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FEELING POLYESTER Der sensorische Raum zwischen Mensch und Figur

„Über die körperliche Nähe von Mensch und Figur kann ich mich sinnlich in beide Körper hineinversetzen. Ich spüre wie die Hand des Handwerkers meinen Polyesterarm abschleift.“

Reutelsterz, Jan, Feldnotiz, Köln, Moch-Figuren, 8.12.2018

„Mir fällt plötzlich die physische Präsenz all der anderen Figuren in dem Raum auf, sie lenken mich ab. Ich spüre ihre Anwesenheit und fühle mich fast schon wie in einer Menschenmasse."

Reutelsterz, Jan, Feldnotiz, Köln, Moch-Figuren, 18.03.2019

„Ich habe immer das Gefühl, von den ganzen Figuren beobachtet zu werden. Seltsam gell? Ist ja eigentlich nur ein Stück lebloses Polyester in Menschenform.“

Reutelsterz, Jan, Feldnotiz, Köln, Moch-Figuren, 15.12.2018

Stell Dir vor:

Eine Welt, in welcher Menschen synthetische Körper in Form von Schaufensterfiguren schleifen, lackieren und schminken, sodass diese, wiederum Menschen mit ihren anthropomorphen Qualitäten ansprechen, verführen verleiten.

Das Phänomen:

Bereits in der Produktion der Figuren zeigt sich das Phänomen einer leiblichen Eigenwirkung, die das menschlich geformte Polyesterartefakt unweigerlich mit sich bringt.

Diese Phänomen ist ein omnipräsenter Bestandteil innerhalb der alltäglichen Praxis im Betrieb. Es stellte sich heraus, dass sich dieses intersubjektive Spüren in besonderen Maße über den direkten Kontakt zwischen Mensch und Figur, insbesondere über die Berührung aber auch aus dem Wahrnehmen einer leiblichen Kopräsenz heraus zeigte.

Fühle Dich ein:

Video 1: Abschliff

Video 2: Lackierung

Video 3: Kolorierung

"So erzählte ich, einem Bildhauer in der Werkstatt, dass ich es faszinierend finde, dass, wenn ich nah an eine Figur herantrete oder eine hinter mir steht, ich eine menschenähnliche Präsenz spüre. Darauf dieser: 'Natürlich, sonst wäre es ja sinnlos was wir hier machen.'"

Reutelsterz, Jan, Feldnotiz, Köln, Moch-Figuren, 13.12.2018

Feeling Polyester

Der sensorische Raum zwischen Mensch und Figur

von Jan Reutelsterz

Besonderer Dank geht an Herr Prof. Ackermann und Moch Figuren für ihre Unterstützung

Die Arbeit entstand im Rahmen einer sechsmonatigen Feldforschung in der Kölner Schaufensterfigurenproduktion Moch Figuren und ist Teil des Masterprojektes an der Universitat Koblenz-Landau im kulturwissenschaftlichen Schwerpunkt ,,Ethnologie der Ästhetik" von Jan Reutelsterz.

Die vorliegende online Interpretation basiert auf einer Ausstellung der Installation „Feeling Polyester“ vom 16.09.2019 im „art space ANDROMEDA