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Ein kleiner Hype Ein Kommentar zur Handball-WM

Text: Niklas Lemperle, Bild: Mario Nägele, Layout: Pia Sautter

Die deutschen Handballer spielen um Bronze. „Nur“ um Bronze, muss man fast sagen. Die Mannen um Bundestrainer Christian Prokop gehörten zwar vor der WM nicht unbedingt zum Favoritenkreis, dennoch wollten sie mehr, nachdem es gerade vor heimischer Kulisse so gut lief.

Und nicht nur die deutschen Spieler und Funktionäre wollten mehr. Ganz Deutschland, so schien es, war im Handballrausch, ganz Deutschland, so konnte man meinen, wollte diesen vierten Weltmeistertitel in einer Sportart, die in Deutschland zwar beliebt ist, aber normalerweise im Schatten des großen Bruders Fußball steht. Doch plötzlich waren die Sportteile der Zeitungen voll mit Berichten zur Handball-WM, die deutschen Starspieler wie Andreas Wolff oder Uwe Gensheimer zierten die Titelblätter und waren omnipräsent in Fernsehen und Internet. Es entwickelte sich eine regelrechte Euphorie, ein kleiner Hype, den die Funktionäre, sowohl die der Nationalmannschaft, als auch die der Handball Bundesliga jetzt nutzen wollen.

Doch im Endeffekt wird es dem Handball so ergehen wie nach den Titelgewinnen 2007 (WM) und 2016 (EM). Die Welle der Euphorie wird relativ schnell wieder abebben. Die Zuschauerzahlen in der Handball Bundesliga steigen möglicherweise etwas an, vielleicht melden sich sogar mehr Kinder als sonst in Handballvereinen an, doch mittel-, wenn nicht sogar schon kurzfristig, wird sich alles wieder normalisieren. Und kaum ist die WM beendet, berichten die deutschen Sportmagazine wieder vorzugsweise über Fußball und der Handball rückt zurück ins zweite Glied. So war es nach der Heim-WM 2007, bei der die Euphorie durch den Titelgewinn sicher noch größer war als jetzt und so war es nach dem Sieg bei der EM 2016.

Ob man will oder nicht, in Deutschland geht im Sport nichts über König Fußball. Auch die Eishockeyhelden von Pyeongchang konnten daran nichts ändern. Was haben wir sie nicht gefeiert, unsere Silberhelden, nachdem sie bei den olympischen Spielen 2018 nacheinander die Eishockeygroßmächte Schweden und Kanada ausgeschaltet hatten, nur um dann denkbar knapp im Finale an Russland zu scheitern. Und was haben sich die Funktionäre nicht alles erhofft, es war sogar die Rede von einem möglichen Eishockeyboom. Doch schon bei der darauffolgenden WM war klar, dass dieser ausbleiben würde, so wie auch jetzt ein Handballboom ausbleiben wird. Dennoch bewies die Handball-WM auf eindrucksvolle Weise, wie viel Spaß diese Sportart machen kann und dass der deutsche Sport zum Glück mehr zu bieten hat als nur den Fußball.

Created By
Campuls Hochschulzeitung
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Credits:

Created with images by JeppeSmedNielsen - "ball handball training"

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