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Jahresbericht 2020 JuKuS Jugendkunstschule & kreativwerkstatt

Liebe Förder*innen, liebe Kooperationspartner*innen, liebe Interessierte und Freund*innen der JuKuS,

wie werden wir uns an 2020 erinnern? Am liebsten gar nicht – könnte ein erster Reflex sein. Was war nicht alles geplant, gehofft, vorhergesehen. Daraus geworden ist ein merkwürdig schnell vergangenes Jahr, überlagert von einer globalen Herausforderung, die jeden betrifft und die so wirkmächtig ist, dass die anderen Herausforderungen, die da schon waren, fast in Vergessenheit geraten sind. Menschen, Systeme kamen und kommen an ihre Grenzen, die Folgen sind erheblich, statt des bequemen Autopiloten muss auf Sicht gefahren werden, weil die Brille beschlagen ist.

Aber: 2020 gibt mehr als genug Anlass für einen hoffnungsvollen Blick auf das, was begonnen hat, stärker wird und ruhig kommen kann: Kinder, Vernunft, digitales Know-How, Veränderung, Gemeinschaft, Kreativität.

Seit einem Jahr steht die JuKuS nun unter meiner Leitung und hier kann man sehen, was in diesem besonderen Jahr so alles passiert ist…

Herzliche Grüße! Menja Stevenson, Leiterin JuKuS

Menja Stevenson (Leiterin JuKuS)

14 Jahreskurse, 15 Kindergeburtstage, 20 Wochenend- und 6 Ferienprogramme, 2 AGs in der Deutsch-Französischen Grundschule Sillenbuch, 2 Als in der Marienschule, 1 AG in der Grundschule Obertürkheim, ganzjährige Kooperation mit der Robert-Koch-Realschule, mit dem Betty-Hirsch-Schulzentrum und dem KiFaZ Rosenstein und innerhalb des Kulturareals Unterm Turm.

In der JuKuS erfahren Kinder ab vier Jahren, Jugendliche und Erwachsene Kunst und Kreativität in Jahreskursen, Wochenend-, Ferien- und Familienprogrammen. Wir kooperieren spartenübergreifend mit Schulen, Kindergärten und sozialen Einrichtungen. Im Vordergrund stehen das individuelle Erleben der eigenen Selbstwirksamkeit im künstlerischen Schaffen und das Erlernen künstlerischer Ausdrucksformen aller Art – kontinuierlich und in Gemeinschaft. Kunst steht immer im gesellschaftlichen Kontext und daher ist es uns ein Anliegen aktuell wichtige Themen, wie z.B. Nachhaltigkeit oder Digitalität kreativ zu bearbeiten und zu fördern.

Im Lockdown war die JuKuS - wie so vieles - komplett geschlossen. Nach dem ersten Schock haben wir umgehend begonnen alle Jahreskurse und Workshops, bei denen es möglich war, in den digitalen Raum zu verlegen. Künstler*innen konnten so weiter beschäftigt werden und der Kontakt zu den Teilnehmenden erhalten bleiben. Fast 50% der Schüler und Schülerinnen waren online mit dabei. Mit Hochgeschwindigkeit haben sich die JuKuS-Künstler*innen in den online-Unterricht eingearbeitet und gelernt via Skype oder Zoom zu unterrichten. In der JuKuS wurde ein digitaler Arbeitsplatz eingerichtet um online-live-Workshops optimal durchzuführen. Wir haben die JuKuS mit Hochgeschwindigkeit ins digitale Zeitalter katapultiert.

Die Voraussetzungen bei jedem Schüler und jeder Schülerin zuhause, der Raum und das künstlerische Material, sind sehr unterschiedlich und so war und ist viel Kreativität gefragt, um mit den zuhause vorhandenen Dingen Kunst zu machen. Ein wichtiges Thema der Jahreskurse war das „Corona-Tagebuch“, das die Zeit des Lockdowns in Zeichnungen, Collagen und Malereien ganz persönlich dokumentiert hat.

Nach Pfingsten konnten wir unter Pandemie-Bedingungen wieder starten und außer den Schulkooperationen konnte vieles wieder stattfinden. Wir haben Unterstützung durch die Corona-Soforthilfe bewilligt bekommen. Insgesamt fielen drei Wochen Jahreskurs aus, den wir im Laufe des Semesters gut nachholen konnten. Wir haben dennoch einige Schüler*innen verloren, aber auch neue Schüler*innen gewinnen können. Im Herbst sind wir mit zwei neuen Jahreskursen „Unterm Turm“ gestartet. Unseren Jahreskurs in der Marienschule mussten wir Pandemie-bedingt leider aufgeben. Auch Familien-Kunstsonntage und Ferienprogramme konnten teilweise, immerhin als online-live-Workshops stattfinden.

ist ein Projekt der JuKuS Jugendkunstschule & Kreativwerkstatt, dem Kinder- und Familienzentrum Rümelinstr. 78 und der Nikolauspflege in Stuttgart. Mit insgesamt 15 Teilnehmenden aus einem Brennpunktgebiet und mit Kindern mit körperlicher Behinderung, zwischen 6 - 12 Jahren, wird über ein Jahr lang regelmäßig wöchentlich auf eine innovative spielerische Weise malerisch und plastisch gearbeitet.

Der „Malort“ mit seinem „Malspiel“ wird kombiniert mit dem „Bauplatz“ und dem „Modellierspiel“. Dabei steht die Kontinuität, die Materialerfahrung und der Prozess im Mittelpunkt. Bei Exkursionen ins Kunstmuseum Stuttgart und ins Schauwerk Sindelfingen erleben die Kinder zeitgenössische Kunst.

Dieses Projekt ist ein Modell-Projekt und steht am Anfang einer Reihe von weiteren „Entdeckungsreisen“ für unterschiedlichste Teilnehmende, wie inklusive Gruppen oder altersgemischte Gruppen.

Das Jahresprojekt wird zu 100% finanziert durch den BBK - Wir können Kunst.

Was bedeutet es, gemeinsam Kunst ausschließlich mit Hilfe eines online-Kommunikationsprogramms und durch die Kameralinse zu machen, ohne sich physisch zu begegnen? Wie können wir uns emotional und als Gruppe in einem gemeinsamen virtuellen Raum verbinden, wenn gleichzeitig jeder für sich selbst vor dem Computerbildschirm sitzt? Wie lassen wir uns täuschen, was geben wir preis und was verheimlichen wir dabei?

Das „Digilog-Kunst-Labor“ ist eine Kooperation der JuKuS und des Vereins für Internationale Jugendarbeit (VIJ). Das experimentelle Projekt ist für circa dreißig Jugendliche und junge Erwachsene aus aller Welt (VIJ und JuKuS-Schüler*innen) gedacht. Kunst soll im Zwischenraum von analogem und digitalem Erleben geschaffen werden – auf gemeinschaftlichem, experimentellem und ergebnisoffenem Weg.

Gemeinsam untersuchen die Akteur*innen, wie durch analoge Effekte Wahrnehmung verändert werden kann. Der Split-Screen (geteilte Bildschirm) des online-Kommunikationsprogramms „Zoom“ gibt uns das Erscheinungsbild der Gruppe vor und verändert sich mit jedem Einzelbild. Können wir ein gestaltetes Gesamtbild erzeugen, vergleichbar einem Mosaik oder Puzzle, in dem jede*r Akteur*in durch die Kameraführung einen Ausschnitt wählt?

Gefördert wurde dieses Projekt durch den Fonds Soziokultur e. V.

ist ein nachhaltiges Kunstprojekt, das ästhetische Bildung mit Naturerfahrung verbindet. Kooperationspartner sind bisher: Kinderhaus Etzel e. V., Kinder- und Familienzentrum Rosenstein, Betty-Hirsch-Schulzentrum, ifa-Galerie Stuttgart

In den jeweiligen Institutionen, wird vor Ort ein „Regenbogen“-Beet installiert. Die Teilnehmenden pflanzen im Frühling einen „Regenbogen“ in einem spiralförmigen Hochbeet aus Färberpflanzen an und betreuen das Beet über die Vegetationsperiode. In mehrteiligen Workshops stellen die Teilnehmenden Aquarellfarben aus den Färberpflanzen und anderem Naturmaterial her, mit denen dann in Workshops gemalt wird.

Im Rahmen von NEUSTART.KULTUR wird dieses Projekt durch den Fonds Soziokultur e. V. zu 80% finanziert.

Seit Herbst 2020 gibt es in der JuKuS einen sogenannten „Malort“. Das ist ein Raum, der komplett mit Weichfaserplatten ausgekleidet ist, auf denen rundum und überall Papier befestigt werden kann um zu malen. In der Mitte steht ein farbenfroher Palettentisch mit 18 hochpigmentierten Gouachefarben und hochwertigen Pinseln. Arno Stern hat das „Malspiel“-Konzept, das gerade einen großen internationalen „Boom“ erlebt, über Jahre durch seine pädagogischen Erfahrungen entwickelt. Das besondere an diesem Ort ist, dass dort unkommentiert, ganz ohne Bewertung, künstlerisch gearbeitet wird - wie im reinen Spiel; somit stehen nicht die Bilder im Mittelpunkt sondern ihr Entstehungsprozess. Das Malspiel erfordert keinerlei Vorkenntnisse und ist für Menschen jeden Alters, mit oder ohne Einschränkungen, geeignet.

Im Dezember 2020 war Start des Projekts „Spiel mal Malspiel!“ gefördert durch KUBI-S Netzwerk kulturelle Bildung Stuttgart für Frauen des Neeffhauses. Das Neeffhaus ist eine Einrichtung von leben&wohnen Stuttgart und liegt in unmittelbarer Nachbarschaft der JuKuS. Frauen im Alter von 18 bis etwa 65 Jahren, bei denen besondere Lebensverhältnisse mit sozialen Schwierigkeiten verbunden sind und die nicht in der Lage sind, diese aus eigener Kraft zu überwinden, finden hier einen sicheren Ort. Wir freuen uns auf spannende Begegnungen!

Wir Danken unseren Kooperationspartner*innen :-)

Gemeinsam verbrachte Zeit war 2020 nicht selbstverständlich, aber es gab sie, und wir freuen uns auf ebensolche mit Euch im laufenden Jahr 2021! Bleibt gesund, kreativ und zuversichtlich!

Ich möchte mich bei allen Künstlerinnen und Künstlern der JuKuS für ihr Engagement in den Jahreskursen und Workshops bedanken, bei Olly Krimmel und seinem i_d Büro für unser gelungenes Logo und Corporate Design und bei Stefan Albiez Möbel für den Ausbau des Malorts und seine kreative Lösung für die mobilen Wände! Ein besonderer Dank geht auch an unsere Förderer: die Landeshauptstadt Stuttgart, im besonderen an das Kulturamt, das uns mit einer Investitionsförderung für unser Medien-Atelier unterstützt hat und KUBI-S Netzwerk kulturelle Bildung, das unser Projekt „Spiel mal Malspiel!“ Mit benachteiligten Frauen unterstützt, den Fonds Soziokultur e. V., den BBK - Berufsverband Bildender Künstler*innen und natürlich unseren Förderverein, dem wir die schönen französischen Aquarellpinsel im Malort zu verdanken haben.

Created By
Menja Stevenson
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