Loading

Der Tag, an dem die Mauer fiel Zeitzeugen erinnern sich zum 30. Jahrestag an den Mauerfall. Ein Dossier von Leah Hautermans, Ellen Schröder und Dagmar Wienke

Am 9. November 1989 fällt die Mauer, die Deutsche in Ost und West 28 Jahre, 2 Monate und 28 Tage voneinander trennte. Mit dem Mauerfall werden die innerdeutschen Grenzen geöffnet und es soll zusammenwachsen, „was zusammengehört“.

Während einer Pressekonferenz gibt Politbüro-Mitglied Günter Schabowski eine neue Reiseregelung bekannt. Noch in der gleichen Nacht stehen Zehntausende Ostberliner an den Grenzen zum Westen, die Schlagbäume werden schließlich geöffnet. Was lange keiner für möglich gehalten hatte, wird am 9. November 1989 wahr: Deutschland wird wieder eins.

Die Berliner Mauer war über 28 Jahre das Symbol der deutschen Teilung und des Kalten Krieges. Allein an der Berliner Mauer starben durch das DDR-Grenzregime nach wissenschaftlichen Erkenntnissen mindestens 140 Menschen.

Im Sommer und Herbst 1989 haben viele Ostdeutsche das Gefühl, dass es so nicht mehr weitergehen soll in der DDR: die Staatsführung erstarrt, Demonstrationen, Massenfluchten von DDR-Bürgern über die bundesdeutschen Botschaften in Prag, Warschau und Budapest, der Sturz des DDR-Staats- und Parteichefs Erich Honecker. Noch heute sagen viele, es sei ein Wunder gewesen, dass in dieser aufgeladenen Atmosphäre kein einziger Schuss fiel.

Wer in Berlin dabei ist, erlebt Weltgeschichte. Die Bilder, wie am Brandenburger Tor oben auf der Mauer getanzt wird und die DDR-Grenzschützer zusehen, gehen um die Welt. Doch am vielleicht glücklichsten Tag der jüngeren deutschen Geschichte liegen sich auch an vielen anderen Orten in Bundesrepublik und DDR die Menschen ungläubig in den Armen, werden Wachposten geküsst, sind Freude und Jubel grenzenlos.

Menschenmassen drängen durch die neuen Grenzübergänge, der Jubel in Berlin ist groß. (Fotos: dpa)

Redakteurinnen der Westdeutschen Zeitung haben sich umgehört und Zeitzeugen ausfindig gemacht, die im Folgenden ihre Geschichten erzählen.

Unsere Leser erinnern sich

Ines Schmale: Wie die Mauer uns trennte und ich auf einem berühmten Foto verewigt wurde

„Die Geschichte beginnt mit einem Buch, welches ich bei meiner Großmutter auf dem Dachboden fand: Ulrike, die Geschichte von Friedrich Fröbel, dem Begründer der ersten Kindergärten, und seiner ersten Schülerin. Nach dem Lesen desselbigen stand mein Berufswunsch fest: Kindergärtnerin.

Die Zeit kam, um sich zu bewerben. Leider bekam ich eine Absage – die politische Gesinnung stimmte nicht – und vielleicht war ich damals auch noch zu schüchtern. Ich lernte Facharbeiterin für Schreibtechnik und arrangierte mich damit. Ich lebte in Karl-Marx-Stadt, dem heutigen Chemnitz.

Als die Mauer fiel, war ich 20 Jahre alt. Ich hatte gerade meinen Job aus gesundheitlichen Gründen aufgeben müssen und befand mich in Bad Elster in einem Gästezimmer eines Altenheimes. Am 10. November erfuhr ich dort von der Öffnung der Grenzen. Eine Freundin kam an diesem Tag zu mir. Wir wollten ein paar freie Tage gemeinsam verbringen. Wir beschlossen, den Urlaub in den Westteil des Landes zu verlagern.

Ines Schmale an ihrem ursprünglichen Wohnort Chemnitz. (Foto: Ines Schmale)

Unser Ziel war zuerst einmal Essen, da ich dort Kontakt zu einer Kirchengemeinde hatte (die Tanzgruppe dieser Gemeinde hatte in der DDR ein Seminar für unsere Tanz- und Pantomimegruppe gegeben). Wir kamen am Sonntag, dem 12. November 1989, dort an und wurden sehr herzlich aufgenommen. Von da sollte es danach für mich nach Köln gehen.

Doch dafür zuerst die Geschichte meines Vaters.

Mein Vater war 15 Jahre alt, als seine Mutter den gewalttätigen Mann nicht mehr ertrug und in den Westsektor zog. Sie ermutigte meinen Vater, seine Schule bis zum Sommer zu besuchen und zu beenden. Dann sollte er zu ihr kommen um dort gemeinsam eine Ausbildung für ihn zu suchen. Mit diesem Gedanken überstand er die Zeit bei seinem Vater und freute sich auf den Sommer. Bevor er jedoch zu seiner Mutter ziehen konnte, wurde plötzlich die Mauer gebaut

Das hat mein Vater nie überwunden. Es hat eine tiefe Wunde in seinem Leben hinterlassen und ihn für immer geprägt. Mit diesem Konflikt bin ich aufgewachsen – jedes Jahr am 13. August (Anm.: der Jahrestag des Baubeginns der Mauer) war bei uns ein großer Trauertag. Später durfte meine Großmutter zu Besuch in die DDR kommen. Ich erinnere mich, dass sie dann jeweils einen Nachmittag zum Kaffeetrinken bei uns war und wir ein sehr wohlduftendes Päckchen erhielten.

Irgendwann – meine Eltern waren schon längst getrennt – stellte mein Vater einen Besuchsantrag in die BRD, um seine Mutter zu besuchen. Er wurde genehmigt, womit keiner gerechnet hatte. Von diesem ersten Besuch kam er zurück. Ein Jahr später unternahm er einen erneuten Versuch. Bevor er fuhr, erklärte er mir, dass er vielleicht nicht wiederkommt. Ich war damals 18 Jahre alt.

Und so war es dann – die Sehnsucht, noch einige Zeit mit seiner Mutter zu verbringen, war einfach zu groß. Leider war die gemeinsame Zeit nur von kurzer Dauer. Noch im Übergangslager erfuhr mein Vater von dem nicht natürlichen Tod seiner Mutter, der noch heute Fragen aufwirft. Danach wurde ihm angeboten, straffrei in die DDR zurückzukehren. An das "straffrei" glaubte jedoch keiner. Und so gab es kein Zurück mehr, er blieb im Westen.

Für mich war mein Vater von diesem Augenblick an verloren. Keiner konnte zu diesem Zeitpunkt wissen, dass sich zwei Jahre später die Grenzen öffnen würden

Zurück zum November '89: In Essen versuchte ich die ganze Zeit, meinen Vater in Köln zu erreichen – ohne Erfolg. Drei Tage vor unserer Rückreise fuhr ich mit meinem letzten Geld nach Köln und versuchte den ganzen Tag, ihn vom Hauptbahnhof aus telefonisch zu erreichen. Nachmittags unternahm ich einen letzten Versuch – und erreicht ihn – er war gerade aus dem Urlaub gekommen! Es war ein sehr herzliches Wiedersehen.

Ines Schmale bei ihrem ersten Wiedertreffen mit ihrem Vater in Köln. (Foto: Ines Schmale)

Nach einigen Tagen fuhren meine Freundin und ich zurück in die DDR.

Am 21. Dezember 1989 wurde das Brandenburger Tor in Berlin mit einem großen Festakt geöffnet. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen und bin kurzentschlossen nach Berlin gefahren. Dort ist das Foto entstanden, das mir seit 2007 ständig wieder begegnet. Am 9. November 2007 habe ich das Foto das erste Mal in einer Zeitung gesehen und war völlig sprachlos. Inzwischen hat es den Weg auch in einige Schullehrbücher geschafft und auch in den Film GrenzenLos von Wolfgang Stumph mit einem persönlichen Porträt von mir.

Ines Schmale (vorne sitzend, mit grüner Hose) bei der Öffnung des Brandenburger Tors. (Foto: dpa)

Zurück zum Jahr 1989. Eine Familie in der Gemeinde in Essen lud uns ein, mit ihnen Silvester zu feiern. Dass sie einen Hintergedanken hatten, wussten wir vorher nicht. Wir fuhren hin und wurden gefragt, ob wir nicht ihre Wohnung für ein Jahr übernehmen würden, da sie für ein Jahr nach Sardinien fahren wollten. Im Februar 1990 zogen wir somit nach Essen um.

Nach einem Jahr Jobben in verschiedenen Häusern der Stiftung Glaubens- und Lebenshilfe konnte ich dann meine Ausbildung zur Erzieherin in der Diakonie in Düsseldorf beginnen und im Jahr 1994 abschließen. So schloss sich der Kreis und mein Kinderwunsch erfüllte sich.

Ich arbeitete vier Jahre in einer Einrichtung mit behinderten Erwachsenen. Später machte ich noch eine Fortbildung zur Tanzsoziotherapeutin. Heute arbeite ich in Essen in einer Kita in einer altersgemischten Gruppe.“

Lothar Bugai: Wie uns ein mutiger Fotograf in einem ungarischen Lager half

Lothar Bugai (74) kommt gebürtig aus Dresden und lebt heute in Remscheid. Das Gespräch mit ihm hat die WZ-Redaktion aufgezeichnet.

„Ich habe die Geschichte noch nie öffentlich gemacht, aber vielleicht ist es jetzt, 30 Jahre nach dem Mauerfall, endlich Zeit dafür. Auch weil es um mutige Menschen geht, die uns geholfen haben, in den Westen auszureisen.

Vier Jahre zuvor, 1985, hatten meine Frau und ich einen Ausreiseantrag gestellt. Ich war Gaststättenleiter in Dresden auf einem Ausflugsdampfer, meine Frau führte einen Kiosk. Uns ging es nicht schlecht, aber meine Akte bei der Stasi war da schon wohl auf rund 2700 Seiten angewachsen, wie ich hinterher erfuhr. Mit 15 Jahren saß ich das erste Mal wegen Republikflucht im Gefängnis. Ich wollte damals zu meiner Oma in den Westen. Ab da gab es den ersten Eintrag. Später saß ich wegen Staatsverleumdung noch in Bautzen ein.

Akten der Staatssicherheit der DDR, aufgenommen in der Außenstelle Rostock des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU). (Foto: Bernd Wüstneck/dpa)

1987 bekamen wir ein Reisevisum nach Ungarn genehmigt, zwei Jahre später ergriffen wir diese Chance, um die DDR zu verlassen und machten uns mit unserem sechsjährigen Sohn auf den Weg, um eine neue Zukunft zu wagen. In Ungarn kamen wir mit 5000 anderen Ausreisewilligen in einem Pionierlager in Zánka am Balaton unter. Wir waren wie eine riesige Familie. Die ungarische Armee und das Rote Kreuz betreuten uns gut und beschützten uns auch vor der Stasi, die das Lager infiltriert hatte. Einige von ihnen gaben vor, die Kinder unterrichten zu wollen - fragten sie in Wahrheit aber aus.

Um weiterreisen zu können, brauchten wir ein Passfoto für das Ausreise-Dokument. Doch es gab nirgendwo die Möglichkeit, Fotos machen zu lassen. Die Stasi hatte wohl auch dafür gesorgt.

Ich machte mich auf dem Weg, um in Kneipen nach Touristen zu suchen, die einen Fotoapparat hatten. Ich streifte durch die Gaststätten und traf durch Zufall zwei ungarische Kellner, die in Dresden gearbeitet und die ich dort kennengelernt hatte. Diese wiederum kannten einen Fotografen, informierten ihn und schon bald machte sich der mutige Mann in seinem Lada - vollgepackt mit Fotoequipment - auf in unser Lager. An den Tag kann ich mich noch genau erinnern. Es war der 10. September. Die Nacht durch fotografierte er rund 600 Menschen, entwickelte die Bilder und um halb acht in der Früh breitete er die Fotos auf den Tischtennisplatten aus. Meine Frau und ich halfen dem Fotografen. Jeder wollte so schnell wie möglich sein Bild haben. Wir sorgten dafür, die Menge im Zaum zu halten, bildeten eine Schlange und achteten darauf, dass keiner sich vordrängelte. Sechs Stunden dauerte die ganze Aktion. Am Ende blieben ein paar Bilder liegen. Wir vermuteten, es waren die der Stasi-Leute.

Staatssekretäre aus der Bundesrepublik, die auch im Lager waren, dankten mir für meinen Einsatz und versicherten mir, dass sie sich später bei mir wieder melden würden. Ich habe übrigens nie wieder was von denen gehört. Die ganze Aktion war sehr risikoreich und auch gefährlich für mich und vor allem für den Fotografen, schließlich war das Hilfe zur Republikflucht.

Am 11. September öffnete Ungarn die Grenze für DDR-Flüchtlinge. Die Staatssekretäre teilten uns mit, Passfotos seien nicht mehr notwendig. Wir konnten endlich ausreisen.

DDR-Flüchtlinge gehen durch das geöffnete Grenztor von Ungarn aus nach Österreich. Mehr als 600 DDR-Bürger drängten sich damals durch das Tor im Grenzzaun nahe der ungarischen Stadt Sopron in Richtung Österreich. (Foto: Votava/dpa)

Zwei Monate später im Übergangsheim in Remscheid rief mich meine Frau zu sich. Es war der 9. November. Sie schaute Fernsehen und sagte. „Das war’s“.

Was soll’s.

Heimatgefühl nach Dresden habe ich noch immer. Regelmäßig fahren wir dorthin und besuchen unsere Verwandten. Zurückgehen kam für uns aber nicht in Frage. In Remscheid haben wir von Null wieder angefangen und uns ein neues Leben aufgebaut. Ich war als Kraftfahrer dort tätig. Jetzt ist unser Sohn verheiratet und wir haben einen Enkel. 1700 Seiten meiner Stasi-Akten habe ich schon gelesen. Demnächst bekomme ich noch mal 1200 Seiten geschickt.

Bis heute liegt mir eine Sache am Herzen. Ich würde ich gerne den ungarischen Fotografen ausfindig machen, um ihm für seine mutige Tat zu danken.“

Klaus P. aus Thüringen: Im Westen zum ersten Mal einen Bettler gesehen

Klaus P. (zweiter von rechts) in den 80er Jahren. (Foto: Klaus P.)

„Es war ein sehr emotionaler Wendepunkt in meinem Leben. Die Tatsache, das die Mauer gefallen war, war für mich unvorstellbar. Am 10.11.1989 bin ich wie immer um 7.30 Uhr zu meiner Arbeitsstelle gegangen, von 34 Angestellten waren nur zwei Kollegen zur Arbeit erschienen - der Rest war im Westen! Mit dem Fall der Mauer hat sich eigentlich unser ganzes Leben verändert.

Eine kleine Begebenheit: ich bin am 15.11.1989 mit meinen beiden Söhnen in den Westen nach Göttingen gefahren. In Göttingen, vor dem Karstadt-Kaufhaus saß ein Bettler, so etwas hatte ich noch nicht gesehen, das hat mich sehr berührt. Das nächste, was kam: die Arbeitslosenquote schoss nach oben, ein Betrieb nach dem anderen machte dicht, sowas kannten wir nicht. Im Nachhinein betrachtet ist es gut, dass es so gekommen ist, und vor allem, dass alles so friedlich abgelaufen ist. Meine Frau und ich sind mittlerweile Rentner und leben in Remscheid, wir sind sehr zufrieden. Wir können reisen, gute Konzerte besuchen (soweit sie stattfinden), können uns eigentlich viele Wünsche erfüllen; müssen nur gesund bleiben.“

Enno Schaarwächter aus Wuppertal: Ein Trabbi in Köln

„Ich befand mich damals auf der Autobahn A3 Richtung Köln. Stau, mieses Wetter. Ein trister Novembertag. Parallel zu mir kroch ein Trabbi Kombi dahin, Vater, Mutter, zwei Kinder. Das exotische Fahrzeug war bis in die letzte Ecke bepackt. Im Autoradio lief unablässig die Berichterstattung zum Mauerfall. Es war alles nur schwer fassbar.

Was diese Menschen auf sich genommen hatten, wahrscheinlich "rübergemacht" aus den Ostblockstaaten, konnte ich nur erahnen.

Ein Beamter des Bundesgrenzschutzes gibt einem DDR-Autofahrer am Grenzübergang Helmstedt eine Auskunft. (Foto: dpa)

Für mich war das einer der bewegendsten Momente meines Lebens. Im Verlauf der Wiedervereinigung endete für mich, einem Nachkriegskind, gefühlsmäßig der Zweite Weltkrieg.

Für die Ausgereisten bedeutete es Hoffnung und Neubeginn in einem eigentlich fremden Land. Der Mut, die Sachen zu packen und in eine durchaus nicht nur einfache Zukunft aufzubrechen, zollt mir noch heute Respekt ab. Wir "Wessis" haben es da viel einfacher gehabt. Wir haben den Soli gezahlt und der Rest war überwiegend nicht unser Problem. Mit den heutigen neuen Bundesländern haben wir viel Schönes "hinzugewonnen", und das ohne Risiko. Das sollten wir nicht vergessen.

In den Monaten nach der Wende habe ich mit Freunden aus Westberlin den Osten "durchpflügt". Habe mit Begeisterung die Wiederfreigabe und Befahrung geteilter Straßen in Berlin erlebt, auf denen der neue Asphalt noch dampfte.

Ich habe in Warnemünde NVA Soldaten erlebt, die die Beine aus ihren Wachbuden streckten und dröhnende Rockmusik erschallen ließen, die Freiheit genießend. Wir haben Orte und Dörfer besucht, in denen ich zuweilen das Gefühl hatte, ein Dornröschenschloss zu betreten. Die Begegnungen mit den Menschen waren immer freundlich, zuweilen aber auch mit der verständlichen Sorge um die Zukunft verbunden.

Ein Raum der Nationalen Volksarmee (NVA) mit verschiedenen Uniformen aus DDR-Zeiten in einer Ausstellung der IFA-Freunde Trebus. (Foto: dpa)

Ich habe aber auch gesehen, wie junge Sowjetsoldaten am Rande von Berlin ihr Hab und Gut verscherbelten und Briketts Stück für Stück mit der Hand vom Eisenbahnwagon abluden, um einigermaßen über die Runden zu kommen. Ein Kapitel für sich.

Die Bürgerinnen und Bürger der ehemaligen DDR haben viel gewagt. Und auch wenn es in eine freiheitliche Demokratie ging, der schnelle Umstellungsprozess war gerade für die Menschen aus einem Sozialismus à la DDR enorm. Er wirkt mit durchaus auch schwierigen Folgeerscheinungen bis heute weiter.

Es gibt immer noch viel zu tun, auch wenn sich die Aufgaben geändert haben. Der lange Schatten einer schrecklichen deutschen Vergangenheit bleibt noch lange bestehen.“

Brigitte Chodura aus Krefeld: Ein Kind der Wende

„Die Nacht vom 9. auf den 10. November ist für uns seit 1989 ein ganz besonderer Tag.

Ich erwartete in dem Jahr unser zweites Kind; der Geburtstermin war für den 10. November berechnet. Am 9. November abends reisten meine Schwiegereltern aus dem Westerwald an. Sie sollten sich um unser knapp zweijähriges Töchterchen kümmern, wenn mein Mann und ich zur Geburt im Krankenhaus wären.

Natürlich hatten wir die Montagsdemonstrationen und die Vorgänge in der damaligen DDR in der Berichterstattung verfolgt. Ein wenig besorgt waren wir schon, wie die dortige Regierung letztendlich reagieren würde. Gut zwanzig Jahre zuvor war ja der sogenannte "Prager Frühling" durch Truppen des Warschauer Pakts gewaltsam und blutig beendet worden. Obwohl wir damals noch Kinder waren, hatten wir doch mitbekommen, was geschehen war.

Am 9. November verpassten wir durch die Ankunft meiner Schwiegereltern die aktuellen Nachrichten im Fernsehen. Gegen Mitternacht setzten dann die Wehen bei mir ein. Mein Mann brachte mich ein paar Stunden später in die Klinik und gegen 5 Uhr am Morgen des 10. November kam unser Sohn zur Welt.

Als der Arzt später nach uns beiden sah, war er es, der mir die Nachricht überbrachte, dass die Berliner Mauer in jener Nacht geöffnet worden war. So kam zur Freude über unser neugeborenes Kind noch die Freude über die Öffnung der Mauer hinzu – auch wenn zu dem Zeitpunkt noch niemand wusste, wie es politisch weitergehen würde.

Der Geburtstag unseres Sohnes ist also immer auch eine Erinnerung an das historische Ereignis in jener Nacht – und beides jährt sich ja in diesem Jahr zum dreißigsten Mal.“

Ulrike Feyerabend: 600 Kilometer von Krefeld nach Berlin

„Wachgerüttelt durch die Medien – "die Mauer fällt" – habe ich mich sofort in derselben Nacht auf den 600 Kilometer langen Weg von Krefeld nach Berlin gemacht, um dieses historische Ereignis zu erleben. Schon am seinerzeit größten und bedeuteten Grenzübergang Helmstedt wurde mir sofort klar, dass ein Wendepunkt in der deutschen Geschichte stattfand, mit Auswirkungen auf den Rest der Welt.

Unterwegs von Krefeld nach Berlin. (Foto: Ulrike Feyerabend)

Meine intensiven Gefühle und Erlebnisse, als Ost- und Westbürger sich an dieser Grenze in die Augen schauen durften, ließen dieses Ereignis zutiefst menschlich sein. Völlig fremde Menschen fielen sich in die Arme und WIR weinten zusammen.

Unendlich viele Menschen waren durch einen gemeinsamen Geist vereint. In dieser Nacht waren wir alle dort!

Angekommen in Berlin. (Foto: Ulrike Feyerabend)

Noch heute verbringe ich regelmäßig die schönsten Urlaube im Osten unseres Landes.“

WZ-Redakteure erinnern sich

Dagmar Wienke: Als die Mauer in Berlin fiel - Mittendrin und doch weit weg

„1988 bin ich nach West-Berlin gezogen. An den Tag des Mauerfalls, gut ein Jahr später, kann ich mich noch genau erinnern. Es war die Nacht von Donnerstag auf Freitag. Ich ging zeitig zu Bett. Das geschichtsträchtige Ereignis habe ich verschlafen. Am nächsten Morgen bekam ich deswegen einen deftigen Rüffel von meinem Vater.

Erklärungsversuche, dass ich zu Bett gegangen war, weil ich am nächsten Tag arbeiten musste, und dass die Maueröffnung an der Bornholmer Straße um halb zwölf in der Nacht erfolgte, trafen auf Unverständnis. Schuldbewusst holte ich das Verpasste in der Mittagspause am Freitag nach.

Dagmar Wienke 1989 während einer Rucksack-Reise. (Foto: Dagmar Wienke)

Da ich im Zeitungsviertel an der Kochstraße in Kreuzberg arbeitete, winkte ich nun am Checkpoint Charlie Stunden später, aber nicht weniger berührt, den Brüdern und Schwestern aus dem Osten zu und ging dann wieder arbeiten. West-Berliner, abgekapselt vom Rest der Bundesrepublik, hatten auf politische Ereignisse einen etwas distanzierten Blick entwickelt. (So ungefähr wie in der Szene am Ende des Films "Herr Lehmann" von Detelf Buck.)

Was an dieser Nacht geschehen war, war erst einmal kaum zu begreifen, denn schon immer gab es die Mauer in meinem Leben. Und die schien unzerstörbar. Meine Familie war davon direkt betroffen. Mein Vater kommt aus Neustrelitz in Mecklenburg-Vorpommern. Sein bester Schulfreund war einer der wenigen aus seiner Klasse, der nach dem Mauerbau „drüben“ blieb. Wir besuchten ihn und seine Familie regelmäßig in den Herbstferien in der DDR. Die Reaktion meines Vaters am Telefon war verständlich. Es war ein sehr emotionaler Augenblick. Den Fall der Mauer hatte so niemand für möglich gehalten.

Dicht gedrängt stehen und sitzen die Menschen auf der Mauer. Foto: Dagmar Wienke

Der 9. November kam nicht plötzlich. Eigentlich hatte sich schon Monate vorher der Umbruch in der DDR angedeutet. Abgesehen von den Berichten in den Medien, war ein sich einsetzender Wandel in der DDR-Bevölkerung an kleinen Zeichen zu erkennen. Bei Konzertbesuchen im Sommer 1989 im "Haus der jungen Talente" in Ostberlin, auf einer Rucksack-Reise nach Prag und Budapest: die Menschen der DDR redeten mit Leuten aus dem Westen offener, wurden mutiger. Und da war am Müggelsee der NVA-Soldat in Badehose, der, befreit von seiner Uniform, sich mit uns Westlern unterhielt. Das hätte es so vorher nicht gegeben. Was sich im Oktober im Ostteil der Stadt aber eigentlich abspielte, davon haben wir im Westen nicht viel mitbekommen. Die West-Berliner waren mittendrin - und doch so weit weg von der Aufbruchstimmung im Osten. Am Montag, den 30. Oktober saß ich vor dem Fernseher. Es flimmerte das letzte Mal „Der schwarze Kanal“ von Karl-Eduard von Schnitzler im DDR-Fernsehen, empfangbar auch beim Klassenfeind in West-Berlin. Diese – aus unserer Sicht – Real-Satire war immer recht amüsant gewesen für uns, die nicht in einem Regime lebten, dass seine Bürger unterdrückt. 30 Jahre lang versuchte "Sudel-Ede" die DDR-Bürger mit seiner Propagandasendung auf Kurs zu halten. Offenbar ist er wohl gescheitert. Das Ende vom „Schwarzen Kanal“ war ein weiteres untrügliches Zeichen für die umwälzenden Veränderungen im Osten.

Karl-Eduard von Schnitzler (unten), Chef-Kommentator des DDR-Fernsehens, bei seinem letzten Auftritt an dieser Stelle im DDR-Fernsehen am 31.10.1989. Oben der Aufmacher der Sendung "Der schwarze Kanal". (Foto: dpa)

Am Samstag, den 10. November, saß ich mit vier Freunden – zwei davon aus Polen – und einem Hamster im VW-Käfer im Berliner Verkehrsstau. Wir waren auf dem Weg nach Wraclaw/Polen statt uns in den kollektiven Freudentaumel zu stürzen. Im Radio erklang in schiefen Tönen die Nationalhymne, gesungen von Helmut Kohl, Hans-Dietrich Genscher, Willy Brandt, dem damaligen Oberbürgermeister Walter Momper und weiteren Politikern auf dem Balkon des Rathaus Schöneberg.

In Polen wurde der Fall der Mauer mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Schließlich war nun der schützenden Puffer zwischen Polen und dem Land, das eben dieses überfallen und besetzt hatte, weg. Netterweise versuchten die Eltern der polnischen Freunde aber, sich mit uns zu freuen.

Silvester 1989/90 kam. Bei der Feier am Brandenburger Tor wurde der Fall der Mauer mit all den schönen und ergreifenden Momenten noch einmal gefeiert. So wie in jener Donnerstagnacht und den Tagen danach lagen sich die Menschen aus Ost und West mit Tränen in den Armen. Es war wohl das letzte Mal, dass Deutschland tatsächlich sich als Einheit fühlte. Danach dividierten wir uns wieder auseinander. Bis heute.

Wie es den Menschen im Osten nach dem Fall der Mauer erging, da waren wir in (West-)Berlin wiederum etwas näher dran als der Rest der (West-)Republik. Die Hoffnungen der DDR-Bürger, die in der Wende lagen, und sich nicht erfüllten. Wie Spekulanten über das Land herfielen, wie die Bürger der nun ehemaligen DDR versuchten, auf diesem wankenden Boden auf den Füßen zu bleiben. Manche fielen hin, einige fanden Halt und manche hatten einfach gar keinen Boden mehr unter den Füßen.

Die Wochen und Monaten danach waren mit ambivalenten Gefühlen behaftet. Berlin-West war keine Insel mehr. Als die Mauer noch stand, endete in Kreuzberg die Stadt. Hier lebten Menschen, die sich ausprobierten, alternative Lebensformen praktizierten und sich ein Stück freier fühlten als im Rest des Landes. Mit dem Fall der Mauer war dieser abgeschirmte Teil nun löchrig geworden. Monatelang ertönte das Toktok der „Mauerspechte“, die sich ein Stück des „antifaschistischen Schutzwalls“ als Souvenir der Geschichte in die Vitrine stellen wollten.

Geschäftstüchtige Händler entlang des Reichstages und des Potsdamer Platzes boten Hammer und Meißel zum Ausleihen oder schon fertig abgehauene Mauerstücke an. Bis dann die großen Maschinen kamen und den Rest der Mauer beiseiteschafften.

An der Mauer am Postdamer Platz Richtung Reichstag hämmerten und klopften die Menschen, um sich ein Stück der Mauer zu sichern. Fotos: Dagmar Wienke

In Ostberlin landeten selbstgemachte Alben mit Subotnik-Einsätzen von abgewickelten Firmen auf dem Sperrmüll und wurden von mir mit Erstaunen durchgeblättert. Und bevor es das gute Fotopapier von Orwo nicht mehr gab, kaufte ich die Bestände in den Fotoläden auf. Wohnungen waren in Berlin nun leicht zu bekommen. Im Ostteil der Stadt standen etliche leer. Ich bekam eine direkt an der ehemaligen Mauer, dort wo Berlin-Mitte und Kreuzberg 36 zusammentrafen. Telefon hatte ich zwei Jahre lang nicht, weil die Leitungen noch nicht gelegt waren. Ich machte es den Bewohnern von Ost-Berlin nach und hängte mir eine Küchennotizrolle an die Wohnungstür. Wer mich besuchen wollte, musste vorbeikommen und notfalls eine Nachricht hinterlassen.

Während in Ost-Berlin eine neue Spielwiese entstand, zerfiel das Biotop Kreuzberg so langsam. Berlin wurde einmal kräftig durchgequirlt. Es war eine aufregende Zeit in vielerlei Hinsicht, die mit Günter Schabowski legendärer Antwort auf die Frage eines italienischen Journalisten an jenem Abend ihren Anfang nahm.

Peter Littek: Fremde umarmten sich freudetrunken - auch in Kempen

„Niemand hatte damit gerechnet. Aber plötzlich war es geschehen und wurde sogar im Fernsehen übertragen. Die Mauer zwischen den beiden Deutschländern war überwindbar geworden, Deutsche aus Ost und West turnten auf ihr herum und hackten mit Hammer und Meißel Stücke aus ihr heraus. Ich saß zu Hause vor dem Fernseher und konnte es nicht fassen. Wahrscheinlich hatte ich die ganze Zeit ein seliges Lächeln im Gesicht – wenn Wunder passieren, macht man nicht immer den intelligentesten Eindruck.

Vor 30 Jahren war ich Redakteur in der Kempener WZ-Redaktion und wohnte am Burgring, nur durch eine Straße von der Altstadt getrennt. Ich war aufgewühlt, musste mit anderen Menschen über den Mauerfall reden. Also ging ich die paar hundert Meter zu meiner Stammkneipe, die passenderweise Lichtblick hieß. Es war unglaublich: Natürlich lief der Fernseher, alle Leute umarmten sich, einfach so, und heulten vor Freude und Glück. Auch ich hatte Tränen in den Augen.

Menschen springen am späten Abend des 9. November von der Berliner Mauer am Brandenburger Tor und werden mit offenen Armen empfangen. Foto: Wolfgang Krumm/dpa

Und dann auch das noch: Da stand plötzlich Conny neben mir, ein Freund und Kommilitone aus meiner Mainzer Studentenzeit, den ich seit Jahren nicht gesehen hatte. Noch ein Grund, jemanden zu umarmen. Wie sich herausstellte, war Conny aus Mainz nach Kempen gekommen, weil hier seine zukünftige Frau zu Hause war, ihre Familie lebte im Stadtteil St. Hubert. An diesem Abend war er aber allein unterwegs und zufällig im Lichtblick gelandet. Es gab so viel zu feiern...

Übrigens: Genau ein Jahr später war ich wieder abends im Lichtblick. Es flossen keine Tränen. Die euphorische Stimmung war längst verflogen.“

WZ-Redakteur Peter Littek arbeitet heute in der Lokalredaktion Düsseldorf. (Foto: WZ)

Vier Ostdeutsche erinnern sich

Vor 30 Jahren, als die Mauer fiel, katapultierte der Systemwechsel die DDR-Bürger in ein völlig neues Leben. Vier Ostdeutsche, drei Männer und eine Frau, blicken zurück auf vergangene Jahrzehnte und die Gegenwart.

Mario Mackowiak: Vom sozialistischen Kind zum Werksleiter

Mario Mackowiak (59) erzählt gerne vom „sehr disziplinierten Tagesablauf“ in den Grundschulen der sozialistischen DDR. Bei den Aufmärschen am Tag der Arbeit fuhr er als Kind voller Begeisterung auf der mit Birkenzweigen geschmückten „Ameise“ mit, einem Mehrzweckfahrzeug des thüringischen VEB Fahrzeugwerk Waltershausen. Heute stehen im Haus seiner Familie gusseiserne Öfen. Sie erinnern ihn an seine Arbeit in der Keulahütte, wo er 1976 eine Ausbildung als Gießereifacharbeiter begann. Nach der Wende kam die Treuhand, viele Mitarbeiter verloren ihren Job. Auch seine Frau, die in einem anderen Industriebetrieb angestellt war, musste gehen. Mackowiak selbst konnte bleiben. Er wurde Geschäftsführer der Keulahütte GmbH.

Die letzten Wochen vor dem Mauerfall hat Mackowiak als Zeit der Unsicherheit erlebt. „Es herrschte große Unruhe im Betrieb, pausenlos gab es Parteiversammlungen“, erinnert er sich. Dann ging die Mauer auf. „Ich hatte Angst, ich hatte Respekt davor.“

Hans-Conrad Walter: Vom Punk zum Kulturmanager

Hans-Conrad Walter (49) erlebte die Angst einen Monat vor dem Wendetag: Bei der Protestdemonstration in Ost-Berlin am 7. Oktober 1989 zog er mit Hunderten von Menschen zum Palast der Republik. Dort feierte Staatschef Erich Honecker den 40. Jahrestag der Gründung der DDR. „Da waren viele Stasi-Leute und Reporter vom Westfernsehen.“ Er selbst habe erlebt, wie eine Demonstrantin von einem Polizisten von hinten festgehalten worden sei, „ein anderer schlug ihr immer wieder ins Gesicht“. Da habe auch er begonnen, sich zu wehren. Die Schlagstöcke, die Handschellen: den Begriff „friedliche Revolution“ findet Walter unscharf angesichts der Gewalt, die er erlebt hat.

Nach der Wende musste er sich wie viele DDR-Bürger zeitweise von einem prekären Arbeitsverhältnis zum nächsten hangeln. Doch er mag Veränderungen, hat große Sympathien für die Grünen. Als „begeisterter Europäer“ hofft er auf „die Überwindung der Nationalstaaten“.

Heike Kahl: Die ehemalige Athletin

Heike Kahl (63) ist ein resoluter Typ mit klaren Ansagen. Menschen, die lieber auf „die da oben“ schimpfen, statt etwas zu bewegen, kann sie nur schwer ertragen. Ihre Heimatstadt Rostock fand die Buchhalter-Tochter nicht schön. Der Eisschnelllauf bot die Chance zum Weggehen. Mit 14 kam sie in Berlin ins Sportinternat. Der Teenager fühlte sich wohl, galt als Nachwuchshoffnung. Dann wurde 1973 mit einem neuen Trainer vieles anders. „Es begann eine sehr strenge, harte Zeit“, erinnert sich Heike Kahl. Die Staatsführung habe gewollt, dass DDR-Sportler „schnell viele Medaillen erzielen“. Im März 1975 wurde sie in Schweden Juniorenweltmeisterin im Mehrkampf. Einige Zeit später kehrte sie der SED und dem Spitzensport den Rücken.

Als am 9. November die Mauer aufging, stand Heike Kahl in einer Berliner Turnhalle und leitete einen Aerobic-Kurs. Heute sagt sie: „Diese bedingungslose Euphorie, die Massenhysterie, die Bananen, das war mir alles suspekt.“ Ihre Lebensaufgabe fand sie 1994 bei der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, wo sie bis heute Geschäftsführerin ist.

Ernst Bleske: Der Wirt und die Besucher von der Stasi

Ernst Bleske (76) aus Burg im Spreewald wollte es genau wissen. Deshalb war der Brandenburger enttäuscht, als man ihm sagte, seine Akte bei der Staatssicherheit in Leipzig, wo er zur Frühjahrs- und Herbstmesse die Gastronomie der Messe geleitet hat, sei wohl geschreddert worden. In den 70er Jahren habe ihn die Stasi anwerben wollen. „Da kamen zwei Männer, die wollten mich sprechen.“ Er habe höflich abgelehnt. Bevor die Männer gegangen seien, hätten sie ihn gewarnt: „Sprechen sie nicht mit Ihrer Frau darüber oder mit Ihrem Sohn“, andernfalls drohe eine Hausdurchsuchung. „Und dann finden wir schon etwas bei Ihnen.“ Er habe geschwiegen, jahrelang.

Nach der Wende hat Bleske einen Kredit aufgenommen und hat das familiengeführte „Hotel Bleske“ modernisiert. Am Ende ist es für ihn gut ausgegangen. Mit seiner Frau wohnt er in einem Haus neben dem Hotel. Mittags essen sie mit Freunden im Gasthaus.

Am 9. November 1989 saß Bleske bei einer Versammlung in der Gaststätte seines Freundes. Als er hörte, dass man in den Westen durfte, fuhr er los. Doch der Stau in Richtung Berlin war so groß, dass er umkehrte. Erst einen Monat später fuhr er schließlich hin. Im Dorf sei viel geredet worden damals: „Jeder hatte Angst, dass die Mauer wieder zugeht.“

Berichte über die vier Ostdeutschen: Anne-Beatrice Clasmann (dpa), Fotos: Gregor Fischer (dpa)

Die Musik des Mauerfalls

„Freiheit“ oder „Wind Of Change“: Manche Titel von West-Songs, die sich ins kollektive Wende-Gedächtnis eingebrannt haben, sind ganz eindeutig. Ost-Lieder wie „SOS“ oder „Das Eis taut“ sandten dagegen verstecktere Botschaften. Unter dem nachfolgenden Link finden Sie eine Playlist aus West und Ost zum Mauerfall-Jubiläum.

Mit Material der dpa.

Created By
WZ Digitalredaktion
Appreciate