Loading

Romania outdoor, abenteuer + kultur

Kajaktour auf dem Lăpuș River

Die Lăpuș ist ein Wildwasser und Wanderfluss, entspringt nahe Băiuț und fließt bei Merisor in die Someș, die in Ungarn in die Theiß fließt, dem mit 966 Kilometern längsten Nebenfluss der Donau. Normalerweise ist sie von März bis Mai gut befahrbar. Wildwassereinstufung, je nach Abschnitt von I bis III. Der ungefähr 36 Kilometer lange Fluss schlängelt sich durch das Lăpuș-Gebrige. Als wir Ende August dort waren, ließ der Wasserstand etwas zu wünschen übrig, daher sind wir auch nicht die ganze Strecke gepaddelt und ich wollte meinem Sohn (9) auf seiner ersten Fluss-Tour nicht zu viel zumuten. Spaß machte es trotzdem, auch wenn es jede Menge Untiefen zu überwinden galt und wir an einigen Stellen die Kanus tragen mussten, denn auch diese Zwangspausen hatten ihren Reiz. Wir paddelten geschätzte sieben Kilometer und waren so zweieinhalb Stunden unterwegs.

Kiesbänke laden zur Rast ein.

Camping mit Wohlfühlgarantie

Für unsere Erkundungen der Gegend von Baia Mare im Kreis Maramures haben wir unser Lager in Săcălășeni auf dem Campingplatz Noroc aufgeschlagen. Maramures, eine bergige und waldreiche Gegend gehörte bis 1918 zu Ungarn, heute zu Rumänien und ein Teil davon zur Ukraine.

Schnatter kam mehrmals am Tag vorbei, immer auf der Suche nach Essbarem und war, was die Kost anging durch aus experimentierfreudig. Camelia und Pierre tun alles für ihre Gäste, damit die sich wohlfühlen. Der Kuchen ging auf Rechnung des Hauses.

Der Große Bär – auch bekannt als Größer Wagen – war vom Camp aus deutlich zu sehen. Der Große Bär hilft auch – weil er meist gut sichtbar ist – die Nordrichtung zu bestimmen: Verbindet man die am Ende des Wagens liegenden zwei helleren Sterne mit einer gedachten Linie und verlängert diese um etwa das Fünffache, trifft man auf den Polarstern (hier nicht im Bild). Der Polarstern ist wiederum der hellste Stern im Sternbild Kleiner Bär (Kleiner Wagen) und markiert dort die Spitze der Deichsel.

Biserica „Adormirea Maicii Domnului“

Eine der typischen Holzkirchen – von denen es in der Region etliche gibt – aber durchaus sehenswert. Wir hätten die Biserica „Adormirea Maicii Domnului“ glatt übersehen, obwohl sie nicht weit entfernt von unserem Campingplatz Noroc steht. Hätte uns Pierre, der gemeinsam mit seiner Frau Camelia den Campingplatz führt, nicht davon erzählt. Wenn ich ehrlich bin, haben wir nur halb zugehört und unser erster Gedanke war: „Na ja, da will uns jemand eine unbedeutende lokale Sehenswürdigkeit als was Besonderes anpreisen. Kennt man ja.“ Ist ja auch in Ordnung, aber ... Brauchen wir das? Aber am nächsten Tag nach dem Frühstück waren wir für die große Sightseeingtour noch nicht bereit und wir fragen noch mal nach, wo denn diese Kirche genau zu finden ist. Pierre, geduldig, erklärt uns den Weg noch mal: „Den Campingplatz raus, dann links die Straße runter und dann kommt sie auf der rechten Seite.“ Tatsächlich mussten wir keine 100 Meter gehen.

Die uralte Holzbaukunst hat Tradition in Maramures und wird auch heute noch gepflegt. Typische Vertreter dieser Kunst sind die Holzkirchen in der Region, die beinahe in jedem Ort zu finden sind, auch hier in Săcălășeni. Das Besondere an deren Bauweise, traditionell wurden und werden sie meist ohne Nägel gezimmert.

Baia Mare

Baja Mare ist die Bergbau- und Kreishauptstadt der Maramures mit sehr schöner Altstadt. Wer die Mühe nicht scheut und die vielen Stufen im mittelalterlichen Stefansturm hochgeht, hat von oben einen fantastischen Blick auf die Stadt, sieht direkt unter sich die katholische Dreifaltigkeitskirche mit dem Glockenspiel davor und die orthodoxe Kirche Sf. Stefan. Die meisten von uns haben von Baia Mare erst im Jahr 2000 gehört. Damals, vor 20 Jahren, am 30. Januar 2000 ereignete sich in Baia Mare ein Dammbruch einer Golderzaufbereitungsanlage, welcher eine schwere Umweltkatastrophe zur Folge hatte. Nur so am Rande, die Anlage war zu 51 Prozent im Eigentum des australischen Unternehmens Aurul SA.

Der Stefansturm ist das älteste erhaltene Bauwerk der Stadt. Der Turm – auch Stundturm genannt – wurde im 15. Jahrhundert als Glockenturm erbaut. 1628 wurde oben im Turm ein Uhrwerk eingebaut, dieses Uhrwerk kann man heute im Geschichtsmuseum bewundern, ihren Job – die Zeit anzusagen – hat inzwischen eine elektronische Uhr übernommen.

Wasserspiele neu definiert

Zwischendurch, eine Erfrischung, die Spaß macht.

Der Blick von oben

Der Fröhliche Friedhof von Săpânța

Der orthodoxe Friedhof von Săpânța ist weit über die Grenzen Rumäniens bekannt. Hier erzählen ein Vielzahl von Kreuzen sehr bunt vom Leben der Toten in Wort und Bild und oft mit viel Humor. Der Bildhauer Stan İoan Petraş hatt 1935 die Idee, Geschichten aus dem Leben der Verstorbenen in Holzkreuze zu schnitzen. Er allein hat bis zu seinem Tod einen Großteil dieser Kreuze angefertigt und 1977 selbst seine Ruhestätte dort gefunden. Auch sein eigenes Holzkreuz hat er gemacht, natürlich mit Humor und einem Schuss Ironie. Darauf steht:

„Seit dem 14. Lebensjahr musste ich Geld verdienen. Aus 62 Ländern haben sie mich bis gestern besucht, aber wer jetzt noch kommt, der wird mich nicht mehr finden.“

Die Kirche dort stammt aus dem Jahr 1886 und wird gerade renoviert. Der Fröhliche Friedhof wird kräftig besucht und ist auch eine willkommene Einnahmequelle.

Wir fahren weiter Richtung Osten

Zwölf Kilometer vor Sesuri, wir fahren noch an der Mănăstirea Prislop vorbei, verlassen wir die DN18 und fahren auf einem Feldweg den Berg hoch, auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz in freier Natur. Den Platz mit 5-Sterne-Aussicht finden wir und jetzt kommt die Kür, im Gelände eine ebene Stelle für den Bulli zu finden.

Nationalpark Rodna-Gebirge Parcul Național Munții Rodnei

Das Rodna-Gebirge (Munţii Rodnei) gehört zu den Ostkarpaten und ist mit einer Fläche von über 46.000 Hektar der zweitgrößte Nationalpark Rumäniens. Unser Ziel ist der Cailor Wasserfall. Für Rumänen ein beliebter Ausflugsort und die meisten nehmen von Staţiunea Borşa den Sessellift, um möglichst ohne Mühe so nah wie möglich an den Wasserfall zu kommen. Wir haben uns nicht für den kürzesten Weg entschieden, stellen den Bulli auf einer Hochebene ab und brechen zu einer kleinen Wanderung auf und peilen die Cascada Cailor aus nordöstlicher Richtung an.

Cascada Cailor (Wasserfall der Pferde)

Tapferer Hütehund. Geduldig lässt er sich den Dorn aus der Pfote ziehen.

Sighișoara / Schäßburg

In Sighișoara dreht sich alles um Dracula, der angeblich hier geboren wurde und auch für eine gewisse Zeit in der Stadt gewohnt haben soll. Da lässt sich trefflich drüber streiten. Vielleicht liegt es ja auch an Bram Strokers „Dracula“, welcher mit Schäßburg in Verbindung gebracht wird. Klar ist, Dracula wird als Tourismus und Kassenmagnet voll in Szene gesetzt. Als ich 1990 zum ersten Mal in der Stadt war, war Dracula so gut wie gar nicht präsent. Dabei ist das „Historische Zentrum“, durchaus sehenswert und wird zu Recht als UNESCO-Weltkulturerbe geführt. Der Dracula Hype ist da einfach too much und wir hatten nach zwei Stunden genug von dem Trubel.

In diesem Haus soll von 1431 bis 1435 Vlad Dracul gewohnt haben. Heute gibt es hier im 1. Stock das Restaurant Casa Vlad Dracul.

Impressionen

Die Bisons

Nur drei Kilometer von der Stadt Haţeg entfernt, auf einer Fläche von über 40 Hektar, leben einige der letzten Wisente oder Europäische Bisons Europas. Das Schutzgebiet wurde 1958 gegründet und die ersten zwei Bisons kamen nicht aus Rumänien, sondern aus dem Nationalpark Białowieża in Polen. Denn in Rumänien sind die wilden Bisons vor 230 Jahren ausgestorben. Das letzte Exemplar wurde 1790 erlegt. Inzwischen gibt es wieder rumänische Bisons, denn aus den zwei Bisons ist eine kleine Herde geworden. Das Reservat ist täglich von 8 bis 18.00 Uhr geöffnet. Circa drei Kilometer vor Hateg, auf der DN 66 von Simeria kommend, biegt man auf die 660 rechts ab und erreicht nach zwei Kilometern den Parkplatz vom Reservat. Langsam fahren, der Weg durch den Wald ist schmal und unübersichtlich und es können Kinder entgegenkommen. Wir sind nicht mit dem Auto dorthin gefahren, sondern mit unseren Mountainbikes. Gestartet von Bretea Streiului über Feld- und Waldwege nach Silvaşu de Jos und von dort zum Rezervaţia de Zimbri (Bison Reservat). Die letzten 1,5 Kilometer nach Kompasskurs, weil mitten im Wald der Weg verschwand.

Kultur

Die Gegend um Haţeg hat nicht nur das Bisonreservat zu bieten. Die Region wird auch als Land der Steinkirchen bezeichnet. Hier kann man die St. Nikolaus Kirche Demsdorf (Densuș) besuchen, die vielleicht älteste in Rumänien (hier zu finden). Hinzu kommt die von Jules Vernes beschriebene Karpatenburg, und es könnte sich dabei um das Castelul Corvinilor, die Burg in Hunedoara handeln. Einen Besucher wert ist auch das Kloster Colţ in Suseni und das Kloster Prislop in der Nähe von Silvașu de Sus.

Natur

Naturliebhabern können wir Wanderungen im Retezatgebirge (rum. Munții Retezat) empfehlen, mit dem 2.509 Meter hohen Peleaga als höchsten Berg. Ein großer Teil des Gebirges, genau 381 km² gehören zum Nationalpark Retezat (Parcul Național Retezat). Dieser wurde 1935 als erster Nationalpark des Landes gegründet. Hier haben Braunbär, Wolf und Luchs, aber auch für kleinere wie Rotfuchs oder Wildkatze eine Heimat. Man kann auch auf Rothirsch, Reh und Wildschwein begegnen und weit oben Gämsen und dem Alpenmurmeltier. 120 verschiedenen Vogelarten gibt es zu entdecken, die Großen unter ihnen sind: Steinadler, Schreiadler, Uhu, Gänsegeier und Mönchsgeier. Unter den Kleinen: Buchfink, Singdrossel, Ohrenlerche und Felsenschwalbe. Und mit etwas Glück kann man beim Bergwandern auch einer Kreuzotter begegnen. Es gibt viele Gletscherseen in den Bergen, die einen Besuch wert sind. So gehören der Lacul Bucara und der Lacul Zanoaga zu den größten und tiefsten Gletscherseen Rumäniens.

Empfehlenswert für alle, die mehr als nur eine kurze Tagestour von zwei bis vier Stunden planen: Papierkarte, Kompass und wer immer genau wissen will, wo er ist, einen Höhenmesser. Für die meisten Touren braucht man 7 bis 12 Stunden, es gibt auch welche für die man 14 bis 16 Stunden benötigt. Von der Region gibt es die topografische Wanderkarte Munții Retezat, Maßstab 1:50.000, erschienen im Dimap Verlag, EAN: 9789630031257 für € 7,95. Besser gleich hier besorgen, denn diese Karten sind vor Ort oft nicht zu bekommen. Natürlich helfen auch Smartphone und Tablet, sollte sich dann aber die entsprechenden Offlinekarten herunterladen und eine ausreichend Energie (Powerbank) dabei haben. Randbemerkung: Eine Papierkarte ist leichter und gibt einen besseren Überblick. Hier die offizielle Webseite des Parks. Auch sollte man nicht davon ausgehen, dass alle in den Karten eingezeichneten Camping Areas eine Infrastruktur haben. Für Unterkunft sorgen auch die Berghütten (Cabanas), die aber im Sommer oft ausgebucht sind. Nützliche Informationen dazu gibt vom Bergverlag Rother als App Rumänien – Südkarpaten für € 9,99, das gleichnamige Buch ist noch nicht erhältlich.

Und sonst:

Paddeln auf der Strei geht auch, das allerdings in Eigeninitiative und mit eigenem Kajak. Bilder davon und aus der Umgebung gibt es von unserer Tour mit dem Ford Tourneo unterwegs in Rumänien Teil 4 und in unserem Beitrag von 2006 „Auf der Spur des Grafen“ u.a. mit Fotos von der Burg in Hunedoara. Auch aus der Region stammt unsere Beiträge „Nachts, wenn der Bär kommt" von 2014 und „Unterwegs im Vâlcan- und Parâng-Gebirge“ aus dem Jahr 2008.

Zurück zur:

Credits:

Fotos @ Herbert Worm