Harztour im Winter 2016 mit Phillip Reeve und Olli Henze

Vorgeschichte

Im September 2015 hatte ich mich zum ersten Mal mit einem anderen "Flickr"-Fotografen getroffen. Damals hatte mich Phillip Reeve (www.phillipreeve.net) in meiner Heimat, der Sächsischen-Schweiz, besucht und wir hatten es uns fast ein ganzes Wochenende draußen in der Natur gut gehen lassen und viele schöne Fotos gemacht. Da wir uns persönlich so gut verstanden, war bei der Abreise sofort klar, dass wir sowas mal wieder machen.

Der Herbst kam und ging und wir hatten uns immer mal wieder geschrieben und telefoniert und nach Terminen gesucht, an denen es für uns beide passen könnte. Nun wohnen wir beide zu guter letzt auch ziemlich soweit in der Ost-West-Ausdehnung auseinander, wie es in Deutschland nur gehen kann. Also sind wir uns gedanklich mit dem Finger auf der Landkarte entgegen gekommen und landeten schließlich im Harz.

Wenn es im Harz was gibt, dann sind das tolle Winter! Der Brocken gilt dabei so ziemlich als schneesicheres Gebiet und so hatten wir unser Ziel fest. So richtig macht das erst Laune, dachte ich mir, wenn wir mit einem lokalen Fotografen unterwegs sind. Es verstrichen ein paar Tage und dann viel mir ein Fotofreund von Flickr ein. Olli Henze (www.ohenze.de) ist bei mir vor allem für seine eindrücklichen Waldaufnahmen bekannt gewesen und das er halt im Harz wohnt. Also habe ich ihn einfach mal angeschrieben und ihm von unserem Vorhaben berichtet.

Lange Rede kurzer Sinn. Er war sofort begeistert und so hatten wir uns an einem Wochenende im Januar bei ihm in Wernigerode getroffen.

Die Tour

Wir drei hatten einen ganz normalen Arbeitstag/Uni-Tag und konnten sozusagen erst am Abend anreisen. Nach meinen letzten Ausflügen in die Sächsische-Schweiz mit wenig Licht und der wahrscheinlich letzten Möglichkeit, Sonne und Neuschnee vor dem Tauwetter anzutreffen, bin ich am Freitag auch nochmal vor der Arbeit losgezogen.

Abends um 21 Uhr hatten wir uns schließlich in der Ferienwohnung mit Olli zusammengesetzt und die nächsten 2 Tage besprochen. Wenn man schon einmal im Harz ist, gehört eine Wanderung auf den Brocken schon fast zum Pflichtprogramm. Da wir ja zum Fotografieren hier waren und der Wetterbericht für den Brocken am Samstag schon Tauwetter vorhersagte, entschieden wir uns kurzerhand für eine Nachtbesteigung.

Schnell warme Klamotten übergezogen, warmen Tee in die Thermosflasche gefüllt und die Fotoausrüstung gecheckt, ging es dann um 23 Uhr mit dem Auto nach Schierke. Jeder einzelne war gespannt auf diese Nachtwanderung und malte sich vor seinem inneren Auge schon die Jubelrufe aus, die aus einem heraussprudeln, wenn sich Vollmond, skurille Eisformationen, Sterne und Fernsicht auf dem Sensor vereinen. Schon bei dem Aufstieg war die Atmosphäre total faszinierend. Die Tannenzweige hingen dick verschneit zum Boden herab und das geröllige Eckerloch verwandelte sich durch den vielen Schnee zu einem steilen, aber bequemen Trampelpfad.

Phillip zückte schon hier, bei tiefster Dunkelheit, seine Sony a7 ii. Auf die Frage vom Olli, mit welcher Belichtungszeit er denn jetzt aus der Hand fotografiert, antwortete er ganz entspannt - 1 Sekunde. Olli, ein langjähriger Canon-Fotograf, fiel im sprichwörtlichem Sinne die Kinnlade herunter.

Ihr wollt ja nun sicherlich ein paar Bilder sehen...ja, die gab es von meiner Seite erst kurz vor dem Brockengipfel. Von dort bot sich uns ein einmaliger Blick an tiefverschneiten Bäumen vorbei auf das nächtliche Wernigerode. Um ca. 1 Uhr Nachts stand ich auch noch nicht im WInter auf einem tausender Gipfel :) ...was für ein Gefühl!

Nächtlicher Blick auf Wernigerode

Bis zu diesem Zeitpunkt konnten wir noch gut die Spitze von der hohen Brocken-Antenne erkennen. Doch binnen weniger Minuten war dort oben alles dicht und es fegte über uns ein richtiger Blizzard. Wir hatten unsere liebe Mühe, geradeaus zu laufen, so stürmisch war es. Eisregen und Schnee fühlten sich im Gesicht wie Nadelstiche an! Phillip und ich packten dann schnell unsere Kameras in die Fototasche - Olli ließ seine Canon 6D auf dem Stativ. Es dauerte nicht lange und sie überzog eine richtige Eisschicht.

Auch wenn man es schwer auf den Bildern sieht - die Kamera und das Objektiv waren von einer Eisschicht überzogen.

Nun war das mit der nächtlichen Fotografie auf dem Brocken natürlich Essig. Also haben wir den Rückweg angetreten. Die Stimmung im Wald war gleich eine ganz andere - es war dunkler und diesiger. Dabei gelang mir dieses Bild...

Lichtspur im Winterwald

Die letzte halbe Stunde des Abstiegs war eine richtige Tortur. Der Schnee war überfroren, die Müdigkeit holte uns ein und das Bett schien noch weit weg. Olli fuhr uns dann schließlich noch sicher zurück in die Stadt und wir fielen allesamt total fix und fertig ins Bett. Zu diesem Zeitpunkt war dann schon gar nicht mehr an einen Sonnenaufgang zu denken. Der Blick aus dem Fenster am Vormittag bestätigte uns auch in diesem Entschluss und rückte auch die Nachtwanderung in ein anderes Licht. Sie war bei dem einsetzenden Tauwetter das Beste was wir machen konnten.

Da schon überall der Schnee schmolz und die Temperaturen bei +5°C lagen, hatten wir uns in das Ilsetal begeben. Hier sollte uns Eis, Schnee und Wasser erwarten und da spielte es keine Rolle welche Lichtbedingungen herrschten.

Es war wirklich faszinierend die kleinen aber interessanten Eisformen zu entdecken und ganz in die Fotografie einzutauchen. Das Licht blieb ja über die gesamte Zeit relativ gleich und so konnten wir ganz gemütlich durch das Tal schlendern und gelangten schließlich zu den Ilsefällen. Es war gar nicht so leicht auf dem rutschigen Untergrund einen guten Standpunkt für ein interessantes Bild zu finden.

Olli, Phillip und Ich ;).

Nachdem die Dämmerung eingebrochen war, machten wir uns wieder auf den Rückweg und gingen am Abend in Wernigerode nach einem ganzen Tag voll frischer Luft und deftig essen. In der Stadt waren nur noch ein paar Krümel Schnee zu sehen - erstaunlich wenn man bedenkt das hier 2 Tage zuvor noch eine dicke Schneedecke lag.

Im Wirtshaus und am Rathaus.

Der kommende Morgen versprach leider erneut trübes Wetter und so hatten wir keine große Tour geplant. Wir fuhren bis Heimburg, von wo man einen guten Blick zur Burg Regenstein hatte.

Als wir dort ankamen dämmerte der Tag langsam und wir suchten uns einen geeigneten Fotostandort. Jeder einzelne von uns 3 hatte da seine eigene Herangehensweise. Die Zeit verstrich und wir hatten dann tatsächlich für einige Minuten doch Morgenrot, bevor der Himmel wieder komplett grau wurde. Das Licht war weg, der Schnee war weg und mitten im Januar fällt es dann schwer noch 1-2 interessante Motive zu finden.

Epilog

Seit Weihnachten war ich bis auf einmal jedes Wochenende in der Natur unterwegs. Sei es im heimischen Elbsandsteingebiet oder im Harz. Die Lichtbedingungen waren dabei bis auf einmal nicht gerade perfekt. Und das eine Mal wo es perfekt war, hatte ich keine Zeit, weil ich schnell zur Arbeit musste.

Dabei war ich auch 4 mal mit außerordentlich talentierten Fotografen/Fotografinnen unterwegs und auch Sie waren dem Licht ausgeliefert. Das macht aus meiner Hinsicht die Landschaftsfotografie so reizvoll. Weil die Dinge auf die es zuallererst ankommt, kann man für kein Geld kaufen. Licht und die Fähigkeit, den Arsch hoch zu bekommen. Wenn bei den scheinbar schwierigen/schlechten Lichtverhältnissen ein kurzer Wolkendurchbruch geschieht, fragen die meisten hinterher, mit was für einer Kamera hat man das fotografiert. Doch zu dieser Art der Fotografie gehört noch viel mehr als Equipment. Viele, viele Stunde verbringt man mit Erkundungen, Recherchen und dem Warten auf den passenden Augenblick. Neben Stativ, Kamera und Objektiv gehört also bei jeder Fototour auch eine Portion Glück =).

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Philipp Zieger
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Philipp Zieger

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