Bantzer, Fritz Schediwy, Mathias Habich, Will Quadflieg, Norbert und Siggi Schwientek, André Jung, Sven Erik Bechtolf, Christoph Waltz, Dieter Hufschmid, Peter Rühring, Charles Brauer, Heinrich Giskes, Achim Buch, Werner Rehm u.a.

mit Sängerinnen wie Anette Robbert, Rosy Nencheck, Ursula Eittinger, Renate Behle, Tomoku Nakamura, Lesley Bollinger, Rachel Harnisch, Eva-Maria Dur, Maria Ricarda Wesseling, Magdalena Anna Hofmann, Dara Hobbs und Kathrin Göring.

mit Sängern wie Werner Hollweg, Theo Adam, Roland Wagenführer, Hans-Joachim Ketelsen, Wolfgang Newerla, Johannes M. Kränzle, Hans-Georg Priese, David Cordier, Hubert Bischof, Hans-Peter König, Julius Best, Dominik Nekel, Andreas Schager, Thomas Mohr, Renatus Meszar, Franz Hawlata und Andreas Hörl.

Mit Dirigenten wie Lothar Zagrosek, Hans Drewanz, Hans Urbanek, Heinz Wallat, Ingo Metzmacher, Frank Beermann, Johannes Fritzsch, Reinhard Goebel, Trevor Pinnock, Kwamé Ryan, Philippe Bach u.a.

Mit Ausstattern wie Rudolf Rischer, Wolf Münzner, Barbara Treskatis, Rolf Glittenberg, Lilot Hegi, Stefanie Seitz, Wolfgang Mai, Hansjörg Zimmermann, Ezio Toffolutti, Hugo Gretler, Kirsten Dephoff, Johanna Burkhart, Yvonne Forster, Frank Philip Schlössmann.

Schauspieler

Theater

In der Zeit von 1962 bis 1970 viele Rollen als Charakterdarsteller und Komiker (z.B Woyzeck, Angelo in Maß für Maß, Karl Moor, Wurm, Maquis Posa, Valerio in Leonce und Lena, Torquato Tasso, Iwan Karamasow, Cyrano de Bergerac, aber auch Victor in Victor oder die Kinder an die Macht, Maitre Fior in Operette von Gombrowicz). Danach nur noch gelegentliche Rollen am Theater (Darmstadt, Hamburg oder Zürich: z.B. der Regisseur in „Der nackte Wahnsinn und Kurt in „Totentanz“), aber doch hin und wieder Rollen in

Film und Fernsehen (eine Auswahl)

in der Fernsehfassung der „Räuber“: Karl Moor, NDR 1968

in „Die Goldenen Städte“ von Wesker: Stoney Jackson, HR 1969

in „Ein Kapitel für sich“ von Kempowski: Opitz, NDR 1979

in „Mein Vater“: Alexander Mitscherlich, Kino 1980

in „Blaubart“: „Psychiater“, DRS 1984

in „After Darkness“: Hausmeister, Kino 1985

in „Glut“: Botschafter, Kino 1986

in „Kreuzersonate“: der Ehemann (Pozdnysev), DRS 1988

in „Die letzten neun Tage“: Gorbatschow, NDR 1990

in „Nirgendwo in Afrika“: Vater, Kino 2001

in „Cascando“, video-art nach Beckett, 2008 Link zum Film

Im Theater und Film Zusammenarbeit mit den Regisseuren Hans Schalla, Hans-Karl Zeiser, Jorge Lavelli, Roger Blin, Egon Monk, Eberhard Fechner, Thomas Mitscherlich, Kristof Zanussi, Thomas Koerfer, Werner Düggelin, Jürgen Flimm, Didi Danquart, Caroline Link und Carsten Fuhrmann

Lehrer

Erste Lehrerfahrungen 1968 als Dozent an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Hamburg, zunächst in der Opernabteilung, dann auch im Schauspiel. Regelmäßige Lehrtätigkeit bis 1978. Dort Entwicklung eines Elementarkurses für junge Opernsänger „Grundlagen der Darstellung“, der später in Freiburg in Zusammenarbeit mit Igor Kalinitschenko ausgebaut und erweitert wurde.

1997 Berufung als Professor an die Musikhochschule Freiburg, zunächst als Szenischer Leiter der Opernschule, dann als Leiter der Opernschule, dann als Leiter des Institutes für Musiktheater. In enger Zusammenarbeit mit der Gesangsabteilung Umbau und Ausbau des Lehrplans. Ziel und Motto: „Sängerausbildung ist nicht Wissensvermittlung sondern Menschenausbildung“.

In elf Jahren über zwanzig Inszenierungen mit jeweiligen Ensembles und Orchestern; Schwerpunkt Mozart, aber ebenso Moderne und Vorklassik, da das pädagogische Ziel war, komplette Sänger und nicht Spezialisten auszubilden.

Vorlesungsreihe und Seminare über Theater- und Operngeschichte.

Besonderes Augenmerk auf die szenische Liedgestaltung. In diesem Zusammenhang Entwicklung von sogenannten Liedopern (z.B. „Warten auf G.“: Goethe und das Lied; „Die Heimkehr“: Texte von Tschechow und Nabokov, Lieder von Mussorgskij oder „Vom Klang der Gedanken“: Schiller und die Musik).

Gastprofessuren in Hamburg, Stuttgart und Bern (Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte)

Emeritierung 2008

der Autor

Der Sänger als Schauspieler - ein Grundlagenkurs, im Henschel-Verlag

Der Ring in Minden (mit anderen) Bruns Verlag Minden 2019.

Federn-Lesen mit Michael Wissing (Fotos). Edition Rombach 2021.

Bearbeitungen, Übersetzungen von Stücken wie z.B. „Celestina" oder "Der Ritter vom Mirakel“ oder Texten zu Musikwerken wie Dialogfassung „Fledermaus“ oder Sprechertexte zu „Matrimonio Segreto“/Cimarosa oder „Roi Pausole“/Honneger

und

leidenschaftlicher Vorleser mit Programmen von z.B. Ponge, Dürrenmatt oder Musil sowie gemeinsam mit Charles Brauer „Dialog aus der Hölle“ (Montesquieu und Macchiavelli von M. Joly)

und

Vorträge über Kunst- und Kulturhistorisches, Theater- oder Musikgeschichtliches, z.B „Sprache und Musik - Bemerkungen zu einer schwierigen Beziehung“ auf dem Symposion „Kunst im Kopf“ in Freiburg oder die Seminarreihe in Bern „Theater und Bildende Kunst - Berührungen und Entzweiungen“

und

Entwicklung und Präsentation von Programmen wie z.B. „Oper ist irre“ oder „Schuld und Bühne“ u.ä., jeweils mit Sängern und Musik

und

ein paar Preise gab‘s auch: Skraub-Preis Wien 1988, ETA-Hoffmann-Preis Freiburg 2008 oder der kleine aber feine Publikumspreis in Meiningen 2010

und

etwas Bibliografie: B.C. Sucher „Theaterlexikon, Suhrkamp; Peter Iden „Meine liebste Rolle, Insel; „Aller Tage Abend“, Schauspielhaus Zürich“; Kröger und Exinger: „In welchen Zeiten leben wir“; Limmat oder der Film über das „Schauspielhaus Zürich 1938 bis heute“, Arte

Fotos von Michael Wissing und Frederic Desmesure