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Wer ist Chef über meinen Gedanken Michael Dufner

«Wir haben es in der Hand, ob wir den Gedanken Raum geben, ihnen glauben, oder ob wir sie mit Jesus ‹abgleichen›.»
Michael Dufner, michael.dufner@feg.ch

Liebesgeflüster mit Absichten?

«Mein lieber Schatz, du bist die beste, schönste Frau, die es gibt! Ich liebe dein Lächeln, ich liebe deine Art, ich liebe es, wie du Mutter unserer Kinder bist. Ich liebe deine einfühlsame, fürsorgliche Art. Ich liebe es, wie du mich ansiehst, wie du mir als Mann das Gefühl gibst, dein Held zu sein. Ich liebe es, dich zu küssen. Ich liebe es, wie du strahlst, wie du deine Leidenschaft für Jesus lebst, im Gebet, für andere Menschen. Ich liebe es, dir zuzuhören, wenn es aus dir heraussprudelt, weil du so begeistert bist. Ich bin Jesus so dankbar, dass er dich mir… – Oh! Apropos… – morgen habe ich Gemeindeleitungssitzung. Könntest du mir ein Fleischplättli und ein Käseplättli vorbereiten?»

WAAAAAS…!? Hatte ich das jetzt wirklich gesagt? Ja, leider schon. Und wie ihr ahnt, war die Romantik und der Verliebtheitsblick meiner Frau von einem Moment auf den anderen verschwunden.

Aber von vorne. Ich liebe es, meine Frau zu umwerben, Zärtlichkeiten auszutauschen, ihr zu sagen, wie genial sie ist.

Ich liebe meine Frau wirklich, und all das, was ich ihr sage, ist auch 100% ernst gemeint. Aber die Episode zeigt etwas, was mir leider noch zu oft passiert: Ich bin zwar da, aber mit den Gedanken nicht fokussiert, nicht das wollend, was grad passiert, sondern vielleicht schon über die Stufe der Komplimente hinaus am Ausmalen, was noch passieren könnte, oder wie in diesem Fall noch bei der Arbeit und nicht in der Gegenwart.

Ich bin froh, kennt mich meine Frau und nimmt sie mir das nicht übel. Im Gegenteil, wir haben gelacht, denn so tollpatschig bin ich sonst wirklich nicht. Aber das Ereignis hat einen Entschluss bewirkt: Ich will noch mehr lernen, im Hier und Jetzt zu sein, nicht ständig in der Zukunft, bei dem, was noch alles sein sollte, sein könnte oder mit der Vergangenheit beschäftigt, mit dem, was war und was ich hatte und jetzt nicht mehr aktuell ist.

Das Flüstern Gottes

So bete ich, dass Jesus mir hilft zu lernen, noch mehr im Jetzt zu sein. Aber wie das so ist, kann ich auch das einfach erbitten und gleich wieder vergessen. (So bin ich.) Darum schreibe ich meine Absicht, als Gebet formuliert auf, und damit entschwindet das Geschehene schon wieder aus meinem Sinn. Am nächsten Morgen ziehe ich – voll im Alltagstrott – wie jeden Morgen einen Tagesvers. Es ist Röm 15,13: «Möge Gott, die Quelle der Hoffnung, euch im Glauben mit Freude und Frieden erfüllen, damit eure Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes immer stärker wird.» Cool, denke ich, und mache weiter.

Da meine Frau bei der Arbeit ist, fallen für mich noch einige Zusatzarbeiten an. Staubsaugen, aufräumen und den Kids helfen. Als ich anfangen will, steht der Staubsauger nicht an seinem Platz. Also suche ich und finde ihn in einem der Kinderzimmer. Doch – oh Frust – der Akku ist leer.

Also räume ich zuerst das Wohnzimmer auf und stolpere gleich über ein Computerkabel – über mein Computerkabel, das vermutlich eines der Kids entlehnt hat. Ich spüre, wie innerlich der Druck steigt. «Oh MANN! Diese Kinder! Immer dasselbe!» Frustriert, ohne weiter aufzuräumen, beschliesse ich, zuerst einen Kaffee zu trinken. Ich schalte die Maschine ein. «Wasser nachfüllen!» – O.K.! Nein Michi, nicht nerven! Das passiert nicht nur dir. Wasser ist bald nachgefüllt. Jetzt eine Kapsel einstecken! Doch was ist das? Der Kapselbehälter ist voll. Jetzt platzt mir der Kragen. «Mann! Was ist eigentlich los? Ist heute alles gegen mich?» In diesem Moment spüre ich, wie JESUS anklopft. «Michi, erinnerst du dich an den Vers von heute Morgen?» Ich hole ihn, lese ihn noch einmal. ER will meinen Glauben mit Frieden und Freude erfüllen! «Aber wie, Jesus, wenn mich einfach alles nervt?», frage ich ihn.

Dann sehe ich meine Kinder und spüre die Liebe, die Jesus für sie hat und erkenne das Vorrecht, Vater von 5 MEGA-Wundern zu sein. «Michi, ich habe sie dir anvertraut.» WOW! Ich bin gerührt. Dann erinnere ich mich an die Momente, wenn beim Staubsaugen das Kabel für die letzten Meter immer zu kurz war und wie wir heute mit dem Akkustaubsauger bestens bedient sind und zuletzt an unsere Luxus-Kaffeemaschine. Ein Geschenk! Dankbarkeit und Freude erfüllen mein Herz. Und zwar so, dass ich mit dieser Begeisterung auch gleich die ganze Familie anstecken kann.

Etwas ist mir dadurch aufgegangen: Eigenartige Gedanken platzen teils in den unnötigsten Momenten herein und wollen uns verwirren. Sie wollen erklären, was wichtig sei, was dringend sei, was oberste Priorität haben müsse oder ohne was wir nicht glücklich sein könnten. Wie auch immer, die Gedanken sind da.

Aber wir haben es in der Hand, ob wir ihnen Raum geben, ihnen glauben, oder ob wir sie mit Jesus «abgleichen», in der Stille und inneren Ruhe sein Flüstern vernehmen. Ich glaube, es ist eine Illusion zu erwarten, nur im Moment leben zu können. Denn die Vergangenheit wie auch Gegenwart und Zukunft prägen uns. Sie haben aus uns gemacht, was wir sind, und sie werden es weiter tun. Sie treiben uns an. Doch wer ist Chef über die Gedanken? Sind es die Gedanken selbst? Oder ist es Jesus und seine Wahrheit? Ist es die Kraft des Heiligen Geistes, nach der wir unsere Gedanken ausrichten und der wir unser Denken unterordnen? Ich liebe es, solche Lektionen mit Jesus zu lernen, Neues zu entdecken und zu erkennen, dass ER mein Leben im Griff hat. Er ist gut und er führt alles zu meinem Besten. Tatsächlich!

Credits:

Erstellt mit Bildern von Aliona Gumeniuk - "untitled image" • Mark Paton - "A hearing , small, discrete"