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Wo die Bären schlummern und die Elfen tanzen Ein poetischer Aare-Spaziergang

Der Spaziergang an der Aare gehört zum Berner Lebensgefühl. Im Sommer tummeln sich die Menschen am grünen Fluss. Ein poetischer Spaziergang vom Berner Bärenpark bis zum Naturschutzgebiet der Elfenau, wo nicht nur eine russische Grossfürstin, sondern auch Paul Klee Inspiration fand.

Text und Fotos: Susanne Grädel

Schon die Mundartband Stiller Has sang von ihr – der Aare. «Gang doch chli der Aare naa, lue wie d Velöle velöle mit irne Velo / Der schöne grüene Aare naa.» Als plätschernde Muse windet sich der grüne Fluss durch die Stadt. Und auch ich verfalle ihr immer wieder, dieser Muse. Wie auch heute, einem warmen Tag, an dem die Vögel singen und der Wind in den Bäumen rauscht.

Foto: Lichtspiele in der Aare.

Die Aare schlängelt sich durch die Altstadt in Bern. Im Hintergrund das Berner Münster.

Ich beginne da, wo die Bären schlummern und sich die Menschen, Touristen wie Einheimische, an den braunen Fellnasen erfreuen – im Bärenpark am Ende der Altstadt. Von dort führt mein Weg flussaufwärts, vorbei an alten Bäumen, welche hin und wieder einen scheuen Blick auf die ruhende Altstadt gewähren. Durch den Schatten wandere ich und lande da, wo das Wasser wild wird – bei der Schleuse beim Restaurant Schwellenmätteli. Das Mattequartier liegt auf der anderen Seite des Flusses.

Die Aare mal flüsternd...
... mal tosend
und laut.

Mein Weg führt unter der Kirchenfeldbrücke hindurch, der Fluss zieht hier ruhig an mir vorbei. Ich erreiche den Ort, wo die Menschen weilen und sich in bernischer Manier eine Pause unter den Bäumen gönnen, während das grüne Wasser im Sonnenschein glitzert. Hier ist im Sommer kaum ein leeres Fleckchen zu finden. Enten und Schwäne begegnen mir auf meinem Spaziergang flussaufwärts.

Leichtigkeit als Berner Lebensgefühl.

Weiter geht’s zum Tierpark, in dem Flamingos, Wildschweine und Steinböcke zu Hause sind. Mein Blick schweift durch dichte Büsche über den Fluss, und ich erblicke das Eichholz – eine grosse Wiese mit einem kleinen Strand. Erinnerungen werden in mir entfacht – von langen Sommernächten und nie ausgehendem Feuer. Das Leben kann so leicht sein, hier an der Aare.

Das Eichholz in Bern.

Der Weg der Aare entlang wird nun eng und schattig. Links über mir thront der Wald. Der enge Weg endet in der Auenlandschaft der Elfenau, dort, wo die Aare ihre Kurve in die Gürbemündung zieht. Diese hat auch Paul Klee 1910 in einer Skizze verewigt. Hier sind die Elfen zu Hause – im Schilf, in den Wassertümpeln und auf den hügeligen Wiesen tanzen sie nachts. Die russische Grossfürstin Anna Feodorowna gab der Gegend 1816 ihren magischen Namen. Ich kann nur erahnen, was die Grossfürstin dazu bewegte, diese Landschaft den Elfen zu widmen – dichte Bäume, die bis in den Himmel ragen, die Stille der Natur inmitten der Stadt, verwinkelte Wege vorbei an ruhendem Gewässer und flüsternden Büschen erstrecken sich vor mir. Das Rauschen der Aare als ständiger Begleiter durch das Naturschutzgebiet, in dem die Vogelgesänge vielfältig und die Pflanzen wild sind.

Foto: Der Weg zu den Elfen.

Kurz vor der Gürbemündung in der Elfenau in Bern.
Alte, knorrige Bäume in der lieblichen Elfenau.
Viele Wege schlängeln sich durch die dichte Natur der Elfenau.
In der Auenlandschaft, zwischen Schilf und ruhenden Wassertümpeln, tanzen die Elfen.
Die Elfenau als ruhiger Ort der Erholung. Das Wasser rauscht meditativ.

Die Heuschrecken zirpen, während ich dem Weg den Hügel hinauf folge, zurück in die Stadt. Die dichten Bäume verschwinden langsam, wie grüne Wolken. Eine sanfte Landschaft wie auf einem Gemälde erstreckt sich hinter mir – in meiner Fantasie untermalt ein klassisches Orchester die Szenerie. Das Rauschen der grünen Aare bleibt noch eine Zeit lang in meinen Ohren hängen. Mal flüsternd, mal tosend.

Bäume wie grüne Wolken in der Elfenau in Bern.

Impressum: Konzept, Text, Fotos, Produktion: Susanne Grädel

Fachcoaches: Iwon Blum, Simone Gloor – Gesamtverantwortung: Robert Hansen, Chefredaktion – redaktion@derarbeitsmarkt.ch – www.derarbeitsmarkt.ch