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Australien Flying Down under

0. Vorbereitung

Jahrelang hatten wir uns vorgenommen, unseren alten Fliegerfreund Dieter Horstmann in Ostaustralien zu besuchen, der dorthin 1987 ausgewandert und mit einer Australierin verheiratet ist…doch jahrelang hatten wir einen Riesenrespekt vor dem schier endlosen Flug. Dieses Jahr aber haben wir uns überwunden, eine schnelle und komfortable Lösung gesucht - und gefunden.

Viele haben uns gefragt, ob wir mit unserer Cessna 172 RG "Cutlass" dahinfliegen... hier die (hypothetische) Grob-Planung für den Trip nach Brisbane

mit der Cessna von Hildesheim nach Brisbane (Plan)

w e n n das Routing genehmigungsfähig wäre, die Diplomatie, das Wetter und die Technik mitspielten, wären es mit unserer Cessna (einfache Strecke !!)

• ca. 10.000 nautische Meilen (18.500 km),

• ca. 80 Std. Flugzeit (ohne Wind),

• 20 Zwischenlandungen in 15 Staaten

• Hunderte von Meilen über Wasser (einmotorig)

• ca. 15.000 € reine Flugkosten, d.h.

• o h n e Landegebühren,

• o h n e Übernachtungen,

• o h n e Verpflegung,

• o h n e Schmiergelder usw.

• sowie m i t jeder Menge S t r e s s ,

• und dann muß man noch zurück !!!

aus dem Alter sind wir raus. Sorry. Unsere Lösung daher (siehe Kapitel 1.)

Natürlich (!) wollten wir i n Australien auch selber fliegen. Das macht in diesem Riesenland mit relativ rudimentärer Infrastruktur auch mächtig Sinn. Kaum Eisenbahnen, und wenn dann langsam wie bei uns die Bummelzüge. Autobahnen (Motorways ) verbinden oft nur die großen Städte an den Küsten, in denen rund die Hälfte der 25 Mio. Australier lebt. Der „kleine Rest“ ist fast unbewohnt und erstreckt sich gerne mal über ein paar tausend Kilometer „Outback“ eben. Aber wir haben gelernt, daß selbst das kleinste Kaff einen Regionalflughafen (s.u.) hat, der es mit den Metropolen mehrmals täglich verbindet.

Außerdem dienen diese den Flying Doctors, die mit ihren King Airs und Pilatus PC 12 die medizinische Versorgung auch im Outback sicherstellen. Ansonsten gibt’s noch die Greyhound-Busse, die kreuz und quer durch’s ganze Land fahren. Haben wir auch genutzt, Komfort geht aber anders. Und natürlich das Auto. Australien ist das Land der Allrad-Pick-ups. Komfort: siehe oben, und für 400 km „Landstrasse“ im Outback braucht man dann gerne schon mal einen Tag. Nix für uns. Also fliegen.

Ich habe bis dato die deutschen Luftfahrtbehörden für lahmarschig, faul, hinterhältig und teuer gehalten… seit ich die australische Behörde CASA kenne, weiß ich, daß unsere Behörden zu den flinken, fleissigen, kundenfreundlichen und preiswerten gehören ! 3 Monate vor Reisebeginn habe ich in Australien einen Antrag gestellt, meinen deutschen Pilotenschein zu validieren. Das geht zunächst recht einfach im Internet, ist für 3 Monate gültig und kostet 150 AU$ (100 €). Beigefügt werden muß

• Reisepass

• 2 aktuelle Passbilder

• PPL (A)

• Medical

• Funksprechzeugnis mit Nachweis English Language Proficiency

• Flugbuch als Nachweis für geflogene Muster und Stunden

Und das alles bitte beglaubigt ! Das geht entweder bei

• einer australischen Luftfahrtbehörde (??!),

• einem australischen Medical-Center (ein einziges in Hamburg),

• oder der australischen Botschaft (in Berlin), doch – oh Wunder – es geht auch

• bei einem (deutschen) Notar !

Also alle Papiere mit einem präzise vorgeschriebenen engl. Wortlaut versehen, beglaubigen lassen und per Luftpost nach Canberra geschickt. Fertig….

d e n k s t e ! Nach 2 Wochen dort mal nachgefragt: habt Ihr alles erhalten ? Antwort: Nein. Gar nix. Wir haben Ihre Akte daher wieder geschlossen (!), da Sie die Frist (?) von 14 Tagen überschritten haben. Aber die 150 $ buchen wir trotzdem ab...

Dieter Horstmann, der auch in Australien fliegt, gab uns den Tip, es doch mal bei der Regionalbehörde in Brisbane zu versuchen, wo wir ja auch als erstes landen würden, dort dann persönlich aufzuschlagen und die Originale vorzulegen. Gesagt, getan und alle (beglaubigten) Dokumente in Kopie (!) drangehängt.

Wenige Stunden später erhalten wir von dort im CC eine e-mail an die Zentrale in Canberra, was denn den lieben Kollegen an meinem Antrag nicht gefiele ? Es sei doch alles prima ! 1 Stunde später (Zeitverschiebung zwischen Brisbane und Canberra !) kommt von dort die Antwort: es sei alles angekommen (???) und man werde den Antrag umgehend bearbeiten. Ein Assessor werde sich persönlich um den Vorgang kümmern. Ich habe übrigens nie wieder etwas von ihm gehört.

Wer glaubt, der Drops sei jetzt gelutscht – weit gefehlt ! O h n e eine Sicherheits-Überprüfung (ASIC), so etwas wie bei uns die bekloppte ZÜP, geht gar nix. Also noch einmal das Ganze für den ASIC-Ausweis, der übrigens ständig zu tragen ist:

• Reisepass

• 2 Passbilder

• ein qualifiziertes (?) Visum

• einen Führerschein - da steht aber bei uns keine Anschrift drauf, also noch

• einen Personalausweis (den haben die Aussies nicht)

• eine Geburtsurkunde

• eine Heiratsurkunde (??)

das Ganze natürlich (!) wieder beglaubigt und sowohl in Papier per Luftpost/ Einschreiben als auch als Scan per e-mail hingeschickt. Man lernt ja dazu: nach einer Woche mal nachgefragt, ob jetzt alles schön/vollständig sei ? Natürlich n i c h t ! Das Visum (ETA), das die Airline für einen ausstellt, sei nicht qualifiziert genug für ein ASIC. Ahaaa! Sagt einem aber keiner ! Also im Internet ein mehrseitiges Formular ausfüllen, um just so ein qualifiziertes Visum zu beantragen - und übrigens: bevor die ASIC nicht erteilt ist, gibt’s auch keinen PPL. Ätsch ! Die ASIC-Nummer kostet übrigens noch einmal kleine 260 AU$ (175 €). Alles zusammen also 375 € - ohne Notarkosten... Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Der australische Pilotenschein wird wenige Tage vor unserer Reise an die Adresse von Dieter geschickt – und ist dort auch angekommen !!! Den ASIC-Ausweis muß ich persönlich auf dem nächstgelegenen Regional Airport in Ballina (YBNA, ca. 50 km) abholen und dort die Original-Dokumente vorlegen. Wer reist sonst mit seiner Heirats-Urkunde um die halbe Welt ?

links: Australischer Pilotenschein und Sicherheitsausweis (rechts)

1. Anreise Mit der Deutschen Bahn per ICE 1. Klasse nach Frankfurt (im Flugticket enthalten). Unsere erste Wahl war Emirates mit Airbus 380 über Dubai nach Brisbane/QLD an der Ostküste Australiens. Das waren die Schnellsten, die Preiswertesten - und die Luxuriösesten...

Airbus A 380 in FRA

Die reine Flugzeit beträgt 21 Stunden. Da war mal Business-Class angesagt. Das öffnete einem nicht nur die VIP-Lounges mit märchenhafter Versorgung bis hin zu picobello Duschen, sondern auch einen kurzen und direkten Zugang zum Flieger und vor allem ein Sitz im Flieger, der auf Knopfdruck zum Bett wird, in dem man sehr, sehr ordentlich schlafen kann. Es gibt sogar eine Bar (!) dort im Upper Deck. Alles ziemlich dekadent, aber saubequem. Die ganze Nacht über (6 ½ Stunden) bis Dubai, dort 4 Stunden Luxus in der VIP-Lounge, dann über den Indischen Ozean, quer über Australien hinweg nach Brisbane geflogen.

unser Flug

3 topaktuelle Filme, 3 Menüs, zahlreiche Getränke, 6 Stunden Schlaf und 14 Stunden später morgens um 6:00 Ortszeit in Brisbane aufgeschlagen. Trotz allem Luxus kaputt wie Hund. Wir sind außerordentlich dankbar, daß Dieter uns dort abholt. In dem übermüdeten Zustand wäre ich mit dem Auto schon im ersten Kreisverkehr gescheitert. Linksverkehr ist nur etwas für Wache…

2. Byron Bay Dieses Städtchen (9.000 Einw.) 180 km südlich von Brisbane ist wirklich etwas Besonderes: http://www.in-australien.com/byron-bay_1037225. Dieter wohnt dort direkt zwischen dem Pazifik und der M 1, dem Pacific Motorway auf seinem „kleinen“ EcoPark-Grundstück (ca. 750.000 m²) mit "eigenem", d.h. angrenzenden Flugplatz (Tyagarah YTYH) mit ca. 1.000 m Graslandebahn und regem Verkehr durch die Sky Dive Caravan. Er besitzt dort 4 Hangars, in denen auch seine beiden Flieger stehen: die einzige RF4 Fournier und das einzige C 42 UL Australiens. (beide zu verkaufen).Obwohl ein sehr erfolgreicher und sehr leidenschaftlicher Segelflieger, besitzt er heute kein Segelflugzeug mehr.

Tyagarah Airfield YTYH (oben rechts: Byron Bay) Quelle: Web

Hier ein Appetizer zu seinem Projekt und seiner Stadt: www.ByronECOpark.com er plant dort u.a. eine Wasserstoff-Herstellung auf der Rennbahn (Mitte) und Umsetzung in Brennstoffzellen-Betrieb für ÖPNV und Autos sowie für Kleinflugzeuge. S e h r interessant ! Die Landschaft und die Natur sind einfach überwältigend, das Klima auch: Anfang November ist hier „down under“ Frühsommer mit 22 – 27° Celsius. Und damit die Natur auch immer schön grünt und blüht, regnet es fast jeden Tag ausgiebig (Gott sei Dank meist nachts).

Wir wohnen in seinem großen Haupthaus, das wie alle australischen Häuser eine umlaufende Veranda und ein Blechdach hat, und hören den Regen nachdrücklich trommeln. Die Regenfälle erscheinen fast tropisch. An einem Tag war das Unwetter so heftig, daß wir Sorge hatten, mit dem Auto überhaupt wieder nach Hause zu kommen. Die Straßen standen knöcheltief unter Wasser (das Auto auch !) und der Hagel lag 5 cm hoch. Aber kurz darauf schien wieder die australische Sonne und es wurde wieder warm in der Waschküche…

Dieter sein klein Häuschen (1/10)

Wir haben ein paar Tage gebraucht, den Jet Lag zu überwinden, uns zu akklimatisieren und haben diverse Ausflüge in die Umgebung gemacht, im Wesentlichen innerhalb eines ehemaligen Vulkankraters von ca. 150 km Durchmesser, der diese grandiose Landschaft prägt. Und natürlich waren wir auch am Leuchtturm auf Cape Byron, dem östlichsten Punkt Australiens.

Cape Byron Lighthouse (Luftbild)
Cape Byron Lighthouse (Bodenbild durch Leuchtturmwärter)

Und wir haben ein paar Tage gebraucht, um den Schreck zu überwinden, als wir nach einem feuchtfröhlichen Abend in’s Bett gingen, schlängelte eine 25 cm kleine Schlange über den Fußboden. Schwarz mit rotem Bauch. Wir haben versucht, sie aus der offenen Verandatür zu drängen, bevor sie unter unser Bett kriechen konnte. Das hat nicht wirklich funktioniert: sie verschwand wieselflink in einer 10 mm-Ritze zwischen Türrahmen und Teppichboden. Am nächsten Morgen haben wir Dieter davon berichtet:

Red Belly Black

Oh ! Das war eine „Red Belly Black“ (rotbäuchige Schwarzotter), eine der giftigsten Schlangen Australiens. Wenn sie dich beißt, hast du noch 30 Minuten… und die Kleinen sind genauso giftig wie die Großen ! Die nächtlichen Gänge zur Toilette waren ab sofort etwas spannender. Nach einer Woche haben wir noch Dieters Geburtstag gefeiert

Spielzeug für den großen Jungen

und uns dann auf den Weg nach Caloundra gemacht, um dort unseren Flieger zu übernehmen – natürlich eine Cessna 172 RG Cutlass – was denn sonst ?

3. Caloundra (YCDR) ist ein mondäner Badeort mit ca. 60.000 Einwohnern 90 km nördlich von Brisbane. Tolle Hotels, traumhafte Strände - die in Australien übrigens immer ö f f e n t l i c h sind – und einem kleinen Flugplatz mit 2 sich kreuzenden Asphaltbahnen (700 u. 800 m) und einer ganzen Handvoll Flugschulen – und das Ganze funktioniert o h n e Tower, nur mit einer (automatischen) CTAF- Funkfrequenz reibungslos. Thomas Schüttoff von der niedersächsischen Landesluftfahrtbehörde würde (mindestens !) einen Herzkasper kriegen… Nach drei Platzrunden und einer Einweisung in den benachbarten internationalen Flughafen „Sunshine Coast“ (YBSU) mit 90.000 Flugbewegungen und 1 Mio Passagieren/Jahr einer der emsigen im Lande, bekomme ich meine Freigabe sowohl für den Flieger (!) als auch für meinen australischen Pilotenschein. die Fliegerei in Australien ähnelt der in den USA sehr - ist nur v i e l entspannter

Caloundra YCDR (Luftbild)

Äußerst hilfreich bei der Fliegerei Down Under ist das (australische) Programm www.ozrunways.com. Dank an Gero Gringmuth für diesen tollen Tip, der es in seiner Flugzeit in Australien kennen- und schätzen-gelernt hat. Ich muß sagen, es ist das (fast) perfekte und allumfassende Tool, wie es in Europa m.W. bis heute noch keins gibt.

OZ-Runways (direct Caloundra)

Sehr hilfreich ist in diesem Zusammenhang auch eine ALDI-Telefonkarte. Wir haben eine für 15 AU$ = 10 € erworben. Die hat uns treue Dienste geleistet – und am Ende waren noch 3,80 $ drauf. Sie war - u.a. - sehr hilfreich bei der Hotelsuche. In Caloundra haben wir erst im 15. Hotel ein freies Zimmer gefunden. Von da ab haben wir immer mindestens einen Tag im voraus reserviert. Am nächsten Morgen soll es also losgehen. Zunächst nach

auf 200 km Küste kein Mensch

4. Bundaberg (YBUD),

eine Stadt mit ca. 50.000 Einwohnern ca. 300 km nördlich an der Küste, und 3 (drei) Sehenswürdigkeiten:

1. eine berühmte Rum-Destille

2. einen der größten Schlachthöfe des Landes („Beef Capital“) sowie last but not least

3. den Jabiru-Flugzeugwerken , die wir auch besichtigt haben: http://jabiru.net.au/

Die Chefin persönlich hat uns beide herumgeführt, uns alles erklärt, von der Flugzeugproduktion über den Motorenbau bis hin zur Motoren-Überholung. Ca. 20 Mann werkeln in 2 Hallen. Sehr interessant, aber eben auch australisch sehr entspannt.

Jabiru
Jabiru Motorvarianten

Sehr spannend hingegen war die erste Landung auf einem der typischen australischen „Regional Airports“:

Bundaberg Regional Airport YBUD (oben Mitte)

das ist ein IFR-Platz, auf dem pro Tag 8 Turboprops (Dash 8) die Stadt mit Brisbane verbinden. Macht 3.000 Flugbewegungen und ca. 150.000 Passagiere/Jahr, s e h r entspannt. Auch dies ist einer der vielen „kleinen“ IFR-Plätze o h n e Tower, Funk, ILS, Localizer, DME, NDB oder dergleichen. Ein GPS-Approach, automatischer CTAF (s.o.). Jeder meldet wo er ist, man arrangiert sich – fertig. Das Ganze klappt hervorragend. Zu jedem Linienflug wird das Personal „aufgerödelt“, danach gehen sie alle wieder nach Hause. Das funktioniert. Normalerweise ist also kein „Schwein“ da. Als ordnungsbewußter Deutscher kommt man mit dieser Freiheit ohne Flugleiter/Luftaufsicht/Tower nicht sofort klar. Wo muß ich nach der Landung hin ? Wo kann ich tanken ? Wo kann ich abstellen ? Landegebühr ? (keine !). Wie komme ich raus ? Und vor allem wieder rein ? Wie kriege ich ein Taxi ? Es ist alles ganz einfach. No worries...

In Bundaberg-Stadt ist eigentlich nix sehenswürdig, wenn man Rum-Destillen schon kennt (die sind so wie die bekannten Cognac-Destillen in Frankreich). Aber es soll ein ganz vorzügliches Fisch-Restaurant geben: die Straße vorm Hotel runter, hinten rechts und dann sieht man‘s schon…sagt man uns. Also marschieren wir los. Nach einem Kilometer: nix. Es ist Abend und wir haben wirklich Hunger. Vor uns springen 2 junge Polizisten aus ihrem Streifenwagen und eilen in ein Gebäude. Hoffentlich nix Ernstes ? Als wir uns nähern, sehen wir, daß das Gebäude ein SubWay-Restaurant ist, und die beiden sich nur etwas zu essen besorgen. Also fragen wir sie nach dem Weg zu dem besagten Fisch-Restaurant. Australier sind grundsätzlich extrem freundlich, äußerst hilfsbereit – und vor allem tiefenentspannt. Die beiden Uniformierten erklären uns sehr bereitwillig den Weg und essen weiter.

Wir laufen also los. Nach 2 Minuten biegt ein Streifenwagen um die Ecke, hält neben uns und die beiden freundlichen Sheriffs meinen, daß der Weg in der Dunkelheit bis in das Gewerbegebiet doch nicht das Richtige für uns Oldies sei und bieten uns an, uns hinzufahren (!). Wir sind völlig baff, nehmen das Angebot aber gerne an. Sie halten 50 Meter vor dem Restaurant, weil sonst die Gäste vielleicht irritiert sein könnten, wenn wir mit dem Streifenwagen gebracht werden…. Leider haben wir vergessen ein Selfie mit den Beiden zu machen. Wir waren einfach zu überrascht von soviel „Amtshilfe“. Das Fischrestaurant direkt am Fluß war übrigens das Beste, das wir in Australien erlebt haben.

Am nächsten Morgen, nach einem zünftigen Frühstück auf der Hotelterrasse direkt über dem Fluß, geht’s 333 km weiter nach Nordwesten nach

links: Flugzeugwaschanlage; Mitte: mein 3-Achs-Autopilot; rechts: Flugzeugwaschanlage

5. Rockhampton (YBRK)

Anflug Rockhampton YBRK

Der Regional Airport liegt ca. 40 km landeinwärts von der Pazifikküste am mächtigen Fitzroy River und verbindet die 65.000 Einwohner-Stadt mit über 100 Flügen mit Brisbane, Mackay, Townsville, Cairns und der Gold Küste. Der Flughafen ist ein kontrollierter Platz, hat eine Kontrollzone, einen Tower sowie einen VOR-, NDB/DME- und GPS-Anflug auf seine beiden sich kreuzenden Pisten (2.500 und 1.650 m). Weil es ein kontrollierter Luftraum ist, muß man rein und raus einen Flugplan aufgeben. Das geht ganz einfach aus dem Programm OZ-Runways heraus per Internet. Wichtig ist nur, daß man die dort explizit angegebene SAR-Time auch beachtet und nach der Landung innerhalb der Frist die SAR-Zentrale anruft und den Flugplan schließt, sonst wird’s teuer. Merke: selbst die kontrollierten Plätze tun dies nicht für dich !

„Rocky“ hat eine recht lebhafte Hotel- und Kneipenszene, die es lohnt zu erleben. Aus unserem ganz hervorragenden Hotel mitten in der Stadt direkt am Fluß gehen wir ein paar Meter in einen historischen Pub.

Blick vom Empire Hotel auf den Fitzroy River

Uralt, riesengroß, mit ca. 20 Biersorten vom Faß und einer Speisekarte, die einem die Auswahl sehr schwer macht. Doch wir sind hier in der zweiten „Beef Capital“, also gibt’s Steak. Zu Wahl stehen 350 g (für den kleinen Hunger !) bis 1.200 g (für den Cowboy oder Holzfäller oder so). Egal was man wählt, d i e Steaks sind wirklich Klasse ! Will man hinterher noch ein Bier trinken, muß man sich entweder beeilen, die Restaurants machen sehr früh zu, oder in ein Pub wechseln, die haben noch bis 21:30 geöffnet. Die meisten Pubs sind sogenannte Sport-Pubs, d.h. ringsherum an den Wänden hängen große Fernseher, auf denen ununterbrochen irgendwelche Rennen laufen. Autos, Pferde, Windhunde oder was sonst noch so um die Wette rennt. Und auf alles wird ständig gewettet – und dabei Unmengen an Bier konsumiert, obwohl das Bier in Australien nicht wirklich billig ist: ein halber Liter (Pint) kostet zwischen 8 und 9 AU$ (5,33 bis 6,- €). Aber man muß es einfach erlebt haben. Und die Aussies sind wirklich sehr kontaktfreudig und sehr kommunikativ.

hist. Pub in Rocky

Da das Wetter für die kommenden Tage als sehr gut vorhergesagt ist, machen wir einen Ausflug mit einer Fähre auf „Great Keppel Island“, eine der vorgelagerten Inseln des südlichen Barrier Reefs. Die halbstündige Fahrt mit dem schnellen Katamaran endet am Strand der Insel. Kein Anleger oder so, Der Skipper setzt das Schiff einfach auf den Strand, fährt eine Gangway aus und alle Passagiere „hüpfen“ direkt in den Sand.

die Fähre "landet" auf Great Keppel Island

Dort gibt es ein paar kleine Häuser, ein kleinen bescheidenen Imbiss und vor allem feinsten Sandstrand ohne Ende. Wir baden etwa 2 Stunden, schmieren uns mit Sonnencreme Lichtschutzfaktor 50 ein, legen uns wegen der sehr intensiven Sonne (23° 11′ S, 150° 58′ O ) in den Schatten eines Baumes – genützt hat es wenig: wir fangen uns den Sonnenbrand unsers Lebens ein. Auf der Rückfahrt leuchten wir wie die Hummer. Die Nacht ist sehr „heiß“. Abends noch ein klitzekleines Steak mit ein, zwei Bierchen und am nächsten Morgen geht’s 400 km südwestlich in’s Outback nach

6. Roma (YROM), einem ca. 6.000 Einwohner-Kaff, das sowohl zwei Highways als auch einen Bahnhof hat.

Cross Country im Outback

Der 2-Stunden-Ritt führt über nicht enden wollende hügelige Steppe, am Anfang noch z.T. bestellt. Alle halbe Stunde sieht man mal ein einsames Gehöft liegen. Außenlanden möchte ich hier nicht. Sobald es wärmer wird, wird es recht bumpy. Meine Co-Pilotin ist nicht glücklich…

Doch am Horizont taucht dann das kleine Städtchen auf, am Stadtrand liegt „Roma Airport“ (nicht der in Italien !) auch hier wieder nix: kein Tower, kein Funk, kein Mensch. Also ATIS abhören, den Windsack finden, Landerichtung wählen, Blindsendung absetzen – und landen.

ROMA, Nabel der Welt

Auf dem Vorfeld findet sich ein Plätzchen zum Anbinden des Fliegers. Bevor wir den Platz verlassen, kommen ein paar Leute, die mit der Piper neben uns wegfliegen wollen. Also fragen wir den Mann mit der wichtigen gelben Sicherheitsweste, wie man denn hier ein Taxi bekommt und vor allem wie man morgen wieder reinkommt ? Es stellt sich heraus, daß er einer der 3 (drei) Angestellten des Flugplatzes ist. Wat’n Glück ! Er besorgt uns ein Taxi und lädt uns abends in seinen Lieblings-Pub auf ein Bier ein. So sind sie eben, die Aussies. Der Abend in seiner Sport-Pinte verläuft gut, er fährt uns sogar wieder in unser Motel – und dann bis morgen !

Am nächsten Morgen gehen wir in einen nahen Coffee-Shop ausgiebig frühstücken und dann noch ein wenig shoppen. Was soll man in diesem Kaff sonst machen ? Es ist ungewöhnlich viel los, denn am kommenden (Sams)Tag ist „Roma-Cup“, ein großes Pferderennen, zu dem sich die Einwohnerzahl verdoppelt ! Nicht nur, daß es dann kein einziges Hotelbett mehr gibt, es wird auch bereits vormittags schön warm und ab Nachmittag soll’s gewittern und regnen. Im Fernsehen und in den Tageszeitungen wird vor einem riesigen Tief gewarnt, das von Nordwesten über ganz Australien hinwegzieht und schwere Regenfälle mitbringt.

Den 500 km-Flug in den Südosten auf den höchstgelegenen Flugplatz Australiens Armidale (YARM, 3.555 Fuß hoch) streichen wir daher ersatzlos. Dort in der Pampa ggf. ein paar Tage festzuhängen, ist nix für uns. Wir beschließen also direkt nach Caloundra zurückzufliegen und den Flieger 2 Tage früher als geplant abzugeben. Sicher ist sicher. So geben wir nach 7 Tagen und ca. 2.000 km den Flieger wieder heile zurück. Obwohl nur die Hälfte der Instrumente funktionierte und der Wartungs- und Pflegezustand zu wünschen übrig ließ, hat er uns nie im Stich gelassen, ist immer angesprungen und brav marschiert, langsam und durstig aber brav - eine Cessna eben. Übrigens: der Charter-Preis ist identisch mit dem unseres eigenen Fliegers zu Hause.

Rundflug / zurück in Caloundra

Am nächsten Tag fahren wir mit dem Greyhound-Bus die 270 km wieder gen Süden nach Byron Bay, um dort noch an der Bangalow-Show teilzunehmen, von der Dieter so geschwärmt hat. Und in der Tat ist diese Agrarshow für uns ein Knaller. Australischer geht’s nicht: der ganze Landkreis ist auf den Beinen. Jede Menge Freß-/Saufstände, antike Landmaschinen in Aktion, ein Schlangendompteur, Schönheitswettbewerbe für Kühe, Alpacas, Federvieh, Obst, Gemüse usw., Back- und Kochkünste, Pferde- und Rasenmäherrennen sowie eine Bushmen-Competition: hier muß je ein Team aus 2 Mann, einer Frau und einem Pferd folgende Aufgaben lösen: aus einem Stück Baumstamm mit einer Axt Anmachholz machen, ein Feuer entfachen, darauf einen Teekessel zum Kochen bringen. Der zweite Mann buddelt derweil mit einer Brechstange und einer Schaufel ein 80 cm tiefes Loch, pflanzt eine ca. 2,50 m lange Telegrafenstange hinein, die dann in ca. 1 m. Höhe mit der Axt abgehackt werden muß. Dann bringt die Frau das Pferd, mit dem der Reiter erst durch ein Feuer und dann einen Strohballen am langen Arm einmal um die Pferderennbahn reiten muß. In der Zwischenzeit muß die Frau einen kalten Pie mit einem warmen Bier runterspülen. Lecker. Guten Appetit !

Bushmen Competition

Die Mannschaft, die die Aufgaben unter dem Gejohle der mehreren Tausend Zuschauer zuerst gelöst hat, hat gewonnen. Früher gab es auch noch ein Bull-Riding, aber das fiel jetzt (vermutlich) aus Sicherheits-/Versicherungsgründen aus. Die prämierten Koch-, Back- und Obst-/Gemüse-Beiträge werden anschließend unter den Zuschauern versteigert. Was für eine Gaudi ! Überflüssig zu erwähnen, daß der Bierkonsum gewaltig ist…

Nach zwei Tagen verlassen wir die gastliche Runde um Dieter in Tyagarah mit dem Shuttle-Bus (wg der recht schlechten Strassen besser: Schüttel-Bus) Richtung Brisbane. Nach einem Tag Sightseeing in dieser wunderbaren 2-Millionen-Stadt am Meer mit ihren unzähligen fjordähnlichen Wasserwegen bis tief in die Stadt und ins Land (mehr siehe unten), hüpfen wir in einen Inlands-Linienflieger („Tiger-Air“) und fliegen die 1.000 km die Küste runter nach

7. Sydney Man hat keine Vorstellung über die Masse und die Schlagzahl des inner-australischen Flugverkehrs ! Die Domestic-Teile der großen Flughäfen sind wie Bienenkörbe. Zigtausende von Menschen fliegen täglich mit Hunderten von Airbussen, Boeings, Regional-Jets und Turboprops zwischen den australischen Flugplätzen im 30-Sekunden-Takt (!) für kleines Geld hin und her. Unser Flug nach Sydney hat 100 AU$ (66 €) gekostet. In Sydney retten wir uns aus dem Chaos des Domestic-Airports per Shuttlebus in unser (vorausgebuchtes !) historisches Hotel mitten in Chinatown. Sehr spannend: die Ausstattung, das Zimmer für Pygmäen und v.a. die Preise. Aber die Lage mittendrin, zu Fuß zum Hauptbahnhof, zur Straßenbahn, zum Hafen und das erstklassige Pub im Erdgeschoss entschädigen für Vieles.

Sydney: Oper m. Harbour Bridge, Park, Bondi-Beach, Down Town

Zu Fuß gehen wir zu dem riesigen Hafen. Auch hier reichen die unzähligen Fjorde bis tief in die Stadt (5 Mio Einwohner, aber flächenmäßig 15 mal größer als Berlin) und bieten nicht nur Platz für einen der größten Naturhäfen der Welt, sondern auch für zigtausende von erstklassigen Ufergrundstücken, wie wir auf unseren ausgedehnten Boots- und Busausflügen sehen können. Sydney ist, wie alle großen Städte eine einzige Großbaustelle. Ganz viel Geld wird in die Infrastruktur und die Kultur gesteckt. Insider berichten, daß man auf eine Baufirma bis zu zwei Jahre warten muß, um ein Haus zu bauen – und das in einer Qualität und zu Preisen, daß uns die Haare zu Berge stehen…

Im Übrigen ist Australien auch in den Großstädten unglaublich sauber und umweltbewußt. Überall befinden sich große und sehr gepflegte Grünanlagen und wunderschöne Parks, die auch intensiv genutzt werden. Und die überwiegende Mehrzahl der Taxis fährt elektrisch ! Sehr gefährlich weil geräuschlos – und immer von der falschen Seite ! Nach drei erlebnisreichen Tagen mit platten Füßen fliegen wir zurück nach

8. Brisbane in unser Hotel mitten in der Stadt, wo wir vor Tagen unsere großen Koffer deponiert haben.

Kangaroo Point Brücke nachts, Parlament, Südafrika-Denkmal, Mid-City, Kangaroo Point Brücke tags, Down Town

Noch 1,5 Tage erkunden wir zu Fuß, mit diversen Fähren und Bussen (gratis !) die Stadt, die (wenigen) Sehenswürdigkeiten – sowie die (zahlreichen) Coffeshops und Pubs. Auch hier gibt es viele sehr gepflegte Grünanlagen und Parks, die von der Bevölkerung, den Touristen sowie den zahlreichen Studenten (230.000 !) fleißig besucht werden. Ende November wird es tagsüber schon recht warm: 30° Celsius. Es wird Hochsommer, es wird also Zeit, daß wir verschwinden, denn zu Weihnachten, das hier schon lange überall dekoriert ist, werden es gerne mal 40° C. Am frühen Abend holt uns der Shuttle Bus vom Hotel ab und bringt uns zum Brisbane International Airport.

9. Abreise Wie die Anreise – nur in umgekehrter Reihenfolge. Das Einchecken und die Kontrollen gehen fix über die Bühne, dann noch 2 Stunden genußvoller Aufenthalt in der VIP-Lounge von Emirates und los geht’s.

Emirates Airbus A 380 Business-Comfort
unser Flug: Brisbane - Dubai (FlightRadar24.com)

Gegen 21:00 Ortszeit hebt der Riesenvogel ab Richtung Dubai. Nach dem vorzüglichen Abendessen noch ein Bierchen, ein Filmchen, dann wird der Sitz zum Bett und wir schlafen ca. 6 Stunden tief und fest. Nach 12 Stunden Flug serviert man uns das vorbestellte opulente Frühstück, und dann geht’s auch schon in den Sinkflug aus FL 400 nach Dubai, wo wir am Vormittag (Ortszeit) landen. Wir nutzen den Aufenthalt in der Lounge, um zu duschen, frische Wäsche anzuziehen, und dann geht’s auch schon weiter nach Frankfurt, wo wir gegen Mittag bei + 3° C Außentemperatur aufschlagen. Zwei Stunden später geht unser ICE nach Hildesheim, und um 18:00 sind wir nach 37 Stunden (von Tür zu Tür) wieder zu Hause – aber zugegeben kaputt wie Hund. Die 20-Uhr Nachrichten erleben wir an dem Tag beide nicht mehr….

Am nächsten Tag ziehe ich schon mal die Winterreifen (!) auf unsere Autos – und mit Recht, denn zwei Tage später schneit’s ! Wir brauchen wieder eine Woche, um uns zu akklimatisieren. Das Wetter und die Menschen sind hier deutlich weniger freundlich und enspannt.

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