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Switzerland of Opportunity ? Intergenerational Income Mobility in the Land of Vocational Education

Wie hängt der Lohn und die Ausbildung vom Einkommen der Eltern ab? Verdienen wir mehr als unsere Eltern? Wo sind die Aufstiegschancen in der Schweiz am höchsten?

Wir laden Sie ein, mehr über die Einkommensmobilität in der Schweiz zu erfahren.

Dazu noch ein Hinweis. Alle Resultate der Studie sind ohne Gewähr.

Switzer-Land of Opportunity: Intergenerational Income Mobility in the Land of Vocational Education

Studie von Patrick Chuard und Veronica Grassi | 2020 | Universität St. Gallen

Story erstellt von Patrick Chuard

Video: Chancengleichheit Schweiz

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Wie hängt das Einkommen der Kinder vom Einkommen der Eltern ab?

Die Grafik zeigt für jeden Einkommensrang des Vaters, den durchschnittlichen Einkommensrang der Kinder. Ein Kind mit einem Vater im tiefsten Einkommensrang 1, wird im Schnitt selbst ungefähr auf Rang 42 enden. Je höher die Steigung der Linie, desto stärker hängt das Einkommen der Kinder vom Einkommen der Eltern ab.

In der Schweiz ist diese Steigung ungefähr 0.15. Diese Zahl mal 100 gerechnet ergibt die Rangunterschiede zwischen Kindern mit einem Vater im tiefsten und einem Vater im höchsten Rang, also 15. Rechnet man diese 15 Ränge zurück in Schweizer Franken, erhält man rund 12'000 Franken. Kinder mit einem Vater im höchsten Einkommensrang, verdienen daher im Schnitt rund 12'000 Franken mehr pro Jahr als Kinder mit einem Vater im tiefsten Einkommensrang.

Im Vergleich zu anderen Ländern ist dieser Unterschied relativ gering.

In Schweden beträgt der Rangunterschied 18, in Italien 25 und in den USA 34. Die Chancengleichheit ist in der Schweiz also vergleichsweise hoch.

Weshalb betrachten wir nur das Einkommen des Vaters?

Anstelle des Einkommen des Vaters, können wir auch das Familieneinkommen betrachten. Das heisst, wir zählen das Einkommen des Vaters und der Mutter zusammen und teilen dann dieses Familieneinkommen in 100 Ränge ein. Die Grafik unten zeigt den gleichen Zusammenhang wie oben, aber mit dem Familieneinkommen auf der waagrechten Achse. Die Steigung ist ebenfalls 0.15.

Dies hat damit zu tun, dass das Jahreseinkommen der Frauen in der Elternkohorte tief ist. Wenn wir das Familieneinkommen anschauen, bedingt das, dass wir sowohl die Mutter als auch den Vater verknüpfen können. Dadurch verringert sich die Anzahl der Observationen etwas. Daher – und weil es (leider) ohnehin keinen Unterschied macht – fokussieren wir uns auf das Einkommen des Vaters. Übrigens: Wenn wir nur das Einkommen der Mutter auf der waagrechten Achse betrachten würden, gäbe es keinen Zusammengang.

Die Schweiz schneidet also relativ gut ab. Heisst das, dass die Bildungsmobilität ebenfalls hoch ist?

Leider nein. Die Grafik unten, die etwas an einen Fisch erinnert, zeigt wie der Bildungsweg und das Einkommen des Vaters zusammenhängen. Ob man ins Gymi geht oder eine Lehre absolviert, hängt stark vom Einkommensrang des Vaters ab. In den obersten Rängen gehen mehr Kinder ins Gymi als in die Berufsschule, während bis zum 50. Einkommensrang der Anteil der Gymi-Schüler unter 15 Prozent liegt.

Schaut man noch etwas genauer hin, sieht man aber, dass auch Kinder von ärmeren Eltern oftmals eine tertiäre Ausbildung absolvieren. Sie wählen einfach nicht den gymnasial-universitären Weg. Wie die Grafik unten zeigt, haben gegen 40 Prozent der Kinder «irgendeine» Art von tertiärer Ausbildung. Dies könnte erklären, weshalb die Einkommensmobilität hoch ist, obwohl der Bildungsweg stark vom Einkommen der Eltern abhängt.

Gibt es in der Schweiz regionale Unterschiede?

Ja, die gibt es. Die Karte unten zeigt die Steigung für jeden Kanton. Je dunkler die Farbe, desto höher der Lohnunterschied zwischen Kindern von reichen und armen Eltern.

Allerdings sind nicht alle Unterschiede statistisch signifikant. Einige Kantone sind ziemlich klein, daher wird es etwas schwieriger, die Steigung präzise zu schätzen. Die Grafik unten zeigt die kantonalen Steigungen und ihre 95 Prozent-Konfidenz-Intervalle. Die durchgezogene waagrechte Linie zeigt den landesweiten Durchschnitt und die gestrichelte waagrechten Linie das landesweite Konfidenz-Intervall. Schneidet das Konfidenzintervall eines Kantons die gestrichelte Linie nicht, so ist der Unterschied signifikant.

Etwas feiner noch auf MS Regionen:

Auch hier noch die Konfidenzintervalle für Menschen mit guten Augen ...

Absolute Mobilität

Bisher haben wir die relative Mobilität angeschaut, die Chancengleichheit. Eine höhere Chancengleichheit muss aber nicht zwingend etwas Gutes sein. Zum Beispiel: Wenn Kinder von reichen Eltern wenig verdienen, erhöht sich die Chancengleichheit. Aber deswegen geht es Kindern aus ärmeren Verhältnissen kein wenig besser.

Deshalb macht es Sinn auch die sogenannte «absolute Mobilität» anzuschauen. Das heisst, wir schauen nur auf Kinder aus ärmeren Verhältnissen und messen, was diese Kinder verdienen, wenn sie erwachsen sind.

Wir fragen: Welchen Einkommensrang erreichen Kinder im Schnitt mit einem Vater im 25. Rang? Das ist im unteren Viertel der väterlichen Einkommensverteilung und entspricht rund 62'000 Franken Jahreslohn.

In den Kantonen Zug, Genf und Zürich ist die absolute Mobilität am höchsten. Kinder aus ärmeren Verhältnissen verdienen in diesen Kantonen am meisten wenn sie älter sind. In Zug werden sie ungefähr auf Rang 50 enden in Uri ungefähr auf Rang 43. Das obwohl der finanzielle Hintergrund des Vaters derselbe ist.

Etwas feiner die absolute Mobilität auf Stufe der MS Regionen:

Wie hängt die absolute und die relative Mobilität zusammen?

Die Grafik unten zeigt die relative und absolute Mobilität nach Kanton. Kantone mit einer hohen «relativen Mobilität» haben tendenziell auch eine hohe «absolute Mobilität». Interessanterweise weichen die nicht-deutschprachigen Kantone (mit Ausnahme von Genf) etwas ab. Sie haben zwar eine hohe relative Mobilität (hohe Chancengleichheit), aber die absolute Mobilität ist eher tief. Das heisst, sie sind zwar relativ fair, aber dennoch verdient ein Kind aus ärmeren Verhältnissen im Schnitt mehr im Kanton Aargau als im Kanton Jura oder Tessin.

Hängt die Einkommensmobilität mit der Wirtschaftsleistung zusammen?

Ja. Insbesondere die absolute Mobilität. Diese gibt Auskunft darüber, wie viel Kinder aus ärmeren Verhältnissen später verdienen. Die Grafik unten zeigt, dass die absolute Mobilität höher ist, je höher das Bruttoinlandprodukt pro Kopf. Aber Achtung: Das ist nur eine Korrelation und heisst nicht per se, dass auch ein kausaler Zusammenhang besteht.

Gibt es in der Schweiz eine Great Gatsby Kurve?

Die Great-Gatsby Kurve besagt, dass es in Gebieten (meist Ländern) mit hoher Ungleichheit auch eine tiefe Einkommensmobilität gibt.

Für die Schweiz scheint dies nicht der Fall zu sein. In der Grafik unten messen wir Ungleichheit mit dem Gini Index. Je höher der Gini Index, desto höher die Ungleichheit. Kantone mit einer hohen Ungleichheit, wie Genf oder Zug, haben eher eine hohe Mobilität. Insgesamt scheint es keinen Zusammenhang zwischen Ungleichheit und Mobilität in der Schweiz zu geben.

Verdienen wir mehr als unsere Eltern?

Wir messen den Lohn im Alter von 40 zwischen Eltern und Kinder und bereinigen die Inflation. Da es in Bezug auf den Jahreslohn starke Unterschiede gibt zwischen Männern und Frauen, schauen wir die Geschlechter getrennt an.

Die «Kinderkohorte» enthält hier nur die Jahrgänge 1967 bis 1977, weil 2017 unsere Einkommensinformationen enden und wir ein Einkommen mit Alter 40 haben möchten.

Da Frauen in unserer Kinder- und Elternkohorte noch eine geringe Arbeitsbeteiligung haben, beziehungsweise sich der Anteil über die beiden Kohorten auch verändert, ist der Vergleich zwischen Söhnen und Vätern vermutlich am aussagekräftigsten. Hier sehen wir, dass (inflationsbereinigt) 54 Prozent der Kinder mehr verdienen als ihr Vater im gleichen Alter.

Das ist zwar knapp die Mehrheit, allerdings widerspricht es doch dem Glaubenssatz, dass es den Kindern immer besser gehen soll als den Eltern. Selbstverständlich ist der Jahreslohn nur ein Indikator. Kindern kann es dennoch besser gehen als den Eltern, da heute viele Dinge gratis sind. Auch verdienen viele Frauen heute mehr als ihre Mütter (72 Prozent). Daher kann es sein, dass es dennoch mehr Familien auf Haushaltsebene heute besser geht als früher, weil auch Frauen mehr zum Haushaltseinkommen beisteuern.

Wer wird überhaupt analysiert in der Studie?

In der Schweiz geborene Kinder mit Jahrgang 1967 bis 1984 und deren Eltern. Insgesamt haben wir rund 850'000 anonymisierte Beobachtungen (Kinder). Das Einkommen der Kinder messen wir zwischen 30 und 33 Jahren. Das Einkommen der Eltern, wenn die Kinder zwischen 15 und 20 Jahre alt sind. Die Einkommensdaten stammen von der Zentralen Ausgleichsstelle. Diese sammelt alle Einkommen für die Berechnung der AHV.

Erstellt von Patrick Chuard, Universität St. Gallen (patrick.chuard AT unisg.ch)

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Patrick Chuard
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Credits:

Erstellt mit Bildern von Joao Branco - "untitled image" • Picsea - "Story Time with Daddy" • j zamora - "untitled image" • Marcus Lenk - "Urban Living" • fran hogan - "Home for sale in Boquete, Panama. Contact franagain@fastmail.com for info. 📷 by https://unsplash.com/franagain" • 🇨🇭 Claudio Schwarz | @purzlbaum - "untitled image"