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Wenn der Glaube die Geduld verliert 1. Mose 15 - 16

Ich plane meine Predigten oft monatelang voraus, gebe ihnen Titel und lese die Bibelstellen aus. Oft redet dann das Thema oder die Bibelstelle in die Situation. Heute ist das keine Corona Predigt in dem Sinn - aber das Thema ist jetzt wichtig: Geduld. Geduld. Geduld.. bis diese Krise vorüber ist.

Wie hast du es so mit Geduld?

Wie geht es dir jetzt wo Corona dir den Kontakt zu deinen Lieben versperrt, dir deine Projekte hintenanstallt, dir Unsicherheiten in den Weg legt? Du kein pfannenfertiges Konzept aus der Schublade ziehen kannst? Wie geht es dir, wenn du an der Kasse im Supermarkt anstehen musst, wenn du im Stau stehst, wenn du auf die Lieferung von Zalando wartest.......? Wie hast du es mit deinem Geduldigkeits-Parameter?

Skala 1 - 10: 1 wäre keine Geduld und 10 wäre extrem geduldig... wo ordnest du dich ein?

Ich wäre etwa bei zwei.....so nach dem Motto: Herr, gib mir Geduld, aber sofort! Dabei lehrt uns die Bibel, dass Geduld eine Tugend ist, mit der wir viel leichter durchs Leben kommen würden. Die biblischen Wörter heissen wie

Geduld, Ausdauer, Langmut, Standhaftigkeit oder ein altes Wort: Harren

Paulus betet für die Kolosser in Kolosser 1,11: ....und dass ihr gestärkt werdet mit aller Kraft durch seine herrliche Macht zu aller Geduld und Langmut.

Sich darunterstellen in Geduld, einer Situation, einem Druck..... wäre christlicher Lebensstil.

  • Erinnerst du dich an eine Situation, in der sich langes Warten gelohnt hat?
  • Erinnerst du dich an eine Situation, wo du aus Ungeduld eine falsche Entscheidung getroffen hast?
  • Wie gehst du mit der Krise um? Was könnte der Grund für deine Ungeduld sein?

Ungeduldige Menschen verpassen viel:

Es war einmal ein junger Mann, der mit seiner grossen Liebe verabredet war. Weil er so ungeduldig war, kam er schon zehn Minuten früher zum Treffpunkt. Er hatte keinen Blick für die Sonne, die Bäume um sich herum, sondern schimpfte vor sich hin, weil die Zeit nicht schneller verging. Da kam ein alter Mann vorbei und sagte: “Hier, nimm meinen Stock”, sagte er zu dem Jungen. “Immer, wenn du ihn gegen einen Baum schlägst, vergeht die Zeit schneller und du springst vor bis zum erwünschten Zeitpunkt.”

Der junge Mann freute sich und schlug den Stock gegen den nächsten Baum. Seine Geliebte tauchte sofort auf. Erfreut schlug er noch einmal zu. Sofort stand er vor dem Traualtar und küsste die Frau, die nun seine Ehefrau war. Der nächste Schlag und das Haus stand. Mit dem nächsten Schlag kamen die Kinder dazu, dann der Chefposten. Er schlug und schlug und schlug - das Leben raste an ihm vorbei. Plötzlich war er ein alter, gebrechlicher Mann. Da merkte er, dass es besser gewesen wäre, er hätte die 10 Minuten geduldig auf seine Freundin gewartet hätte.

Um Geduld und Warten geht es auch im heutigen Abschnitt im Leben von Abraham's. Wir konzentrieren uns auf 1. Mose Kapitel 16, wollen aber Kapitel 15 vorher betrachten, damit wir die Dramatik des Warten wirklich begreifen können.

Warten auf Nachwuchs

Abram hatte das Versprechen Gottes nicht vergessen, der ihm eine grosse Nachkommenschaft versprochen hatte, aber ihm war immer noch nicht klar wie das gehen soll, da seine Frau Sarai keine Kinder bekommen konnte. Abram versuchte eine pragmatische Lösung:

Aber Gott war da gar nicht seiner Meinung und versprach ihm eigene Nachkommen.

Ein überwältigende Aussicht für Abram - unvorstellbar

Gott schliesst dann einen besonderen Bund mit Abraham und lässt ihn in einen tiefen Schlaf sinken und zeigt ihm was mit dieser Schar geschehen soll.

Gott denkt in viel grösseren Zeiträumen als wir. Er denkt in Hunderten von Jahren und weiss schon, dass es einmal einen Mose gegeben wird, der sein Volk aus 400 Jahre Sklaverei in Ägypten befreit.

Als Bibelleser sollte uns dieser Weitblick Gottes Ruhe und Gelassenheit geben. Menschen die mit Gott unterwegs sind, sollten Zeit haben um auf Gottes Wirken zu warten. Gott hat einen Zeitplan: Als die Zeit erfüllet war, sandte Gott seinen Sohn.... Galater 4,4..

Gott hat viel Geduld... aber gehen wir zurück zur menschlichen Ebene und die ist eben menschlich und nicht göttlich:

Sarai und Abram warten aber nun schon 10 Jahre auf eigenen Nachwuchs. Sie werden ja nicht jünger….Abraham war 86 Jahre alt und Sarai 10 Jahre jünger. Die biologische Uhr tickt…. und nichts passiert. Sarai handelt nun. Sie hat eine ägyptische Magd:

Hagar

Und sie macht Abram den Vorschlag, dass er doch mit dieser Magd schlafen soll und ihr auf diese Art und Weise ein Kind gebären soll. Und Abrahm gehorchte der Stimme Sarais.

Aber als Hagar schwanger wurde, da wurde sie stolz und schaute auf Sarai verachtlich herab.

Die verletzte Ehe-Beziehung

Dass hier Sarai so ungeduldig reagiert können wir vielleicht nachvollziehen. Wer wurde nicht schon ungeduldig, weil er lange auf etwas warten musste? Kein Grund auf Sarai mit dem Finger zu zeigen.

  • Wie gehst du damit um, wenn du lange auf eine Gebetserhöhrung warten musst?
  • Wie können wir uns gegenseitig dabei helfen?
  • Hätte Sarai anderes handeln können?

Nachdenklich aber macht die Nicht-Reaktion Abrams: Er gehorchte der Stimme Sarais. Es war unüblich, dass in dieser Kultur der Mann der Frau gehorchte, aber bemerkenswert ist doch, dass Abram sich nicht gewehrt hat. Hat nicht gerade ein mega Erlebnis mit Gott, der im Kapitel 15 ihm eine grosse Vision gegeben hatte?

In den meisten Fällen, so meine Erfahrung mit Frauen, tun wir gut daran auf unsere Frauen zu hören, denn sie sind meistens vernünftige Wesen. Aber manchmal sind sie verletzte Wesen und dann können ihre Entscheidungen auch schwierig sein.

Sarai war zutiefst verletzt aus der Geschichte als Abram sie in Ägypten verkaufte. Und jetzt wird noch eine ägyptische Sklavin schwanger von ihrem Mann und stellt sich über sie. Was für eine Demütigung!

Abram ist gebunden - er hat immer noch die Schuld vor Augen und will seiner Frau nicht schon wieder im Weg stehen - als sagt er nichts.

Unsere Geduld kommt an Grenzen, wenn wir keine aufgeräumten Beziehung haben. Wer viele Verletzungen (oder Löcher) im Leben hat, der kann nicht gelassen durch das Leben gehen. In Drucksituationen kann er nicht warten und wird ungeduldig.

Gott ruft uns auf, unsere Beziehungen in Ordnung zu bringen - aufzuräumen. Gott ruft uns auf unsere Verletzungen anzugehen, nicht zu verdrängen, denn in Momenten wo es auf unsere Gelassenheit ankommen würde, treibt die Unordnung zur Ungeduld.

Die kulturelle Versuchung

Für unsere Kultur ist das Vorgehen diese Ehepaares ungewohnt. Für Besucher einer Freikirche sowieso, hingegen in unserer Gesellschaft ist schon vieles nicht mehr ungewöhnlich. Aber in der damaligen Kultur war diese Vorgehen, dass die Magd ein Kind mit dem Hausherrn macht, legal.

Damals war der Kodex Hammurapi, die Gesetzessammlung eines umsichtigen und für die damalige Zeit höchst aufgeklärten Königs in Mesopotamien und den umliegenden Gebieten gültig.

Eine der Bestimmungen lautete: “Wenn ein Mann eine Frau heiratet, die ihm keine Kinder schenkt, und diese hat ihm eine Sklavin gegeben, die ihm Kinder schenkt, und die Sklavin will dann den Vortritt vor ihr haben, weil sie Kinder geboren hat, dann soll die Herrin diese Sklavin nicht für Silber verkaufen….

Also war schon bekannt, was für Probleme solche Praktiken nach sich ziehen würde und Regeln wurden geschaffen.

Für alle Gläubige aller Zeiten ist die Herausforderung mit der Kultur in der sie leben gross. Bestimmt die Kultur die ehtisch-moralischen Entscheide eines Gläubigen oder ist es Gottes Wort?

Bei den Abrams war es die Kultur, statt die Worte Gottes.

Die Kultur und ihre Bestimmung der Ethik haben sich alle die Jahrhunderte immer wieder stark verändet, aber Gottes Wort ist geblieben. Natürlich unser Blick auf Gottes Wort verändert sich auch. Es ist auch klar, dass die Kultur einen positiven Einfluss auf unser Verständnis der Bibel haben kann.

Aber all die Jahrhunderte mussten sich gläubige Menschen immer wieder entscheiden ob sie der Kultur mehr gehorchen als dem Wort Gottes.

Heute sind wir enorm herausgefordert, weil die Kultur in der wir leben, immer mehr sich von den biblischen Werten wegbewegt. Es macht mir Sorgen, wenn ich beobachte, dass Christen nur noch wenig vom Wort Gottes wissen und sich mehrheitlich von einer Kultur leiten lassen, die den wahren Gott nicht mehr kennt, ja sogar ablehnt.

Warten - lohnt sich. Auf Gott hören lohnt sich. Gott gehorsam sein - lohnt sich.

  • Welche ethischen Themen stehen heute diametral zur Bibel?
  • Wie können wir uns gegenseitig helfen nach biblisch-ethischen Massstäben zu leben?

Manchmal entscheiden wir falsch und nicht nach Gottes Willen und trotzdem lässt es Gott in seiner Gnade gut kommen. Bei den Abram's kam es nicht gut. Vorerst.

Das Problem in die Wüste schicken

Eine wüste Eifersuchtszene unter Frauen bricht aus. Hagar flieht ... muss fliehen, sonst geht sie drauf. Aber die Suppe muss ausgelöffelt werden, die Konsequenzen getragen werden. Aber ein Problem kann man nicht einfach in die Wüste schicken.

  • Wovor würdest du am liebsten weglaufen? Wo bist du gerade auf der Flucht?

Gott schickt Hagar einen Engel, der ihr verheisst, dass aus ihrem Kind ebenfalls ein grosses Volk entstehen wird und das er ein rebellischer Mensch sein wird.

Die Geschichte ist nicht die Geschichte zweier streitender Frauen, sondern die Geschichte von zwei Völkern die sich bis heute bekämpfen. Das eine Volk ist das Produkt des "Fleisches" (Ismaeliten - Araber) , der eigenen, ungeduldigen Entscheidung und das andere Volk, das Volk Gottes, wird dann mit Isaak kommen, das Kind der Verheissung.

Warten lohnt sich. Auf Gott vertrauen lohnt sich.

Ein Gott, der jeden sieht

Am Ende dieser dramatischen Geschichte erlebt Hagar, die abgelehnte und verstossene Frau, dass Gott sie unter seinen Schutz nimmt. Er schickt wieder zurück und sie ist berührt, dass dieser allmächtige Gott eine ägyptische Sklavin sieht.

  • Erlebst du Gott als den "Lebendigen, der mich anschaut?" Welchen Namen würdest du Gott geben?
  • Wie handelt Gott mit Abram, Sarai und Hagar?

Credits:

Erstellt mit Bildern von amirali mirhashemian - "untitled image" • Wiebrig Krakau - "Two old men in an ancient town in Andalusia, Spain" • Nynne Schrøder - "Waiting for little brother to arrive" • Kalea Jerielle - "The seagull happened along at just the right moment. What a lovely picture. " • Hassan Wasim - "it was a fashion shoot, Hassan Wasim was doing it in studio, a candid shot was taken while communicating something to the model." • Kyle Cottrell - "untitled image"