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... Oh du schöne Natur ein wunderbarer Platz zum Verweilen

Bei meinem Spaziergang vom Parkplatz Riedbusch in Richtung Rodau fällt mir diese Bank am Waldrand auf. Sie fordert mich regelrecht auf, hier Platz zu nehmen und diesen tollen Ausblick zu genießen. Hinter mir der Buchenwald, der besonders im Herbst mit seinen Farben protzt, vor mir diese Talsenke - rechts liegt Rodau, vor mir Wiesen und nach Lichtenberg hinauf zieht sich der Fichtenwald.

Welch herrliche Natur, denke ich. Natur ... ? Wirklich ... ? Naja, wie man's nimmt.

Natur ist das eigentlich alles nicht. Der Mensch hat diese Landschaft geformt.

Fangen wir doch mal mit dem Wald an. Wie sieht eigentlich ein "natürlicher" Wald aus, frage ich mich. Die große Fichtenschonung, die sich linker Hand nach Lichtenberg hoch zieht, ist sicherlich nicht einfach so gewachsen. Genau: wie ich von Ortsansässigen weiß, war das noch in den 50er Jahren ein Kartoffelacker. Nach dem 2. Weltkrieg wurde viel Bauholz gebraucht und deshalb hat man diese Schonung angelegt. Wobei - Stichwort Kartoffel - die ist hier in Europa ja auch alles andere als natürlich. Ursprünglich aus Südamerika stammend fand sie im 16. Jahrhundert ihren Weg zu uns. Nein, ich wusste das nicht auf Anhieb, aber Wikipedia ist schlauer als ich.

Wie sieht ein "natürlicher" Wald aus? Das ist wohl eine Frage des Erdzeitalters. Während der Eiszeit gab es hier kaum Wald, lediglich Sträucher und Kräuter. Danach siedelten sich in unserer Gegend Kiefern, Weiden, Birken, Pappeln und Lärchen an. Später griff der Mensch ein, rodete und pflanzte. Der Rest ist Geschichte. Aber einen natürlichen Wald finden wir hier kaum.
typischer Mischwald im Odenwald

Aber der Buchenwald hinter mir - auch kein natürlicher Bewuchs. Da hat der Förster seine Hand im Spiel. Denn der "bewirtschaftet" den Wald. Holz ist ein nachwachsender Rohstoff und so wird hier gepflanzt und geerntet. Wobei hier im Fischbachtaler Forst etwa 5 % der Fläche unberührt bleiben. Wir sind hier FSC-zertifiziert, deshalb. Näheres dazu wird an einer anderen Station dieses Pfades erzählt.

Also das mit dem Wald ist mir jetzt klar. Das die Ackerfläche vor mir vom Menschen geformt wurde, erklärt sich von selbst. Aber es ist nicht nur der offensichtlich kultivierte Bewuchs - auch die Landschaft selbst hat sich verändert.

Durch Rodung verändert sich die Landschaft. Das Wasser fließt schneller ab, durch Erosion entstehen Gräben, die sich bis zur Schlucht erweitern können. Diese sogenannten "Runsen" kann man hier beobachten. Besonders ausgeprägte Exemplare finden sich am Waldrand in südlicher Richtung.

OK, ich habe verstanden. Was sich hier so idyllisch vor mir ausbreitet, ist eine Kulturlandschaft. Mit Natur hat das eigentlich nichts zu tun.

Aber schön ist es schon hier ...

Blick nach Rodau

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