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Michi kann nicht alles Michael Dufner

Endlich! Mein neuer Laubbläser ist gekommen. «Nie wieder mit dem Besen Laub zusammenfegen, nie wieder bücken und Laub in den Eimer ‹schüfele›!», denke ich, als ich das grosse Paket auspacke. Doch, oh Schreck! Was? Den muss ich noch zusammenbauen? Wie mühsam! Na gut, so schwierig scheint es nicht zu sein, auf alle Fälle nicht so kompliziert, dass ich dafür eine Gebrauchsanweisung benötigen würde.

Voller Tatendrang setze ich das Ding zusammen – zumindest versuche ich es, denn irgendetwas klappt nicht. Da fehlt doch ein Teil! Doppelt ärgerlich. Nach gefühlten drei Stunden werfe ich dann doch einen Blick in die Gebrauchsanweisung. Ahhh… logisch! Wer hätte das gedacht! Dieses eine kleine Ding mit einer so grossen Wirkung!

Was bei meinem Laubbläser letzten Herbst aktuell war, ist in meinem Leben leider oft ein Muster. Ich versuche es einfach mal, ohne vorher in der Anleitung, in der Bibel zu suchen, zu lesen und mich auszustrecken nach dem, was Jesus denkt. So habe ich das Gefühl zu wissen, wie meine Ehe funktioniert, zu wissen, was meine Kinder brauchen, was die beste Strategie bei der Arbeit ist. Obwohl ich es oft predige, obwohl ich es theoretisch weiss, dass wir genau diese göttliche Gebrauchsanweisung benötigen, ist (zumindest bei mir) die Praxis oft von Anderem geprägt als von göttlicher Führung … WIESO eigentlich? Wieso fällt es mir schwer Hilfe anzunehmen, mich hilfsbedürftig zu zeigen, froh zu sein, wenn mich andere korrigieren?

Nun, – und ich rede hier nur für mich – mir ist etwas Spannendes aufgefallen: Ich bin so auf das NEGATIVE fokussiert. Wenn ich die vier Rechnungen anschaue (siehe unten), dann sehe ich sofort, dass die dritte nicht stimmt. Aber mich darauf zu fokussieren, dass drei von vier Rechnungen richtig sind, fällt mir schwer.

So auch bei meinen Kindern: Ich sehe, was noch nicht ist, was noch werden müsste. Ich sehe das Defizit, statt das Gute und Geniale. Und deshalb wende ich das automatisch auch bei mir an. Fehler sind schlecht. Rat-SCHLÄGE tun weh, wenn ich sie mit der negativen Brille betrachte.

Doch wenn ich es anders lerne? Wenn ich beachte, dass Jesus mich von genau diesem Blick freigesprochen hat, dass das Schlechte, die Fehler, die Verfehlungen, die Süchte und Ängste keine Kraft mehr haben? Dann muss ich das nicht bekämpfen, sondern darf das Gute, das Schöne, das Perfekte sehen. Und so kann ich lernen mit geistlichen, ja göttlichen Waffen das Falsche zu besiegen. Nicht, indem ich es ausblende, mich zurückziehe und mich geschlagen gebe, sondern indem ich das Gute mehr schätze, das Richtige feiere und indem ich mich an dem freue, was wirklich zählt. Denn Jesus ist für meine Fehler gestorben. So sehr liebt er mich. Also muss ich mich nicht länger von den Fehlern lenken lassen, sondern von dem Guten, das Er in meinem Leben tun und wirken möchte.

Ich weiss, dass ich Anleitung benötige. Bevor ich etwas zusammensetze, frage ich. Bevor ich etwas plane, strecke ich mich nach Hilfe aus.

Wenn ich mich entmutigt, erschöpft oder verletzt fühle, dann hole ich mir Hilfe. Für mich sind das die geistlichen Wachstumsfaktoren. Denn letztendlich ist es genau das, was uns von allen anderen Menschen unterscheidet: Wir haben Jesus, der uns liebt und annimmt, wie wir sind. Blöd, wenn wir also allen vorgaukeln, dass wir ohne Hilfe durchs Leben kommen – denn dann wird die Kraft von Jesus ja gar nicht sichtbar! Und ehrlich: Wenn ich Josef aus der Bibel betrachte, dann hätte er an vielen Stellen aufgeben müssen. So viel Schlechtes, Ungerechtes, Unverschuldetes musste er erleben! Der Bäcker und der Mundschenk, aber auch Potifar und sogar König Pharao mussten dies schliesslich anerkennen. Sie hatten Gottes Gegenwart im Leben von Josef gesehen und erlebt.

Und ja, das möchte ich auch. Ich möchte Gottes Liebe, sein Licht und seine Hoffnung in diese Welt hineintragen. Nicht weil ich alles kann, sondern indem ich ehrlich bin, was meine Schwachheiten betrifft. Ich lasse mich nicht von ihnen steuern.

Michael Dufner michael.dufner@ feg.ch