Ein aufmerksamer Leser, nicht mit mir verwandt (ja, sowas gibt es bisweilen), hat uns darauf hingewiesen, dass die in der Harmonielehre auf Seite 45 abgebildete Bluesskala

zumindest etwas seltsam ist. Zumal auch die nebenstehende Notation ebendiese Skala abbildet:

Der Ton Eb ist in A-Moll sicherlich eine Blue-Note, er ist die verminderte Quinte zum Grundton A. Was aber soll das Ab in dieser Skala? Um es vorwegzunehmen: Es ist falsch. Warum es dennoch Einzug in unser Buch gefunden hat, werden wir später erklären.

Grundsätzlich entsteht die Bluesskala durch Hinzufügen der verminderten Quinte zur Mollpentatonik.

Ja, so kennt man das! Mit der oben abgebildeten Bluesskala kommen die meisten Musiker ein Leben lang durch. Mit dieser Tonfolge kann Blues in A-Moll, A-Dur(7) und auch C-Dur(7) soliert werden (oder natürlich jede Art von Musik, wo es Euch passend erscheint).

Allerdings (mehr ist ja immer besser, gell?) gibt es noch eine weitere Bluenote, welche gerne in unsere Mollpentatonik bzw. jetzt Bluesskala integriert wird, und zwar die große (Dur-)Terz. Also:

Die rechts abgebildete Tonleiter kann dann unseres Erachtens nicht mehr mit ruhigem Gewissen als "A-Moll" bezeichnet werden, da sie eben die Durterz enthält. Sie eignet sich von daher auch eher (besser: ausschließlich) für das Improvisieren über A-Dur(7)-Blues.

Die Bluesskala ist übrigens wie so vieles sehr schön bei Wikipedia (welche sich im November immer über eine kleine pekuniäre Zuwendung freut - *** Wink mit dem Zaunpfahl***) erklärt. Hier steht nun auch folgendes:

Die Existenz von großer und kleiner Terz sowie reiner und verminderter Quinte in dieser Tonleiter soll es ermöglichen, die eigentlich im abendländischen chromatischen Tonsystem nicht vorhandenen, zwischen großer und kleiner Terz und reiner und verminderter Quinte liegenden Blue Notes dadurch anzunähern, dass die beiden benachbarten Töne nacheinander oder gemeinsam gespielt werden.

Das bedeutet, dass die vorgenommene Beschreibung und Notierung der Bluenotes nur eine ungefähre Annäherung ist, da sie eben zwischen kleiner und großer Terz bzw. verminderter und reiner Quinte liegen. Auf der Gitarre ist das Spiel der "echten" Bluenotes kein Problem, da wir den darunter liegenden Ton zur Bluenote hin benden (ziehen) können.

Warum mir (Gige) allerdings im Harmonielehre-Buch in die A-Moll-Bluestonleiter der Ton G# und damit die Major-7 gerutscht ist, kann ich mir nur erklären, wenn man die Tabs der korrekten (erweiterten) Bluestonleiter mit der von uns abgedruckten vergleicht:

Mir sind die zwei C# um eine Saite verrutscht, so dass sie zum G# wurden. Und im Nachhinein habe ich diesen Tab dann feinsäuberlich (ebenso falsch) in die notierte Version übertragen. Verzeihung!

Wir dürfen aber anmerken, dass der entstandene Schaden für Eure Improvisation überschaubar ist, da ja bekanntlich jeder Ton im Solo über den einen Halbton darunter befindlichen angespielt werden kann. Wir schmieren daher wahrscheinlich ohnehin zumeist über das G# zum A. Wenn Ihr also nicht zu ausgiebig auf der maj7 herumharkt, ist die (seltene) Gige&Muff-Bluesskala in der Praxis durchaus einsetzbar...

Euer

Gige & Muff

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