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Zusammen üben – Zusammen wachsen Hilfsorganisationen bewältigen gemeinsam anspruchsvolles Übungsszenario bei Regens Wagner Hohenwart

Die Einrichtung Regens-Wagner-Stiftung in Hohenwart

Die Regens Wagner Stiftung in Hohenwart ist die größte Einrichtung für Menschen mit Behinderung im Landkreis Pfaffenhofen. Untergebracht in einem ehemaligen Benediktinerinnenkloster sind die imposanten Gebäude schon von weitem sichtbar, und grüßen vom Klosterberg ins weite Umland. Der alte Klostertrakt birgt mit seiner Klosterapotheke aus dem Mittelalter und der bereits über 400 Jahre alten Richildiskapelle mit den Reliquien der „seligen Richildis“ und des „seligen Wolfoldus“ unschätzbare historische Werte. Bereits 1878 hat Johann Evangelist Wagner die damals nach der Säkularisation marode gewordenen Klostergebäude erworben, und mit der Errichtung der „Taubstummenanstalt Hohenwart“ schutzbedürftigen Menschen mit Behinderung Förderungen und betreute Lebenshilfe angeboten. Unterstützt wurde Johann E. Wagner damals schon von Schwestern der „Dillinger Franziskanerinnen“. 1895 kam es im Klostertrakt zu einem Großbrand, der das Hauptgebäude unbewohnbar machte, und die direkt angebaute Pfarrkirche St. Georg zerstörte. Von den damals 97 untergebrachten taubstummen Bewohnerinnen wurde niemand verletzt. Nach dem Wiederaufbau der Gebäude expandierte Regens Wagner Hohenwart gegen Ende des 20. Jahrhunderts fortlaufend erheblich, und so sind im Jahr 2018 über 1800 Menschen mit Handicap in Betreuung. Während die Leitung der Einrichtung mittlerweile in weltliche Führung überging, so sind am Standort in Hohenwart aber immer noch einige Ordensschwestern beheimatet, die sich mit viel Herzblut in die Sache des Gründervaters einbringen. Regens Wagner Hohenwart unterhält mehrere Außenstellen in Pfaffenhofen, Schrobenhausen und dem näheren Umland, betreibt gemäß dem Leitbild, dem Gründergedanken und dem Hohenwarter Motto „Zusammen leben – Zusammen wachsen“ eine vollständige Inklusion von Menschen mit Handicap, was sich in verschiedenen Schul-, Förder- und Beschäftigungsangeboten widerspiegelt. Regens Wagner ist auch im kulturellen Leben der Landkreise Pfaffenhofen und Neuburg- Schrobenhausen nicht mehr wegzudenken: Gemeinsame Veranstaltungen mit den Bewohnern und vollständige Integration sind seit Jahrzehnten eine Selbstverständlichkeit und für die gesamte Region eine Bereicherung die beweist, wie man Handicap und Alltag ganz selbstverständlich miteinander verbinden kann.

Schon von weitem erkennt man den Gebäudekomplex der Regens-Wagner-Stiftung in Hohenwart.

Die Vorbereitungen

Resultierend aus den Objekt- und Nutzungskonstellationen war es der Leitung von Regens Wagner, dem Landratsamt Pfaffenhofen mit der angeschlossenen Kreisbrandinspektion, dem Markt Hohenwart sowie den Führungskräften der Hilfsorganisationen eine Herzensangelegenheit eine gemeinsam angelegte Katastrophenschutzübung durchzuführen. Ziel war es die jeweiligen Abläufe und Prozesse bei der örtlichen Gefahrenabwehr zu erproben bzw. zu optimieren. Sämtliche Vertreter formierten sich daher unter Leitung von Kreisbrandinspektor (KBI) Christian Nitschke zu einem „Planungsteam“ und legten das Übungsszenario mit den abzuarbeitenden Aufgaben in sechs Hauptsitzungen fest.

Die Übung

Die Feuerwehren Hohenwart und Klosterberg trafen als erstes am Einsatzort ein.

Am Samstag, 05. März 2018 löste gegen 08:15 Uhr die automatische Brandmeldeanlage (BMA) im Objekt in der Richildisstraße 13 aus. Die Integrierte Leitstelle Ingolstadt (ILS) alarmierte umgehend die hierfür vorgesehenen Kräfte: Bestehend aus den Einheiten der Freiwilligen Feuerwehren Klosterberg, Hohenwart, Reichertshofen mit der Drehleiter, sowie die zuständigen Kreisbrandmeister und -inspektoren. Bei Erkundung durch die ersten Einheiten wurde ein Brand im Altbau der Regens Wagner Stiftung festgestellt. Im ersten und zweiten Obergeschoß sowie auch in weiteren Räumlichkeiten der Förderstätten wurden mehrere Personen vermisst. Aufgrund der Bausubstanz breitete sich das Feuer bis hin zum Dachgeschoss rasant. Der erste Kommandant der Feuerwehr Hohenwart, Franz Amesreiter, forderte nach Lageerkundung und umgehender Einleitung der Personenrettung über die Leitstelle Ingolstadt eine umfangreiche Nachalarmierung mit dem Stichwort "Brand Stufe 5 - Großbrand" an.

Zum Einsatz kamen mit der Nachalarmierung:
  • FF Pörnbach mit dem Hilfeleistungslöschfahrzeug (HLF)
  • FF Waidhofen (ND) mit Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF)
  • FF Wangen (ND) mit Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF)
  • FF Schrobenhausen (ND) mit Sondergerät Drehleiter (DL) und Löschgruppenfahrzeug 8
  • FF Deimhausen mit Tragkraftspritzenanhänger (TSA)
  • FF Freinhausen mit Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF)
  • FF Koppenbach mit Tragkraftspritzenanhänger
  • FF Thierham-Seibersdorf mit Tragkraftspritzenanhänger
  • FF Weichenried mit Tragkraftspritzenfahrzeug
  • FF Tegernbach mit Löschgruppenfahrzeug 8/6
  • FF Hohenried (ND) mit Tragkraftspritzenfahrzeug
  • Werksfeuerwehr (WF) Airbus Manching mit Sondergerät Hytrans-Fire-System
  • FF Pfaffenhofen mit Abrollbehälter Atemschutz
  • Unterstützungsgruppe-Örtlicher Einsatzleiter (UG-ÖEL) mit Einsatzleitwagen (ELW)
  • Vollalarm der Kreisbrandinspektion Pfaffenhofen
  • Ansprechpartner Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK)
  • Fachberater Technisches Hilfswerk (THW)
  • Einheiten des Fachdienstes Sanität mit dem Einsatzleiter Rettungsdienst (ELRD), Organisatorischer Leiter (OrgL), Leitender Notarzt (LNA), mehreren Rettungswagen (RTW) und Krankentransportwagen (KTW), SchnellEinsatzGruppe-Transport (SEG),
  • SchnellEinsatzGruppe-Betreuung, Unterstützungsgruppe Sanitätseinsatzleitung (UG SAN EL) und Krisenintervention
Der erste Trupp macht sich bereit für den sogenannten "Innenangriff"

Unmittelbar nach der Nachalarmierung und genauer Rücksprache mit dem Regens-Wagner-Hauspersonal stand fest, dass sich im Gebäude noch 57 Personen befinden. Der Schwerpunkt lag also zunächst primär im Bereich der Personenrettung unter schwerem Atemschutz. Dabei wurden die vermissten Personen teils mit speziellen Matratzen zur Evakuierung sowie auch mit Hilfe der Drehleitern gerettet.

Auch das Hauspersonal übte gemeinsam mit Bewohnern das geordnete Räumen des Gebäudes in eigener Zuständigkeit und nach internem Alarmplan. Am Sammelplatz „Roter Platz"“ westlich des Objektes wurden zehn unverletzte "echte" Bewohner durch den Sanitätsfachdienst behandelt und betreut.

Die Feuerwehren aus Klosterberg, Deimhausen, Freinhausen, Koppenbach, Hohenried, Weichenried, Wangen und Thierham-Seibersdorf wurden zum Aufbau der weitläufigen Wasserversorgung sowie der Brandbekämpfung mittels Strahlrohr eingesetzt.

Neben den umfangreichen Löscharbeiten war der Transport sowie die erste Betreuung der geretteten Personen bis zur Übergabe an den Rettungsdienst die Hauptaufgaben der Floriansjünger.

Ferner wurde mit Hilfe des Schlauchwagen (SW-KatS) von der Feuerwehr Hohenwart und dem freiem Personal aller Feuerwehren zwei Schlauchstrecken von ca. 700 m Länge von der Paar über die sogenannte „Steinerne Stiege“ verlegt: Eine Treppe vom südlichen Tal hinauf zum Klosterberg mit ca. 220 Stufen.

Unter schwerem Atemschutz mussten sich die ehrenamtlichen Einsatzkräfte der Feuerwehren durch die Räume des komplexen Gebäudes vorarbeiten.

Hytrans-Fire-System

Das Hytrans-Fire-System, welches der Landkreis Pfaffenhofen bei der Werksfeuerwehr Airbus stationiert, hatte die Aufgabe, den 200 cbm-Löschwasserbehälter direkt am Kirchplatz wieder zu befüllen.

Das sogenannte Hytrans-Fire-System (HFS) und ein dazugehöriges Wechselladerfahrzeug wurden im Rahmen des Katastrophenschutzes des Landkreises Pfaffenhofen im Jahr 2009 beschafft. Stationiert und betrieben wird es durch die Werkfeuerwehr Airbus in Manching.

Die Leitungsverlegung nahm hier etwa 1.300 meter in Anspruch und erfolgte nach den Verlegungsvorgaben des Feuerwehreinsatzplanes. Zudem wurden ebenfalls umfangreiche Maßnahmen zur Verkehrssicherung durch die Feuerwehren vorgenommen. Unterstützt wurden die EInsatzkräfte durch eine vor Ort befindliche Streife der Polizeiinspektion Pfaffenhofen.

Der große Vorteil dieses Systems liegt darin, eine große Wassermenge über eine lange Wegstrecke zu befördern. Es kann bei Bränden oder bei Hochwasserlagen eingesetzt werden. HFS bei besonderen Objekten des Landkreises im Alarmplan hinterlegt.

Der Sanitätsfachdienst rückte ebenfalls mit einer Vielzahl an Fachpersonal an und übernahm den Transport sowie die Behandlung der verletzten Personen wie auch der zu betreuenden unverletzten Personen. Das Kriseninterventionsteam kümmerte sich auch um emotional aufgebrachte „Angehörige“, die von der Übungsleitung aus operativ eingespielt und von Mitarbeitern des Landratsamtes sowie dem örtlichen Personal dargestellt wurden.

Das Technische Hilfswerk (THW) rückte mit dem Fachberater und einer rund 20 köpfigen Mannschaft an und unterstützte die Örtliche Einsatzleitung mit Bilddokumentationen aus der Luft mit Hilfe des Multicopters. Zusätzlich waren die Helferinnen und Helfer aus dem Ortsverband Pfaffenhofen im späteren Verlauf zur Treibstofflogistik und Versorgung für den Abschnitt „Lange Schlauchstrecke über steinerne Stiege“ verantwortlich.

Die Feuerwehreinsatzleitung oblag dem Kommandanten der Feuerwehr Hohenwart, Franz Amesreiter. Unterstützt wurde der Feuerwehreinsatzleiter vom Kreisbrandmeister (KBM) Roland Seemüller und dem Führungsassistenten-Team der Feuerwehr Pfaffenhofen. Seitens der Feuerwehreinsatzleitung wurden mehrere Einsatzabschnitte gebildet.

Führungsassistenten-Team der Feuerwehr Pfaffenhofen.
Die Atemschutzüberwachung muss genauestens dokumentiert werden.
Lagebesprechung am Einsatzort

Der inzwischen eingetroffene Kreisbrandinspektor (KBI) empfahl dem Ansprechpartner der Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) aufgrund der rasanten Lageentwicklung die Feststellung des Art. 15 BayKSG. Der Ansprechpartner der Führungsgruppe bestätigte dies und setzte Kreisbrandinspektor (KBI) Benedikt Stuber als Örtlichen Einsatzleiter (ÖEL) ein. Die Einsatzleitung mit der Unterstützungsgruppe-Örtlicher Einsatzleiter (UG-ÖEL) positionierte sich in der Schule Hohenwart und bildete das zentrale Kernelement für alle Einsatzleiter der diversen Hilfsorganisationen. Dabei wurde von der Unterstützungsgruppe ein Klassenzimmer zum Stabsraum umfunktioniert. Währenddessen besetzte der benannte Einsatzleiter (ÖEL) die Funktionsstellen in dem Führungsstab, welche aus Fachberatern des Sanitätsdienstes, des THW, der Polizei und Führungskräften der Kreisbrandinspektion bestand. Im Landratsamt Pfaffenhofen trat die Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) zusammen und nahm die Arbeit auf.

Benedikt Stuber (KBI) als Örtlicher Einsatzleiter (ÖEL) im Führungsstab.

Am Klosterberg selbst erfolgte zwischenzeitlich nach Rettung aller vermissten Personen der massive Löschangriff von außen - im Inneren des Gebäudes wurde lediglich mit trockenen Rohren simuliert. Zur effektiven Brandbekämpfung des fiktiv erheblich ausgedehnten Dachstuhlbrandes wurden die Drehleitern der Feuerwehren Reichertshofen und Schrobenhausen mit Wenderohren in Riegelstellung eingesetzt. Die Feuerwehr konzentrierte sich mit entsprechenden Maßnahmen auch auf den Schutz von Kulturgütern: die im östlichen Gebäudeteil gelegene Richildiskapelle, sowie die im Süden des Altbaus befindliche Klosterapotheke mussten besonders vor der „Feuergefahr“ geschützt werden. Dabei wurden die historischen Räumlichkeiten nicht betreten, sondern nur mit entsprechende Trockenleitungen bis zu den Zugangstüren durch den historischen Gewölbekreuzgang simuliert.

Von mehreren Seiten wurde der Großbrand mit den Drehleitern aus Reichertshofen und Schrobenhausen bekämpft.

Die Örtliche Einsatzleitung war in ständigem Kontakt mit den Führungskräften der Feuerwehr und des Rettungsdienstes, und gab nach Abstimmung und Entscheidungsfindung im Stab ständige Lagemeldung in das Landratsamt ab. Die Abteilung für Bevölkerungs- und Medienarbeit des Landratsamtes (BuMa) nahm ihre Arbeit auf und richtete ein Bürgertelefon ein. Hier liefen etliche Meldungen besorgter Angehöriger ein. Zudem kamen auch einige besorgte Angehörige und Bürger, welche durch Komparsen eingespielt wurden, direkt zum Einsatzort und belasteten die Kräfte vor Ort. Auch bei der Einsatzleitung schlugen „aufgebrachte Angehörige“ auf und erschwerten die Situation erheblich. Die Lage wurde ebenfalls in den sozialen Medien fiktiv extrem dramatisiert. Die Abteilung des Landratsamtes Pfaffenhofen für war gefordert einen medialen „Shitstorm“ zu verhindern.

Mit einer Vielzahl von Strahlrohren und Schlauchleitungen bekämpfen die Einsatzkräfte massiv den fiktiven Brand.

Um 10:45 Uhr gab die Übungsleitung das Übungsende bekannt. Nur kurze Zeit später erfolgte die Wiederherstellung der Einsatzbereitschaften. Zwischenzeitlich traten der Leiter der FüGK, der ÖEL, die Einsatzleiter der Fachdienste sowie die Übungsleitung zu einer Pressekonferenz in der Aula der Hohenwarter Mittelschule zusammen.

Während Landrat Martin Wolf, der Hohenwarter Bürgermeister Manfred Russer sowie auch die Gesamtleiterin von Regens-Wagner Hohenwart, Frau Paula Wagner, ein durchaus positives Resümee der Übung ziehen konnten, wurde auch der extra von der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried angereiste Leiter der Abteilung „Krisenmanagement“, Hans Christian Eibl, um seine Einschätzung gebeten. Eibl war sichtlich beeindruckt von dem effizienten Ineinandergreifen der fachdienstübergreifenden Prozesse und lobte die Großveranstaltung ausdrücklich. Ferner hat sich die Einführung des Stabsrahmenskonzepts bei der Kreisbrandinspektion sowie die Ausbildung der Führungsassistenten, die seit 2015 von der Kreisbrandinspektion Pfaffenhofen für die Feuerwehren im Landkreis Pfaffenhofen angeboten wird, sehr positiv auf das Übungsergebnis niedergeschlagen. Die aus dieser fiktiven Großschadenslage gewonnenen Erkenntnisse werden zur weiteren Optimierung der internen Abläufe genutzt, und bestehende Prozesse entsprechend angeglichen.

Aufatmen nach der Übung: Auch für die Komparsen war es eine tolle Erfahrung bei dieser Übung mitzuwirken.

Unmittelbar nach der Übung wird die Einsatzbereitschaft der Ausstattung wieder hergestellt.

Nach der Übung ist vor dem Einsatz. Alles findet wieder seinen richtigen Platz.

Diese positiven Rückmeldungen und wertvollen Übungserkenntnisse wurden abschliessend durch Landrat Martin Wolf, Bürgermeister Russer, Paula Wagner und Kreisbrandrat Armin Wiesbeck auch in einer kurzen Abschlußansprache an die Mannschaften weitergegeben - verbunden mit einem herzlichen Dank für die professionelle Arbeit aller Beteiligten.

Text: Christian Nitschke, Kreisbrandinspektor im Landkreis Pfaffenhofen und Übungsleiter

Fotos: Michael Matthes (THW Pfaffenhofen)

Created By
Michael Matthes
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