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Digitale Präsenz Predigt oder Gottesdienst?

Themenserie «Gemeinde digital»

Corona hat einen massiven Digitalisierungsschub gebracht, auch in unseren Kirchen. Inzwischen versuchen wir, uns an die «neue Normalität» zu gewöhnen. Wir stellen Fragen, was sich in der Krise bewährt hat, und was von der neuen, digitalen Praxis wir beibehalten und entwickeln wollen. Joël Jira bietet in dieser Reihe Inspiration, stellt Fragen und gibt Impulse, was es bedeutet, «die Kirche nachhaltig ins digitale Zeitalter zu führen».

Es wird oft darüber diskutiert, ob man lediglich die Predigt streamen soll oder doch gleich den ganzen Gottesdienst. Für Letzteres hält sich das Argument nach der Sinnhaftigkeit, wenn doch sowieso die ganze Technik bereitstünde.
Joel Jira

Ich persönlich denke, dass es nur zwei Gründe gibt, den ganzen Gottesdienst (Infos, Lobpreis und Predigt) zu streamen. Nämlich dann,

  • wenn es sich um ein Live-Ereignis handelt, das in andere Räume übertragen wird.
  • wenn bewusst ein Publikum über das Internet erreicht werden soll, das zeitgleich zum physischen Gottesdienst zuschaut.

Es ist zu beachten, dass das Spielen oder Singen von bekannten Liedern lizenzrechtliche Konsequenzen mit sich zieht. Dies bedingt das Einhalten von Regeln und schränkt auch gleichzeitig die Auswahl ein.

Zu Archivzwecken sind Gottesdienste in der Regel nicht geeignet. Im Gegensatz zum Langzeitwert einer guten Predigt, hat ein Infoteil ein Ablaufdatum. Für Kirchen, die Videobibliotheken führen, empfehle ich, sich nur auf die Kerninhalte zu fokussieren oder sie zumindest thematisch zu trennen (z.B. nur Predigten oder nur Lieder).

Das Internet besteht aus dem konkreten Suchen und Finden. Diese Erwartungshaltung ist eine Voraussetzung: Es wird sich kaum ein Zuschauer finden, der erst mühsam mit dem Zeitbalken durch den ganzen Gottesdienst quält, um seinen erwarteten Inhalt zu finden. Gemäss einer kürzlich durchgeführten Studie soll die «Aufmerksamkeitsspanne» nur 8 Sekunden betragen – das ist denkbar wenig Zeit. So wollen wir den Menschen nicht «unwesentliche Inhalte» in den Weg legen... Und: Wird man diesem Anspruch, schnell das Wesentliche zu finden, gerecht, wird das in steigenden Zugriffszahlen bemerkbar.

Apropos Zahlen: Ob Gottesdienst oder Predigt – erstmals in der Kirchengeschichte kann man sich einen statistischen Spiegel vorhalten, um besser zu werden. Spannende Referate und packende Lieder werden mit einer grösseren Aufmerksamkeitsspanne beschenkt. Nutzen wir diese Chance und sehen sie als Herausforderung, mit unserem Angebot Jesus-zentrierter und qualitativ hochwertiger zu werden. Auf dass Gottes Reich sichtbarer und besser auffindbar wird.

Mehrwert

Zusatzbeiträge und alle Artikel als PDF zum Download auf www.feg.ch/digital

Joel Jira, ist Mitglied der FEG Olten und ist erreichbar unter joel.jira@outlook.com

Credits:

Erstellt mit Bildern von Edward Cisneros - "Feels" • Gabriel Gurrola - "Acoustic guitar player in pale light" • Puk Khantho - "Hands on the keyboard"