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1881: Der Brand des Wiener Ringtheaters von Werner M. Thelian

Wien am Donnerstag, dem 8. Dezember 1881 (Maria Empfängnis, ein Feiertag). Es war 18.40 Uhr und somit blieben nur noch wenige Minuten, ehe sich mitten in der Stadt eine der größten und folgenschwersten Brandkatastrophen ereignete, die man in Österreich-Ungarn bis dahin erlebt hatte.

Vor dem imposanten, erst 1874 fertiggestellten und eröffneten Ringtheater am Schottenring herrschte noch immer rege Betriebsamkeit, obwohl die meisten Theaterbesucher, die an diesem Abend die Offenbach-Oper »Hoffmanns Erzählungen« genießen wollten, schon im Gebäude waren. Das Haus bot Platz für rund 1700 Menschen. Die Vorstellung war an diesem Abend nahezu ausverkauft.

Der Ort der fürchterlichen Brandkatastrophe: Das Ringtheater in Wien.

Kurz nach 18.50 Uhr wurde im Bereich des Bühnenvorhanges eine kleine Rauchwolke sichtbar. Einige Zuschauer in den vorderen Reihen bemerkten sie zwar, maßen ihr jedoch zunächst weiters keine Bedeutung bei. Erst ein paar Minuten später, als der Rauch schon deutlich dichter war, rief jemand »Feuer!«. Dann brach Panik aus.

Verheerender feuerSTURm

Während im Parterre Hunderte Menschen von ihren Sitzen hochsprangen, wild durcheinanderliefen und völlig unkontrolliert zu den Ausgängen drängten, hatte der schwere Bühnenvorhang bereits Feuer gefangen und brannte lichterloh. Die Flammen griffen rasch auf den gesamten Zuschauerraum über. Sie wurden, wie in einem zugigen Kamin, nach oben getragen, wo sie die Logen und Gänge erfassten. Der dichte Qualm und das Prasseln des Feuers steigerten die Panik der Flüchtenden bis ins Unermessliche. Viele stolperten, fielen hin, wurden von anderen getreten oder erstickten am Rauch oder durch den Druck der Menschenmassen. Bald waren überall nur noch Feuer und dichter Rauch.

Die Menschen, die es bis in die Nähe der Ausgänge geschafft hatten, mussten dort feststellen, dass die Notausgänge viel zu klein und zu eng bemessen waren. Einige Türen ließen sich nur nach innen öffnen und waren daher sofort blockiert. Immer mehr Flüchtende kehrten um und hofften, anderswo einen Ausweg aus der Feuerhölle zu finden. Sie irrten allein oder in Gruppen durch die engen Gänge des Theaters, fanden im Rauch den Weg nicht und erstickten.

Das Feuer brach auf der Bühne aus. Die Flammen griffen rasch auf den Publikumsraum über.

Dann war es plötzlich stockdunkel, weil ein Techniker, der eigentlich eine Explosion verhindern wollte, die Gasleitung gekappt hatte. Auch das Publikum in den höher gelegenen Stockwerken kämpfte ums Überleben. Weil die Wege nach unten und zu den Ausgängen unpassierbar waren und sich das Feuer und der Rauch längst schon bis ganz nach oben vorarbeiteten, flüchteten viele der Verzweifelten an die großen Fenster. Dort standen sie und riefen verzweifelt nach Hilfe. Einige, die es nicht länger aushalten konnten, sprangen in die Tiefe.

Im Freien vor dem Theater hatten sich zu diesem Zeitpunkt schon Tausende, später sogar Zehntausende Menschen versammelt. Sie alle wollten helfen, konnten es aber nicht. Tatenlos mussten sie zusehen, wie das Gebäude lichterloh brannte und immer weniger Menschen aus dem Inneren des Hauses auf die Straße taumelten. Die ersten Feuerwehren trafen ein. Ihre Leitern waren viel zu kurz, um die Menschen, die noch immer oben an den Fenstern standen und um Hilfe baten, auf diesem Weg zu retten. Ihre Spritzen reichten nicht aus, um die Flammen wirksam zu bekämpfen.

Die Flamen schlugen viele Meter hoch in den Himmel und gefährdeten auch die benachbarten Gebäude.

Das Feuer schlug aus dem Dach hervor. Funkenregen prasselten nieder und gefährdeten bereits die benachbarten Gebäude. Nur wenige Feuerwehrmänner wagten sich in das Theater. Noch immer versuchte man, von irgendwoher ein Sprungtuch zu organisieren. Aber es dauerte viel zu lange, bis eines vor Ort und einsatzbereit war. Um 20 Uhr stand die Hauptfront des Theaters voll in Flammen.

Panik brach aus. Die Ausgänge waren rasch verstopft.

Später bot sich den Rettungsmannschaften im Inneren des Gebäudes ein grausiges Bild. In den Gängen, die noch immer dicht mit Rauch gefüllt waren, fand man zahlreiche erstickte Menschen. Im großen Zuschauerraum war der unter dem Einfluss der großen Hitze aufgewellte Boden an vielen Stellen über und über mit verbrannten und verkohlten Leichen bedeckt. Gegen 21.30 Uhr trafen draußen vor dem Haus Träger mit Bahren ein, um die Toten nach und nach wegzubringen. Überall waren Menschen zu sehen, die nach Angehörigen suchten, sie aber nicht finden konnten.

Überall wurden Leichen weggetragen. Hunderte Opfer waren zu beklagen.

Am Tag nach dem Brand

Am Tag nach der großen Brandkatastrophe war das ehemalige Ringtheater nur noch eine Ruine. Hunderte Leichname hatte man im Hinterhof der nahen Polizeistation gelagert, wo sich Ärzte darum bemühten, wenigstens einige der Opfer zu identifizieren. Viele der Toten wurden von hier aus in das Allgemeine Krankenhaus gebracht, wo sich die Professoren und diensthabenden Ärzte diesmal nur noch um leblose Körper kümmern konnten.

Das einst stolze Ringtheater war nur noch eine Ruine.

Der Gerichtsmedizine Prof. Hofmann und seine Mitarbeiter führten zahlreiche Obduktionen durch, um Opfer zu identifizieren. Ihre Aufgabe war es aber auch, die genauen Todesursachen zu bestimmen. Hofmann und sein Team konnten schließlich belegen, dass die meisten der Opfer des Theaterbrandes durch das Einatmen von Rauchgas ums Leben gekommen waren.

Den Aufräumarbeiten folgte später ein aufsehenerregender Prozess, bei dem die Schuldigen für die Brandkatstrophe gesucht wurden.

Während die Mediziner noch ihre traurige Arbeit verrichteten, bereitete man sich auf den Wiener Friedhöfen schon auf die Begräbnisse vor, die in den nächsten Tagen und Wochen stattfinden würden. Die Zeitungen veröffentlichten lange Listen der Opfer. Vermisste wurden von ihren Angehörigen oder von ihren Arbeitsstellen per Zeitungsinserat gesucht. Am Ende stand schließlich fest, dass der Brand des Wiener Ringtheaters wohl an die 400 Menschenleben gekostet hatte.

Created By
Werner Thelian
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Credits:

Fotos: Wikipedia, Neue Illustrierte Zeitung, 18. 12. 1881

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