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Barocke Deckenmalerei Förderzeitraum: 2008/09

Die Martin-Luther-Kirche in Sottrum/Ldkr. Hildesheim:

Zur Restaurierung der barocken Deckenmalerei

Die Martin-Luther-Kirche in Sottrum

Eine lange Baugeschichte

In ihrer äußeren Gestalt ist die aus Bruchsteinen erbaute Kirche in Sottrum eine der wenigen hochmittelalterlichen Bauwerke, die die große Erneuerungswelle des 18. und 19. Jahrhunderts überdauert hat, als im südlichen Niedersachsen zahlreiche Dorfkirchen neu erbaut oder erweitert wurden. Ein gemalter Fries überlebensgroßer Heiligenfiguren unter Wimpergen, die sich im Innern unter jüngeren Tüncheschichten erhalten haben, lässt darauf schließen, dass das schlichte rechteckige Langhaus aus frühgotischer Zeit stammt.

Das im Dreißigjährigen Krieg zerstörte Gewölbe ersetzte man in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts durch eine Bretterdecke mit Voute.

Den wuchtigen Turm überdeckt ein quergelegtes Satteldach, dessen Giebel die Dachfläche überragen. Wie andere sächsische Westriegel besitzt er im unteren Teil weder Tür noch Fenster, lediglich schießschartenartige Lichtschlitze. Erst unter dem Hauptgesims sind auf jeder Seite Schallöffnungen angeordnet, die auf der Westseite als zwei gekuppelte romanische Rundbogen mit einem Mittelpfosten ausgebildet sind. Sie legen eine Entstehung im 11. bzw. 12. Jahrhundert nahe. Die Kirche gehörte bis 1542 zum Kloster Derneburg, danach wurde sie lutherisch.

Die barocke Austattung

Wesentliche, den Bau heute prägende Veränderungen erfolgten im 18. Jahrhundert. Die vermutlich kleineren mittelalterlichen Rundbogenfenster wurden außen rechteckig, im Innern segmentbogig erweitert, gleichzeitig der Zugang auf der Südseite in eine neue Form gebracht. Die Einrichtung wurde schrittweise neu geschaffen: 1718 das Altarpult, 1745 der Kanzelaltar und 1749 der Taufengel, beide aus der Werkstatt des Hildesheimer Bildschnitzers Ernst Dietrich Bartels (1679—1762), schließlich 1787 der Kronleuchter.

Das im Dreißigjährigen Krieg zerstörte Gewölbe ersetzte man in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts durch eine Bretterdecke mit Voute. Ihre barocke Bemalung gestaltet sie zu einem Himmelsbild: Auf hellgrauem Grund zeigt sie einen rechteckigen Deckenspiegel, der von kraftvollen ockergelben Rocailleornamenten und blauen Wolkengebilden eingefasst wird; in seinem Zentrum in hebräischer Schrift das Wort „Jahwe“, von einem Wolkenkreis und Strahlenkranz umgeben.

Die beiden Stirnseiten nehmen Bezug auf die dort stehenden Primärstücke der Ausstattung: der Altar wird durch eine wandhohe blaue Vorhangdraperie hinterfangen, die Orgel, die mit ihrem Klang „die Herzen mächtig zu Gott und zum Himmel emporzuheben vermag“, durch schwebende Posaunenengel.

Schäden am Dachstuhl

2008 zeigten sich am Bau so gravierende Schäden, dass das Amt für Bau- und Kunstpflege Hildesheim der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers eine grundlegende Sanierung einleiten musste: Der Dachstuhl war durch ältere Wasserschäden und starken Anobienbefall völlig marode. Einige Querbalken lagen schon nicht mehr auf den Außenmauern auf, bei anderen war kaum noch gesunde Holzsubstanz vorhanden. 12 Balken mussten vollständig erneuert werden.

Um den Dachstuhl bearbeiten zu können, musste das teilweise undichte Kirchendach abgedeckt und die bemalte Bretterdecke abgenommen werden, da sie unmittelbar unter die Dachbalken genagelt war. Die Ausstattung der Kirche wurde, soweit als möglich, ausgebaut, Orgel und Altarwand staubdicht verpackt.

Auf Fotos ist der Vorzustand mit den Überarbeitungen von Ebeling erkennbar, wobei die Deckenbretter über dem Altar starke Wasserschäden zeigen.

Von Mai 2008 bis August 2009 dauerte die Sanierung des Dachstuhls mit der Erneuerung des Daches sowie die parallel durchgeführte Restaurierung der barocken Holzdecke mit ihrer Bemalung.

Eine problematische Restaurierungsgeschichte

1925 erfolgte laut Inschrift an einem Deckenbalken eine Instandsetzung der Deckenmalerei durch Reinhold Ebeling, einem Schüler von Prof. Hermann Schapers in Hannover und zu seiner Zeit einem der meist beschäftigten Kirchenmaler in Niedersachsen. „Instandgesetzt“ bedeutet vermutlich restauriert und teilweise übermalt, aber nicht neu gemalt.

Um 1961 wurde die Kirche renoviert, in diesem Zusammenhang auch die Deckenmalerei überarbeitet. Auf Fotos ist der Vorzustand mit den Überarbeitungen von Ebeling erkennbar, wobei die Deckenbretter über dem Altar starke Wasserschäden zeigen. Die von Kirchenmaler Heinz Nauwald, Schoningen, anschließend durchgeführten Maßnahmen sind zwar nicht schriftlich dokumentiert. Sie sind aber nur zu deutlich an den Kratzspuren in der Mal- und Holzoberfläche ablesbar, die auf den Einsatz von Drahtbürsten zur Vorbereitung der anschließenden vollständigen Übermalung der Decke mit Leimfarbe mit hohem Dispersionszusatz schließen lassen.

Die Restaurierung der Deckenmalerei

Große Probleme bereitete die möglichst schonende Abnahme der Deckenbretter. Um eine Beschädigung der bemalten Holzoberflächen zu vermeiden, wurden die handgeschmiedeten Nägel zwischen Balken und Unterseite der Bretter abgesägt. Die Sicherung und Festigung der Malereien erfolgte durch Japanpapier mit Methylcellulose (Celluloseleim). Die Holzsubstanz war durch starken Anobienbefall so geschwächt, dass sie mit Paraloid B72, gelöst in Aceton, aufwändig stabilisiert werden mußte.

In der Restaurierungswerkstatt wurde die Überfassung der Malereien aus dem Jahre 1925 sorgfältig abgenommen, ebenso die großflächig abblätternde Überarbeitung aus den sechziger Jahren, bei der die Malschichten vorbereitend rigoros mit Drahtbürsten bearbeitet worden waren. Kittungen erfolgten mit einer Mischung aus Holzmehl und tierischem Leim.

Nach der statischen Sanierung des Dachstuhls wurde eine neue Deckenkonstruktion mit Lehmfüllungen ausgeführt, die in Zukunft als klimatischer Puffer über der Holzdecke liegt. Zur Kontrolle der Brettrückseiten wurden in regelmäßigen Abständen Klappen eingebaut.

Der komplizierte Wiedereinbau der Voutendecke gelang mit großer Paßgenauigkeit. Die alten Befestigungslöcher wurden für Edelstahl-Torxschrauben genutzt, die Schraubenköpfe gekittet und retuschiert. Um die originale Einbauweise und den vorgefundenen Zustand zu zeigen, wurden drei Bretter über der Empore mit den ursprünglichen handgeschmiedeten Nägeln fixiert und ohne Retusche belassen.

Durch eine zurückhaltende Ergänzung der Fehlstellen konnte ein befriedigendes Erscheinungsbild der Deckenmalerei erreicht werden: Die hellen Hintergründe wurden mittels farbiger Lasuren in Leimfarbtechnik beruhigt, schlechter erhaltene Bereiche mit Retuschen geschlossen.

Im Ergebnis zeigt sich der Raum wieder in seiner aus dem 18. Jahrhundert datierenden Erscheinung, in der das große Deckenbild dem Besucher der Kirche ganz im Sinne barocker Illusionierung den direkten Blick in den Himmel öffnet.

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