Sterneradeln im Wendland Teil 1: Von Rundlingen, unberührter Natur und traumhafter Stille

Das Wendland ist die Region südlich des Elberadweges zwischen Hitzacker und Schnackenburg. Da wir an der Elbe bereits mehrfach rechts und links des Flusses unterwegs waren, hatten wir uns schon länger vorgenommen, die Region Wendland ebenfalls einmal mit dem Rad zu erkunden.

Die Samtgemeinde Lüchow ist eingebettet in grüne Felder, Wiesen, Wälder und stellt den süd-westlichen Teil der Urlaubsregion Wendland.Elbe dar. Hier findet man die gemütliche und idyllische Baukultur des Wendlands. Sie ist durch die charakteristischen Rundlingsdörfer gekennzeichnet, für dessen Erhalt der Rundlingsverein bereits 2015 mit dem Kulturerbepreis Europa Nostra ausgezeichnet wurde. In Wendland.Elbe gibt es derzeit noch über 200 Rundlingsdörfer.

Ausgangspunkt Lüchow

Als Ausgangspunkt für unsere dreitägige Radtour haben wir die Kreisstadt Lüchow ausgewählt. Sie hat rund 10 000 Einwohner, liegt im südlichen Wendland und besticht durch seine malerischen Fachwerkbauten. Wir buchen im neu renovierten 3-Sterne Komfort-Hotel Katerberg. Die Zimmer sind von normaler Größe, praktisch eingerichtet, für einen längeren Aufenthalt aber etwas zu klein.

Unser Hotel: Katerberg

Das Hotel liegt am nördlichen Ende der langen Hauptstraße, die sich durch den ganzen Ort zieht und - leider - auch im Zentrum um das Rathaus herum nicht autofrei ist. Da im Hotel Katerberg die Renovierung der Küche noch nicht abgeschlossen ist, sind wir über die Nähe zum Zentrum ganz froh, da wir dort abends dann nochmals zum Essen hin müssen.

Rathaus mit Ratskeller

Die Stadt ist bis in die frühen Abendstunden lebendig und ein Bummel macht richtig Freude.

Der Glockenturm

Durch eine Seitenstraße am Italienischen Eisladen vorbei spazieren wir zum Glockenturm, der von der mittelalterlichen Stadtbefestigung noch übrig ist. Von dort geht es zum die Stadt überragenden Amtsturm.

Museum im Amtsturm

Der Amtsturm ist ein Relikt des ehemaligen gräflichen Schlosses und erinnert an die Grafschaft Lüchow. Das Schloss selbst ging 1811 beim großen Brand in Flammen auf. Seit 1930 ist hier das Museum des Wendländischen Geschichts- und Altertumsvereins untergebracht.

Stones -Fan-Museum

Etwas befremdlich wirkt das Stones-Fan-Museum, das sich seit 2011 der britischen Rockband The Rolling Stones widmet. Der in tiefes Rot getauchte Gebäudekomplex ist beim Stadtrundgang nicht zu übersehen.

An der Jeetzel

An der Jeetzel, die durch Lüchow fließt, sehen wir weitere hübsche Fachwerkbauten

Die Große Rundlingsrunde

Was ist ein Rundlingsdorf? Warum ist das Dorf rund? Die "Rundlinge" sind im Wendland die Hauptattraktion. Es sind jeweils kreisförmig um einen großen Platz mit z.B. einer Eiche angelegte Dörfer mit für die Region typischen Fachwerkgebäuden.

Typische Rundlingsanlage (Foto: Repro Museum Lübeln)

Es gibt eine kleine 23 Kilometer lange und eine große ca. 50 km lange Rundlingstour, die beide von Lüchow aus nach Westen führen. Wir radeln über Plate nach Lübeln zum dortigen Rundlingsmuseum. Denn im Freilichtmuseum Wendlandhof Lübeln dreht sich alles um diese Themen. Das Museum und das Dorf Lübeln vermitteln anschaulich eine dieser erhaltenen Siedlungsformen, die bereits um 1150 erwähnt wurden. Auch das Thema "Entdecken, wie die Urgroßeltern lebten" wird an 22 Erlebnisstationen auf dem Museumsgelände, davon in 13 historischen Gebäuden sichtbar. Das Leben und Arbeiten unserer Vorfahren vor rund 200 Jahren!

Haupthaus Rundlingsmuseum Lübeln

Was man auf Anhieb nicht erkennt, ist die Größe des Freilicht-Museums, das sich hinter dem Hauptgebäude verbirgt. "Es ist auf einer ehemaligen Hofstelle errichtet worden, die der Landkreis Lüchow-Dannenberg 1972 gekauft hatte. Vorher war die Idee eines neu zu errichtenden musealen Rundlingsdorfes verworfen worden. Es wurde daher in einem der am besten erhaltenden Rundlinge der Gedanke eines Rundlingsmuseums mit der Umnutzung historischer Bauten und sozial-kulturellen Ideen kombiniert."

Das Heimathaus

Mittelpunkt des Rundlingsmuseum ist das Heimathaus, ein Niederdeutsches Hallenhaus für Mensch und Tier unter einem Dach.

Das Trachtenhaus

Ein ehemaliger Stall wurde zum "Trachtenhaus". Dort sind die feinen historischen Handarbeiten zu sehen.

Die Schmiede

Die Schmiede ist eine rekonstruierte Einrichtung, in der wir zwei "Aktive" bei der Arbeit beobachten können. Spezialität sind aufwändig geschmiedete Damaszenermesser. Den Museumshandwerkern kann gerne über die Schulter geschaut werden. Erleben, wie mit Liebe zum Detail Handwerkliches entsteht.

Voll in "action" in der Schmiede

Auf Anmeldung führen fachkundige Begleiter Gruppen über das Gelände und erläutern die Geschichte und die Besonderheiten der reetgedeckten Niederdeutschen Hallenhäuser, der Nebengebäude und der Handwerkerhäuser – ein Spaziergang durch die Jahrhunderte. In der neu erbauten Obstscheune auf der Streuobstwiese informiert eine moderne, künstlerisch gestaltete Ausstellung über "Alte Obstsorten". "Kleine Museumsentdecker" können spielerisch in das Thema "Apfel, Birne & Co." eintauchen.

Streuobstwiese

Es gibt dort ferner Informationsräume im Innern zum Thema Weben, eine Töpferei, den Bauerngarten, den Bienenzaun und vieles mehr.

Informations-Zenrtum
Bienenzaun mit alten und neuen Bienenkörben
Alte Bauerngerätschaften

Weiter geht es von Lübeln aus Richtung Norden über Reitze, Belitz und Nienhof nach Tolstefanz. Die Radwege wechseln zwischen Sandwegen und Asphalt und führen durch eine weite, landwirtschaftlich genutzte Landschaft. Kaum hat man Lüchow verlassen, umfängt einen eine Stille, die man glaubt, mit Händen greifen zu können. Wer wie wir aus der Großstadt kommt, kennt diese totale Ruhe fast nicht mehr und kann sie deshalb besonders genießen.

Landwirtschaft genutzte Region

Ins Auge fallen uns die blühenden Kartoffelfelder, weiße und rosa Blüten, dann folgen Kornfelder und Mais, der für die Jahreszeit hier schon sehr hoch gewachsen ist. Dazwischen immer wieder kleine Waldstücke.

Blühende Kartoffelfelder

Von Tolstefanz geht es wieder südlich und dann folgt bald ein Rundlingsdorf auf das nächste.

Über Zebelin geht es nach Diahren, wo wir unter der Eiche des Rundlingsdorfes eine kurze Rast machen. Für die Tour sollte man entsprechend vorsorgen und Essen und Trinken dabei haben. Denn unterwegs gibt es keine Läden. Ab und zu kommt ein Hofcafée ins Blickfeld. Diese haben aber meist nur am Wochenende offen.

Diahren

In Bussau entdecken wir zunächst die hübsch gelegene Kirche, bevor es zu einem der schönsten Rundlinge geht.

Kirche in Bussau

Es ist das Rundlingsdorf in Bussau, wo man spürt, wie diese zwar altertümliche Lebensform in die heutige Zeit übertragen wurde durch ein hier aktuell gelebtes Miteinander.

Bussau

Über Wustrow radeln wir entspannt zurück nach Lüchow.

Kirche in Wustrow

Da wir die "offizielle" große Rundlingstour etwas verlängert haben und über Wustrow zurückgeradelt sind, haben wir insgesamt knapp 60 Kilometer auf dem Tachometer. Fazit: Man muss nicht alle Rundlingsdörfer im Einzelnen gesehen haben. Ohnehin gibt es ja noch rund 200 davon. Das Rundlingsmuseum in Lübeln vermittelt den besten Eindruck davon, was es zu diesem Thema zu erfahren gibt. Je nach Interesse kann man auch ganz tief dabei einsteigen.

Haupthaus des Rundlingsmuseum in Lübeln
Ein Beitrag aus dem Online-Reisemagazin www.reisepilot.de

IMPRESSUM: Angaben gemäß § 5 TMG und verantwortlich für den Inhalt nach § 55 Abs. 2 RStV: Hans-Raimund Kinkel, Groten Heesen 11, 21033 Hamburg. E-Mail: info@reisepilot.de

Credits:

Hans-Raimund Kinkel

Report Abuse

If you feel that this video content violates the Adobe Terms of Use, you may report this content by filling out this quick form.

To report a Copyright Violation, please follow Section 17 in the Terms of Use.