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Der Altmühltal-Radweg in sechs Tagen Teil 5 - von Beilngries nach Bad Gögging

Dieser fünfte Abschnitt unserer Radtour an der Altmühl war zweifellos eine der vielseitigsten Teilstrecke und erforderte von uns eine ganze Reihe von Improvisationen. Ursprünglich sollte die Reise nach Kehlheim am Fluss entlang und nicht nach Bad Gögging gehen. Aber die von uns gebuchte Hotelkategorie war in Kehlheim ausgebucht. Nur - Bad Gögging liegt rund 15 Kilometer südlich von Kehlheim und es gab bei den Reiseunterlagen keine vernünftige Beschreibung für diesen "Abstecher". Also suchten wir uns eine eigene Strecke ab Altessing. Wie wir später feststellten hätte es eine einfachere Lösung gegeben.

Da wir nach unserem Plan rund 60 km vor uns haben würden, starteten wir früh in Beilngries bei herrlich gespenstischer Atmosphäre im Nebel in Richtung Kottingwörth, dort über die Brücke auf die Nordseite der Altmühl.

In einem großen Bogen führt der Weg nach Dietfurt, das seit über 100 Jahren den seltsamen Ruf hat, eine "Chinesenstadt" zu sein. Im 18. Jahrhundert soll der Kämmerer des Eichstätter Bischofs versucht haben, Steuern dort einzutreiben und gesagt haben: "Die Dietfurter kommen mir vor wie die Chinesen, die sich hinter der Mauer verschanzen". Der 1962 erbaute Chinesenbrunnen vor dem Rathaus (ein frühes Werk von Lothar Fischer) weist darauf hin, dass sich die Dietfurter mit dem Spitznamen "Chinesen" nicht nur längst abgefunden haben, sondern auf ihn stolz sind.

Dietfurt - "Chinesenstadt"

Der Nebel hatte sich inzwischen verzogen und der blaue Himmel versprach einen weiteren sonnigen Tag. Von Dietfurt aus wird die Altmühl zum Main-Donau-Kanal und damit sehr viel breiter. Auf dem Weg nach Riedenburg kommen wir nach wenigen Kilometern an der Schleuse 12 des "Ludwig-Donau-Main-Kanal" in Höhe des Mühlbach vorbei. Mit 100 Schleusen wurden früher insgesamt 264 Meter Höhenunterschied bewältigt.

Ein Hinweisschild klärt auf über die Geschichte des Ludwig-Main-Donau-Kanals.

In den Altwassern am Kanal finden Schwäne und andere Wasservögel ein ideales Revier.

Dann geht es nach Eggersberg, wo sich hoch über dem Tal das Schloss Eggersberg erhebt, ein dreigeschossiger Bau aus dem 17. Jahrhundert. Er beherbergt das Hofmarkmuseum.

Von dort geht es weiter nach Oberhofen mit dem Herrenhof, ein bei Ausgrabungen entdeckter hallstattzeitlicher Herrenhof wurde hier rekonstruiert. Der Kanal wird immer majestätischer und größere Frachter sind zu sehen. Dann kommen wir zur großen Schleuse vor Riedenburg.

Riedenburg liegt eingebettet in die Landschaftskulisse des Altmühltals, umrahmt von markanten Jurafelsen und herrlichen Laubwäldern, am Fuße der Rosenburg und der beiden Ruinen Rabenstein und Tachenstein. Diese drei Burgen schützten die Besitzungen der einst mächtigen Grafen von Riedenburg. Deren Zeichen, die 3 Rosen, findet sich auch im Wappen des Landkreises Kelheim. Neben den Ruinen von Rabenstein und Tachenstein kündet vor allem die Rosenburg von ritterlicher Herrlichkeit.

Wir wechseln vor Riedenburg an der Schleuse auf die rechte Seite und lassen den Besuch im Ort aus, da wir ja doch noch eine ziemliche Strecke vor uns haben, von der wir nicht wissen, was uns erwartet.

Urdonausole - ausgegraben im Unterwasser der Schleuse

Vom Radweg aus sehen wir zwei der drei Burgen von Riedenburg hoch oben auf den bewaldeten Felsen.

Riedenburg - Vorne Ruine Tachenstein, dahinter Rabenstein

Es geht am Kanal entlang, wo wir am Ortsausgang das Schloss Rosenberg und daneben Rabenstein nocheinmal besser sehen können. Hinter dem Ort führt der Radweg an der Straße entlang und bietet uns die erste Steigung an diesem Tag.

Schloss Rosenberg (links), Rabenstein (rechts)

Ein besonderes Highlight erwartet uns nur kurze Zeit später mit Schloss Prunn, das sich von unserem Radweg aus sozusagen direkt über unseren Köpfen erhebt. Und wir staunen nicht schlecht, als wir den einsamen Kletterer in der Felswand entdeckten. Zunächst hielten wir ihn für eine Puppe, mussten aber feststellen, dass er sich bewegte und somit wohl "echt" war.

Der Beweis, dass sich der Kletterer im Fels "bewegte" und somit echt war.

Ab hier mussten wir uns so langsam entscheiden, welchen Weg wir nach Bad Gögging nehmen wollten, ohne zuviel vom Altmühltal-Radweg wegzulassen. Da wir auf jeden Fall das Kloster Weltenburg am Donaudurchbruch nicht auslassen wollten und auf den Karten die Wegstrecke von Kehlheim über den Michelsberg 1,8 km steil aufwärts gehen und es über die östliche Straße auch nicht viel besser sein sollte, entschieden wir uns, in Altessing über den Schlösselberg zu - nein, wirklich nicht zu "radeln", sondern auch hier ging es nach wenigen 100 Metern so steil hinauf, dass wir selbst beim Schieben völlig aus der Puste kamen.

Nach dem Verpusten auf der Anhöhe ging es natürlich auf der anderen Seite auch wieder steil hinunter und wir mussten ziemlich bremsen, um nicht über eine Geschwindigkeit von 50 km zu kommen. So "rasten" wir also direkt auf die "Fotoseite" des Klosters Weltenburg zu. Denn nur von der nördlichen Seite aus bekommt man diese große Anlage am Donaudurchbruch richtig vor die Linse.

Das Kloster Weltenburg ist eine Benediktinerabtei in Weltenburg, einem Ortsteil von Kelheim an der Donau in Niederbayern. Es liegt oberhalb des Donaudurchbruchs in einer Donau-Schlinge. Das Kloster gehört zur Bayerischen Benediktinerkongregation. Hauptaufgaben der heutigen Abtei Weltenburg sind die Pfarrseelsorge und die Aufnahme von Gästen in der „Begegnungsstätte St. Georg“.

Zunächst geht es mit der kleinen Seilfähre und seinem ausgesprochen freundlichen Fährmann auf die andere Seite der Donau. Von dort ein kurzes Stück zum Kloster Weltenburg. Mit uns an Bord ein Paar, das die 7 Kilometer von Kehlheim bis nach Weltenburg gewandert sind und mit dem Ausflugsdampfer nun wieder zurückkehren würde. Von Ihnen erfuhren wir auch, dass man von Kehlheim aus auf diesen Booten die Räder mitnehmen kann.

Das Kloster Weltenburg ist vor allem auch ein großer Besuchermagnet. Nicht zuletzt wohl der Tatsache geschuldet, dass im Innenhof ein großer Biergarten eingerichtet wurde. Dass Mönche in Weltenburg Bier brauten, ist erstmals für das Jahr 1050 belegt, weshalb Weltenburg mit der Bezeichnung „Älteste Klosterbrauerei der Welt“ wirbt. Der Jahresausstoß der Klosterbrauerei Weltenburg GmbH beträgt knapp 30.000 Hektoliter.

Seit April 2007 werden an den Wochenenden Führungen durch die Brauerei angeboten. Das „Weltenburger Kloster Barock Dunkel“ wurde 2004, 2008 und 2012 mit dem „World Beer Cup“ als bestes Dunkelbier der Welt ausgezeichnet.

Wir lösen uns zunächst aus dem Trubel des Biergartens und erkunden die Klostereinrichtungen.

Dazu steigen wir zunächst die steile Treppe hinauf zur Frauenberg-Kapelle und versuchen, von oben einen Überblick über das ganze Gelände zu bekommen.

Stationen-Bildnisse auf dem Weg zur Kapelle

Der Ausblick von oben ist durch die vielen Bäume nur begrenzt möglich. So steuern wir auf die Klosterkirche zu.

Von außen mit der trist-grauenFasade nicht besonders einladend, dafür aber im Inneren umso pompöser.

Besonders der "Himmel" ist in dieser Klosterkirche sehenswert und umrahmt von einem breiten, goldenen Kranz.

Der Donau-Durchbruch

Wir radeln um die Donauschleife herum und dem Schild nach "zum Bootsanleger". Und dann werden uns zwei Dinge klar: Erstens, woher die vielen Besucher kommen. Sie werden mit den Ausflugsbooten von Kehlheim nach Weltenburg geschippert.

Und zweitens: Wir hätten uns die Strapaze mit dem Berg sparen können und einfach die paar Kilometer nach Kehlheim weiterradeln sollen, um dann mit einem der Schiffe ganz entspannt bis Weltenburg zu shippern.

Dann verabschieden wir uns von Weltenburg und nehmen die Strecke an der Donau entlang nach Bad Gögging und kommen an großen Hopfenfeldern vorbei. Am Ortseingang lassen wir uns auf der Terrasse eines Cafés Kaffe und Kuchen schmecken und fragen uns, wie dieser Ort, der seiner Bezeichnung nach als Bad überwiegend aus entsprechenden Kureinrichtungen besteht, in unser Altmühltal-Radweg-Programm passen würde. Wir fühlen uns hier von Anfang an falsch platziert.

Dann suchen wir unser Hotel und winken auf dem Weg dorthin dem Fahrzeug unseres Radveranstalters Velorours zu, das gerade unser Gepäck im Hotel angeliefert hat. In Bad Gögging sind wir zwar in dem 4-Sterne-Hotel "Monarch" untergebracht, allerdings mit Blick auf eine große Baustelle direkt vor unserem Fenster, von der bis spätabends ziemlicher Lärm ausgeht. Da das Hotel von Kurgästen gut besucht ist, können wir auch keinen Platz im Restaurant für das Abendessen reservieren. Das Angebot an Restaurants rund um den Kurpark ist dürftig, da die Kurgäste ja jeweils in ihren Einrichtungen versorgt werden. So gibt es dann nur eine Pizza und hinterher ein paar Kugeln Eis. Mit den kleineren Abstechern sind dann ingesamt gut 67 km zusammengekommen und wir spüren unsere Oberschenkel.

Ein Beitrag aus dem Online-Reisemagazin www.reisepilot.de

IMPRESSUM: Angaben gemäß § 5 TMG und verantwortlich für den Inhalt nach § 55 Abs. 2 RStV: Hans-Raimund Kinkel, Groten Heesen 11, 21033 Hamburg. E-Mail: info@reisepilot.de

www.reisepilot.de

Credits:

Hans-Raimund Kinkel

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