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Was passiert... bei einer kirchlichen Bestattung?

Der Tod ist umschlungen von Leben. Wenn ein Mensch aus dem Leben tritt, dann hinterlässt er oder sie eine Spur von Gefühlen. Meist ist das vor allem Trauer, oft Dankbarkeit für das gemeinsame Leben, vielleicht auch Wut wegen vergangener Verletzungen. Jeder Tod ist anders, wie auch jeder Mensch anders war – darum sind auch die Gefühle immer unterschiedlich.

Wir lassen Sie in dieser Situation nicht allein. Aber was genau bedeutet das? Wir möchten Ihnen die kirchliche Begleitung bei einem Trauerfall etwas genauer vorstellen. Oft hilft es, wenn man schon eine gewissen Vorstellung davon hat, „Was passiert...?“ wenn der Tod in ein Haus tritt.

Die Nachricht über einen Trauerfall erreicht auch uns meist mitten im Alltag: beim Kaffeekochen, beim Einkaufen, während wir einen Gottesdienst vorbereiten. Die Bestattungsunternehmen sind die ersten, mit denen wir in Kontakt kommen. Sie besprechen mit uns die wichtigsten Informationen. Es ist nicht nötig, dass Sie sich im Pfarrbüro melden. Wir arbeiten sehr vertrauensvoll mit den Bestattungsunternehmen der Region zusammen. Sie können sich darauf verlassen, dass wir uns zeitnah dann bei Ihnen melden. Wir sind darauf vorbereitet, Ihnen auch kurzfristig zur Seite zu stehen. Es gibt im Kirchenkreis aber immer auch einen Kollegen oder eine Kollegin, die in Notfällen erreichbar ist, falls es bei uns nicht klappt.

Die „Aussegnung“ ist der erste Schritt auf dem letzten Weg.

Dabei sprechen wir dem oder der Verstorbenen einen Segen für den letzten Weg zu. Und wir beten mit allen Hinterbliebenen, die bereits vor Ort sind. Hier werden keine großen Worte gesprochen. Auch nach einer langen Krankheit kommt der Tod oft plötzlich. Eine Aussegnung ist ein erster Schritt, um sich mit den Gefühlen auseinanderzusetzen, die nun entstehen. Darum bitten wir um Gottes Beistand für die folgende Zeit.

Eine Aussegnung findet bereits kurz nach dem Eintritt des Todes statt. Meist kommen wir am gleichen oder folgenden Tag zu Ihnen oder wir treffen uns in der Friedhofskapelle. Auch diesen Termin vereinbart das Bestattungsunternehmen in Absprache mit Ihnen und uns. In unserer Region sind Aussegnungen zwar noch recht verbreitet. Aber nicht in jedem Fall sind sie passend. Die Aussegnung ist ein Angebot, das sie in Anspruch nehmen können, wenn Sie das wünschen.

Die Aussegnung dauert etwa eine Viertelstunde. Es ist eine Zeit zum Beten und Schweigen, zum Handauflegen und Segnen, für eine Kerze und ein biblisches Wort. Sie ist ein erster Schritt auf dem letzten Weg, den wir mit der verstorbenen Person gemeinsam gehen.

In den Tagen der Trauer begleiten wir Sie. Zu jeder kirchlichen Bestattung gehört ein Trauergespräch mit Hinterbliebenen. Im Gespräch können Sie von Ihren Gefühlen erzählen und Ihre Fragen stellen – auch (aber nicht nur) in Bezug auf den Glauben. Wir sind da, um Ihnen ganz unvoreingenommen zuzuhören. Oft gibt es gerade um den Tod eines Menschen viele Konflikte, über die gesprochen werden sollte. Wenn Sie über das Trauergespräch hinaus Begleitung wünschen, sprechen Sie dies gerne an!

Meist dauert das Trauergespräch eine gute Stunde. Es kann aber auch kürzer oder länger sein. Wir kommen dazu wenn möglich gerne zu Ihnen nach Hause. So können wir sehen, wie die verstorbene Person gelebt hat.

Sie müssen sich auf ein Trauergespräch nicht großartig vorbereiten. Manchmal hilft es, ein Fotoalbum parat zu haben. Oder Sie unterhalten sich vorher mit Bekannten und Freunden der oder des Verstorbenen. Im Trauergespräch freuen wir uns dann, von gemeinsamen Erlebnissen zu hören – von den Höhen und von den Tiefen des Lebens. Manchmal hat eine Person ein Lied, ein Gedicht, einen Psalm oder ein anderes Bibelwort, das sie oder ihn besonders begleitet hat. Wenn es das alles nicht gibt, ist das auch in Ordnung. Wir greifen auf das zurück, was Sie uns erzählen können.

Im Gespräch möchten wir uns mit Ihrer Hilfe ein Bild von der verstorbenen Person machen. Sehr oft hatten wir noch keine Gelegenheit, sie vor dem Tod persönlich kennenzulernen. Uns interessieren zwar auch die Eckdaten des Lebenslaufes. Uns geht es aber vor allem darum, davon zu hören, wer der oder die Verstorbene für Sie war: Was haben Sie gemeinsam erlebt? Wann haben Sie zusammen gelacht oder geweint? Welche Macken oder Marotten gab es? Jeder Mensch ist ein einzigartiges Geschöpf Gottes. Von der Einzigartigkeit möchten wir hören und erzählen.

Wir verfassen für jede Trauerfeier eine persönliche Traueransprache. Jede Person ist anders und das möchten wir in der Ansprache auch ausdrücken. Dort wird natürlich nichts erzählt, was unter die seelsorgerliche Schweigepflicht fällt. Auch jede Station des Lebenslaufs kann in den Minuten der Ansprache nicht vorkommen. Stattdessen versuchen wir, Ihre zentralen Erinnerungen wachzurufen.

Der Blick des christlichen Glaubens leitet das Erinnern. In der Ansprache blicken wir durch eine biblische Geschichte oder einen Vers aus der Bibel auf das Leben der verstorbenen Person. Wir erzählen von der Hoffnung auf Auferstehung, wir lassen aber auch die Trauer und den Schmerz nicht unerwähnt – jeder Tod ist anders, darum auch jede Trauerfeier.

Die nächste Station auf dem Weg des Abschieds ist die Trauerfeier in der Friedhofskapelle.

Bei der Gestaltung der Trauerfeier gehen wir gerne auf Ihre Wünsche ein.

Zum Beispiel können Lieder eingespielt oder gesungen werden, die Sie mit dem oder der Verstorbenen verbinden. Das passiert dann in enger Abstimmung mit dem Bestattungsunternehmen. Häufig wird ein Organist oder eine Organistin für die Trauerfeier engagiert.

Sprechen Sie uns gerne im Trauergespräch an, wenn Sie eine besondere Idee haben! Erfahrungsgemäß geben aber auch die geprägten Worte der Tradition in der Trauer besonderen Halt.

Am Ende der Trauerfeier machen wir uns auf den letzten Weg zum Grab.

Wir begleiten die verstorbene Person zu ihrer letzten Ruhestätte. Damit zeigen wir, dass wir viele Wege im Leben zusammen gegangen sind. Diese Wege enden nun am Grab. Dort beten wir gemeinsam das Vater Unser und wir sprechen Ihnen Gottes Segen zu. Danach besteht für jeden und jede die Möglichkeit, am Grab persönlich Abschied zu nehmen.

Erde zu Erde – Asche zu Asche – Staub zu Staub.
Mit diesen Worten werden die Verstorbenen zu ihrer letzten Ruhe gebettet. Sie erinnern an die Schöpfungsgeschichte, in der erzählt wird, dass der Mensch aus Erde gemacht ist.

Wir kehren in Gottes Schöpfung zurück. Das Unfassbare – der Tod eines Menschen – wird durch die Erde greifbarer. So nehmen wir mit einem Erdwurf oder mit Blumen ein letztes Mal Abschied.

Damit endet der letzte gemeinsame Weg.

Damit endet der Weg mit der verstorbenen Person. Im Gottesdienst am Sonntag nach der Bestattung lesen wir noch einmal den Namen der oder des Verstorbenen, beten für sie oder ihn und zünden eine Kerze zum Gedenken an. Hier im Kirchenboten veröffentlichen wir ebenfalls die Namen der verstorbenen Gemeindemitglieder. Am Totensonntag Ende November gedenken wir dann noch einmal aller Verstorbenen des vergangenen Jahres. Wenn Sie darüberhinaus weitere Begleitung durch eine Pastorin oder einen Pastor wünschen, sprechen Sie uns gerne an!

Die Begleitung durch eine Pastorin oder einen Pastor kostet übrigens nichts. Durch Ihre Kirchensteuer haben Sie bereits Ihren solidarischen Beitrag geleistet, der unsere Arbeit möglich macht. Dafür danken wir Ihnen sehr!

Danke an Kristina Kunde für die Fotos!