K&G GO ICELAND • 12 DER LETZTE TAG

Scheinbar ist das Wetter hier in Island umgekehrt proportional mit dem Wetter in Deutschland. Je heißer die Temperaturen in Deutschland werden, umso mehr Kälte bekommen wir armen Schlucker hier in Island ab. Wir haben neue Kälterekorde erfahren und dürfen uns jetzt von 4 Grad um 3 Uhr in der Früh, auf 40 Grad am morgen einstellen. Aber zwischenzeitlich haben wir es ja auch gelernt: Deutschland ist heiß, wir kalt!!

Kommen wir zum heutigen Tag und was wir wie gemacht haben. Immerhin hatten wir ja den gestrigen Tag einen vollen Reise/Pausentag und konnten die Zeit leider nicht zum Fotografieren nutzen. Sowohl wegen der Fahrtzeiten als auch aufgrund des Wetters. Ein Grund mehr richtig Gas zu geben und eine Schippe oben drauf zu legen. Großes hatten wir uns vorgenommen und aufgrund eines anonymen Bloglesers hatten wir ebenfalls einen genialen Tipp im Gepäck. Heute standen die Gletscherseen im Äußersten Südosten der Insel an und leider begann der Tag abermals mit einer ziemlich langen und sehr aufreibenden Fahrt. 250km sind in Island eine halbe Ewigkeit.

Dabei kann man sich das so vorstellen, dass wir nicht um 9 Uhr aufstehen und losfahren können, sondern meistens schlafen wir bis um 9 Uhr, stehen dann auf, gehen auf Futtersuche und fahren dann so gegen 14 Uhr los. Die Modelle wollen sich vorher gerne nochmals an einer festen Location vorfertig machen und nicht nur im Auto schminken während Futtersuche in Island auch wirklich Futtersuche ist. Tatsache, die Fahrt zum nächsten Supermarkt mit einem Angebot ähnlich einem kleinen Dorfsupermarkt brauchte 45 Minuten auf über 70km Landstraße. Mal kurz Eier zum Frühstück holen ist hier halt doch etwas anders. Distanzen verschwinden und wenn man sich tatächlich vorstellt, dass wir von Köln mal kurz nach Aachen fahren um Eier und Butter fürs Frühstück zu kaufen, dann fasst man sich doch an den Kopf. Wir müssen aber täglich einkaufen fahren denn für 6 Personen gibt es in unseren kleinen Hostel-Unterkünften keine Kühlschränke.

Wir verplämpern unglaublich viel Zeit mit derlei Dingen ohne zu fotografieren. Aber das gehört in einem Land dieser Dimensionen einfach dazu.

35mm f2

Nach den ersten Tagen sind unsere Modelle übrigens schon dazu über gegangen auf der Fahrt lieber GossipGirl zu schauen als aus dem Fenster zu blicken. Das mag auf den ersten Gedanken verrückt wirken, aber wir haben kein gutes Wetter und eine Ebene sieht wirklich wie die Nächste aus. Island kann genauso wunderschön wie auch eintönig sein, das darf man niemals vergessen. Bei einem Land mit ca. 300000 Einwohnern von denen 2/3 noch in der Hauptstadt leben gibt es viel viel Nichts. Und wenn man vor lauter Wolken und Nebel nix davon sieht, dann kann das sehr langweilig werden.

Die restliche Zeit verbringen wir allesamt mit Schlafen. Unsere Kräfte werden immer geringer und jede freie Sekunde wird zum Schlafen genutzt. Teilweise passiert es, dass nur noch der Fahrer im Auto wach ist und dieser Zustand kann schon wenige Sekunden nach dem Losfahren beginnen. Unsere beiden Modelle sind übrigens deutlich klüger als wir und haben sich mit Schlafmasken vorbereitet. Bei Tageslicht zu schlafen ist nicht einfach...

Da hilft in den letzten Tagen nur noch RedBull. Unser Verbrauch ist auf circa eine Plalette pro Tag hoch geschnellt und wir fahren regelmäßig den Dorfmarkt plündern. Bei den sonst sehr hohen Preisen ist es erstaunlich, dass das RedBull sogar günstiger ist als in Deutschland.

35mm f2

Zwischendurch gibt es dann immer wieder Momente in denen sich eine fantastitsche Landschaft zeigt. Weil wir schon viele Tage auf derlei Landschaften und Blicke geschaut haben, halten wir immer weniger oft an. Menschen gewöhnen sich sehr schnell an besondere Dinge und nehmen diese dann immer weniger wahr. Auch uns trifft das hier in Island. So wie auf dem Foto oben die endlose Straße ins Nichts. Bezaubernd in ihrer Schlichtheit. Flachlandschaft, Gebirge und dazu ewig gerade Straßen.

Gegen 17 Uhr hatten wir noch kein einziges Setup fotografiert, waren aber beim Gletschersee angekommen. Gewaltig beeindruckend beschreibt dieses Spektakel nicht einmal halbwegs. Es ist phänomenal. Allerdings war uns Petrus mal wieder nicht zugetan und segnete uns mit Nieselregen vom Feinsten. Kombiniert mit tollem Nebel ergibt das ein wirklich widerliches Fotowetter in dem man sich kaum traut die Kameratasche schief anzuschauen.

Aber man fährt keine 500km nur um dann umzudrehen ohne ein Foto. Nur bei Heidi gibt es Tage ohne Foto, nicht bei uns! Also haben wir unsere Kameras raus geholt, die Blitze mit Plastiktüten verdeckt und sind direkt zum Wasser gewandert. Dort haben wir in wirklich hartem und zähen Nebel-Streu-Regen fotografiert. Wir waren alle komplett durchnässt... aber es hat sich gelohnt. Und auch der Blitz, um den wir die meisten Sorgen hatten, hat tapfer und perfekt seinen Dienst getan. Erstaunlich denn im Endeffekt kann ich mir kaum eine widrigere Bedingung als am Gletschersee vorstellen.

35mm f2

Alles war voller Wasser!!! Um den Blitz hatten wir wirklich Angst denn die Luft war so voller Feuchtigkeit, dass man die Luft schneiden konnte.

35mm f2

Selbst die Kamera war eisig kalt und absolut nass. Ich kann mich im Nachhinein nicht entscheiden ob die Nässe oder das eisig kalte Gehäuse schlimmer war. Mäckern ist aber absolut nicht angesagt, denn im Endeffekt waren tolle Fotos unsere Belohnung. Das finde ich so riesig hier in Island. Nichts ist perfekt, kein Malletraumwetter aber wenn man es wagt, dann wird man mit gigantischen Fotos belohnt. Wann sonst hat man riesige Eisbrocken hinter dem Model schwimmend...

Weiter ging es direkt zum großen Gletscher und Marc hatte direkt seine neuen Kletterschuhe mit dabei. Passend, nicht wahr???

Derlei riesige Eismassen sind einfach unfassbar. Man steht davor und fühlt sich klein und mickrig.

Impossanter ist irgendwie nur noch der BLACK BEACH in der Nähe von Vik. Dort steht man auf einem schwarzen Strand und die Wellen schlagen über 2m hoch an den Strand. Der Wind war dafür der Grund und er war so stark, dass wir stellenweise die Telekamera nicht aufstellen konnten. Die Kamera mit Stativ wurden vom Wind verwackelt, gedreht oder bewegt. Es war ein infernales Szenario aber zugleich eben auch deswegen so besonders. Wir konnten erneut nicht einfach umdrehen und schlichen schuldbewusst an unser Model heran, um sie nach ihrem körperlichen Modeleinsatz zu befragen. Lange Rede kurzer Sinn, Sina traute sich in einem Hauch von Nichts in die 5 Grad kalte Welt hinaus und ertrug den Wind mehrere Minuten. So lange bis wir es nicht mehr erdulden konnten und sie ins warme Auto schickten. Ihre Füße waren zu der Zeit nicht mehr wirklich fühlbar und ihre Haut war derlei abgestorben, dass Gänsehaut sich gar nicht erst bilden konnte.

Wir bewegten uns schon in die letzte Ecke des Strandes aber auch dort war der Wind einfach viel zu stark. Also beschlossen wir einen Nutzen aus dem Nachteil zu machen und...

... liessen den Wind Windmaschine spielen. Das Kleid von Emanuel Hendrik bestand aus einer seidenen Schleppe und wehte vorzüglich im Winde. Es war bombastisch denn der Wind war stark genug um die Schleppe komplett in die Höhe zu heben.

35mm f2

WOW WOW WOW!!!

Zu dieser Zeit war es bereits 2 Uhr in der Früh. Wir mussten diesen späten Zeitpunkt wählen denn der BLACK BEACH ist sonst eine wahnsinnige Attraktion für Touristen. Damit war aber unser Tag noch lange nicht vorbei. Es stand das nächste Highlight auf der Tourliste. Das alte Flugzeugwrack ebenfalls in der Nähe von Vik. Auf schwarzem Strand eine vom Sand und Staub gebürstete Maschine.

Wir fotografierten und drehten bis um 4 Uhr in der Früh. Der Mond war unser Begleiter und wir konnten unfassbare Bilder mit Blitzlicht machen und ungestört fotografieren.

Das war für uns die letzte Nacht und ein toller Abschluss unserer Reise. Irgendwie müssen wir ja zurück nach Reykjavic kommen und nach 2 Wochen on Tour gibt es genug Sachen vor dem Flug zu sortieren. Außerdem, wer bis um 4 Uhr arbeitet und um 5 Uhr zuhause ist, der kann auch mal bis um 12 Uhr schlafen. Muss er auch!!!

35mm f2
Created By
Martin Krolop
Appreciate
(C) Krolop&Gerst www.krolop-gerst.com/blog

Made with Adobe Slate

Make your words and images move.

Get Slate

Report Abuse

If you feel that this video content violates the Adobe Terms of Use, you may report this content by filling out this quick form.

To report a Copyright Violation, please follow Section 17 in the Terms of Use.