Schule fürs Leben Parents for the orphans in Sambia

Ein Interview mit Friedrich Talmon

Religionslehrer und Schulgründer

Friedrich Talmon engagiert sich ehrenamtlich in Afrika, um das zu den Menschen zu bringen, das die Grundlage jeden Fortschritts und jeder Verbesserung der Lebensumstände der Menschen vor Ort ist: Bildung.

Wie er sich das genau vorstellt, wieso er so viel wagt und was er damit gewinnen will, das verrät er uns in diesem Interview.

Wie kommt ein Berliner Religionslehrer auf die Idee, in Afrika eine Schule zu bauen?

Es ist ein alter Kindheitstraum. Ich war schon früh von einer sehr engagierten Jugendarbeit in meiner damaligen Kirchengemeinde geprägt. Dort fand ich Vorbilder, die uns immer wieder einschärften, wir sollten mit für eine gerechtere und bessere Welt eintreten. Ich empfand es bereits als Grundschulkind himmelschreiend ungerecht, dass Kinder in Afrika dies nicht dürfen, während ich alles hatte: Schule, immer satt sein, Fernsehen, Elternhaus usw...

Als Religionslehrer unternahmen wir als Lerngruppe dann immer Patenschaften für Kinder in Indien und Afrika. Die Schüler waren davon begeistert und hoch motiviert, mit den Patenkindern in Kontakt zu bleiben und über deren Lebensumstände zu lernen.

Doch irgendwann reichte mir das nicht mehr.

Also beschlossen Sie, eine Schule zu bauen. Für dieses Ziel haben Sie sogar einen Verein gegründet. Was würden Sie als das Ziel ihres Vereins bezeichnen?

Das Ziel ist: In jedem Jahr ein Dorf mit Land, Brunnen und Schule zu versorgen. Dies geht mit ca. 10.000€, was mit Spendengeldern möglich ist. Sobald ein Dorf mit vor Vertreibung sicherem Land für Farming, Wasser und Schule versorgt ist, sind die Menschen dort selbstständig und können von ihren eigenen Erträgen leben und die Überschüsse auf dem Markt verkaufen. Was bedeutet, dass sie selbständig verdientes Geld in die Hand bekommen und sich einen bescheidenen Wohlstand und Sicherheit aufbauen können. Wir bleiben aber natürlich durch demokratisch gewählte Vertreter präsent und fördern die Entwicklung der Dorfgemeinschaft hin zu einem von Nächstenliebe und Menschenrechten geprägten Miteinander.

Sie bereisten viele afrikanische Länder. Uganda, Tansania, Sambia, Kenia. Warum soll die Schule nun in Sambia entstehen?

Meine große Liebe fand ich in Sambia, dort ist seitdem meine zweite Heimat und ich liebe auch dieses Land! Meine Frau Elizabeth kennt die Gepflogenheiten des Landes, sie weiß mit ihren Schwestern und Brüdern, ihren Landsleuten, umzugehen und ist als Einheimische berechtigt, Land zu landesüblichen Konditionen und mit Rechtsgültigkeit zu erwerben, was für den Verein entscheidend ist. Sie genießt im Chongwe-District, unserem Einzugsgebiet, einen hervor-ragenden Ruf und wird selbst von Clanführern und den weisen Frauen respektiert und von vielen Menschen durch ihre tiefe Gläubigkeit und der praktizierten Nächstenliebe geliebt.

Ein weiterer Grund ist der sogenannte "Titel", vergleichbar mit unserem Grundbuchauszug in Deutschland. Wer diesen Titel hat, kann damit das Eigentum an Land beweisen und ist bei wichtigen Regierungsstellen registriert.

Schließlich ist Sambia ein religiös spannungsfreies Land, denn es sind fast alle ausschließlich Christen. Die Elemente der Naturreligionen sind faktisch ideal in den christlichen Glauben integriert. Es gibt also keine religiös motivierten Unruhen und das Land hatte seit seiner Unabhängigkeit im Gegensatz zu anderen afrikanischen Staaten noch nie einen Krieg.

Das Wagnis, in einem instabilen Land Projekte zu starten, halte ich zum jetzigen Zeitpunkt für zu riskant, denn kein Spender möchte sehen, dass seine Schule in Flammen aufgeht und Soldaten die Felder verwüsten.

Der Weg war bisher nicht einfach. Was würden Sie als ihre größte Herausforderung bezeichnen?

Als wir vor zwei Jahren den Verein gründeten, winkten viele ab, weil viele Menschen denken, in Afrika sei ohnehin alles verloren und alle Spendengelder seien dem Untergang geweiht. Wir aber haben mittlerweile viele davon überzeugen können, dass es geht, denn die Menschen vor Ort sind hoch motiviert und es ist möglich, mit verhältnismäßig wenig finanziellen Mitteln Land zu erwerben und die Infrastruktur für eine Schule zu errichten.

Die Probleme als Europäer Land zu erwerben und die kleinen Handwerksbetriebe zu beauftragen, sind durch unsere einheimischen Mitglieder gelöst, denn es ist fast unmöglich, als Weißer Land zu kaufen.

Eine weitere, schier unerträgliche Herausforderung ist die Auswahl, welche Kinder wir zuerst aufnehmen und retten und welche warten müssen. An dieser Stelle werde ich von den Einheimischen entlastet, da nur sie es beurteilen können, wo die Not am größten ist. Ich muss erst mal damit leben, dass es Kinder geben wird, die nicht sofort einen Platz bei uns finden und vertraue unseren sambianischen Schwestern und Brüder, dass sie es wenigstens so organisieren können, dass diese Menschen Zugang zum Brunnen und zu Nahrung auf unseren Grundstücken finden. Hier hilft mir sehr das Gebet, möge Gott uns hier vor Fehleinschätzungen und Unglück bewahren.

Der Plan steht also und es geht voran. Was steht als Nächstes an?

Nach dem erfolgreichen Landkauf bereiten wir gemeinsam mit den Einheiimischen vor Ort aus Deutschland den Schul- und Brunnenbau vor. Da es in Lusaka Mobilfunknetze gibt, ist es möglich mit den Bautrupps, den Brunnenbauern und den Verwandten der Kinder sowie allen anderen über die Distanz hinweg zu kommunizieren. Bilder zeigen uns den tatsächlichen Fortschritt. Im Oktober sind wir persönlich vor Ort, um die Arbeiten möglichst abschließen zu können. Dann können die Menschen kommen! Selbstverständlich finanzieren wir unsere Flüge und Lebens-haltungskosten aus privaten Mitteln, denn der Grundsatz JEDER EURO KOMMT DORT AN, WO ER HINGEHÖRT: NÄMLICH BEI DEN MENSCHEN ist nicht diskutierbar.

Zu guterletzt: Wo sehen Sie Ihr Projekt in drei Jahren?

Jedes Jahr ein Dorf, also drei versorgte Dörfer. Da wir Signale von Stammesführern haben, dass wir künftig Land noch preiswerter als bisher erwerben können, wenn wir den Stämmen das Überleben sichern, dann werden es noch mehr sein.

Und bevor die ersten Kinder unsere Schulen mit Abschlüssen verlassen, wird es eine große Farm geben, in der Lebensmittel produziert werden und Arbeitsplätze entstehen, denn Kritiker haben uns in einer teilweise zynischen Art vorgeworfen, dass die Kinder eben dann etwas später doch noch verhungern, wenn sie als junge Erwachsene möglicherweise perspektivlos aus der Schule kommen. Auf dieser Farm können dann alle unsere Absolventen mit sozialer Absicherung arbeiten, die nicht sofort einen Ausbildungsplatz oder eine Arbeit finden und ihr eigenes Geld verdienen. Diese Farm wird es sicher geben, da meine Familie diese aus privaten Mitteln finanzieren wird und hier wird der Grundsatz gelten: Alle Gewinne werden wieder in die nächste Farm investiert und/oder an die Mitarbeitenden als faire und menschenwürdige Gehälter ausbezahlt. Denn wir selbst sind in Deutschland so gut abgesichert und haben ein so gutes Leben, dass wir darauf nicht angewiesen sind und wir als Christen mit anderen teilen.

Wir sind bereits auf Landsuche für die Farm und prüfen die ersten Angebote...

Vielen Dank für dieses Interview.

Im Folgenden finden Sie alle wichtigen Links rund um das Projekt:

Dieses Projekt wird unterstützt durch Evangelisch-Bildungsstark.

Das Interview führte: Maria Schucklies

Ihre Ansprechpartnerin für Evangelisch-Bildungsstark.

Credits:

Created with images by Henning Supertramp - "Victoria Falls Bridge"

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